Ele, der Türstopper

Ein neuer Türstopper musste her, denn der industriell gefertigte löste sich in Wohlgefallen auf und hinterließ häßliche Spuren auf dem Boden. Nun ja, dachte ich, das ist ja kein Problem, da ich filze ich mir einen.

Beim Filzertreffen letztens in Heike Giesberts Kreativwerkstatt bot sich die Gelegenheit. Australische Neuseelandmerinowolle in grau meliert wählte ich und nahm meinen bewährten Türstopper, die Miezekatze, zum Vorbild.

Die Schablone der Mieze hatte ich noch, sie war 2013 entstanden als ich regelmäßig jede Woche einen Filzkurs besucht hatte.

Nun sollte es ein Elefant werden. Damit ich nur die Ohren separat anfilzen musste, wählte ich eine Schablone, die den Ele von der Seite zeigt. Das untere Foto zeigt, wie auf der Oberseite und der Unterseite bereits eine Lage Vlies vorhanden war. Die Ränder der Unterseite mussten nach oben geklappt werden, sie standen noch über.

Als ich das nächste Foto machte, wurde der Ele bereits mit zwei Lagen Vlieswolle gewärmt. Die Ohren filzte ich vor, wobei ich die Seite, die an den Körper kam, trocken ließ. Diese trockene Seite legte ich an die umfilzte Schablone und fixierte sie mit einer Filznadel. Dann hieß es reiben, reiben und reiben, bis beiden Ohren fest mit der Schablone verbunden waren.

Die Schablone schnitt ich unten großzügig auf und stopfte den Ele bis auf das letzte Stück mit Stopfwolle. Im unteren Teil stopfte ich ihn mit einem mit Vogelsand gefüllten Gefrierbeutel aus. So bekommt er Stabilität und wird seiner Aufgabe als Türstopper gerecht.

Als Ele getrocknet waren, begannen die Feinarbeiten. Er erhielt seine Haare und ein Schwänzchen aus der Vlieswolle. Und ich nadelte Augen, Wimpern, Mund und Nasenlöcher auf. Er ist ca. 30 cm hoch.

Muttertag 2018

Was bekommt die Mutti einer Filzerin, die sich gerade im Bügeltaschen Filzfieber befindet zum Muttertag geschenkt? Genau, natürlich eine Bügeltasche! Diese ist standesgemäß im Muttertagsdesign in rot mit eingearbeitetem Herzchen.

Das Herz besteht aus Vorfilz, den ich übrig hatte von einem ersten Versuch, eine Bügeltasche mit Herzchen zu filzen.

Seidenstoff, Seidenfäden etc. machen die Oberfläche abwechslungsreich und interessant. Ein farblich passendes Garn integriert den Bügel. Das eingefilzte Herz ist sichtbar, aber nicht aufdringlich.

Weil die Beschenkte diesem Blog folgt, kann ich diesen Beitrag erst heute, am Muutertag freischalten 🙂

Sitzkissen to go

Neulich veranstaltete Heike Giesbert in ihren Atelierräumen wieder ein Filzertreffen. Mittlerweile kennt man sich schon und freut sich über ein Wiedersehen. Eine Filzerin sagte, es fühlte sich an, als wenn man nach Hause kommt. Recht hat sie!

Ich filzte ein Sitzkissen in Blattform, das ich aufrollen und leicht mitnehmen kann. So hatte ich mir zuhause die schönsten Grün- und Blautöne herausgesucht. In der Regel sind meine Wollvorräte nach Wollsorten und Beschaffenheit (Vlies, Kammzug, Wollfäden) sortiert und nicht nach Farben. Umso schöner ist es, wenn eine Farbfamilie beisammen liegt. Eine Augenweide, findet Ihr nicht auch?

Das Blatt begann ich mit grüner Bergschafwolle auf 35 x 25 cm auszulegen. Zwei dickere Lagen waren das. Dazwischen plazierte ich eine halbe Lage Kammzug für den Blattstiel. Der würde später dazu dienen, das Sitzkissen aufzurollen, damit es sich leicht in einer Tasche verstauen ließe.

In der Farbe des Blattstiels bekam das Sitzkissen eine Umrandung. Für die Blattadern wählte ich eine Woll-/Seidenmischung von Annemie Koenen in Hellgrün auf der einen und Blaugrün aus der anderen Seite. Daneben legte ich Wollfasern in Seiden-/Mohairmischung. Ich muss sagen, dass mir die blaugrüne Seite momentan besser gefällt. Was meint Ihr?

Schön ist auf jeden Fall, dass die Seidenfasern auf beiden Seiten durchschimmern und dem Kissen einen seidigen Glanz geben.

Nun will ich Euch natürlich ein Foto des aufgerollten Sitzkissens natürlich nicht vorenthalten. Mit knapp 120g ist es ein Fliegengewicht, und die Bergschafwolle macht es zu einem robusten, wärmenden Begleiter auf Spaziergängen, Wanderungen und Reisen – ein Sitzkissen to go.

Warum es sich lohnt Reste aufzubewahren

Heute geht es u.a. um dieses Kleid. Nein, ich habe es nicht jetzt gefilzt, sondern 2013 als ich bei Wollknoll unter der Anleitung von May Jacobsen Hvistendahl aus Norwegen einen Filzkurs belegte. Gern denke ich an diese Zeit zurück. Das Kleid war eines der größten und aufwändigsten Filzprojekte, die ich je gemacht habe. Ich denke dabei an das Auslegen, das Anfilzen und v.a. an das Rollen… von allen Seiten 100 Mal, also 800 Mal (von hinten und vorne, von allen vier Seiten). Das war zu der Zeit noch neu für mich.

Wie immer bei solchen Projekten ging es auch damals um die Farbwahl. Die hatte sich schnell geklärt, als May ihre handgefärbte Seide zeigte und ich mich sofort in dieses intensive Blau verliebte, das mal heller, mal dunkler ausfällt. Ich mag es noch heute sehr und komme immer wieder auf diese Farbe zurück. So ist es nicht verwunderlich, dass gestern eine Bügeltasche in dieser Farbe entstand. Aber nicht nur die Farbe haben Kleid und Täschchen gemeinsam. Es gibt noch eine zweite Verbindung.

 

Die Seide, die beim Kleid als Grundlage diente, ist die gleiche wie beim Täschchen. Doch wie kann das sein, wenn es sich um ein handgefärbtes Unikat handelte? Ich erkläre es Euch: Vor dem Einfilzen entfernt man in der Regel die Webkante oder den Rollsaum, damit sich der Stoff übergangslos in die Wolle integrieren kann. So tat ich es auch damals. May hatte uns geraten, diese ca. 0,5 cm breiten Streifen aufzuheben. Man könnte sie immer noch mal bei einem anderen Projekt verwenden, meinte sie.

Wie recht sie hatte! Im meinem Filzzimmer liegen alle Stoffreste in einer Schublade. Als ich sie nun aufzog und durchwühlte, um nach einem passenden Stoff für dieses blaue Bügeltäschchen zu schauen, fielen mir diese Seidenbänder in die Hände, ich erinnerte mich an das Kleid und ich wusste, nun war ihre Stunde gekommen und sie würden perfekt zum Täschchen passen.

Trotz der vorhandenen Webkante ließen sich die Seidenbänder gut einfilzen und geben dem Täschchen eine spannende Struktur. Es trocknete schnell in der Frühlingssonne, und so konnte ich gestern die Bügel mit Stickgarn annähen.

Noch einmal kommt das Thema „Reste“ auf, denn ich knotete vor langer, langer Zeit gerne Freundschaftsbänder. Aus dieser Zeit stammen die Reste des damals verwendeten Stickgarns, das ich heute nutze, um die Täschchen an die Bügel zu nähen. 

Und die Moral von der Geschicht? Werfe beim Handarbeiten oder Filzen nie etwas weg. Es lohnt sich immer Reste aufzuheben. Es kommt der Tag, an dem sie ihren Platz in einem Projekt finden.

Filzstein vom Filzertreffen in Essen

Am Sonntag gab es ein großes Filzertreffen in Essen in der Kreativwerkstatt von Heike Giesbert. 12 Filzerinnen und Filzer aus Nordrhein-Westfalen kamen zusammen, um zu filzen, zu fachsimpeln, sich kennenzulernen und eine schöne Zeit zu verleben.

Jeder hatte sich ein kleines oder großes Projekt vorgenommen, reiste mit Utensilien und Wollvorräten an, um in den großzügigen Räumlichkeiten von Heike an großen, angenehm hohen Tischen einen Platz zu beziehen.

Ich hatte mir vorgenommen, ein Meditations- oder Yogakissen zu filzen, das die Form und Farbe eines Steins haben sollte. Die ovale Schablone von 75 x 50 cm hatte ich bereits zuhause aus dickerer Trittschallfolie geschnitten. Die graue Neuseelandmerinowolle im Vlies hatte ich noch übrig von früheren Kissenprojekten. Ich legte sie in vier Lagen um die Schablone und dekorierte zum Schluss mit Kammzugwolle in schwarz, hellgrau, weiß und Seidenfasern in weiß.

Es bereitete Freude, wieder ein größeres Projekt anzugehen und den Stein ganz fest zu filzen. Abends war er schon so trocken, dass ich ihn mit Buchweizenhülsen füllen konnte. Er ist nicht ganz prall gefüllt und passt sich deshalb meinem Hinterteil an.

Da das aufgelegte „Steinmuster“ durch die Vlieswolle etwas verlorengegangen, sprich eingefilzt war, rasierte ich es mit einem Einmalrasierer. Das Ergebnis ist überzeugend.

Auf dem Foto liegt zum Größenvergleich ein 2€-Stück neben dem Kissen.

Meine Mitstreiterinnen und Mitstreiter filzten Schnecken, eine Vase, Windlichtbehälter, eine Mütze, einen weiteren Stein, eine Umhängetasche, eine Murmelbahn, ein Rotkelchen, eine Gürteltasche, Wichtel, Pantoffeln, einen Schal, einen Taschenorganizer. Es ist unglaublich, welche unterschiedlichen Dinge jeder in kurzer Zeit in ihrer oder seiner eigenen Technik verwirklichen konnte.

Nebenbei versorgten wir uns am leckeren herzhaften und süßen Buffet, zu dem jeder beigetragen hatte.

Herzlichen Dank an alle, die kamen, um zu filzen und an Heike für die Bereitstellung der Arbeitsplätze, Filzutensilien und Räumlichkeiten. 👏

Good luck for 2018

Liebe FilzSi-Freunde,

mit dem heutigen Tag endet ein weiteres Jahr, in dem ich diesen Blog führe, das vierte bereits. Den ersten Blogpost veröffentlichte ich am 12.01.2014, nachdem ich an einem Wochenendseminar an der VHS Münster den Umgang mit WordPress gelernt hatte, der Software, mit der ich diesen Blog und meine Website auch heute noch erstelle.

Viel steckte ich hinein – Zeit und Energie -, gab mein Filzwissen weiter und gab einiges von mir selbst preis. Viel lernte ich über das Bloggen und Führen einer Website, über das Schreiben, Formulieren und Fotografieren. Viele Workshops und Ausstellungen besuchte ich, berichtete darüber und erweiterte meinen Horizont. Vieles griff ich auf und integrierte es in meine Filzobjekte. Vieles probierte ich aus, viel Gefallen finde ich an den kleineren Objekten – Mitbringsel oder Geschenke, sie sind sozusagen mein filzSiges Steckenpferd. Auch nach vier Jahren Bloggerei macht es mir Spaß und Freude, diesen Post zu verfassen und meine Gedanken mit Euch zu teilen.

Eine wichtige Erkenntnis möchte ich heute mit Euch teilen: „Man soll niemals „nie“ sagen.“ Nie hätte ich 2014 gedacht, dass es eine solche Resonanz zu http://www.filzSi.com geben würde. In keinem anderen Jahr als 2017 haben so viele von Euch auf diesen Blog geschaut. Ich habe gerade die Statistik angeschaut und bin überwältigt: Es waren 6746 Menschen! WOW, das ist eine Menge!

Deshalb danke ich Euch für Euer Vertrauen, für die vielen, vielen Kommentare und lieben Worte, die mich dieses Jahr erreichten und die mich anspornen, auch in schwierigeren Phasen weiterzumachen. Das Filzen, Fotografieren und Bloggen sind wichtige Teile meines Lebens, gute Ausgleiche, die ich nicht missen möchte. Dafür bin ich sehr dankbar.

2017 erweiterte ich meinen Horizont weiter in Richtung Social Media und muss zugeben, dass Facebook und Instagram es mir leicht machen, meine Ideen zu verbreiten: Fotos, kurzer Texte (wenn überhaupt), Hashtags und einfache Kommunikation durch Likes und/oder Kommentare schaffen einen kurzen Draht zur internationalen Filzcommunity, den ich sehr schätze. Ich schreibe das, weil ich das Gefühl habe, diese Bereiche erweitern nicht nur meinen Horizont, sondern führen vielleicht auch dazu, dass es hier auf dem Blog etwas stiller zugeht. So ein Blog erfordert mehr Zeit und Energie. Trotzdem fühlen sich alle drei Bereiche, Blog, Facebook und Instagram, derzeit richtig an.

Für dieses Jahr verabschiede ich mich – wie sollte es anders sein? – mit kleinen Filzobjekten, nämlich Glücksbringern, die gestern entstanden. Drei Stück sind es geworden, die Ihr leicht nachmachen könnt. Ich filzte sie um eine Schablone, entfernte diese nach dem Anfilzen, sodass sich die Löcher noch schließen konnten. So sind sie nicht so platt, als wenn ich nur eine Fläche gefilzt und in Form geschnitten hätte. Sie werden als Anhänger oder Talismane noch heute Abend verschenkt.

Kommt gut ins neue Jahr!