Girlande

Es ist schon erstaunlich: ich filze schon so lange und habe so vieles noch nicht ausprobiert. Das hat drei Gründe:

1. Es gibt ein Ideenproblem: Filzen bietet unendliche Möglichkeiten, und jeden Tag gibt es immer wieder unzählige neue Anregungen, die umgesetzt werden möchten.

2. Es gibt ein Zeitproblem: Auch 24 Stunden Dauerfilzen würden nicht reichen, um all diese Ideen umzusetzen.

3. Es gibt ein Stimmungsproblem: Filzen auf Knopfdruck, das funktioniert nicht. Jedenfalls führt es zu keinen schönen Ergebnissen. Eine gewisse ruhige Grundstimmung ist nötig.

Oh je, das sind ganz schön viele Luxusprobleme…

Doch nun komme ich zu meinem neuen Filzobjekt. Dazu eine kleine Geschichte: Vor ein paar Jahren kaufte ich eine Blumengirlande im Urlaub in Warnemünde an der Ostsee für wenig Geld. Die Filzer unter Euch wissen, dass es ganz schön lange dauert, so eine Girlande herzustellen: Man muss eine Schnur filzen, an die mehrere Blätter und Blüten gefilzt werden. Blätter und Blüten müssen vorher separat gefilzt werden, bevor sie an der Schnur befestigt werden. Eine kniffelige Arbeit, zumal diese Girlande bestimmt 1,50m lang war. Sie muss im Ausland für diesen Preis hergestellt worden sein. In Nepal zum Beispiel werden hübsche Dinge gefilzt, die für ein paar Euro hier angeboten werden.

In Vorbereitung auf Ostern, als meine bisher einzige Osterdekoration, filzte ich eine apfelgrüne und rosafarbene kleine Girlande. Sie umfasst sechs Blätter und zwei Blüten.

Sie wurde aus demselben Kammzug gefertigt wie das Karteikartentäschchen aus dem letzten Post. Für die Blätter nahm ich zwei oder drei Lagen grünen Kammzug von ca. 12cm Länge. So sind die Blätter recht filigran und fransen an den Enden etwas aus. Mir gefällt das gut. Wer massivere Blätter wünscht, nimmt mehr als nur drei Lagen und legt die Ränder sorgfältig um, dann werden sie glatter.

Das eine Ende der Blätter lief spitz zu, das wurde die spätere Blattspitze. Das andere Ende blieb trocken, denn es diente als Verbindung mit der Schnur. Alle Blätter filzte ich leicht an. Dann fertigte ich die Schnur, sie ist (im fertigen Zustand) ca. 0,80cm dick und etwa 70cm lang. Die beiden Enden gehen ins Rosafarbene über und blieben trocken, denn dort brachte ich die Blüten an.

Nach und nach filzte ich die Blätter an die Schnur. Der Abstand ist relativ gleich, ebenso die Richtung der Blattspitzen. Lediglich das Blatt vor der Blüte ist der Blüte zugewandt. Die Verbindungsstellen erfordern besondere Beachtung, damit die Blätter halten.

Dieses Foto zeigt ein Blatt: zu erkennen sind die Verbindungsstelle und die filigrane Spitze.

Die Blüten bestehen aus fünf Lagen rosafarbenem Kammzug, die ich kreuzweise übereinander legte. Der Durchmesser betrug etwa 12cm. Weil ich mir für die Blüten glattere Ränder wünschte, legte ich diese um. In die Blütenmitte platzierte ich einen Hauch grünen Kammzug mit Seidenanteil. Die leicht angefilzten Blüten ließen sich an die noch trockenen Enden der Schnur filzen. Auch hier ist besondere Aufmerksamkeit gefragt, dann halten beide Teile gut. Die Blüten ließen sich individuell formen. Ich dachte daran, die Ränder zusammen zu nähen und so trocknen zu lassen. So entsteht ein krüsseliger Rand, ähnlich wie bei einer Osterglocke. Ich entschied mich dagegen, es wäre zu viel geworden.

Nach Ostern könnte sie als Kette verwendet werden.

Schmuck aus Filz „zwischendurch“

Neulich besuchte mich eine Schulfreundin. Ich fragte: „Was machen wir?“ Meistens quatschen wir und verbinden das z.B. mit einem kleinen Ausflug in die Umgebung. Mal schlägt die eine, mal die andere vor. Meine Freundin wollte Filzen. Das hatten wir schon zweimal getan, eine Kissenhülle und ein Abendtäschchen waren unter meiner Anleitung entstanden. Diesmal sollte es ein Wickeletui geben, so ähnlich, wie dieses hier:

2016.08 zwischendurch

Für Euch gibt es eine schlechte und eine gute Nachricht.

Die schlechte zuerst: Leider versäumten wir es, Fotos vom Filzprozess und vom fertigen Produkt zu schießen. Das Wickeletui entstand aus Kap Merino: eine Seite in türkis, die andere in grün mit einer grünen Schnur und drei geometrischen Figuren auf der Vorderseite. Kap Merino ist eine dankbare Wolle, weil sie schnell und zuverlässig filzt und sich deshalb für Filzanfänger sehr gut eignet.

Die gute Nachricht: Es gelang mir, zwischendurch eine Ansteckblume zu filzen, die ich Euch zeigen kann. Ich wählte lachsfarbene, feine Merinowolle, legte sie dünn auf einer Fläche aus (ca. 15 x 15 cm). Für die schwarzen Blätter wurde eine kleinere schwarze Fläche ausgelegt. Die beiden Flächen ließen sich leicht filzen, während mein Blick immer wieder zum Wickeletui abschweifte, das meiner Freundin problemlos gelang.

2016.08 Zwischendurch 2

Den Schnitt der Blüte hatte ich vor Jahren bei Katrin von Filzfrieda gelernt. Aus dem lachsfarbenen Filz schnitt ich einen Kreis von ca. 6 cm Durchmesser und machte zunächst drei Schnitte in Ypsilonform: Ein Schnitt von jeweils ca. 1 cm unten und zwei oben, wo die oberen Striche des gedachten Buchstaben „Ypsilon“ sind. Danach gab es noch jeweils einen Schnitt in der Mitte zwischen dem unteren und dem oberen Schnitt auf jeder Seite. Idealerweise müsste man fünf Blütenblätter in gleicher Größe vorgeschnitten haben. Diese wurden in Form geschnitten mit einer kleinen Spitze in der Mitte. Die Stickschere setzte ich in der Mitte der Blütenblätter an, um den Bogen zu erhalten. Für die andere Seite drehte ich die Blüte um.

Zwei Blütenblätter des schwarzen Filzes sind schnell aus einem Stück geschnitten.

Die Blütenmitte betonte ich mit wenigen schwarzen Wollfusseln, die mit der Filznadel aufgetragen wurden. Die Anstecknadel klebte ich mit Sekundenkleber (keine Klebespuren wegen der feinen Dosierung und bombenfester Halt) auf die Blütenblätter.

2016.08 Zwischendurch 3

Ein feines Filzteil zwischendurch.