Billy, the bilingual bird

Ich arbeite als Lehrerin an einem Gymnasium mit bilingualem deutsch-englischen Zweig. Einige der Unterrichtsfächer werden auf Englisch unterrichtet und unsere Schülerinnen und Schüler erhalten bei erfolgreichem Abschluss des bilingualen Bildungsgangs mit dem Abiturzeugnis ein besonders Zertifikat. Ich selbst unterrichte diese Schülerinnen und Schüler im Fach Erdkunde und da sprechen wir Englisch.

Warum erzähle ich Euch das? Und was hat es mit dem Filzen zu tun? Vor einiger Zeit hat eine Kollegin ein Maskottchen für den bilingualen Zweig unserer Schule entwickelt, der die Titelseite einer Broschüre ziert, in der wir den bilingualen Zweig erklären. Dieses Maskottchen heißt Billy, the bilingual bird und ist ein lustiger Vogel.

Als ich diese Broschüre wieder in die Hand nahm, um Veranstaltungen für Grundschüler und deren Eltern vorzubereiten, kam mir die Idee, Billy zu filzen. So hätten wir sozusagen ein „richtiges“ Maskottchen.

Nun muss die Umsetzung des Vögelchens einige Zeit in meinem Gehirn brüten und dann legte ich los. Dabei orientierte ich mich an den Kenntnissen des Filzkurses bei Gabriele Mazaracis. Deshalb kann ich an dieser Stelle keine Details des Entstehungsprozesses erklären.

Gerne zeige ich Euch meine Skizzen. Ursprünglich hatte ich überlegt, einen offenen Schnabel zu erstellen. Das erschien mir aber dann doch zu schwierig. Ein geschlossener Schnabel sollte es sein, auch um ein kompaktes äußeres Gesamtbild zu erfilzen.

Die Haare filzte ich über dünne Schnüre aus Kammzugwolle. Diese zog ich mit einer Nadel durch den Kopf. Die Augen filzte ich aus Kugeln und nähte sie an den Kopf. Die Schnürsenkel fädelte ich aus schwarzem Zwirn durch die Schuhe. Der Mund ist trocken aufgefilzt.

Durch die breiten Füße steht Billy von selbst. Er ist ca. 20cm groß. Gefällt er Euch? Beim Entdeckernachmittag unserer Schule waren die Kinder begeistert.

MinKa, die Riesenkatze

Mich packte die Herausforderung eine sehr große Schablone zu umfilzen. Eine Katze sollte es werden.

Zuerst malte ich die Umrisse der Schablone auf Papier auf. Dafür klebte ich drei mal vier A4 Blätter zusammen und faltete diese längs. Auf eine Seite malte ich die Umrisse der halben Miezekatze und schnitt diese aus. So hatte ich automatisch beide Seiten symmetrisch. Hier seht Ihr die fertige Schablone, die 135cm lang und 45cm breit ist:

Diese übertrug ich auf dickere Trittschallfolie. Hier seht Ihr das Ergebnis:

Zuerst filzte ich den Schwanz aus einem doppelt genommenen grauen Kammzug von ca. 50cm Länge als Schnur. Das eine Ende bleibt trocken, um es später mit dem Körper zu verbinden.

Den Körper belegte ich in vier dünnen Lagen mit grauer Neuseelandwolle im Vlies. Nach jeder aufgelegten Schicht feuchtete ich diese an und filzte sie leicht an. Dann folgte das Auflegen, Nassmachen und Anfilzen der nächsten Schicht. Nach der vierten Schicht filzte ich den Schwanz an. Auf den Bauch und die Pfoten legte ich eine dünne Schicht weiße Vlieswolle.

Das Gesicht der Mieze gestaltete ich mir doppelt gelegtem schwarzen Vorfilz, den ich mit der Filznadel aufbrachte. Dafür muss das Gesicht so trocken sein wie möglich. Deshalb tupfte ich es zuvor mit einem Handtuch ab.

Nachdem alles angefilzt war, kam das Rollen, Kneten und Werfen. Die Schablone ließ ich so lange wie möglich in der Miezekatze.

Das folgende Foto zeigt bereits den Zustand der Katze, nachdem die Schablone herausgenommen war. Dafür schnitt ich die Wolle unter dem Schwanz am Hinterteil auf. Durch weiteres Rollen, Kneten und Werfen in alle Richtungen wurde die Miezekatze immer kleiner, kompakter und fester. Schließlich passte sie auch auf und in meine Kofferraumwanne.

Beim Rollen, Werfen und Kneten ist es außerdem wichtig, die Katze auf die Seitenränder zu drehen, damit diese unsichtbar werden.

Lässt sich das Tier kaum noch auseinander ziehen, ist es fertig gefilzt. Wenn die Seife ausgewaschen ist, bekommt es ein Essigbad, um die Wolle zu neutralisieren. Mit meiner Schleuder bekam ich sie so trocken, dass ich gleich mit dem Stopfen mit Stopfwolle beginnen konnte. Ich achtete darauf, die Gelenkstellen (Ohren, Hals, Übergang zu Armen und Beinen) besonders fest zu stopfen, damit MinKa nicht einknickt. Zuletzt nähte ich das Loch am Popo mit dem Matratzenstich zu, weil dieser praktisch unsichtbar ist.

Apropos Popo: MinKa habe ich ein kleines rotes Herz (aus selbst angefertigtem Vorfilz) eingefilzt. Sie ist eine Katze mit ❤️. Das fertige Exemplar ist 90cm groß.

Colours of Iceland Teil 5: Buckelwale

Ja, ich schwelge noch immer in isländischen Urlaubserinnerungen. Ich kann nicht leugnen, dass mich diese Reise nachhaltig beeindruckt und beeinflusst hat.

Im heutigen Beitrag geht es um Buckelwale. Es war nicht das erste Mal, dass ich Buckelwale in freier Wildbahn sah. Das erste Mal war vor Jahren in Südafrika, in Hermanus, der typischen whale-watching location. Dort konnte man vom Land aus beobachten, wie die Wale ihre Bahnen zogen und ab und an den Besuchern einen Teil ihres Körpers zeigten. Ein faszinierendes Schauspiel war dies! Die Giganten der Meere werden sie genannt – zu Recht!

In Island musste ich dafür ein wackeliges Boot besteigen, einen Thermoanzug anziehen (Es war kalt, ein bisschen nass und windig!) und meine Neigung zur Seekrankheit überwinden. Die entwickelte sich allerdings gar nicht, denn es gab so viel zu schauen, dass die Wackelei auf dem Schiff zur angenehmen Nebensache wurde.

Margrit, unsere isländische Walexpertin im schicken Islandpulli, stand mit einem Fernglas oben auf dem Ausguck (s. Foto) und gab an, wenn sie Wale sichten konnte, damit wir uns darauf einstellten. Sie erkannte die Wale an ihrer Fluke. Sie kommen immer wieder und scheinen den Kontakt zu den Booten zu suchen.

18m lang können die Buckelwale werden; zum Vergleich, unser Boot war 25m lang, erzählte Margrit. Die Buckelwale halten sich im Sommer in isländischen Gewässern auf. Dann ziehen sie ca. 10000km weit nach Südwesten in karibische Gewässer und bekommen dort nach 12 Monaten Tragzeit ihre Jungen. Zum arktischen Sommer schwimmen sie wieder nach Norden.

Nun geht es aber in diesem Beitrag nicht um nette Urlaubsfotos von Walen, sondern um deren gefilzte Exemplare. Ich wollte also einen Wal filzen. So einfach ist es gar nicht, obwohl (oder gerade weil 🤔) er nur aus wenigen Teilen besteht: Körper, Brustflossen und Fluke. Der schwierige Teil ist die Form des Körpers. Beim ersten Versuch fehlte es an der Länge des Körpers, der Wal sieht eher aus wie ein Delphin. Es war wohl ein gutes Probestück, um die Technik noch einmal aufzufrischen.

Beim zweiten Versuch ist es ein sehr schlanker Wal geworden. Die Proportionen stimmen so ungefähr, wenn ich das lebensgroße Modell im Ozeaneum in Stralsund als Maßstab

Er wurde in der Technik angefertigt, die ich bei Gabriele Mazaracis lernte und ist massiv gearbeitet. Sie bestehen zu 100% aus Bergschafwolle, ist 25cm lang und wiegt 50g.

Geschenk zur Geburt – ein hellblaues Tierchen

Etwas Kleines stelle ich Euch heute vor. Ein Baby ist geboren und ich filzte ein Willkommensgeschenk. Es ist ein Tierchen, ein Bärchen vielleicht, man weiß es nicht so genau. Seine Sinnesorgane (Augen, Mund und Ohren) spielen eine große Rolle und sind besonders ausgeprägt.

Es besteht zu 100% aus Wolle, außen ist es hellblaue Neuseelandmerino, die etwas gröber und somit griffiger ist. Innen ist es Stopfwolle. Das Tierchen ist im Ganzen nass gefilzt und ca. 11cm groß.

Colours of Iceland – Teil 4

Die Tour in Island nannte sich „Islands Highlights“ und der Name hielt, was er verspricht, denn es waren jeden Tag mehrere Highlights zu bestaunen. Unter anderem waren es die Papageitaucher am Strand von Dyrhólæey im Süden von Island. 

Beim Filzertreffen in der KreAKTIVWERKstatt von Heike Giesbert filzte ich nach der Anleitung von Gabriele Mazaracis einen Papageitaucher – oder puffin – wie er auf Englisch bezeichnet wird. Es war schön, 13 andere Filzbegeisterte zu treffen, fachzusimpeln, eine ganze Menge an Inspiration mitzunehmen und gleichzeitig in Urlaubserinnerungen zu schwelgen. Was für Geschenke sind das:

Ich bin dankbar für das Netzwerk von Filzerinnen, die hier in Essen zusammentreffen.

Ich bin dankbar für das Knowhow, das ich im Workshop von Gabriele erlangen konnte und selbst anwenden kann,

ich bin dankbar für die wertvollen Urlaubserinnerungen, die ich filzend verarbeiten kann.

Pelikan Paule

Im Grugapark bin ich häufiger Gast, weil es nicht weit von meinem Zuhause ist und weil es dort schön ist. Die bunten Blumen und Pflanzen in ihren grünen Schattierungen, die alten Bäume aus der ganzen Welt faszinieren mich immer wieder. Es gibt immer wieder Neues zu entdecken!

Besonders der Pelikan, der am Margarethensee wohnt, hat es mir angetan und ist eines meiner beliebten Fotomotive:

Er ist einfach zum Liebhaben!

Was liegt da näher, als ihn als Filzobjekt in Betracht zu ziehen. Einen gefilzten Pelikan gibt es schon, und zwar Rico, den Himmelsgucker. Er ist einem karibischen Pelikan nachempfunden. Als ich ihn vor zwei Jahren filzte, wusste ich noch nicht, wie ich ihn massiv aus Wolle gestalten konnte und habe ihn gestopft. Außerdem kann er nicht alleine stehen.

Jetzt, nach dem Kurs bei Gabriele Mazaracis, konnte ich mir vorstellen, wie er als Ganzes gefilzt werden konnte. Er sollte so aussehen wie die Möwe. Nur der lange Schnabel bereitete mir ein wenig Kopfzerbrechen, denn der Pelikan durfte ja nach vorne kein Übergewicht bekommen und sollte stehen können.

Eine Skizze verhalf mir, welche Körperstellung der Pelikan bekommen konnte. Wie bei der Möwe, sollten die Schwanzfedern als zusätzliche Stütze dienen. Hier ist er noch weit nach vorne gebeugt. Das erwies sich als nicht praktikabel.

Wer zum Filzprozess Fragen hat, dem empfehle ich einen Kurs bei Gabriele Mazaracis zu besuchen. Ich bin stolz und glücklich, dass ich zuhause allein in der Lage war, win Tier zu bauen, dass ich in Gabrieles Kurs nicht gefilzt hatte. Aber durch Gabis fantastische Anleitung, meine Aufzeichnungen, Fotos und der üblichen Prisen Geduld und Durchhaltevermögen gelang es mir.

Nun stelle ich ihn vor: Peli Paule ist (inkl. Haare) knapp 30cm groß. Und fühlt sich neben den anderen Tierchen (Möwe Emma, Vogelhuhn Charly, Frosch Rana) sehr wohl.

Charly – der Huhnvogel oder das Entenhuhn

Die Lernenden unter Euch werden es kennen: lernt man etwas Neues, so behält man es nur dann im Kopf, wenn man es gleich wieder und häufig anwendet.

So dachte ich als ich das Sonderheft der Filzfun hervorkramte und nach der Anleitung eines Huhns von Gabriele Mazaracis suchte. Bei ihrem Workshop hatte ich so vieles gelernt. Nur wenn ich es gleich wieder anwenden würde und mir meine Notizen noch einmal durchlesen und verinnerlichen würde, könnte ich mir die erlernte Technik besser einprägen und weniger Fehler machen.

Also baute ich ein Huhn. Nun ja, was soll ich schreiben? Es  s o l l t e  ein Huhn werden. Tatsächlich könnte es der Form nach auch ein Vogel sein. Oder eine Ente. Ein Huhnvogel also oder gar ein Entenhuhn?

Zwei Dinge stören mich, mit drei anderen bin ich sehr zufrieden: Die Körperform ist eher entenartig und nicht huhnartig (das Foto kaschiert das wissentlich). Und die Kehllappen sind ein wenig verrutscht. Aber das macht ja nix, denn die Farbwahl, die Augengestaltung und der Gesamteindruck reißen alles wieder raus, finde ich. 😉