☀️ Sunshine ☀️

Es ist schön, wenn man Geschenke filzt, von denen man schon beim Herstellen weiß, dass sie richtig sind und zu 100% ankommen.

Beim Workshop mit Annemie Koenen vor einigen Wochen lernte ich nicht nur eine neue Filztechnik, sondern konnte mich auch mit Annemies wunderbarer Wolle eindecken. Es ist selbstgefärbte Merino mit Seide, von der ich schon mehrfach schwärmte und die wunderbar glänzt und herrliche Farben hervorbringt. So ist schon die Wolle im ausgelegten Zustand eine Wonne:

In der 3D-Technik, die Annemie uns beibrachte, filzte ich einen Wandbehang in gelb-orange, den Farben der Sonne – für ein „Sonnenkind. ☀️

Besuch der Ausstellung „Tiere aus dem FF“

Seit dem 24.11.2016 ist die Ausstellung „Tiere aus dem FF“ der Filzerin Sandra Struck-Germann und der Malerin Anja Hühn zu sehen. Sie ist im Foyer von Haus Horst in Hilden noch bis zum 16. Januar zu besichtigen.

Natürlich ist es eine Ehrensache, die Ausstellung einer Filzerin zu besuchen, die ich persönlich kenne, deren Arbeiten ich sehr bewundere und deren grundlegende Technik ich selbst kennenlernen konnte. Wer eignet sich besser zur Begleitung dieses Ausstellungsbesuchs als meine Freundin Gisela, die selbst Malerin ist?

2017.01 Tiere aus dem FF 1

Das Thema der Ausstellung ist „Tiere aus dem FF“. Die beiden FFs stehen für „Filz“ und „Farbe“. Es gibt ein gemeinsames Bild beider Künstlerinnen im Eingangsbereich der Ausstellung. Die anderen Bilder sind entweder von Sandra oder der Malerin und sind in Beziehung zueinander gehängt. Die Tiermotive sind oft gleich, so wie bei diesen Affen, und werden noch dazu durch einen ausgeprägten Komplementärkontrast (rot – grün) in Szene gesetzt:

2017.01 Tiere aus dem FF 2

Leider zeigte sich bei dieser wunderbaren Ausstellung, dass mein Fotoapparat nicht für das Knipsen von 3D-Filzbildern geeignet ist. Das Hervortreten und die und Oberflächenstruktur der Tiere, die diese Bilder so besonders machen, sind nur schwer einzufangen. Aber an diesem Bild werden die Dimensionen sehr gut sichtbar. Die meisten Filzbilder sind bestimmt 1 x 1 m groß. Das ist filztechnisch gesehen gigantisch, wenn man die Schrumpfung bedenkt.

Das Fotografieren von der Seite ging ganz gut, wie Ihr bei den Schäfchen sehen könnt:

2017.01 Tiere aus dem FF 3

Das obere Schaf mit den rosafarbenen Öhrchen kam mir doch bekannt vor… Sandra hatte es als Vorlage beim Revierfilzertreffen in Düsseldorf dabei.

In der Ausstellung sind 5 Schafe als Serie zu sehen, die alle Locken von verschiedenen Rassen haben. Schön ist, dass mancher Filz über den Rand des Bildes hinausragt, beim letzten Schaf ist das gut zu sehen. So werden die Dynamik und die schier unendlichen Gestaltungs- und Formmöglichkeiten des Filzes deutlich.

Meine Lieblingsmotive fasste ich in einer Collage zusammen: 2017.01 Tiere ausdem FF 4

Alle vier Bilder haben dieses große Format (das Bild mit den Eseln ist sogar noch größer). Das Fell des Raben ist aus schwarzen Wolllocken, auch Schnabel und Auge stehen hervor und sind dreidimensional gefilzt. Alle Filzarbeiten bestechen durch sehr überzeugende Verarbeitung. Die hervorstehenden Körperteile der Tiere sind zum einen massiv und sehr fest gefilzt, zum anderen fallen liebevolle Details auf, wie bei der Schildkröte oder dem Frosch. Auch die Art der Hängung gefällt mir sehr.

Es machte Freude, wieder einmal eine solch ungewöhnliche Filzausstellung in der Nähe zu besuchen und Sandras Werke zu bewundern. Es ist nur ansatzweise zu ermessen, wie viel Vorbereitung, Arbeit, Absprache usw. allein für das Gelingen der Ausstellung nötig waren. Ganz zu schweigen von der Filzarbeit, die sicherlich unzählige Stunden ausmachte.

Gisela und ich waren ganz entzückt von dieser Gemeinschaftsausstellung. Vielleicht kommt es ja irgendwann dazu, dass wir Malerei und Filz gemeinschaftlich ausstellen.

Wer ebenfalls in den Genuss dieser Ausstellung kommen und sich die Bilder live anschauen möchte, kann dies bis zum 16.01.2017 im Haus Horst in Hilden tun.

Filzausstellung von Annemie Koenen in Sittard, NL

Filzausstellungen gibt es nicht viele und schon gar nicht in der näheren Umgebung. Die letzte war 2015 in Wuppertal. Deshalb hatte ich mir vorgenommen, unbedingt nach Sittard in der niederländischen Provinz Limburg zu fahren, um Exponate der weltbekannten Filzerin Annemie Koenen anzusehen. Und wie es sich lohnte!

Die Ausstellung ist oberen Geschoss im Museum Het Domein im Herzen von Sittard, einem alten Schulgebäude.

2016.05 Sittard 1

Zu Beginn der Ausstellung wird der Besucher eingeladen, sich am kunterbunten Blumenteppich zu verewigen. Mitte Juni wird Annemie persönlich dort sein, um ihr Blumenteppich-Projekt zu unterstützen. Schon jetzt sieht es wunderschön aus. Rechts seht Ihr mein pinkfarbenes Blümchen, findet Ihr es im Blumenteppich wieder?  😉

2016.05 Sittard 2

Was mich in der Ausstellung besonders beeindruckt hat, sind drei Dinge:

  1. die Vielfalt von Annemies Werken
  2. die Verbundenheit zur Heimat und Tradition
  3. die Darbietung der Objekte, z.B. sind bei allen Objekten die geschätzten Arbeitsstunden angegeben

Letzteres ist deshalb bemerkenswert, weil Nichtfilzende oft nicht nachvollziehen können, wieviel Arbeit in den Filzobjekten tatsächlich steckt. Insbesondere Annemies Liebe zum Detail, die z.B. durch Stickerei deutlich wird, kostet unendlich viel Mühe und Zeit. Sagenhafte geschätzte 400 Stunden stecken allein in dem rechten blauen Objekt (Tasche), das Annemie für ihre Tochter filzte und das in der kirgisischen Filztradition gearbeitet wurde, die Annemie aus eigener Anschauung von einer Reise nach Kirgisistan kennt.

2016.05 Sittard 3

Die freundliche Dame vom Empfang stellte ein weiteres besonderes Exponat heraus: ein umfilzter Baumstamm. Er entsteht im unteren Bereich aus drei gefilzten Wurzelbereichen, die die drei Stadtteile Sittard, Geleen und Beek repräsentieren, die Annemies Heimat bilden. Oben endet der Baumstamm in einer großen Schale, in der für Besucher Äpfel zur Verfügung stehen. Dieses Filzobjekt habe ich natürlich neugierig in Augenschein genommen, weil ich selbst schon mit den beiden Materialien Holz und Filz arbeitete.

2016.05 Sittard 4

Ein weiterer Teil der Exponate macht mehrere Kollektionen von  Kleidungsstücken aus, die vielfach mit Falten und Rüschen versehen sind. Dabei handelt es sich um zeitaufwendige 3D-Objekte, die ich noch nie zuvor in dieser Vielfalt und Dichte bewundern konnte.

2016.05 Sittard 5

Sowohl zurückhaltendere Farben als auch farbenfrohe Stücke sind zu finden und inspirieren mich. Zu beachten ist, dass Annemie die Wolle selbst färbt und somit auch besonderen Einfluss auf die Gestaltung nehmen kann.

Hier noch eine bunte Fotocollage:

2016.05 Sittard 6

Den Abschluss dieses gelungenen Ausflugs bilden ein paar Impressionen von Sittard: ein hübsches Städtchen.

2016.05 Sittard 7

Die Ausstellung ist noch bis zum 12.06.2016 zu besichtigen.

Eine englische Version dieses Blogposts ist hier verfügbar.