Colours of Scotland – Lavendelsäckchen & Sitzkissen

Warum Schottland? 

Vor neun Jahren war ich das erste Mal dort – in Schottland -, nahm an einer internationalen Fortbildung zum bilingualen Unterricht teil, wohnte mit einer spanischen Kollegin in einer schottischen Gastfamilie in Dunfermline, 30km nördlich von Edinburgh, und erkundete in der Freizeit die Umgebung. Dunfermline, Edinburgh, Inverness, St. Andrews, Pitlochry und Crail hinterließen nachhaltige Eindrücke, ebenso wie die grünen Hügel und Berge Schottlands und das überaus gute Wetter mit viel Sonnenschein und wenig Regen.

So ist es nicht verwunderlich, dass es mich diesen Sommer wieder in diese Gegend zog. Nach dem beeindruckenden Sommerurlaub in Island 2018 entfloh ich auch dieses Jahr nach Nordeuropa und somit den hohen Temperaturen und begab mich auf eine zwölftägige Rundreise nach Schottland. Es gehörte immer schon zu meinen Träumen die Orkney und Shetland Inseln zu besuchen, und so wählte ich eine Busrundreise, die diese beiden Ziele enthielt.

In dieser Fotocollage sind meine persönlichen Highlights zusammengefasst:

Rückblickend kann ich sagen, dass ich sicher mehr als der durchschnittliche Schotte von Schottland gesehen habe. Ihr wisst es selbst, meist kennt man seine eigene Region und Heimat nicht so gut wie eine Urlaubsregion.

 

Colours of Scotland 

Auch auf dieser Reise begleitete mich mein Fotoapparat treu und sorgte dafür, dass ich über 1500 Fotos schoss. Das klingt viel. Die Hobbyfotografen unter Euch wissen, dass nur ein Bruchteil davon wirklich gelungene Fotos sind. Das schönste Foto von allen ist das folgende:

Es ist am Loch Maree in den Highlands bei einem Fotostopp entstanden und zeigt für mich die Farben Schottlands. Vielleicht könnt Ihr Euch noch an letztes Jahr erinnern, wo ich nach der Island Reise eine ganze Serie über die Farben Islands mit dem Titel „Colours of Iceland“ schrieb und auch ganz verschiedene Dinge in diesen Farben filzte. Dies passiert dieses Jahr wieder mit den „Colours of Scotland“. Das Blau im Farbverlauf des Himmels, das tiefblaue Blau des Lochs, das facettenreiche Grün der Pflanzen und das beerenfarbige Pink der Weidenröschen bilden eine faszinierende und harmonische Farbkombination, die für mich die Schottlandrundreise auf den Punkt bringt.

 

Die Lavendelsäckchen

Das Farbschema setzte ich filzend um und entschied mich zunächst für zwei Lavendelsäckchen. Ihr wisst, dass ich eine Freundin der kleinen Filzteile bin, und so kam mir dieses Projekt sehr entgegen zumal es zeitlich sehr überschaubar ist. Außerdem hatte ich auf der Rundreise zwei sehr nette Mitreisende kennen gelernt, denen ich eine Kleinigkeit als Erinnerung und Dankeschön zukommen lassen wollte.

Ich wählte Wolle aus Schottland, die ich vor Ort auf den Orkney und Shetland Islands erworben und zuvor bei Claire Phillips von Hope Jacare Designs bestellt hatte, die ebenfalls aus Schottland kommt. Die Euch schon bekannte Schablone der Lavendelsäckchen (das Foto mit Maßangaben dürft Ihr gern für Eure eigenen Lavendelsäckchen verwenden) gestaltete ich im oberen Bereich mit Kammzugwolle in einem Farbverlauf von dunklerem zu hellerem Blau, das in ein helles Grün übergeht. Im Übergangsbereich sind einige weiße Vliesfetzen als Wolken aufgelegt. Den unteren grünen Teil belebte ich mit dunkleren Kammzugstückchen und hellerer Rohwolle in grün. Zum Schluss toppte ich diesen Teil mit Tupfen aus pinkfarbener North Ronaldsay Wolle von den Orkney Inseln.

Nach dem Filzen und Trocknen zieren Schleifen aus Satinband die Lavendelsäckchen, die ich mit getrockneten Lavendelblüten vom eigenen Balkon bestückt hatte.

Hier seht ihr ein ausgedrucktes Foto der Landschaft und der Säckchen (Übrigens sind meine Fotos der Landschaften und der FilzSis nie bearbeitet).

 

Das Sitzkissen 

Dieses Farbschema ging mir nicht aus dem Kopf, und deshalb verarbeitete ich es in einem weiteren Projekt, einem Sitzkissen. Als Grundlage und Hintergrundfarbe wählte ich zwei Lagen grüner Bergschafwolle im Vlies für die nötige Festigkeit des Sitzkissens. Diese Lagen feuchtete ich mit warmer Seifenlauge an und ließ sie über Nacht einwirken.

Dann bereitete ich Vorfilz in blauen und grünen Schattierungen mit Kammzugwolle vor. So hoffte ich, dass die Farbe nicht von der Bergschafwolle „aufgesogen“ werden und nicht an Klarheit verlieren würde. Die trockenen Vorfilzteile legte ich auf die kurz angefilzte grüne Bergschafwolle und „garnierte“ sie mit weißen Wölkchen im oberen Teil und mit pinkfarbener Kammzugwolle im unteren Teil, die ich zu Kringeln formte. Außerdem fand ich in meinem umfangreichen Wollbestand – der nie kleiner zu werden scheint – beerenfarbene Wolllocken, die ich nun als Weidenröschen verwenden konnte. Um sicher zu gehen, dass der Vorfilz auch in die Bergschafwolle greifen würde, fixierte ich ihn v.a. an den Rändern mit einer Filznadel an.

Dann folgte der übliche Filzprozess mit dem Anfilzen. Dafür verwendete ich zuerst ein Fliegengitter und das Palm Washboard – eine lohnende Investition – und anschließend – mit mehr Druck – die Hände. Zwischendurch wendete ich das Sitzkissen und konnte es nach einer Weile sogar rollen und werfen bis es an Festigkeit gewann.

Das fertige Kissen misst 42 x 36 x 0,7cm und bietet so eine perfekte weiche und gleichzeitig robuste Unterlage mit ausreichender Isolierung für die kommende kühle und kalte Jahreszeit.

Olivgrünes Lavendelsäckchen

Auf Altbewährtes zurückgreifen, ist beim Filzen leicht möglich. Die Schablonen, die ich jemals benutzte, lagern beschriftet in einem Karton. Meist kann ich allein an der Form erkennen, für welches Filzobjekt ich sie nutzte.

Jetzt suchte ich die Vorlage für ein Lavendelsäckchen als Mitbringsel. Ein grünes Säckchen sollte es werden, Olivgrün, aber mit verschiedenen Schattierungen und ein wenig Glitzer. Da fiel mir die schottische kardierte Wolle in den Händen, die ich im letzten Jahr bei HopeJacareDesigns bestellt hatte. Seht Ihr die dunkelgrünen Glitzerfäden in der Wolle? Perfekt!

Zwei dünne Schichten Kammzug umhüllen die tropfenförmige Schablone schräg im 90° Winkel. Vorsichtig angefilzt und kräftig gerollt und gerubbelt, ist das Säckchen zügig fertig, trocknet, bekommt ein cremefarbenes Seidenbändchen und ist – mit getrockneten Lavendelblüten vom Balkon gefüllt – ein feines Mitbringsel.

 

Und hier, zum Beweis, ein Einblick in meine Balkonbepflanzung: ein Detailfoto einer meiner Olivenbäume.

 

Erste FilzSis 2019 – Eierwärmer mit Zipfel

„Liebe Kollegin, was wünscht Du Dir denn zum Geburtstag?“ – „Hm, einen Eierwärmer fänd ich toll. Einen habe ich schon, vielleicht kannst Du mir einen zweiten filzen?“ – „Ja, sicher, in welcher Farbe denn?“ – „Oh, das wäre toll. Die Farbe überlasse ich Dir.“ – „Schön, dann habe ich ein Filzprojekt vor mir, da freue ich mich.“

Dieses Gespräch fand vor ein paar Tagen statt. Als erstes FilzSi-Objekt 2019 sind also 4 Eierwärmer mit Zipfel entstanden, die ich nach der Anleitung im Buch „Kreativ Workshop Filzen: Schritt für Schritt zum Erfolg“ von Inga Dünkelberg-Niemann fertigte. Ich hatte so lange ich keine Eierwärmer gefilzt, dass ich eine Schablone in der richtigen Größe verwenden wollte und mir Hilfestellung bei den Wollsorten und Mengenangaben wünschte. Inga empfiehlt Bergschafwolle für die dreieckige Grundform und Kammzugwolle für die Zipfel. An diese Empfehlung hielt ich mich und erstellte einen Eierwärmer in pink, rot, orange und grün. Ich denke, sie werden der Beschenkten gefallen. Bei den Farben zieht der Frühling gleich mit ein.

Kissen für Klangschale

Ich kaufte mir eine Klangschale, die ich im Unterricht in der Schule einsetzen möchte. Im Laden gab es Kissen, um die Klangschalen darauf abzustellen oder sie von dort anzuschlagen, wenn man die Klangschale nicht in der Hand halten möchte.

Als Filzerin ließ ich es mir nicht nehmen, diese Herausforderung anzunehmen und zu überlegen, wie ich ein solches Kissen (gefüllt in Ringform) herstellen kann.

Zuerst fertigte ich eine Skizze an. Die Auflagefläche der Klangschale misst 7cm. Das Kissen sollte einen Durchmesser von 14cm haben. Mit etwas Zugabe wegen der Schrumpfung landete ich bei einer Schablonenform mit 10cm innerem und 20cm äußerem Durchmesser.  So schnitt ich, nach nochmaliger Prüfung (Klangschale auf die Schablone stelle ) die Schablone aus einer dickeren Trittschallfolie.

Ich wählte ein grobes türkisfarbenes Neuseelandvlies und belegte zunächst die obere Seite der Schablone mit etwas Überstand.

Ich drehte die Schablone auf die andere Seite und schlug die überstehenden Ränder um. Auf die nun oben liegende Seite legte ich ebenfalls Vlieswolle und bedeckte die gesamte Schablone (also auch die Rückseite) mit einer weiteren Lage Vlieswolle.

Nun begann ich die Wolle anzufilzen, und seifte die schon nasse Wolle ein. Als die Wolle um die Schablone hielt, konnte ich fester reiben, rollen und kneten. Nach einer Weile, als die Wolle sich eng um die Schablone schmiegte, schnitt ich die Wolle an der Innenseite ca. 5cm lang ein und nahm sie heraus. Da es sich um einen Ring handelt, muss man sie an einer Stelle einschneiden und herausziehen.

Nun halfen heißes Wasser und noch mehr Kraft, den Filzprozess zu beschleunigen.

Den ausgespülten und in Essigwasser getränkten Ring füllte ich mit Stopfwolle und nähe das Loch mit dem Matratzenstich zu.

Nun hat auch meine Klangschale ein schönes Kissen und kann von dort angeschlagen werden.

Klein, aber oho – ein Mini-Bügeltäschchen

Die kleineren Filzdinge haben es mir angetan. Das hat drei Gründe:

  1. Die Herstellung dauert nicht lange, sodass ich ein solches Projekt auch leicht und schnell bewältige. In einer oder in anderthalb Stunden bin ich fertig damit und halte ein schönes Objekt in den Händen.
  2. Ich benötige nicht viele Materialien und habe sie i.d.R. zuhause. Auch Reste lassen sich für kleine Projekte problemlos aufbrauchen.
  3. Diese kleinen Dinge lassen sich gut verschenken, sind ein willkommenes Mitbringsel, und jeder kann sie für irgendetwas gebrauchen.

Aus diesen Gründen bestellte ich kleine Bügel für Bügeltäschchen. Wie könnte es momentan anders sein? Noch immer befinde ich mich im Bügeltaschenmodus. Die Bügel haben eine Breite von 5cm. Die fertigen Täschchen ergeben eine Länge von ca. 8cm, d.h. es handelt sich um ein Minibügeltäschchen. Die Bügel sind außerdem mit einem Schlüsselring ausgestattet, sodass man das Täschchen z.B. an einer Handtasche befestigen oder als Schlüsselanhänger verwenden kann.

Wiederum geht es beim Filzen um die Oberflächengestaltung des Täschchens. Ich wählte handgefärbte Wolllocken, Seidenfasern und feinste Merinowolle aus. Zum Größenvergleich legte ich eine 1€-Münze dazu als ich das Foto machte.

Wie gefällt Euch dieses Täschchen? Es ist (erst) der Anfang einer neuen Serie von Minibügeltäschchen, denn die Bügel wurden im 5er-Pack verkauft 😉

Ele, der Türstopper

Ein neuer Türstopper musste her, denn der industriell gefertigte löste sich in Wohlgefallen auf und hinterließ häßliche Spuren auf dem Boden. Nun ja, dachte ich, das ist ja kein Problem, da ich filze ich mir einen.

Beim Filzertreffen letztens in Heike Giesberts Kreativwerkstatt bot sich die Gelegenheit. Australische Neuseelandmerinowolle in grau meliert wählte ich und nahm meinen bewährten Türstopper, die Miezekatze, zum Vorbild.

Die Schablone der Mieze hatte ich noch, sie war 2013 entstanden als ich regelmäßig jede Woche einen Filzkurs besucht hatte.

Nun sollte es ein Elefant werden. Damit ich nur die Ohren separat anfilzen musste, wählte ich eine Schablone, die den Ele von der Seite zeigt. Das untere Foto zeigt, wie auf der Oberseite und der Unterseite bereits eine Lage Vlies vorhanden war. Die Ränder der Unterseite mussten nach oben geklappt werden, sie standen noch über.

Als ich das nächste Foto machte, wurde der Ele bereits mit zwei Lagen Vlieswolle gewärmt. Die Ohren filzte ich vor, wobei ich die Seite, die an den Körper kam, trocken ließ. Diese trockene Seite legte ich an die umfilzte Schablone und fixierte sie mit einer Filznadel. Dann hieß es reiben, reiben und reiben, bis beiden Ohren fest mit der Schablone verbunden waren.

Die Schablone schnitt ich unten großzügig auf und stopfte den Ele bis auf das letzte Stück mit Stopfwolle. Im unteren Teil stopfte ich ihn mit einem mit Vogelsand gefüllten Gefrierbeutel aus. So bekommt er Stabilität und wird seiner Aufgabe als Türstopper gerecht.

Als Ele getrocknet waren, begannen die Feinarbeiten. Er erhielt seine Haare und ein Schwänzchen aus der Vlieswolle. Und ich nadelte Augen, Wimpern, Mund und Nasenlöcher auf. Er ist ca. 30 cm hoch.