Eine finnisch-deutsche Filzerbegegnung in Helsinki – Preview der Ausstellung „Filz für morgen“

Manchmal ist es wie verhext und eine Filzausstellung jagt die nächste. Diese Woche konnte ich gleich zwei Ausstellungen besuchen. Über die eine in der Alten Spedition in Gladbeck berichtete ich bereits, die andere ist vom 03. Juni bis zum 31. Juli 2019 in Helsinki in Finnland zu bestaunen.

Wie kann das sein, denkt Ihr als pfiffige Leserinnen und Leser? Sie postet den Beitrag am 02. Juni und die Ausstellung ist erst ab 03. Juni zu sehen? Wie soll das denn gehen? Liebe Filzbegeisterte, ich bin in den Genuss eines Previews dieser Ausstellung gekommen und möchte Euch genau darüber berichten. Es geht sozusagen um eine kleine deutsch-finnische Filzbegegnung. Dafür muss ich ein wenig ausholen…

Städtereisen oder wie ich nach Helsinki zur Filzausstellung kam

Citytrips sind etwas Feines. Selten gelingt es in so kurzer Zeit so viel Neues zu erkunden und zu erleben, neue Eindrücke zu sammeln und zu verarbeiten, weit weg vom Alltag in eine andere Welt einzutauchen. Den folgenden Spruch über das Reisen kann ich zu 100% bestätigen:

„Travelling – it leaves you speechless, then turns you into a storyteller.“ – Ibn Battuta

(„Reisen macht einen zuerst sprachlos, dann wird man zum Geschichtenerzähler.“)

So war ich neugierig auf ein neues Land als ich zu einer Städtereise nach Helsinki aufbrach. Norwegen, Schweden, Dänemark und Island hatte ich von den nordischen Ländern bereits z.T. mehrfach bereist. Nun war Finnland mit Helsinki an der Reihe. 

Na ja, so ganz stimmt das natürlich nicht. Versteht mich nicht falsch! Wenn man Helsinki bereist hat, kann man natürlich nicht behaupten Finnland gesehen zu haben. Wenn ich Berlin gesehen habe, kenne ich auch nicht Deutschland. Aber mit der Besichtigung der Hauptstadt war ein finnischer Anfang gemacht. Schließlich muss es immer etwas geben, wofür es sich lohnt wiederzukommen. 

Doch, liebe Filzinteressierte, was soll mein Geschwafel über das Reisen, wenn es ums Filzen gehen sollt? Schließlich seid Ihr auf meiner Website und auf diesem Blog gelandet, um darüber etwas Neues über das Filzen zu erfahren und nicht, um einen Reisebericht zu Helsinki zu lesen. Keine Sorge, ich komm gleich zur Sache.

Bei der Vorbereitung dieser Reise nach Helsinki, der ich ausgiebig Zeit widmete, sei es wegen der Besichtigungsmöglichkeiten, der Öffnungszeiten, der Essensangebote und der Transportbedingungen, stieß ich auf den Design District Helsinki. Dass finnisches Design eine große Rolle spielt, wusste ich, konnte ich doch auch schon vor meiner Reise mehrere finnische Designmarken benennen, dass viel Handgefertigtes und Handwerkliches vermarktet wird, fand ich heraus und fand das sehr ansprechend. 

So kam ich zufällig auf die Website des Craft Corner Helsinki und erfuhr, dass einen Tag nach meiner Abreise eine Ausstellung der finnischen Filzvereinigung eröffnet werden sollte. Die Ausstellung „Felt for Tomorrow“ wurde anlässlich des 20jährigen Bestehens der finnischen Filzvereinigung in der Craftcorner Taito Gallery gezeigt. Zuvor war sie im Craft Museum von Finnland in Jyväskylä zu sehen. Ein Bericht darüber ist in der aktuellen Filzfun zu lesen. 

Auf der Website des Craft Corner war der Kontakt zu Sirpa Mäntylä abgedruckt, der ich spontan ein paar Tage vor meiner Abreise eine Email schickte und ihr alles Gute für die Ausstellung wünschte. Prompt erhielt ich eine Antwort UND eine Einladung die Ausstellung in der Gallerie im Taitu Shop an der Prachtstrasse Eteläesplanadi zwei Tage vorher anzuschauen und sie persönlich kennenzulernen.

WOW!

Dieses Angebot nahm ich selbstverständlich an und war mächtig aufgeregt diese einmalige Möglichkeit wahrnehmen zu dürfen. Als kleines Mitbringsel aus Deutschland filzte ich das olivgrüne Lavendelsäckchen, das Ihr bereits aus dem vorherigen Beitrag kennt. Erinnert Ihr Euch?

In der Galerie empfing Sirpa mich sehr herzlich mit einer Umarmung. Wie schön, dachte ich, Filzerinnen unter sich bilden überall auf der Welt eine einzigartige Community.

Sie führte mich durch die Ausstellung und zeigte mir die Exponate, die bereits an der Wand hingen. Einen Einblick seht Ihr auf dem Foto oben. Z.T. fehlten die feinen Tafeln mit Namen und Titeln und hier und da das Finetuning. Im hinteren Bereich stand noch eine Leiter und einige Exponate warteten auf die Hängung am nächsten Tag. Sirpa bot mir trotzdem an, Fotos zu machen und fing an, mir einzelne Exponate zu erklären. Toll, dass ich alles anschauen konnte, obwohl es noch nicht perfekt für die Vernissage vorbereitet war.

Den Anfang machten die nichtfinnischen Mitglieder der Vereinigung. Darunter waren mir bekannte Namen wie Susanne Breuling oder Sigrid Bannier oder Caroline Merrell. Schnell kamen Sirpa und ich ins Gespräch, als ich von den Filzkursen erzählte, die ich besuchte, z.B. bei Sigrid Bannier vor zwei Jahren beim Filzkolleg in Düsseldorf und wir uns über den Stellenwert des Filzens in unseren Leben unterhielten.

In Finnland hätte vor Jahren – wie in Deutschland auch – noch größeres Interesse für das Filzen bestanden, berichtete sie, aber mittlerweile würden die Leute wieder Lust darauf haben, Gefilztes anzuschauen und anzufassen und auch Kurse besuchen. Mir scheint, dass Filtti sehr aktiv ist und mehrere Ausstellungen im Jahr organisiert. Sirpa erklärte, dass es eine jährliche Ausstellung in Jämsä, in Mittelfinnland gebe, die ich unbedingt besuchen sollte.

Meine Lieblngswerke im Überblick

Sirpa hatte zu jedem Exponat eine kleine Geschichte parat und kannte die Hintergründe der Filzerinnen. Ich staunte über die sagenhafte Vielfalt an Techniken und Gegenständen, ganz abgesehen von der Farbwucht, die ich erleben durfte. Sogar vorsichtiges Anfassen war erlaubt, um die feste Filzqualität zu begutachten. Kennt Ihr das Bedürfnis, in Filzausstellungen die Exponate nicht nur mit den Augen, sondern regelrecht mit den Händen begreifen zu wollen? Könnt Ihr Euch vorstellen, wieviel Inspiration ich in dieser kurzen Zeit erhielt? 

Hier sind ein paar Fotos der Exponate, die mich am meisten beeindruckt haben. Die Titel der Werke und die Namen der Künstlerinnen habe ich eingefügt und verlinkt, wenn möglich.

Dieses große Wandpaneel von Kaija Paltto heißt „Der weise Ratschlag der Vorfahren“. Die Künstlerin verarbeitet finnische Schafwolle und beruft sich auf die alten Traditionen und Materialien der Lappen und Finnen, die sie in ihren Filzobjekten verarbeitet. Sie wohnt in Lappland, in Nordfinnland, und ist mit einem Samen verheiratet.

Das farbenfrohe Gehänge von Anne Ohra-Aho heißt „Scheema“ und verbreitet gute Laune. Die zusammenhängenden Flächen bilden z.B. durch verschiedene Dreiteilungen eine gewisse Regelmäßigkeit, die durch die lockeren Verbindungen zwischen den Elementen wieder aufgehoben werden. Schön zu beobachten ist auch die Schattenbildung an der Wand, da das Gehänge als frei hängendes Objekt installiert wurde.

Diese luftig, lockere Arbeit von Kikka Jelisejeff mit dem Titel „Herde“ ist filztechnisch großartig gelöst und gefiel mir ebenfalls sehr. Ich stelle mir vor, dass die Wölbungen Schafe sein können, von denen einige schwarze dabei sind. Was meint Ihr? Welche Assoziationen kommen Euch?

Wow, was für ein gefilztes Powerpaket. Dies ist eine Tasche, die man über dem Arm oder in der Hand tragen kann. Die roten Kugeln bilden den Henkel. Sie ist – wie das Foto beweist- außerdem ein wunderbares Designobjekt, das schon beim Anschauen Freude verbreitet. Mari Jalava nennt sie passender Weise „Freude- und Fröhlichkeitstaschen & Liebeskörbe“. Wer mit ihnen unterwegs ist, fällt auf, und nimmt dies gern in Kauf.

Das nächste Objekt, das mir besonders gut gefiel macht dem Titel der Ausstellung alle Ehre. Die Ausstellung heißt „Filz für morgen“ und bedeutet, dass Filz und Wolle immer noch heute als traditionelles Material und alter Werkstoff eine Rolle spielen, und auch in modernen alltäglichen Gegenständen zu finden sind. Hier sind im Fenster der Galerie drei Vorhänge mit dem Titel „Flug“ zu sehen, die Sirpa Mäntylä gestaltete. Die Vögel und der transparente Stoff symbolisieren eine feine Leichtigkeit; dieser Eindruck wird die durch die seitlichen Fransen und das durchbrochene Muster verstärkt.

Das letzte Objekt, ein Bild von Heidi Halm, ist mit dem Wort „Freude“ betitelt und strahlt diese aus. Heidi schreibt im Katalog zur Ausstellung, dass sowohl das Handwerken als auch das Gärtnern gut für die Seele sind. Wie sehr sie damit recht hat und auch meinen Nerv trifft! Ihr Bild strahlt eine Harmonie aus, die einen Einklang mit Körper und Seele vermuten lässt. Die pastellene Farbgebung fügt sich harmonisch in die Gesamtaussage des Bildes ein und lässt die Tänzerin grazil wirken.

Eine ganz persönliche deutsch-finnische Filzbegegnung

Beim Betrachten der Exponate erzählte ich Sirpa, dass es in Deutschland, insbesondere dort, wo ich wohne, nicht so häufig Filzausstellungen geben würde, schon gar nicht im Umfang wie diese hier. Oft ist es dem Zufall überlassen, über Ausstellungen informiert zu sein. Wie gern erinnere ich mich an die Ausstellung der finnischen Filzvereinigung in Wuppertal zurück, die ich vor ziemlich genau vier Jahren besuchte. Schon dort waren mir die Farben und die Vielfalt der Exponate und die Liebe zur Wolle aufgefallen. Ich erinnere mich genau an meinen Eintrag in das Gästebuch. Auch in Helsinki trug ich mich in das Gästebuch ein, als Erste, noch bevor die Ausstellung überhaupt begonnen hatte. Welche Ehre wurde mir dort zuteil! Sirpa meinte scherzhaft, mein Eintrag könnte als so eine Art Kontrollabnahme der Europäischen Union verstanden werden. Es ist kaum zu glauben, dass Finnland erst 1995 Mitglied der EU wurde. 

Schaut mal, zwei Filzerinnen unter sich. Die eine mit einem gefilzten Kettenanhänger, die andere mit ihrer gefilzten Handytasche. Sirpa schenkte mir den Katalog der Ausstellung und ein Paket mit wunderschönen, liebevoll gestalteten Postkarten, die speziell für diese Ausstellung gedruckt wurden und Details von Filzexponaten zeigen. Für die Ausstellung in Helsinki musste Filtti eine Auswahl vornehmen und einen Kompromiss finden, weil die Ausstellungsräume kleiner als die in Mittelfinnland sind.

Anschließend an den Rundgang durch die Ausstellung lud mich Sirpa in ein schickes Helsinkier Café zu Tee und Lachschnittchen ein. Hmm, war das lecker! 

Ich fragte sie, was sie am meisten an Finnland schätzen würde. Ohne lange zu überlegen, antwortete sie, es seien die unterschiedlichen Jahreszeiten, v.a. die fließenden Übergänge zwischen Frühling und Sommer sowie zum Herbst. Das sei so besonders in Finnland und ganz anders als z.B. im Norden der USA, wo sie früher einmal gewohnt hatte. Dort gebe es sehr kalte Winter und heiße Sommer ohne die milden Übergänge wie in Finnland, die sie so schätzt.

Tatsächlich konnte ich das auch bei meinem kurzen Aufenthalt in Helsinki bestätigen. Die Bäume wiesen ein sattes, helles Grün auf, dem kein Foto dieser Welt gerecht wird, und in der Sonne war es angenehm warm, im Schatten kühl, aber nicht kalt. Die Sonne verwöhnte mich an den drei Tagen mit jeweils über 15 Stunden täglich. Der pastellfarbene Himmel spät abends erinnerte mich an den von Nordisland im letzten Sommer. Als wenn jemand einen Pinsel geschwungen hätte. 

Voller neuer Eindrücke und Inspiration zum Filzen und dem Wunsch weiterhin viele Filzausstellungen in Deutschland und international zu dokumentieren, flog ich nach Hause und werde noch lange an diese besondere Filzbegegnung zurückdenken. Kiitos, liebe Sirpa! Das ist das finnische Wort für „Danke“. 

Ausstellung „Verdichtung“ mit Filzobjekten in Gladbeck

Als ich hörte, dass in unmittelbarer Nähe eine Ausstellung mit gefilzten Objekten der bekannten und namhaften Künstlerinnen Beatrix Schaaf-Giesser und Esther Weber zu sehen ist, ließ ich alles stehen und liegen und schaute sie mir an.

In Kooperation mit der Galerie Werk4Art entstand die Ausstellung in der Alten Spedition in Gladbeck. Fünf Künstlerinnen verwendeten verschiedenste Materialien, um sich dem Thema „Verdichtung“ zu nähern.

Esther Weber gelang es auf beeindruckende feine und edle Weise Wolle und Filz fern der konventionellen Wollweise, z.B. in Zusammenhang mit leicht glänzenden Keramik-Schälchen zu präsentieren, während sich Beatrix Schaaf-Giesser mithilfe von chirurgischem Nahtmaterial dem Thema „Lunge“ nähert. Sie ist als Filzerin bekannt, wählt aber für diese Ausstellung andere Materialien.

Die ansprechenden Ausstellungsräume wirken angenehm zurückhaltend und doch farblich passend zu den vorwiegend naturfarbenen Exponaten, die z.T. im Raum schweben. Die Fotos hier geben nur einen kleinen Einblick.

Von den Ausstellungsstücken von Esther Weber war ich besonders angetan. Zum einen freut es mich als Filzerin sehr, wenn den Materialien „Wolle“ und „Filz“ Raum und Öffentlichkeit gegeben werden. Zum anderen überlege ich aus filztechnischer Sicht, wie Esther Weber diese Kunstwerke anfertigte.

Wer sich ebenfalls ein Bild dieser kleinen, aber feinen Ausstellung machen möchte, hat bis zum 16. Juni 2019 die Gelegenheit. Weitere Infos sind auf der Website der Alten Spedition in Gladbeck zu finden. Von mir gibt es eine klare Empfehlung!

Olivgrünes Lavendelsäckchen

Auf Altbewährtes zurückgreifen, ist beim Filzen leicht möglich. Die Schablonen, die ich jemals benutzte, lagern beschriftet in einem Karton. Meist kann ich allein an der Form erkennen, für welches Filzobjekt ich sie nutzte.

Jetzt suchte ich die Vorlage für ein Lavendelsäckchen als Mitbringsel. Ein grünes Säckchen sollte es werden, Olivgrün, aber mit verschiedenen Schattierungen und ein wenig Glitzer. Da fiel mir die schottische kardierte Wolle in den Händen, die ich im letzten Jahr bei HopeJacareDesigns bestellt hatte. Seht Ihr die dunkelgrünen Glitzerfäden in der Wolle? Perfekt!

Zwei dünne Schichten Kammzug umhüllen die tropfenförmige Schablone schräg im 90° Winkel. Vorsichtig angefilzt und kräftig gerollt und gerubbelt, ist das Säckchen zügig fertig, trocknet, bekommt ein cremefarbenes Seidenbändchen und ist – mit getrockneten Lavendelblüten vom Balkon gefüllt – ein feines Mitbringsel.

 

Und hier, zum Beweis, ein Einblick in meine Balkonbepflanzung: ein Detailfoto einer meiner Olivenbäume.

 

Muttertag mit Herz und Hand oder „a felted hug“

Die Geschichte des Geschenks für meine Mutti zum diesjährigen Muttertag beginnt mit einer Postkarte. Diese schöne Postkarte mit der Aufschrift „This is a paper hug“ verschenkte ich letztens an eine liebe Person, die eine Umarmung verdiente. Ich überlegte, ob es nicht auch ein „felted hug“ geben könnte.

Und gleichzeitig war eine neue Filzidee geboren: ein Sitzkissen in Form eines Herzes zum Umarmen als Muttertagsgeschenk.

Hä? Ihr denkt vielleicht, wie soll das denn aussehen? Na, ganz einfach! Ich filzte ein Sitzkissen in Herzform mit Händen rechts und links, die den Po beim Sitzen umarmen können. 🙂 Das klingt ein bisschen verrückt, denkt Ihr? Ja, das kann schon sein. Lest weiter, um die Entstehungsgeschichte und Anleitung nachvollziehen zu können.

Wie so oft machte ich mir vor dem eigentlichen Filzprozess eine Skizze. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich schon das fertige Ergebnis bildlich vor Augen, inklusive der farblichen Ausgestaltung und der Haptik, die sich durch die Wollart bedingte. Das ist der Vorteil eines sehr gut funktionierenden visuellen Gedächtnisses bei mir mit einem hohen räumlichen Vorstellungsvermögen.

Die Schablone machte ich so groß, dass die Schrumpfung ungefähr 30-40% ausmachte und der Po eine angenehme Sitzauflage hat. Die Schablone misst 52 x 36 cm. Wenn Ihr das Herz in der Mitte längs beim Ausschneiden zusammenklappt und zusammen ausschneidet, werden beide Seiten symmetrisch.

Um diese Herzschablone legte ich vier Lagen Vlieswolle, und zwar Kapmerinowolle in Magenta. Verfilzte Kapmerinowolle hat eine sehr glatte Oberfläche und hält den Anforderungen eines Sitzkissens stand. Eine glatt gefilzte Oberfläche macht einen hochwertigen Eindruck, finde ich.

Bevor ich die Schablone entfernte, filzte ich die Hände an. Dafür entwickelte ich folgende Schablone (s. Foto), die ich ebenfalls mit drei Lagen magentafarbener Kapmerinowolle umfilzte. Das Ende am Armansatz ließ ich  trocken. Nachdem ich die Schablone aus den Händen entfernt hatte, füllte ich die Finger und Handteller mit magentafarbener Kapmerinowolle, damit diese einen 3D-Effekt erzielten und gefüllt waren. Ich nahm keine andersfarbige Stopfwolle. Mögliche Löcher bzw. dünne Stellen sind durch die gleichfarbige Wolle nicht so leicht erkennbar. Ich hatte Glück und hatte die Wolle gleichmäßig ausgelegt, sodass keine dünnen Stellen entstanden waren.

Die trockenen Enden fixierte ich mit der Nadel an den Seiten des Herzes und filzte diese anschließend mit einer großen Portion Seife und einer doppelt so großen Portion Geduld an. Die Schablone im Herz verschaffte die nötige Stabilität, deshalb hatte ich sie noch dort belassen.

 Die Schablone im Herz entfernte ich als sich die Wolle merklich um sie spannte und schnitt sie an einem kleinen Stück am unteren Ende seitlich auf. Das entstandene Loch schloss ich mit der Filznadel und filzte es nass nach.

Nun konnte ich das Herz werfen, rollen und noch einmal mit heißer Seifenlauge übergießen, sodass es fester und kleiner wurde. Die Ränder bearbeitete ich besonders intensiv, um dort eine hohe Stabilität und eine gerade Linie zu haben.

Das fertig gefilzte, in Essigwasser gespülte und getrocknete Herz fusselte ich mit einem Einmalrasierer ab, um die Oberfläche noch glatter zu gestalten. Eine weitere Option wäre, das Herz zu bügeln.

Mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden. Es entspricht genau dem Bild, das ich von Anfang an vor Augen hatte. Dieses mit Liebe hergestellte und zugleich praktische Muttertagsgeschenk wird am Sonntag zusammen mit einer ❤️lichen Umarmung für ganz viel Freude sorgen. Dieses Herz wartet darauf, „geherzt“ zu werden.

Vielleicht ist es Euch eine Inspiration für Sonntag oder eine andere passende Gelegenheit. Es lässt sich z.B. auch in Form eines kleinen Schlüsselanhängers verwirklichen, denke ich gerade beim Schreiben… Hmm, das ist eine gute Idee… Und schon schwirrt die nächste Filzidee mit dazugehörigem Bild in meinem Kopf herum.

Hochzeitsgeschenk

„Wir wünschen uns etwas Kreatives, das wird Dir ja nicht schwerfallen.“ In der Tat bräuchte ich als Filzerin eigentlich keine weitere Aufforderung. Tatsächlich tat ich mich aber doch ein bisschen schwer, etwas geeignetes zu produzieren und fragte erstmal in einer Filzergruppe auf Facebook nach Inspirationen: Eierwärmer als Bräutigame, Sitzkissen, Ringkissen, verschlungener Knoten, Tauben, Glückspilze wurden vorgeschlagen.

Die Idee mit den Eierwärmern ließ mich nicht los. Eine Skizze fertigte ich an. Schwarz-weiß sollten sie werden. Und mit Fliege und mit Zylinder, der sollte nahtlos gefilzt sein, versteht sich. Erst neulich hatte ich Eierwärmer mit Bergschafwolle gefertigt. Auf diese Schablone konnte ich zurückgreifen. Ich erweiterte sie um einen Kopf und fertigte eine Schablone für den Zylinder an.

Für den Körper der Eierwärmer verwendete ich weiße und dunkelgraue Bergschafwolle. Der Kopf ist aus fleischfarbener Bergschafwolle gefertigt. Zylinder und Fliege entstanden aus weißem und schwarzem Vorfilz.

Das erste folgende Foto zeigt die Schablone mit einem Lineal als Größenangabe. Das zweite Foto zeigt die erste Lage Bergschafwolle, insgesamt legte ich zwei dünne Lagen aus.

Zu meinem Erstaunen schrumpfte der Kopf ziemlich viel. Das liegt zum einen vermutlich daran, dass dort die Wolle nicht so dick gelegt ist und zum anderen, dass der Kopf rund ausgeformt ist, ich bei der Planung das Volumen nicht berücksichtigt habe. Lustiger Weise bekommen die Figuren durch den kleinen Kopf eine ganz eigenwillige ulkige Form.

Für die Fliege filzte ich weißen und schwarzen Vorfilz. Von dieser kleinen Fläche schnitt ich einen ca. 0,5cm breiten Streifen ab und legte diesen als Band um den Hals. Die überlappende Stelle fixierte ich mit der Filznadel. Die Fliege schnitt ich ebenfalls aus dem Vorfilz und nähte sie mit Nadel und Faden an das Band. 

Die Herausforderung des Ganzen stellte der Zylinder dar. Ich überlegte mir eine Schablonenform, die es ermöglichte, den Zylinder nahtlos anzufertigen. Hier ist das Foto mit entsprechender Größenangabe. Ich legte zurechtgezupften Vorfilz um diese kleine Schablone. Das Filzen und Ausformen war recht fummelig aufgrund der kleinen Größe. Aber das Endergebnis entschädigt für diese Mühen umso mehr, denn der Zylinder ist genauso geworden, wie ich es mir gedacht und erhofft hatte. Mit Nadel und Faden war der Hut schnell am Kopf befestigt. 

Nun musste ich „nur noch“ alles in zweifacher Ausfertigung machen. Zwei Bräutigame für eine gleichgeschlechtliche Eheschließung sollten es werden. 

Das Ergebnis lässt sich sehen, finde ich. Aber schaut selbst, hier, auf diesem Foto, könnt Ihr es begutachten. 

Baby Billy

Erinnert Ihr Euch noch an Billy, the bilingual bird? Bestimmt erinnert Ihr Euch, denn die meisten von Euch wählten Billy zur Nummer Eins bei den Best of FilzSi von 2018.

Nach dem Filzkurs bei Gabriele Mazaracis am letzten Wochenende filzte ich nun zur Übung ein weiteres Tierchen, und zwar einen Baby Billy, der als Schlüssel- oder Taschenanhänger eine feine tägliche Begleitung darstellt. Er ist ca. 10cm groß und wiegt – inkl. Schlüsselring – 20g. Er ist aus Bergschafwolle gefertigt, lediglich die Haare sind aus Merinokammzug. Wie gefällt er Euch?