3 Tage Filz-Zeit mit Annemie Koenen

Vor Jahren wurde in einer Filzergruppe ein sog. Fasertausch organisiert. Ich bekam ein Paket mit unterschiedlichen Woll- und Fasersorten und anderen feinen Dingen rund um das Filzen. Aus dem Paket konnte ich mir etwas nehmen und füllte es mit eigenen Fasern auf, um es an den nächsten zu schicken, der wieder etwas nahm und gab, es an den nächsten schickte usw. Dieses Paket kam mir am letzten Wochenende in den Sinn. Damals hatte nämlich eine Teilnehmerin Zettelchen beigelegt, auf denen „Zusätzliche 24 Stunden ungestörte Filz-Zeit“ vermerkt waren, die man sich ebenfalls aus dem Paket nehmen konnte.

Am vergangenen Wochenende nahm ich mir sogar 3 zusätzliche Tage ungestörte Filz-Zeit. Was für ein Luxus ist es, nur mit dem Filzen, dem Entwickeln neuer Ideen, dem Planen von längst Fälligem, dem Inspirieren durch andere, dem Lernen und Festigen neuer Techniken und natürlich der Anleitung einer erfahrenen Lehrerin zu folgen.

Heike Giesbert hatte Annemie Koenen in ihrer Kreativwerkstatt in Essen-Werden mit dem Thema „Oberflächenstrukturen in Nuno, 3D, Relief und Schichten“ zu Gast. Vor einem Jahr hatte ich bereits an einem Workshop teilgenommen und mich mit der Oberflächenstruktur à la Annemie Koenen beschäftigt. Ein kleines Wandbild war im Kurs entstanden. In diesem Jahr hatte ich mir vorgenommen, ein Armband zu fertigen und ließ mich farblich von meinen Reiseeindrücken von Lissabon inspirieren:

Bei dieser Technik kommt es auf Planung, Präzision, Geduld und Liebe an.* Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass dieses Armband einen ganzen Filz-Tag in Anspruch nahm.

Um die Arbeitsschritte unter Anleitung zu wiederholen, filzte ich noch ein Armband in einer anderen Farbe und nur mit Merinowolle und Seide. Das erste war zusätzlich mit Locken und Wolbolletjes, kleinen Wollbällchen aus Annemies Färbeküche, gefilzt. Auch dieses Armband ist farblich von der Natur Portugals geprägt.

 

Auf unseren großzügigen Filzplätzen stand als Willkommensgeschenk ein  Goodiebag mit Block, Schoki, Herz, Handtuch & Seife. Zusätzlich hatte jede von uns Olivenseife, Schüsseln, Kofferraum-/Gummimatten, Handtücher, Walkwerkzeuge usw. zur Verfügung. Insgesamt ist Heikes Atelier ein wunderbarer, heller, inspirierender Arbeitsplatz, der mit Liebe zum Detail gestaltet ist. Stellvertretend dafür steht folgendes Foto:

Mein dritter Tag war von einem Experiment geprägt. Eine weitere Teilnehmerin und Annemie hatten sich an Bügeltaschen versucht, die fast jede von uns zu Hause hat. Die Frage ist nur, wie bekommt man die Rundung so gefilzt, dass man den Bügel einschieben und annähen kann und gleichzeitig einen hübschen Taschenbeutel erhält. Wir probierten verschiedene Schablonen aus und sind fürs Erste zufrieden mit dem Ergebnis. Auch hier kam die Farbinspiration aus Lissabon:

Wie auch im letzten Jahr war ich begeistert von Annemies Art und Weise, den Kurs zu leiten. Jede Teilnehmerin hatte andere Vorhaben und kam mit unterschiedlichen Filzerfahrungen an. Annemie gelang es, jede von uns dort abzuholen, wo sie stand und einzuschätzen, wie lang wir für ein Projekt brauchen würden. Sie hatte außerdem ein besonderes Augenmerk darauf, dass wir qualitativ hochwertigen Filz anfertigen. Geduld, Ausdauer und Durchhaltevermögen gehören selbstverständlich dazu. Die Frage „Ist das schon fertig?“ war eine rhetorischen Frage. Selbst wenn ich glaubte, ein bisschen länger als sonst gefilzt zu haben, ging noch ein bisschen mehr. Das mag vielleicht negativ klingen, ist es aber ganz und gar nicht! Es war und ist gut, dass wir hochwertigen Filz herstellten. Denn das ist ein Grund, warum ich die Teilnahme an hochkarätigen Workshops wie diesem schätze. Zuhause würde ich mir vermutlich die Zeit nicht nehmen und würde nicht sorgfältig und lange genug filzen.

Jede von uns wurde auf ihrem persönlichen Filzweg begleitet und nahm fertige Unikate mit nach Hause (s. u.). Es ist ein tolles Gefühl beschwingt und bereichert von einem langen Filzwochenende zurückzukehren.

Die Planungen für die Filzkurse im Jahr 2019 laufen schon, und ich würde mich sehr freuen, auch im nächsten Jahr die ein oder andere der netten Teilnehmerinnen bei Heike unter Annemies Anleitung wiederzusehen.

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* Details kann ich nicht preisgeben, dafür empfehle ich Euch die Teilnahme an einem von Annemies Workshops.

Workshop mit Annemie Koenen in Heike Giesberts Atelier

Wie kann man Urlaub machen, wenn man gar keinen Urlaub hat?

Ganz einfach: man trifft sich mit 9 anderen Filzerinnen aus ganz Deutschland an einem Wochenende im Atelier von Heike Giesbert in Essen-Werden und freut sich auf Annemie Koenen, die einen Workshop zum Thema „Oberflächenstrukturen in Nuno, 3D, Relief und Schichten“ anbietet.

Die beiden, Heike und Annemie, sind ein tolles Team:

Heike ist eine aufmerksame, umsorgende Gastgeberin, die unsere Arbeitsprozesse mit Spannung verfolgt und mit ihrer Kamera dokumentiert. Sie denkt an alles und ist perfekt vorbereitet: Willkommenstüte mit Goodies, Süßigkeiten, Getränke, die sie an unsere Arbeitsplätze bringt, leckere Mittagessen mit Nachtisch, Arbeitsplätze mit Matten, Handtücher, Schüssel, Seife, Ballbrause. Es fehlt uns an nichts. Alles ist mit Liebe hergerichtet.

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Annemie ist eine tolle, sehr erfahrene Lehrerin. Sie hört sich geduldig an, welche Filzpläne die 10 Teilnehmerinnen haben und gibt jedem von uns eine Zeitvorgabe, bis wann wir zu einem bestimmten Punkt im Filzprozess gekommen sein müssen, damit wird ein fertiges Werkstück mit nach Hause nehmen können – das ist keine Selbstverständlichkeit. Sie gibt ihr  jahrzehntelang erworbenes Filzwissen preis. Auch das ist nicht selbstverständlich. Sie ist gleichzeitig liebevoll zu und streng mit uns, damit wir einen qualitativ hochwertigen Filz kreieren. Das erfordert genaues und akribisches Arbeiten. Oft ist es ganz still im großen Kursraum – eine konzentrierte, angenehme Stille, die nur von rhythmischen Filzgeräuschen unterbrochen wird.

Für jeden einzelnen von uns – mit ganz unterschiedlicher Filzerfahrung – findet sie die richtigen Worte und erklärt die notwendigen Arbeitsschritte mit allen gemeinsam. Wenn es sein muss, bekommt jeder noch einmal eine individuelle Erklärung am Arbeitsplatz. Annemie hilft, achtet aber darauf, dass wir sofort selbst probieren, was sie erklärt und zeigt, denn nur die Theorie und das Schauen bringen uns nicht weiter.

Notizen und Fotos dürfen wir von den Zwischenschritten machen, veröffentlichen natürlich nicht. Zwischendurch gibt Annemie Tipps weiter, es sind scheinbar Kleinigkeiten. Aber diese „Kleinigkeiten“ erprobte Annemie sehr lange und führen, wenn man sie sich konsequent zu Herzen nimmt, zu einem tollen, perfekten 3D-Filzobjekt. Ihre Kunstobjekte, die wir anschauen und -fühlen dürfen, zeugen von kreativem Perfektionismus. Ein Armreif von ca. 6-7 cm Breite ist wundervoll bestickt. Annemie erklärt, dass dies unglaubliche 60 Stunden Arbeit beinhaltet.

Kragen, Hut, Armbänder, Stirnband, Wandbehänge und ein Gefäß sind von 10 Teilnehmerinnen entstanden. Ich schwankte zwischen Kissenhülle und Wandbehang. Am Ende wurde es ein Wandbehang, der noch auf einen Hintergrund aufgezogen werden muss. Ich verwendete Wolle (Merinowolle und Merinowolle mit Seide) von Annemie, die sie in Hülle und Fülle mitgebracht hatte und arbeitete Wollbolletjes (kleine Wollkügelchen) und Throwsters Silk (Seidenfäden) ein, sowie Wollkügelchen und Locken aus meiner Schatztüte, die ich vor einiger Zeit bei Hope Jacare Designs in Großbritannien gekauft hatte.

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Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis, den Strukturen, der Oberfläche, die das Meer zeigen sollen und habe sehr viel über Verarbeitung, Materialien und den Filzprozess gelernt. Ich hoffe, in nächster Zeit ein ähnliches, kleineres Projekt zu realisieren, damit ich all das verinnerliche, was ich innerhalb weniger Stunden lernte.

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Am Ende machten wir bei Sonnenschein draußen eine schöne Ausstellung der tollen Filzobjekte und ein Gruppenfoto. Ich bin sicher, dass ich viele Mitfilzerinnen wiedersehen werde, sei es in Düsseldorf beim Filz-Kolleg oder bei Heike in Essen oder virtuell im Netz.

Was war das für ein schöner Kurzurlaub!  Spätestens im September bin ich wieder in Essen-Werden. Herzlichen Dank an Heike, Annemie und alle Teilnehmerinnen für den schönen Urlaub. 😘

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Sicherlich inspiriert vom Kurzurlaub an der Nordsee entstand dieses Wandbild in 3D-Technik.

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Zuerst stellte ich den Hintergrund her, im fertigen Zustand ist er etwas größer als ein Din-A4 Blatt. Als nächstes werden die Wellen gefertigt: gleich große Streifen aus cremefarbenem Vlies mit grünen und türkisfarbenen Rändern. Wichtig ist, dass die Streifen etwas länger sind als der Hintergrund, weil sie beim Anfilzen etwas schrumpfen werden. Die farbige Seite wird gründlich angefilzt, v.a. der Rand. Die andere Seite darf nur wenig angefilzt werden, damit eine Verbindung zum Hintergrund möglich ist.

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Man fängt mit dem später zu unterst liegenden Streifen an und filzt ihn mit dem Untergrund fest. Nach und nach wird ein Streifen nach dem Anderen zugefügt bis man am letzten, oberen angekommen ist. Dadurch, dass der Hintergrund und die Streifen aus der gleichen Wolle sind, verschmelzen die Übergänge und werden unsichtbar.

Aufgeklebt auf eine dünne Holzplatte und mit einem Aufhänger versehen, hängt es im Filzzimmer an der Wand.