Filzausstellung von Annemie Koenen in Sittard, NL

Filzausstellungen gibt es nicht viele und schon gar nicht in der näheren Umgebung. Die letzte war 2015 in Wuppertal. Deshalb hatte ich mir vorgenommen, unbedingt nach Sittard in der niederländischen Provinz Limburg zu fahren, um Exponate der weltbekannten Filzerin Annemie Koenen anzusehen. Und wie es sich lohnte!

Die Ausstellung ist oberen Geschoss im Museum Het Domein im Herzen von Sittard, einem alten Schulgebäude.

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Zu Beginn der Ausstellung wird der Besucher eingeladen, sich am kunterbunten Blumenteppich zu verewigen. Mitte Juni wird Annemie persönlich dort sein, um ihr Blumenteppich-Projekt zu unterstützen. Schon jetzt sieht es wunderschön aus. Rechts seht Ihr mein pinkfarbenes Blümchen, findet Ihr es im Blumenteppich wieder?  😉

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Was mich in der Ausstellung besonders beeindruckt hat, sind drei Dinge:

  1. die Vielfalt von Annemies Werken
  2. die Verbundenheit zur Heimat und Tradition
  3. die Darbietung der Objekte, z.B. sind bei allen Objekten die geschätzten Arbeitsstunden angegeben

Letzteres ist deshalb bemerkenswert, weil Nichtfilzende oft nicht nachvollziehen können, wieviel Arbeit in den Filzobjekten tatsächlich steckt. Insbesondere Annemies Liebe zum Detail, die z.B. durch Stickerei deutlich wird, kostet unendlich viel Mühe und Zeit. Sagenhafte geschätzte 400 Stunden stecken allein in dem rechten blauen Objekt (Tasche), das Annemie für ihre Tochter filzte und das in der kirgisischen Filztradition gearbeitet wurde, die Annemie aus eigener Anschauung von einer Reise nach Kirgisistan kennt.

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Die freundliche Dame vom Empfang stellte ein weiteres besonderes Exponat heraus: ein umfilzter Baumstamm. Er entsteht im unteren Bereich aus drei gefilzten Wurzelbereichen, die die drei Stadtteile Sittard, Geleen und Beek repräsentieren, die Annemies Heimat bilden. Oben endet der Baumstamm in einer großen Schale, in der für Besucher Äpfel zur Verfügung stehen. Dieses Filzobjekt habe ich natürlich neugierig in Augenschein genommen, weil ich selbst schon mit den beiden Materialien Holz und Filz arbeitete.

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Ein weiterer Teil der Exponate macht mehrere Kollektionen von  Kleidungsstücken aus, die vielfach mit Falten und Rüschen versehen sind. Dabei handelt es sich um zeitaufwendige 3D-Objekte, die ich noch nie zuvor in dieser Vielfalt und Dichte bewundern konnte.

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Sowohl zurückhaltendere Farben als auch farbenfrohe Stücke sind zu finden und inspirieren mich. Zu beachten ist, dass Annemie die Wolle selbst färbt und somit auch besonderen Einfluss auf die Gestaltung nehmen kann.

Hier noch eine bunte Fotocollage:

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Den Abschluss dieses gelungenen Ausflugs bilden ein paar Impressionen von Sittard: ein hübsches Städtchen.

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Die Ausstellung ist noch bis zum 12.06.2016 zu besichtigen.

Eine englische Version dieses Blogposts ist hier verfügbar.

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