Inspiriert von… einem Strommasten

Ja, Ihr lest richtig. Ich habe mich von einem Hochspannungsmasten inspirieren lassen, was das Filzen angeht. Allerdings ist es nicht irgendein Mast, sondern ein ganz besonderer, einer, der seine Funktion als Strommast erfüllt und was mit Kunst zu tun hat. Er steht in Essen-Überruhr am Ruhrtalradweg und ist Teil des Kunstpfades Essen. Es ist eine meiner Lieblingsradstrecken, deshalb komme ich öfter mal dort vorbei und erfreue mich immer wieder an dieser bunten Erscheinung, die je nach Tageszeit oder Wetterverhältnissen anders leutet.

2016.07 Strommast 1

Sowohl die Farben als auch die Transparenz und Leuchtkraft an bewölkten Tagen gefallen mir.

Umgesetzt habe ich das Objekt mit Chiffonseide in verschiedenen Farben und geometrischen Figuren, die „eingerahmt“ mit Vorfilz ein großes Viereck ergeben. Ein bisschen Fingerspitzengefühl ist beim Auslegen der Wolle gefragt, denn der Vorfilz muss die Seide gut überlappen, damit keine Löcher entstehen.

2016.07 Strommast 2

Darüber legte ich ein Fliegennetz und feuchtete alles an. Beim anschließenden Plattdrücken und vorsichtigem Anfilzen entstanden zwei Löchlein, die sich noch durch leichtes Verschieben (eine Gabel als Handwerkszeug empfiehlt sich) entfernen ließen. Mit dem feuchten und eingeseiften Zeigefinger bearbeitete ich zunächst die „Nahtstellen“des Vorfilz, damit sich eine gewisse Stabilität einstellen konnte, dann kamen die anderen Vorfilzflächen dran. Nach einiger Zeit wendete ich das ganze Viereck und filzte auch dort den Vorfilz weiter. Da es sich um ein Dekoobjekt handelt, muss es nicht ganz so fest verfilzt werden.

Um den Strommasten in diese Arbeit einzubauen, benutzte ich silbernen Draht und stabilisierte die Ränder und Querstreben.

Ein Fensterbild ist entstanden.

2016.07 Strommast 3

Inspiriert von… Heinz Mack

Bis vor einigen Tagen gab es eine sehr schöne, farbenfrohe und inspirierende Ausstellung im Museum Küppersmühle in Duisburg von Heinz Mack. Seine Bilder bestechen durch ihre Größe und Farbflächen, die harmonische Ensemble bilden und mich als Filzerin sehr ansprechen, weil sich einiges mit Wolle umsetzen lässt.

In diesem Fall bildet dickerer Vorfilz die Grundlage. Darauf kommen dünne Stränge Kammzug in Regenbogenfarben. Auf dem Handyfoto ist das Original aus der Ausstellung sichtbar. Mit einer Gabel lassen sich die einzelnen Farben relativ sauber trennen, wenn dies gewünscht wird.

Der Filzprozess geht wie üblich vor sich: vorsichtig (evtl. mithilfe einer Gardine) anreiben und dann in verschiedene Richtungen rollen. Da es sich um ein Bild oder Dekoobjekt handelt, muss es nicht allzu fest gefilzt werden.

Wie bei Mack schneide ich die Enden zackig und klebe die Fläche auf eine weiße Pappe. Ein gelber Bilderrahmen bildet den Abschluss.

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Inspiriert von… Kenneth Noland

Bei einigen meiner Filzideen lasse ich mich von Künstlern inspirieren, diesmal von Kenneth Noland, einem amerikanischen Maler (1924-2010), der mit Farben und deren Wirkung experimentierte. Typisch für ihn sind konzentrisch angelegte Ringmuster mit Farben, deren Reflexe durch den weiß gestalteten Untergrund erstrahlen.

2015.10 Hocker 1

Diese Farbenergie lässt sich nicht nur mit Acrylfarben, sondern auch mit Filzwolle ausdrücken: Den weißen Untergrund bilden zwei Lagen Bergschafwolle und eine Lage dicker Vorfilz. Darauf lege ich mit blauen Vorfilzresten einen Kreis aus. Mithilfe einer Plastikschüssel, die am Boden einen Rand hat, kann ich zuvor die runde Form in den weißen Untergrund drücken und weiß, wie die Kreisform verläuft. Die gelben und rosafarbenen Kreise sind aus aneinandergelegten Vorfilzstreifen entstanden. Dies gilt auch für den grünen Streifen. Darauf lege ich zusätzlich grünen Kammzug für einen ausgefransten Außenrand (Leider schrumpft die Filzfläche nicht so stark, sodass der Rand nicht oben, sondern – wenn überhaupt – am Rand der Sitzfläche sichtbar wird.).

2015.10 Hocker 2

Je ordentlicher der Rand zum weißen Untergrund ist, desto intensiver wirken die Farben. Zunächst feuchte ich die mit einem Fliegengitter abgedeckte Fläche an und drücke sie platt. Dann sehe ich, an welchen Stellen ich nacharbeiten muss. Dies lässt sich gut mit einer Gabel oder einem Kamm machen. Die überstehenden Fasern werden „weggekämmt“. Hier ein Beispiel (links: vor der Bearbeitung, rechts: danach):

2015.10 Hocker 3

Die Bergschafwolle arbeitet sich schnell durch alle Schichten und sorgt für die nötige Stabilität als Sitzfläche, denn die Kreisformen sollen den Sitz eines Hockers verschönern.

2015.10 Hocker 4

Das abgeschraubte Sitzteil des Hockers dient nun, wenn die Filzfläche noch feucht ist, als Form. Der Filz wird nach und nach um die Sitzfläche gebogen. Die entstehenden Falten lassen sich mit Geduld, Seife, Kraft der Hände und einer Filzmaus „ausbügeln“. Die Wolle trocknet auf der hölzernen Sitzfläche, die später wieder an die weißen Stahlbeine geschraubt wird.

2015.10 Hocker 5

Inspiriert von Geschenkpapier – Nr. 2

Als zweites kam das rote Monster an die Reihe. Der Schwierigkeitsgrad ist im Vergleich zur gelben Nr. 1 ungleich höher, weil es zum einen mehr Anhängsel gibt (1 Auge, 5 Beine, 2 Arme) und zum anderen das Stelzenauge auf dem Körper ohne Hilfsmittel, wie Draht oder einem Holzstab, halten soll.

Inspiriert von Geschenkpapier – Nr. 1

Geschenkpapier, das ich zufällig entdeckte, gab Anlass, die Monsterserie fortzusetzen. Zuerst wagte ich mich an das gelbe Monster, weil es mir in der Umsetzung am einfachsten erschien: Es hat nur vier herausfordernde Anhängsel (2 Beine, 2 Ohren) und 2 Arme.

 

Inspiriert von…

Elizabeth Armstrong, einer australischen Filzerin, sind vorgestern zwei Proben entstanden. Elizabeths Buch Felt Happy! hatte ich nach langer Wartezeit vor genau drei Wochen im Briefkasten. Ich mag an ihren Filzkunstwerken besonders, dass sie so farbenfroh sind, gute Laune verbreiten und zumindest zum Teil mit relativ wenig Aufwand, aber großer Wirkung hergestellt werden können. Ihr Buch gibt jede Menge Inspirationen für weitere Projekte.

Filzprobe 1:

Filzprobe 2: