Baby Billy

Erinnert Ihr Euch noch an Billy, the bilingual bird? Bestimmt erinnert Ihr Euch, denn die meisten von Euch wählten Billy zur Nummer Eins bei den Best of FilzSi von 2018.

Nach dem Filzkurs bei Gabriele Mazaracis am letzten Wochenende filzte ich nun zur Übung ein weiteres Tierchen, und zwar einen Baby Billy, der als Schlüssel- oder Taschenanhänger eine feine tägliche Begleitung darstellt. Er ist ca. 10cm groß und wiegt – inkl. Schlüsselring – 20g. Er ist aus Bergschafwolle gefertigt, lediglich die Haare sind aus Merinokammzug. Wie gefällt er Euch?

Vierbeiner – Luzi, das Islandpferd

Ach, liebe Leserinnen und Leser,

ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll… Ich möchte Euch Danken für die Treue in den letzten Wochen. Auch wenn es längere Zeit keine neuen Blogposts gab, besuchtet Ihr regelmäßig meinen Blog, und das freut mich sehr.

Beim Filzkurs von Gabriele Mazaracis in der Kreaktivwerkstatt von Heike Giesbert wurden mein Blog und meine Fotos vielfach gelobt und empfohlen. Das ist wirklich schön, denn mittlerweile kann ich auf sage und schreibe 392 Artikel in den letzten sechs Jahren zurückblicken.

Ja, Ihr habt richtig gelesen. Ich war wieder filzend unterwegs. Ich tauchte in ein Filz-Wellness-Wochenende ein, sozusagen ein Filz-Retreat zum Abschalten, Runterkommen, Träumeerfüllen, Austauschen, Fachsimpeln, Dazulernen, Experimentieren, Meditieren, lecker Essen, die Seele baumeln lassen und vieles mehr. Und darüber möchte ich Euch berichten.

Ein ganzes Wochenende verbrachte ich in Essen-Werden mit anderen filzbegeisterten Frauen und der Dozentin Gabriele Mazaracis in Heikes Werkstatt und tauchte in die Welt der Filztiere ein. Meine unbändige Vorfreude war nach einem Jahr Warten so sehr angewachsen. Im letzten Jahr hatte Gabi (Link zum Artikel über den Filzkurs im letzten Jahr) mich mit dem Tiervirus infiziert und seitdem entstanden zahlreiche Zweibeiner in dieser Technik:

Dieses Jahr wollte ich lernen, wie ich Tiere mit vier Beinen baue und hatte mir das Ziel gesetzt, ein Pferd zu filzen. Wer mich kennt, weiß, dass ich mir ein einmal in den Kopf gesetztes Ziel nicht ausreden lasse. Gabi merkte beim Anfertigen unseres ersten Filztier, das wir alle filzten, um mit der Vorgehensweise und den Materialien vertraut zu werden, dass ich mich nicht ganz ungeschickt anstellte und mich an einiges vom letzten Jahr erinnerte. Zügig waren mein Hase und meine Maus fertig. Es war gut, mit einem vergleichsweise kleinen Tier zu beginnen, um ein Gefühl für die Wolle und wichtigen Handgriffe zu bekommen.

Dann erklärte Gabi mir, wie ich mein Pferd aufbauen konnte. Die Herausforderung waren der Körper und die vier Beine, die gleich dick und lang werden und nach Pferdebeinen aussehen sollten.

Ich orientierte mich an einem Urlaubsfoto aus Island. Es ist irre, wie nachhaltig mich dieser Urlaub prägt. Immer wieder ist er beim Filzen ein Thema. In Island bin ich geritten. Also, nicht, dass hier ein falscher Eindruck entsteht. Ich habe in meiner Kindheit vielleicht fünfmal auf einem Pferd für jeweilseine Stunde gesessen und kann nicht reiten. Als unsere Reiseleiterin uns in Island die Gelegenheit gab, auf einem Islandpferd einen einstündigen Ausritt auch als Anfänger zu erleben, zögerte ich nicht lange. So ist dieses reizende Foto eines entspannten Islandpferdes und mir als angespannte Touristin entstanden. Die Zügel vermeintlich fest in der Hand… die Wahrheit ist, dass allerdings das Pferd den Ton angab und entschied, wann es stehen blieb und den anderen nicht folgte, sondern Fressen wollte.

Jedenfalls war für mich schon lange vor dem Kurs klar, dass ich ein Islandpferd filzen möchte, ein braunes, wie auf dem Foto. Zuerst wird der Körper, dann der Kopf gefilzt. Ohren und Beine werden als nächstes angesetzt. Für die Mähne wühlte Heike in ihren Vorräten mit Rohwolllocken und zauberte die perfekten Locken vom Islandschaf hervor, die schwarz-braun waren und genau zur braunen Bergschafwolle passten. Am Sonntag verpasste ich dem Pferd, das inzwischen Luzi heißt, ein Maul und Glasaugen. Gabi verstand es, nach und nach genauso viele Erklärungshäppchen zu geben, wie ich sie gut Schritt für Schritt umsetzen konnte. Sie gab große und kleine Tipps für den Umgang mit Bergschafwolle und das Bauen von komplexen Tieren, sodass mein Traum in Erfüllung ging und mich am Sonntag das fertige, perfekte, niedliche Islandpferd Luzi mit nach Hause begleitete.

Für eine ausführliche Anleitung von Luzi verweise ich entweder auf einen Filzkurs bei Gabriele Mazaracis (z.B. im nächsten Jahr in der Kreaktivwerkstatt in Essen-Werden) oder auf ihr wunderbares Anleitungsheft „Tiere einfach (nass) filzen“, das man über ihre Website bestellen kann.

Am besten, Ihr nehmt beide Angebote in Anspruch. Heikes Gastfreundschaft ist nicht zu übertreffen: Goodiebag für die Teilnehmer – alle erdenklichen Utensilien werden gestellt – Wolle ist in Hülle und Fülle vorhanden – leckere Snacks und Getränke – vegetarisches und veganes Essen draußen in der Sonne genießen – großer Arbeitstisch für jede mit rückenfreundlicher Höhe. Vielleicht sollte ich an dieser Stelle betonen, dass ich für diesen Blogpost kein Geld bekomme. Es ist sozusagen unbeauftragte Werbung, die ich gerne und ruhigen Gewissens mache.

Die Tatsache, dass Teilnehmerinnen zwei- bis dreistündige Autofahrten und eine Hotelübernachtung auf sich nehmen, um in der Kreaktivwerkstatt Kurse wahrzunehmen, spricht auch für sich. Außerdem war es wieder mal ein kleines Filzertreffen mit vielen bekannten Gesichtern. Was für eine tolle Auszeit praktisch direkt vor meiner Haustür! Danke, Heike, Gabi und all die anderen!

Wie schön war es zum Abschluss dieses Filzwochenendes zu sehen, dass sich Luzi und Mausi bereits angefreundet hatten! 😉

Oktopussy – die Krake

Tiere sind FilzSis neue Leidenschaft seit des Kurses bei Gabriele Mazaracis im letzten Jahr. Möwe, Frosch, Huhn, Pelikan, Papageitaucher, Vogel und Blauwal sind bisher entstanden und bilden im Filzzimmer einen kleinen Zoo.

Dieser Zoo erfährt ab und an eine Erweiterung, wenn eine neue Idee kommt und im Kopf herumschwirrt. Die Idee schwirrt im Kopf herum, weil ich überlege, wie das Tier komplett aus Wolle realisiert werden kann. Mein Ziel ist es, eine eigene „Bauanleitung“ zu entwickeln, und die Tiere nicht zu stopfen, sondern mit einem Wollkern zu beginnen und die Körperteile anzubauen.

Nun schwirrte bereits eine Weile der Oktopus in meinem Kopf herum. Zur Veranschaulichung der Bauart studierte ich ein Plüschtier und Videos von den intelligenten Tieren. Filztechnisch stellte sich die Frage, wie ich die Arme gleichmäßig realisieren und an den Mantel filzen konnte. Eine Skizze half weiter.

Ich begann den Filzprozess mit einer handgroßen Menge Bergschafwolle für den Mantel des Weichtieres. Daran baute ich eine untertellergroße Fläche Bergschafwolle.

Die Arme filzte ich aus roter Regenbogenwolle im Kammzug und rollte acht Arme wie eine Schnur aus einer halben Kammzugstärke. Um sicherzustellen, dass alle Arme gleich lang wurden, maß ich etwa 20 cm ab.

Dass der Oktopus rot bzw. himbeerfarben werden sollte, war schon bei der Planungsphase klar. Im Wollbestand fand ich rote Regenbogenwolle, die schon lange auf ihren Einsatz wartete und ihn jetzt bekam.

Fotos vom Entstehungsprozess gibt es keine. Da war ich so im Flow und musste acht Ärmchen anfilzen und festhalten, dass ich keine Hand frei hatte. Deshalb präsentiere ich Euch ein feines Foto des fertigen Tieres. Selbstverständlich bekam es zuvor Augen, um ihr – es ist eine weibliche Krake einen besonderen Ausdruck und Charakter zu verleihen. Die Krake heißt Oktopussy.

Billy, the bilingual bird

Ich arbeite als Lehrerin an einem Gymnasium mit bilingualem deutsch-englischen Zweig. Einige der Unterrichtsfächer werden auf Englisch unterrichtet und unsere Schülerinnen und Schüler erhalten bei erfolgreichem Abschluss des bilingualen Bildungsgangs mit dem Abiturzeugnis ein besonders Zertifikat. Ich selbst unterrichte diese Schülerinnen und Schüler im Fach Erdkunde und da sprechen wir Englisch.

Warum erzähle ich Euch das? Und was hat es mit dem Filzen zu tun? Vor einiger Zeit hat eine Kollegin ein Maskottchen für den bilingualen Zweig unserer Schule entwickelt, der die Titelseite einer Broschüre ziert, in der wir den bilingualen Zweig erklären. Dieses Maskottchen heißt Billy, the bilingual bird und ist ein lustiger Vogel.

Als ich diese Broschüre wieder in die Hand nahm, um Veranstaltungen für Grundschüler und deren Eltern vorzubereiten, kam mir die Idee, Billy zu filzen. So hätten wir sozusagen ein „richtiges“ Maskottchen.

Nun muss die Umsetzung des Vögelchens einige Zeit in meinem Gehirn brüten und dann legte ich los. Dabei orientierte ich mich an den Kenntnissen des Filzkurses bei Gabriele Mazaracis. Deshalb kann ich an dieser Stelle keine Details des Entstehungsprozesses erklären.

Gerne zeige ich Euch meine Skizzen. Ursprünglich hatte ich überlegt, einen offenen Schnabel zu erstellen. Das erschien mir aber dann doch zu schwierig. Ein geschlossener Schnabel sollte es sein, auch um ein kompaktes äußeres Gesamtbild zu erfilzen.

Die Haare filzte ich über dünne Schnüre aus Kammzugwolle. Diese zog ich mit einer Nadel durch den Kopf. Die Augen filzte ich aus Kugeln und nähte sie an den Kopf. Die Schnürsenkel fädelte ich aus schwarzem Zwirn durch die Schuhe. Der Mund ist trocken aufgefilzt.

Durch die breiten Füße steht Billy von selbst. Er ist ca. 20cm groß. Gefällt er Euch? Beim Entdeckernachmittag unserer Schule waren die Kinder begeistert.

MinKa, die Riesenkatze

Mich packte die Herausforderung eine sehr große Schablone zu umfilzen. Eine Katze sollte es werden.

Zuerst malte ich die Umrisse der Schablone auf Papier auf. Dafür klebte ich drei mal vier A4 Blätter zusammen und faltete diese längs. Auf eine Seite malte ich die Umrisse der halben Miezekatze und schnitt diese aus. So hatte ich automatisch beide Seiten symmetrisch. Hier seht Ihr die fertige Schablone, die 135cm lang und 45cm breit ist:

Diese übertrug ich auf dickere Trittschallfolie. Hier seht Ihr das Ergebnis:

Zuerst filzte ich den Schwanz aus einem doppelt genommenen grauen Kammzug von ca. 50cm Länge als Schnur. Das eine Ende bleibt trocken, um es später mit dem Körper zu verbinden.

Den Körper belegte ich in vier dünnen Lagen mit grauer Neuseelandwolle im Vlies. Nach jeder aufgelegten Schicht feuchtete ich diese an und filzte sie leicht an. Dann folgte das Auflegen, Nassmachen und Anfilzen der nächsten Schicht. Nach der vierten Schicht filzte ich den Schwanz an. Auf den Bauch und die Pfoten legte ich eine dünne Schicht weiße Vlieswolle.

Das Gesicht der Mieze gestaltete ich mir doppelt gelegtem schwarzen Vorfilz, den ich mit der Filznadel aufbrachte. Dafür muss das Gesicht so trocken sein wie möglich. Deshalb tupfte ich es zuvor mit einem Handtuch ab.

Nachdem alles angefilzt war, kam das Rollen, Kneten und Werfen. Die Schablone ließ ich so lange wie möglich in der Miezekatze.

Das folgende Foto zeigt bereits den Zustand der Katze, nachdem die Schablone herausgenommen war. Dafür schnitt ich die Wolle unter dem Schwanz am Hinterteil auf. Durch weiteres Rollen, Kneten und Werfen in alle Richtungen wurde die Miezekatze immer kleiner, kompakter und fester. Schließlich passte sie auch auf und in meine Kofferraumwanne.

Beim Rollen, Werfen und Kneten ist es außerdem wichtig, die Katze auf die Seitenränder zu drehen, damit diese unsichtbar werden.

Lässt sich das Tier kaum noch auseinander ziehen, ist es fertig gefilzt. Wenn die Seife ausgewaschen ist, bekommt es ein Essigbad, um die Wolle zu neutralisieren. Mit meiner Schleuder bekam ich sie so trocken, dass ich gleich mit dem Stopfen mit Stopfwolle beginnen konnte. Ich achtete darauf, die Gelenkstellen (Ohren, Hals, Übergang zu Armen und Beinen) besonders fest zu stopfen, damit MinKa nicht einknickt. Zuletzt nähte ich das Loch am Popo mit dem Matratzenstich zu, weil dieser praktisch unsichtbar ist.

Apropos Popo: MinKa habe ich ein kleines rotes Herz (aus selbst angefertigtem Vorfilz) eingefilzt. Sie ist eine Katze mit ❤️. Das fertige Exemplar ist 90cm groß.

Colours of Iceland Teil 5: Buckelwale

Ja, ich schwelge noch immer in isländischen Urlaubserinnerungen. Ich kann nicht leugnen, dass mich diese Reise nachhaltig beeindruckt und beeinflusst hat.

Im heutigen Beitrag geht es um Buckelwale. Es war nicht das erste Mal, dass ich Buckelwale in freier Wildbahn sah. Das erste Mal war vor Jahren in Südafrika, in Hermanus, der typischen whale-watching location. Dort konnte man vom Land aus beobachten, wie die Wale ihre Bahnen zogen und ab und an den Besuchern einen Teil ihres Körpers zeigten. Ein faszinierendes Schauspiel war dies! Die Giganten der Meere werden sie genannt – zu Recht!

In Island musste ich dafür ein wackeliges Boot besteigen, einen Thermoanzug anziehen (Es war kalt, ein bisschen nass und windig!) und meine Neigung zur Seekrankheit überwinden. Die entwickelte sich allerdings gar nicht, denn es gab so viel zu schauen, dass die Wackelei auf dem Schiff zur angenehmen Nebensache wurde.

Margrit, unsere isländische Walexpertin im schicken Islandpulli, stand mit einem Fernglas oben auf dem Ausguck (s. Foto) und gab an, wenn sie Wale sichten konnte, damit wir uns darauf einstellten. Sie erkannte die Wale an ihrer Fluke. Sie kommen immer wieder und scheinen den Kontakt zu den Booten zu suchen.

18m lang können die Buckelwale werden; zum Vergleich, unser Boot war 25m lang, erzählte Margrit. Die Buckelwale halten sich im Sommer in isländischen Gewässern auf. Dann ziehen sie ca. 10000km weit nach Südwesten in karibische Gewässer und bekommen dort nach 12 Monaten Tragzeit ihre Jungen. Zum arktischen Sommer schwimmen sie wieder nach Norden.

Nun geht es aber in diesem Beitrag nicht um nette Urlaubsfotos von Walen, sondern um deren gefilzte Exemplare. Ich wollte also einen Wal filzen. So einfach ist es gar nicht, obwohl (oder gerade weil 🤔) er nur aus wenigen Teilen besteht: Körper, Brustflossen und Fluke. Der schwierige Teil ist die Form des Körpers. Beim ersten Versuch fehlte es an der Länge des Körpers, der Wal sieht eher aus wie ein Delphin. Es war wohl ein gutes Probestück, um die Technik noch einmal aufzufrischen.

Beim zweiten Versuch ist es ein sehr schlanker Wal geworden. Die Proportionen stimmen so ungefähr, wenn ich das lebensgroße Modell im Ozeaneum in Stralsund als Maßstab

Er wurde in der Technik angefertigt, die ich bei Gabriele Mazaracis lernte und ist massiv gearbeitet. Sie bestehen zu 100% aus Bergschafwolle, ist 25cm lang und wiegt 50g.