Happy Mother’s Day 2017!

Dieses Jahr entschied ich mich für Filziges und Praktisches zum Muttertag: Petersilie & Pfefferminze mit Kräuterschere und Filzherzen als Pflanzenstecker sind meine Alternative zum obligatorischen Blumenstrauß.

Die Herzen als Pflanzenstecker sind mit einer Schablone hergestellt, mit Füllwatte gestopft und mit der Filznadel zugestochen. Ein Schaschlikspieß dient als Stecker.

Die Filztüte

Ihr kennt die Papiertüten. Manche haben unten einen Boden, manche haben auch an der Seite eine Falte. So etwas wollte ich filzen, zumindest eine Tüte mit Boden.

Wenn ich bisher einen Boden für eine Tasche machte, dann verlängerte ich die Schablone und formte den Boden beim Filzen aus. Ich fragte andere Filzerinnen nach ihren Methoden. Petra Hollomotz fühlte ich sogleich berufen, eine Filztüte anzufertigen und schickte mir zahlreiche Fotos mit den Arbeitsschritten. Danke, liebe Petra, daran konnte ich mich gut orientieren!

Nun hatte ich eine Tüte vor Augen und machte eine Schablone, die unten zwei abgeschrägte Seiten hat. Für den Boden klebte ich eine weitere, kleine Schablone unten an.

Zunächst belegte ich die erste, durchgehende Seite mit Wolle. Ich wählte eine petrolfarbene, leicht melierte Merinowolle im Vlies. Die Andere Seite mit der angeklebten zweiten Schablone ist etwas fummelig, und die Ecken müssen vorsichtig behandelt werden. Als beide Schablonen mit Wolle „eingepackt“ waren, legte ich Deko auf: Seidenfasern, Wollkügelchen, etc., um die Oberfläche interessanter zu gestalten.

Nach dem Anfilzen, Entnehmen der Schablonen und Walken hatte ich zunächst eine solche Form:

Diese Tüte hat unten einen Boden und ließe sich z.B. als Geschenktüte verwenden.

Ich versuchte, auch die Seiten mit einer Falte zu versehen. Das hatte ich beim Anfertigen der Schablone nicht eingerechnet, sodass sich nun eine hohe, fast quadratische Form ergab, ähnlich einer Frischmilchtüte.

Die Ecken und Kanten versuchte ich auszuformen und gerade zu gestalten. Will man ein exaktes Ergebnis, so geht am Ausmessen der Schablone, Abwiegen der Wollmengen und Verwenden an Walkingwerkzeugen sicher kein Weg vorbei.

Für die Verwendung dieser Tüte habe ich zwei Assoziationen: als  Geschenktüte und als Blumenvase mit einem Glaseinsatz.

Girlande

Es ist schon erstaunlich: ich filze schon so lange und habe so vieles noch nicht ausprobiert. Das hat drei Gründe:

1. Es gibt ein Ideenproblem: Filzen bietet unendliche Möglichkeiten, und jeden Tag gibt es immer wieder unzählige neue Anregungen, die umgesetzt werden möchten.

2. Es gibt ein Zeitproblem: Auch 24 Stunden Dauerfilzen würden nicht reichen, um all diese Ideen umzusetzen.

3. Es gibt ein Stimmungsproblem: Filzen auf Knopfdruck, das funktioniert nicht. Jedenfalls führt es zu keinen schönen Ergebnissen. Eine gewisse ruhige Grundstimmung ist nötig.

Oh je, das sind ganz schön viele Luxusprobleme…

Doch nun komme ich zu meinem neuen Filzobjekt. Dazu eine kleine Geschichte: Vor ein paar Jahren kaufte ich eine Blumengirlande im Urlaub in Warnemünde an der Ostsee für wenig Geld. Die Filzer unter Euch wissen, dass es ganz schön lange dauert, so eine Girlande herzustellen: Man muss eine Schnur filzen, an die mehrere Blätter und Blüten gefilzt werden. Blätter und Blüten müssen vorher separat gefilzt werden, bevor sie an der Schnur befestigt werden. Eine kniffelige Arbeit, zumal diese Girlande bestimmt 1,50m lang war. Sie muss im Ausland für diesen Preis hergestellt worden sein. In Nepal zum Beispiel werden hübsche Dinge gefilzt, die für ein paar Euro hier angeboten werden.

In Vorbereitung auf Ostern, als meine bisher einzige Osterdekoration, filzte ich eine apfelgrüne und rosafarbene kleine Girlande. Sie umfasst sechs Blätter und zwei Blüten.

Sie wurde aus demselben Kammzug gefertigt wie das Karteikartentäschchen aus dem letzten Post. Für die Blätter nahm ich zwei oder drei Lagen grünen Kammzug von ca. 12cm Länge. So sind die Blätter recht filigran und fransen an den Enden etwas aus. Mir gefällt das gut. Wer massivere Blätter wünscht, nimmt mehr als nur drei Lagen und legt die Ränder sorgfältig um, dann werden sie glatter.

Das eine Ende der Blätter lief spitz zu, das wurde die spätere Blattspitze. Das andere Ende blieb trocken, denn es diente als Verbindung mit der Schnur. Alle Blätter filzte ich leicht an. Dann fertigte ich die Schnur, sie ist (im fertigen Zustand) ca. 0,80cm dick und etwa 70cm lang. Die beiden Enden gehen ins Rosafarbene über und blieben trocken, denn dort brachte ich die Blüten an.

Nach und nach filzte ich die Blätter an die Schnur. Der Abstand ist relativ gleich, ebenso die Richtung der Blattspitzen. Lediglich das Blatt vor der Blüte ist der Blüte zugewandt. Die Verbindungsstellen erfordern besondere Beachtung, damit die Blätter halten.

Dieses Foto zeigt ein Blatt: zu erkennen sind die Verbindungsstelle und die filigrane Spitze.

Die Blüten bestehen aus fünf Lagen rosafarbenem Kammzug, die ich kreuzweise übereinander legte. Der Durchmesser betrug etwa 12cm. Weil ich mir für die Blüten glattere Ränder wünschte, legte ich diese um. In die Blütenmitte platzierte ich einen Hauch grünen Kammzug mit Seidenanteil. Die leicht angefilzten Blüten ließen sich an die noch trockenen Enden der Schnur filzen. Auch hier ist besondere Aufmerksamkeit gefragt, dann halten beide Teile gut. Die Blüten ließen sich individuell formen. Ich dachte daran, die Ränder zusammen zu nähen und so trocknen zu lassen. So entsteht ein krüsseliger Rand, ähnlich wie bei einer Osterglocke. Ich entschied mich dagegen, es wäre zu viel geworden.

Nach Ostern könnte sie als Kette verwendet werden.

☀️ Sunshine ☀️

Es ist schön, wenn man Geschenke filzt, von denen man schon beim Herstellen weiß, dass sie richtig sind und zu 100% ankommen.

Beim Workshop mit Annemie Koenen vor einigen Wochen lernte ich nicht nur eine neue Filztechnik, sondern konnte mich auch mit Annemies wunderbarer Wolle eindecken. Es ist selbstgefärbte Merino mit Seide, von der ich schon mehrfach schwärmte und die wunderbar glänzt und herrliche Farben hervorbringt. So ist schon die Wolle im ausgelegten Zustand eine Wonne:

In der 3D-Technik, die Annemie uns beibrachte, filzte ich einen Wandbehang in gelb-orange, den Farben der Sonne – für ein „Sonnenkind. ☀️

Rüschenbrosche

„Ich wünsche mir, dass ich das neu Gelernte möglichst zeitnah anwenden kann, damit ich es nicht vergesse“, sagte eine Teilnehmerin während der Abschlussrunde beim Workshop von Annemie Koenen. Recht hat sie!

Diese Technik umfasst mehrere Arbeitsschritte, die man nicht alle unbedingt alle an einem Tag machen muss, so kann man etwas vorbereiten und zu einem anderen Zeitpunkt weiterarbeiten – vorausgesetzt, die eigene Ungeduld lässt das zu.

Von den Broschen, die Annemie als Musterstücke zum Anschauen und -fassen mitgebraxht hatte, war ich fasziniert. Und die Farbzusammenstellung des Wandbildes in blau/grün/türkis ist sehr schön geworden, sodass ich sie noch einmal wählen würde. Gesagt – getan!

Da ist sie nun: eine recht große Brosche auf einem schwarzen Wollblazer (grüne Merinowolle, handgefärbte Seiden-/Merinomischung von Annemie Koenen, Seidenfasern und Wolllocken in hellgelb, türkis und hellblau).

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Workshop mit Annemie Koenen in Heike Giesberts Atelier

Wie kann man Urlaub machen, wenn man gar keinen Urlaub hat?

Ganz einfach: man trifft sich mit 9 anderen Filzerinnen aus ganz Deutschland an einem Wochenende im Atelier von Heike Giesbert in Essen-Werden und freut sich auf Annemie Koenen, die einen Workshop zum Thema „Oberflächenstrukturen in Nuno, 3D, Relief und Schichten“ anbietet.

Die beiden, Heike und Annemie, sind ein tolles Team:

Heike ist eine aufmerksame, umsorgende Gastgeberin, die unsere Arbeitsprozesse mit Spannung verfolgt und mit ihrer Kamera dokumentiert. Sie denkt an alles und ist perfekt vorbereitet: Willkommenstüte mit Goodies, Süßigkeiten, Getränke, die sie an unsere Arbeitsplätze bringt, leckere Mittagessen mit Nachtisch, Arbeitsplätze mit Matten, Handtücher, Schüssel, Seife, Ballbrause. Es fehlt uns an nichts. Alles ist mit Liebe hergerichtet.

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Annemie ist eine tolle, sehr erfahrene Lehrerin. Sie hört sich geduldig an, welche Filzpläne die 10 Teilnehmerinnen haben und gibt jedem von uns eine Zeitvorgabe, bis wann wir zu einem bestimmten Punkt im Filzprozess gekommen sein müssen, damit wird ein fertiges Werkstück mit nach Hause nehmen können – das ist keine Selbstverständlichkeit. Sie gibt ihr  jahrzehntelang erworbenes Filzwissen preis. Auch das ist nicht selbstverständlich. Sie ist gleichzeitig liebevoll zu und streng mit uns, damit wir einen qualitativ hochwertigen Filz kreieren. Das erfordert genaues und akribisches Arbeiten. Oft ist es ganz still im großen Kursraum – eine konzentrierte, angenehme Stille, die nur von rhythmischen Filzgeräuschen unterbrochen wird.

Für jeden einzelnen von uns – mit ganz unterschiedlicher Filzerfahrung – findet sie die richtigen Worte und erklärt die notwendigen Arbeitsschritte mit allen gemeinsam. Wenn es sein muss, bekommt jeder noch einmal eine individuelle Erklärung am Arbeitsplatz. Annemie hilft, achtet aber darauf, dass wir sofort selbst probieren, was sie erklärt und zeigt, denn nur die Theorie und das Schauen bringen uns nicht weiter.

Notizen und Fotos dürfen wir von den Zwischenschritten machen, veröffentlichen natürlich nicht. Zwischendurch gibt Annemie Tipps weiter, es sind scheinbar Kleinigkeiten. Aber diese „Kleinigkeiten“ erprobte Annemie sehr lange und führen, wenn man sie sich konsequent zu Herzen nimmt, zu einem tollen, perfekten 3D-Filzobjekt. Ihre Kunstobjekte, die wir anschauen und -fühlen dürfen, zeugen von kreativem Perfektionismus. Ein Armreif von ca. 6-7 cm Breite ist wundervoll bestickt. Annemie erklärt, dass dies unglaubliche 60 Stunden Arbeit beinhaltet.

Kragen, Hut, Armbänder, Stirnband, Wandbehänge und ein Gefäß sind von 10 Teilnehmerinnen entstanden. Ich schwankte zwischen Kissenhülle und Wandbehang. Am Ende wurde es ein Wandbehang, der noch auf einen Hintergrund aufgezogen werden muss. Ich verwendete Wolle (Merinowolle und Merinowolle mit Seide) von Annemie, die sie in Hülle und Fülle mitgebracht hatte und arbeitete Wollbolletjes (kleine Wollkügelchen) und Throwsters Silk (Seidenfäden) ein, sowie Wollkügelchen und Locken aus meiner Schatztüte, die ich vor einiger Zeit bei Hope Jacare Designs in Großbritannien gekauft hatte.

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Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis, den Strukturen, der Oberfläche, die das Meer zeigen sollen und habe sehr viel über Verarbeitung, Materialien und den Filzprozess gelernt. Ich hoffe, in nächster Zeit ein ähnliches, kleineres Projekt zu realisieren, damit ich all das verinnerliche, was ich innerhalb weniger Stunden lernte.

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Am Ende machten wir bei Sonnenschein draußen eine schöne Ausstellung der tollen Filzobjekte und ein Gruppenfoto. Ich bin sicher, dass ich viele Mitfilzerinnen wiedersehen werde, sei es in Düsseldorf beim Filz-Kolleg oder bei Heike in Essen oder virtuell im Netz.

Was war das für ein schöner Kurzurlaub!  Spätestens im September bin ich wieder in Essen-Werden. Herzlichen Dank an Heike, Annemie und alle Teilnehmerinnen für den schönen Urlaub. 😘