Sieh Veränderung als Chance an!

„Lass die Vergangenheit ruhen, sie ist nicht mehr zu ändern,

lass die Zukunft auf dich zukommen,

mach dir keine unnützen Gedanken.“

Das sind Sätze, die man oft hört.

„Lebe im Hier und Jetzt, in diesem Moment,“

heißt es auch bei Achtsamkeits- oder Yogaübungen.

Hmm, so einfach ist das leider gar nicht. Oft denke ich über die Vergangenheit nach und überlege, was gewesen wäre, wenn… Oder mache mir Gedanken und Sorgen über die Zukunft. Rational betrachtet macht beides nicht viel Sinn, denn ändern kann ich das Vergangene nicht mehr und die Zukunft ist auch nicht zu beeinflussen. Ich denke, dass häufig Angst vor der Veränderung dahinter steckt.

Diese Dinge beschäftigten mich letztens als ich ein Abschiedsgeschenk für eine Kollegin filzte, die am Ende des Schuljahres pensioniert wird und für die nach 38 Jahren Dienstzeit ein neuer Lebensabschnitt beginnt. Ich dachte über die Begriffe „Umbruch“ und „Veränderung“ nach und stieß auf das Englische „change“.

Hierzu ein kleiner Exkurs: Wenn ich „change“ schreibe, muss ich immer erst innehalten und überlegen, ob es mit „g“ oder „c“ geschrieben wird. Eine Verwechselung der beiden Wörter „change“ oder „chance“ könnte zu Missverständnissen führen…

Oder aber, ich mach mir dieses Missverständnis zunutze und ich kam auf den folgenden Satz:

„Take change as a chance.“

„Siehe Veränderung als Chance an.“

Das fühlte sich griffig an und ich konnte mit meinem Filzprojekt loslegen.

Schnell sollte es gehen. Deshalb wählte ich Chiffonseide als Grundlage, weißen Vorfilz als Hintergrund und schnitt die Buchstaben ebenfalls aus grauem Vorfilz aus. Für die beiden Buchstaben „c“ und „g“ wählte ich blauen und grünen Vorfilz.

Meinen Vornamen legte ich mit Wollfasern aus einer grünen Seiden-Mohair-Mischung. Das „Finish“ bekam das Filzstück durch Bügeln und Rasieren. Dadurch erscheinen die Buchstaben klarer. Die Ränder sind bewusst nicht ganz gerade gehalten bzw. geschnitten.

Zufrieden mit dem Ergebnis und der „Message“ dahinter, freute sich auch die Kollegin über das Geschenk.

Endlich fertig – der Nordseehocker

Wahrscheinlich dachten einige Blogleser, dass sie nie wieder etwas von dem Klavierhocker lesen würden, den ich Euch vor Monaten ganz euphorisch gezeigt hatte. Erinnert Ihr Euch? So sah er aus:

2016.04 Klavierhocker 1

Na ja, ich muss zugeben, dass ich bis vor einigen Tagen auch nicht daran geglaubt hatte, dass dieser Hocker jemals ein gutes Ende finden würde.

Noch im April war ich den beiden Farbschichten mit Spachtel, Schraubenzieher, Schmirgelpapier und was der Baumarkt sonst noch alles in der Abteilung „Farben & Lacke“ hergibt, zu Leibe gerückt (schwarz als unterste und fieser, dicker weißer Lack als oberste Schicht waren zu entfernen). Das war viel anstrengender und mühsamer als ich dachte. Mal abgesehen von der Sauerei im Filzzimmer… Irgendwann hatte ich die Nase voll und ließ den halbfertig entlackten Hocker stehen. Ich überlegte auch, ihn dem Sperrmüll zu übergeben. Aber wie heißt es so schön? Alles braucht seine Zeit – offenbar auch ein oller Klavierhocker.

Vorgestern dann machte ich den Umweg in den Baumarkt und durchstöberte zum wiederholten Mal die Farben- und Lackecke. Sollte ich den Hocker nun beizen oder mit Lack bestreichen? Welche Farbe? Welcher Pinsel? Muss dann Wachs drüber? Hält das überhaupt? Wieviel Farbe brauche ich? – Ihr merkt, ich habe wenig Ahnung von der Holzbearbeitung…

Ich entschied mich für schwarzen Lack. Das mit der Beize war zwar mein ursprünglicher Plan, aber die beiden alten Farbschichten hatten sich so sehr in das Holz gesetzt, dass das bestimmt scheckig ausgesehen hätte. Also doch lieber ein gleichmäßiger Anstrich in einer möglichst dunklen Farbe – schwarz passt immer.

Die letzten Farbreste waren mit neuer Energie schnell vom Hocker entfernt und der Lack problemlos auf dem Balkon aufgebracht, damit die Wohnung nicht stank und schwarze Flecke bekam. Dann stellte sich die nächste entscheidende Frage: Wie sollte der Filzbezug gestaltet sein?

Die „Kunterbunter-Stuhl-Technik“ hatte sich als zeitaufwendig, aber schön erwiesen. Diese Technik wählte ich nun auch für den Klavierhocker, allerdings mit einer anderen Farbgebung. Und die muss ich Euch erklären, denn es handelt sich ja nicht um einen Klavier-, sondern um den Nordseehocker. Er ist – wie so vieles bei mir, das kennt Ihr schon – ein Erinnerungsstück an den letzten Urlaub an der Nordsee, denn die Farben von dort tauchen im Hocker wieder auf:

2016.07 Nordseehocker 1

2016.07 Nordseehocker 2

Diese leuchtenden, aber matten Blau-Grüntöne bilden einen passenden Gegensatz zum leicht glänzenden schwarzen Lack.

Die Technik ist dieselbe wie beim Stuhl. Eine blaue Schicht Kap-Merino liegt über der Chiffonunterlage, die für eine hohe Festigkeit sorgt. Beides wird angefeuchtet und angefilzt. Darüber reihen sich dicht an dicht Flöckchen an Flöckchen verschiedener Wollfarben und -arten. Es dauert, die ca. 40 x 40 cm große Fläche zu füllen. Darüber lege ich ein Fliegennetz, feuchte und filze alles an. Durch die Verwendung der Kap-Merino Wolle wird das Filzteil schnell fest und relativ dick. Diese ganze Filzprozedur dauert gut zwei Stunden.

Die schon angetrocknete Filzfläche wird gebügelt und rasiert, so entsteht eine unvergleichlich glatte Oberfläche.

Das Polster besteht aus einem 3 cm hohen Schaumstoff. Ursprünglich hatte ich an Kapok oder Rosshaar gedacht. Reste von Rosshaar hatte ich gefunden, als ich den frisch erworbenen Hocker auseinander schraubte. Beides erschien mir zu kompliziert. Der Schaumstoff tut’s auch, denke ich.

2016.07 Nordseehocker 3