Papier einfilzen – Teil 2

Für den zweiten Versuch, Papier einzufilzen, verwendete ich das durchlässigere Teefilterpapier und belegte die zweilagig ausgelegte  schneeweiße, feine Merinowollvlies auf der einen Seite mit zwei Kreisen und auf der anderen mit gerissenen Streifen, die übereinander lagen und sozusagen ein abstraktes Muster ergeben. Wieder verwendete ich die bewährte Schablone für das Täschchen. Obwohl ich mit den geschnittenen Kreisen des Kaffeefilterpapiers nicht erfolgreich gewesen war, probierte ich es hier mit dem großporigen Papier.

Gleich beim Anfilzen merkte ich, dass das Teefilterpapier nicht rutschte und sich mit dem Untergrund verband. Das folgende Detailfoto zeigt, wie die Fasern durch das Papier kriechen.

Auf der anderen Seite des Täschchens, wo das Teefilterpapier mehrfach übereinander lag, ergaben sich schnell interessante Strukturen durch Kniffe und Falten, die zufällig entstanden.

Um die Muster nicht zu zerschneiden (dafür hatte ich die Klappe des Täschchens beim Legen des Musters nicht eingeplant), entschloss ich mich, das Täschchen oben aufzuschneiden und einen weißen Reißverschluss einzunähen.

Die beigefarbenen Strukturen stammen vom Teefilterpapier, die helleren von Seidenfasern, die ich über das Filterpapier gelegt hatte. Besonders gut gefallen mir die Strukturen des mehrfach übereinander gelegten Filterpapiers (siehe Detailfoto rechts).

Das Täschchen ist insgesamt, weil es nur zweilagig ausgelegt worden war, sehr flexibel, weich, geschmeidig und leicht (12g). Das Filterpapier fühlt sich wie Stoff an. Sicherlich erfordert dieses Täschchen eine gewisse umsichtige Handhabung, weil es sich um Papier handelt. Mit diesem Ergebnis bin ich sehr zufrieden. Es entschädigt für den ersten Versuch mit Kaffeefilterpapier, der nicht funktioniert hatte, wie ich es mir vorgestellt hatte.

Maße:

Schablone: 19 x 15cm

Täschchen: 13 x 10cm

Papier einfilzen – Teil 1

Ein paar andere Filzerinnen filzten Papier ein und posteten das wundervolle Ergebnis. Papier? Einfilzen? Löst es sich dann nicht in Wohlgefallen auf? Kann man das Filzteil dann überhaupt benutzen? All das waren Fragen, die ich mir stellte. Und natürlich die wichtigste Frage: Wie geht das?

Die beiden gaben mir folgende drei Tipps:

1. Es geht so wie beim Einfilzen von Stoff.

2. Mit Kaffeepads und Kaffee- und Teefilterpapier sollte ich es versuchen.

3. „Versuch macht kluch!“

Na, dann legte ich los:

Zuerst probierte ich die Kaffeefilter und schnitt Kreise aus, die ich auf die zweilagig ausgelegte Wolle legte. Ein paar Seidenfasern legte ich dazu und filzte alles an. Und filzte, und rieb, und filzte, und rieb. Nix tat sich. Die Kreise wollten sich nicht mit der Wolle verbinden. Das Ganze war noch nicht so weit verfilzt, als dass ich nicht noch Wolle auflegen hätte können (Vielleicht war ich mal wieder zu ungeduldig?). Also tat ich das, v.a. über die Ränder der Kreise. Und filzte weiter und weiter, mit Folie und ohne. Aber die Filterpapierkreise ließen sich so wieder abziehen. Das machte ich und filzte das Täschchen zu Ende… ohne Papier.

Mindestens zwei Dinge hatte ich falsch gemacht.

1. Ich hatte das Kaffeefilterpapier nicht VOR dem Filzen gegen das Licht gehalten, dann hätte ich gesehen, dass es kaum durchlässig ist bzw. die Löcher winzig klein sind. Das Teefilterpapier ist viel durchlässiger.

2. Ich hätte die Ränder nicht schneiden, sondern reißen sollen, damit sich das Papier besser mit der Wolle verbinden kann und kein abrupter Übergang entsteht. Das ist beim Nunofilzen immer schwieriger zu meistern.

Ich hätte es wissen müssen… Aber, was soll’s? So gibt es wieder einen Blogpost und ein Täschchen mehr. Seid gespannt auf den zweiten Teil des Experiments mit Teefilterpapier!

Woher neue Ideen nehmen? HANDMADE-Kultur im Test

Woher die Ideen nehmen, wenn man kreativ sein möchte und keine eigenen Einfälle hat? Egal ob Filzen, Basteln, Nähen oder Sonstiges, es stellt sich die Frage, ob man sich an Büchern orientiert oder an Blogs oder Internetportalen oder an Zeitschriften. HANDMADE-Kultur ist ein DIY-Magazin, das monatlich erscheint und € 6,90 (in Deutschland) kostet.

Gestern erhielt ich als Bloggerin ein kostenloses Probeexemplar (Ausgabe Juli-Oktober 2015) und unterzog es einem Test. Schon das Titelblatt spiegelt die Vielfalt der Beiträge wider (Nähanleitungen für Tasche und Tüllrock, Schmuck und Regl zum Selbermachen, Beitrag zum Wohnen auf engem Raum).

2015.10 Handmade-Kultur

Das Inhaltsverzeichnis überforderte mich mit 22 Rubriken erst mal und ich blätterte einfach durch. An einigen Stellen blieb ich hängen: beim genähten Elefanten und dem herzigen Lesezeichen, bei der Schmiedekunst und der Anleitung vom Tüllrock, beim Schlüsselring. Besonders gefielen mir die Ausmalbilder, die als derzeitiger Trend unter Erwachsenen zum Stressabbau in England ganze Regale in Buchhandlungen füllen. Andere Beiträge gefielen mir nicht, weil sie zu sehr nach Selbstgemachtem aussehen (Collegejacke oder Strippenregal) oder nicht viel mit DIY zu tun zu haben scheinen („Wenn das Zuhause ein Abenteuer ist“).

Kleine Enttäuschung: Vom Filzen weit und breit keine Spur. Wahrscheinlich ist es aber für die Zielgruppe dieser Zeitschrift zu speziell oder ich erwischte die falsche Ausgabe. Allerdings muss ich zugeben, dass einige Ideen im Heft doch Filzprojekte in meinem Kopf sprießen ließen…

Ich glaube nicht, dass ich mir diese Zeitschrift kaufen würde. Aber das Onlineportal von HANDMADE-Kultur mit Anleitungen ist sehr interessant und übersichtlich gestaltet. Andere Filzerinnen kann man dort kennenlernen, neue Projekte und Techniken ausprobieren. Dort werdet Ihr auch demnächst einige Beiträge von FilzSi finden.