Piano cushion

Tja, was schenkt man dem Klavierlehrer zu Weihnachten? Blumen? Pralinen? Hmm, nee, das wäre nicht so richtig. Warum also nicht ein FilzSi von mir? Aber was?

Oft genug muss ich mir eingestehen, dass das Filzen wichtiger ist als das Klavierspielen… Das Üben bleibt dann ein bisschen auf der Strecke… Der Klavierlehrer nimmt’s immer gelassen und macht das Beste draus, ist nie vorwurfsvoll, sagt nur leise beim Rausgehen: „Immer schön üben.“.

2016.12 Piano cushion 1

Die wöchentliche Klavierstunde bei ihm ist eine Oase für mich und am Freitag Nachmittag ein wunderbarer Übergang ins Wochenende. Ich möchte sie nicht missen. Als Kind und Jugendliche war ich in der Musikschule und lernte das Klavierspielen. Später mochte ich es nicht mehr, der Lehrer damals brachte seine Stücke mit, die ich spielen musste. Da mochte ich das Üben nicht. Vor ein paar Jahren habe ich wieder angefangen zu spielen. Das Notenlesen klappt noch, das Spielen auch, einfache, kurze, überschaubare Stücke mit wenig Vorzeichen haben es mir angetan.

Kurzum, es soll etwas Besonderes sein zu Weihnachten. Meine Filzspezialität sind Kissen, so kam ich auf die Idee, ein Klavierkissen – piano cushion – in der bewährten Nunofilztechnik zu filzen.

2016.12 Piano cushion 2

Weißer Vorfilz liegt auf weißem Seidenchiffon zur Verstärkung. Die Unterteilungen zwischen den weißen Tasten sind Wollfäden aus Seiden-Mohair. Die schwarzen Tasten sind aus Vorfilz geschnitten. Die weiße Fläche ist mit Seidenfasern belegt und wirkt damit interessanter. Die Abstände zwischen den schwarzen Tasten sind auch geschrumpft, das hatte ich leider nicht beachtet. Die würde ich beim nächsten Mal größer wählen.

2016.12 Piano cushion 3

Alles ist mit Augenmaß gemessen, ein Lineal hätte ich verwenden können, aber es sollte nicht perfekt und streng linear aussehen, denn das ist die Musik auch nicht.

Die Rückseite sollte eigentlich aus schwarzer Dupionseide sein, aber die war so schnell nicht aufzutreiben. Deshalb entschied ich mich im Stoffladen für die apfelgrüne Version. Im Nachhinein bin ich froh drum. Es ist bunter.

Der Klavierlehrer hat ein oranges Sofa, auf dem man wartet bis der vorherige Schüler fertig ist, vielleicht wird es dort ein Plätzchen finden…

2016.12 Piano cushion 4

Schilfkissen – Schilfkollektion

Letzte Woche fragte mich eine der russischen Filzerinnen in der Ausstellung „Soul of Felt“ in Siegburg: „What do you usually felt?“ – „Cushions and scarves,“ antwortete ich – Kissen und Schals.

Wer meinen Blog kennt, weiß, dass ich auch viele andere Dinge filze und ausprobiere, aber auf Kissen und Schals komme ich immer wieder zurück, so auch heute.

Das Muster ist nicht neu, sondern tauchte schon vor Jahren zum ersten Mal bei Lampenschirmen oder Untersetzern auf und erst kürzlich beim Schilfstuhl. So entstand schon eine kleine Schilfkollektion:

2016.09 Schilfkollektion

Ausgelegt sehen die Gräser so aus. Eine ausführliche Anleitung, wie man die Gräser so filigran auslegt, findet Ihr beim Schilfstuhl.

2016.09 Schilfkissen 1

Ich wollte die einzelnen Gräser unbedingt von einer Höhe aus „wachsen“ lassen und schnitt sie unten auf einer Linie ab:

2016.09 Schilfkissen 2

So sieht das angefilzte Ergebnis aus: Den Untergrund bilden weißer Chiffon und weiß-cremefarbener Vorfilz. Die Gräser sind logischerweise aus Kammzug.

2016.09 Schilfkissen 3

Sie „krüsseln“ sich so schön auf dem Vorfilz.

Die Vorderseite des Kissens ist fertig. Die Rückseite besteht aus dunkelgrüner Wildseide, die ich im Stoffbestand finden konnte. D.h. die Nähmaschine war gefragt. Leider sind meine zwei Nähkurse zu lang her, als dass ich einen Reißverschluss ohne Probleme hätte einnähen können. Deshalb nähte die Maschine drei Seiten und ich die linke kurze Seite per Hand zu. Das Kissen ist 70 x 30 cm groß.

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Einige der Gräser sind Woll-Seidenfasern und stammen von der phantastischen Wolle von Annemie Koenen. Kann man auf dem Foto das Glänzen erkennen?

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Die Rückseiten meiner Kissen sind häufig aus Wildseide, weil ich den Kontrast zwischen matter, stumpfer Wollseite mit der glänzenden Seide sehr mag.

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Right to be wrong – das Recht, falsch zu liegen

Wieder hatte es mir ein Spruch auf einem Leinenshirt angetan: „right to be wrong – be free – go your own way“.

2015.10 speech bubble cushion 1

Ein Kissen sollte es werden, aber ausnahmsweise kein längliches. Wie wäre es mit einer runden Sprechblase?

Grundlage bildet ein besonders dicker Vorfilz in einem Cremeweiß. Eine Lage auf jeder Seite reicht. Der Leinenstoff wird auf der schöneren Seite aufgelegt. Die Wollflocken auf dem Rand kaschieren den Übergang. Der Leinenstoff lässt sich leicht von den Vorfilzfasern einnehmen. Zimmerwarmes Wasser hilft, einen gleichmäßigen Filzprozess des Leinenstoffs zu erzeugen.

Die Schablone wird durch einen kleinen Schnitt an der Rückseite entfernt, die Kissenhülle wird mit Stopfwolle gefüllt und der Schnitt zugenäht.

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A little sunshine, please!

Dauerregen… seit Freitag hat es hier soviel geregnet wie sonst im gesamten August. Da muss heute ein bisschen sunshine sein.

Neulich fand ich dieses T-shirt aus Leinen mit dem Aufdruck: „You are the sunshine that makes my day.“. Ideal zum Filzen!

Wahrscheinlich wird daraus ein Kissen (50 x 30 cm). Die Gestaltung der Rückseite ist noch unklar… Vielleicht in den sunshine-Farben des Aufdrucks?

Florida-Kissen

In einem großen Supermarkt ist mir ein ganz hübsches Kissen aufgefallen. Zu Hause lag es ein paar Tage auf dem Sofa. Irgendwas musste damit passieren… etwas Filziges… Der Stoff des Motivdrucks der Vorderseite ist aus Baumwolle und recht grob. D.h. die Chancen stehen gut, dass man ihn zum Nunofilzen verwenden kann.

Bisher habe ich das entweder mit Chiffon- oder Pongéseide getan, jetzt ist Baumwolle dran.

Urlaubsnachbereitung

Für mich ist die Urlaubsnachbereitung mindestens genauso wichtig wie die -vorbereitung. Meistens werde ich eine Woche vor Abreise kribbelig, das Reisefieber steigt von Tag zu Tag. Vorfreude ist eben die schönste Freude und gehört zu jeder Reise. Zuhause angekommen, sichte ich die Fotos wieder und wieder, sortiere sie, ordne sie zum Beispiel nach Themen. Dabei kann ich die Reise Revue passieren und ausklingen lassen. Die schönsten und gelungensten Fotos werden ausgedruckt, vergrößert und schaffen es vielleicht sogar irgendwann auf Leinwand bedruckt an die Wohnzimmerwand.

Am letzten Tag meiner letzten Reise letzte Woche nach Istanbul habe ich alles Blaue fotografiert, eine meiner Lieblingsfarben. Mit einer App wird daraus im Handumdrehen eine Collage:

2015.04 Das blaue Istanbul

Was hat das Ganze mit dem Filzen zu tun? Drei Dinge spielen eine Rolle:

1. Im Grand Bazaar konnte ich einen schönen, sehr feinen Seidenschal in blau-türkis erstehen, der Grundlage für etwas Filziges sein sollte.

2015.04.01 Istanbulkissen

2. Vor der Reise hatte ich mal wieder meinen Kleiderschrank ausgemistet und musste ein schönes hellblaues T-shirt entsorgen, weil es vom vielen Tragen und Waschen verschlissen war. Nur das Motiv war noch brauchbar.

2015.04.02 Istanbulkissen

 

3. Geometrische und orientalische Muster haben es mir nicht erst seit der Istanbulreise angetan. Aus wenigen Linien entstehen ästhetische Muster. Faszinierend!

2015.04.03 Istanbulkissen

Aus den drei Dingen, Schal, T-shirt und Ornament ist ein Filzkissen entstanden:

Allen Leserinnen und Lesern wünsche ich 

Frohe Ostern!