Mohnblumenschal

2017.01 Mohn 1

Ein Schal mit Mohnblumen sollte es sein… elegant, täglich tragbar, nicht zu auffällig, nicht zu dick und kratzig, aber exklusiv. Das waren meine Überlegungen und Vorhaben. Es ist immer besonders, wenn ich weiß, für wen ich etwas filze. Denjenigen habe ich beim Filzprozess oft vor Augen.

Schwarzer Chiffon dient als Untergrund, der Rand ist mit feiner schwarzer, hauchdünn ausgelegter Merinowolle eingefasst. Einzelne schwarze Ranken mit Blättern zieren hier und da den Schal. Grün sollten sie ursprünglich sein, doch ich entschied mich dagegen und bin froh darüber. So sieht es einheitlicher und aus.

2017.01 Mohn 2

Die Blüten sind aus kardierter Kammzugwolle. Feine Merinowolle in Rottönen schickte ich mehrfach durch die Kardiermaschine, dadurch ergibt sich ein satter melierter Rotton. Diese Batts legte ich zweilagig aus und filzte sie an. Der so entstandene Vorfilz lässt sich problemlos in Blüten schneiden.

In der Mitte der Blüten liegt ein Hauch von hellroten Seidenfäden und schwarze Vlieswolle.

Alles wird sowohl von der Vorder- als auch von der Rückseite mit der Hand, warmem Wasser und Seife angefilzt, gerollt und geworfen.

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2017.01 Mohn 4

Sterne sehen ist was Schönes…

… dachte ich, als ich gestern für den Schal die Sterne aus Vorfilz schnitt 😉

2016.09 violet stars 1

Der Vorfilz ist handgefärbt (nicht von mir, sondern von Annemie Koenen) und passt zu meinen derzeitigen Lieblingsfarben weiß, nude, rosé und violett.

Ich entschied mich für einen violettfarbenen Chiffonschal als Grundlage und rollte diesmal wie eine Weltmeisterin. Das Rollen führt dazu, dass die Sterne glatt auf dem Chiffon aufliegen, glatt bleiben und sich nicht krüsseln. Das sollte mit den Sternen nicht passieren.

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Die vier Ecken zieren ebenfalls Sterne, dadurch fällt der Schal schön, weil die Sterne auf den Ecken doppelseitig aufgetragen sind und den Schal so beschweren.

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Es ist noch nicht Weihnachten, das weiß ich wohl. Aber wer sagt denn, dass Sternchen auf die Weihnachtszeit beschränkt sein müssen. Sie sind eines meiner Lieblingsmotive:

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Endlich fertig – der Nordseehocker

Wahrscheinlich dachten einige Blogleser, dass sie nie wieder etwas von dem Klavierhocker lesen würden, den ich Euch vor Monaten ganz euphorisch gezeigt hatte. Erinnert Ihr Euch? So sah er aus:

2016.04 Klavierhocker 1

Na ja, ich muss zugeben, dass ich bis vor einigen Tagen auch nicht daran geglaubt hatte, dass dieser Hocker jemals ein gutes Ende finden würde.

Noch im April war ich den beiden Farbschichten mit Spachtel, Schraubenzieher, Schmirgelpapier und was der Baumarkt sonst noch alles in der Abteilung „Farben & Lacke“ hergibt, zu Leibe gerückt (schwarz als unterste und fieser, dicker weißer Lack als oberste Schicht waren zu entfernen). Das war viel anstrengender und mühsamer als ich dachte. Mal abgesehen von der Sauerei im Filzzimmer… Irgendwann hatte ich die Nase voll und ließ den halbfertig entlackten Hocker stehen. Ich überlegte auch, ihn dem Sperrmüll zu übergeben. Aber wie heißt es so schön? Alles braucht seine Zeit – offenbar auch ein oller Klavierhocker.

Vorgestern dann machte ich den Umweg in den Baumarkt und durchstöberte zum wiederholten Mal die Farben- und Lackecke. Sollte ich den Hocker nun beizen oder mit Lack bestreichen? Welche Farbe? Welcher Pinsel? Muss dann Wachs drüber? Hält das überhaupt? Wieviel Farbe brauche ich? – Ihr merkt, ich habe wenig Ahnung von der Holzbearbeitung…

Ich entschied mich für schwarzen Lack. Das mit der Beize war zwar mein ursprünglicher Plan, aber die beiden alten Farbschichten hatten sich so sehr in das Holz gesetzt, dass das bestimmt scheckig ausgesehen hätte. Also doch lieber ein gleichmäßiger Anstrich in einer möglichst dunklen Farbe – schwarz passt immer.

Die letzten Farbreste waren mit neuer Energie schnell vom Hocker entfernt und der Lack problemlos auf dem Balkon aufgebracht, damit die Wohnung nicht stank und schwarze Flecke bekam. Dann stellte sich die nächste entscheidende Frage: Wie sollte der Filzbezug gestaltet sein?

Die „Kunterbunter-Stuhl-Technik“ hatte sich als zeitaufwendig, aber schön erwiesen. Diese Technik wählte ich nun auch für den Klavierhocker, allerdings mit einer anderen Farbgebung. Und die muss ich Euch erklären, denn es handelt sich ja nicht um einen Klavier-, sondern um den Nordseehocker. Er ist – wie so vieles bei mir, das kennt Ihr schon – ein Erinnerungsstück an den letzten Urlaub an der Nordsee, denn die Farben von dort tauchen im Hocker wieder auf:

2016.07 Nordseehocker 1

2016.07 Nordseehocker 2

Diese leuchtenden, aber matten Blau-Grüntöne bilden einen passenden Gegensatz zum leicht glänzenden schwarzen Lack.

Die Technik ist dieselbe wie beim Stuhl. Eine blaue Schicht Kap-Merino liegt über der Chiffonunterlage, die für eine hohe Festigkeit sorgt. Beides wird angefeuchtet und angefilzt. Darüber reihen sich dicht an dicht Flöckchen an Flöckchen verschiedener Wollfarben und -arten. Es dauert, die ca. 40 x 40 cm große Fläche zu füllen. Darüber lege ich ein Fliegennetz, feuchte und filze alles an. Durch die Verwendung der Kap-Merino Wolle wird das Filzteil schnell fest und relativ dick. Diese ganze Filzprozedur dauert gut zwei Stunden.

Die schon angetrocknete Filzfläche wird gebügelt und rasiert, so entsteht eine unvergleichlich glatte Oberfläche.

Das Polster besteht aus einem 3 cm hohen Schaumstoff. Ursprünglich hatte ich an Kapok oder Rosshaar gedacht. Reste von Rosshaar hatte ich gefunden, als ich den frisch erworbenen Hocker auseinander schraubte. Beides erschien mir zu kompliziert. Der Schaumstoff tut’s auch, denke ich.

2016.07 Nordseehocker 3

Inspiriert von… einem Strommasten

Ja, Ihr lest richtig. Ich habe mich von einem Hochspannungsmasten inspirieren lassen, was das Filzen angeht. Allerdings ist es nicht irgendein Mast, sondern ein ganz besonderer, einer, der seine Funktion als Strommast erfüllt und was mit Kunst zu tun hat. Er steht in Essen-Überruhr am Ruhrtalradweg und ist Teil des Kunstpfades Essen. Es ist eine meiner Lieblingsradstrecken, deshalb komme ich öfter mal dort vorbei und erfreue mich immer wieder an dieser bunten Erscheinung, die je nach Tageszeit oder Wetterverhältnissen anders leutet.

2016.07 Strommast 1

Sowohl die Farben als auch die Transparenz und Leuchtkraft an bewölkten Tagen gefallen mir.

Umgesetzt habe ich das Objekt mit Chiffonseide in verschiedenen Farben und geometrischen Figuren, die „eingerahmt“ mit Vorfilz ein großes Viereck ergeben. Ein bisschen Fingerspitzengefühl ist beim Auslegen der Wolle gefragt, denn der Vorfilz muss die Seide gut überlappen, damit keine Löcher entstehen.

2016.07 Strommast 2

Darüber legte ich ein Fliegennetz und feuchtete alles an. Beim anschließenden Plattdrücken und vorsichtigem Anfilzen entstanden zwei Löchlein, die sich noch durch leichtes Verschieben (eine Gabel als Handwerkszeug empfiehlt sich) entfernen ließen. Mit dem feuchten und eingeseiften Zeigefinger bearbeitete ich zunächst die „Nahtstellen“des Vorfilz, damit sich eine gewisse Stabilität einstellen konnte, dann kamen die anderen Vorfilzflächen dran. Nach einiger Zeit wendete ich das ganze Viereck und filzte auch dort den Vorfilz weiter. Da es sich um ein Dekoobjekt handelt, muss es nicht ganz so fest verfilzt werden.

Um den Strommasten in diese Arbeit einzubauen, benutzte ich silbernen Draht und stabilisierte die Ränder und Querstreben.

Ein Fensterbild ist entstanden.

2016.07 Strommast 3

Ein Anfang ist gemacht: der Herrenschal

Bisher waren es Damenschals, die ich filzte. Allerdings geisterte die Idee des Herrenschals schon länger im Kopf herum. Nun ist ein Anfang gemacht:

2016.02 Herrenschal 1

In blauer Chiffonschal liegt zugrunde. Darauf legte ich hauchdünne Flächen mit sehr weicher Merinowolle in verschiedenen Blautönen (meliert), als passende Ergänzung zum Chiffonblau. Der abschließende Clou sind die beliebten Seiden-Mohair Wollfäden, die ein wenig Gestaltung zulassen.

Da der Schal nur einseitig mit weicher Wolle belegt ist, ist er sehr dünn, kratzt nicht und trägt nicht auf.

2016.02 Herrenschal.2

Lange Suche mit vorläufigem Ende

Manches ist von Zufällen abhängig.

Seit ungefähr zwei Jahren halte ich Ausschau nach einem (gebrauchten) gepolsterten Stuhl oder Hocker, der sich mit Filz beziehen lässt und aus dem ein schickes neues, individuelles Möbelstück wird. Nicht, dass ich in jeden erdenklichen Läden oder auf jeden Trödelmarkt gehe, um fündig zu werden. Aber ich halte die Augen offen, auch, wenn z.B. Sperrmüll am Straßenrand steht.

Jetzt hat sich dieser Traum erfüllt. Eine nähbegeisterte gute Bekannte mit tollen Einrichtungsideen hat den Anstoß gegeben, in einen Trödelladen zu fahren und dort stand er, „mein“ Stuhl!

2015.08.01 Stuhl

Er war mit einem rot-blau karierten Stoff eher lieblos bespannt. Das Urteil der erfahrenen Bekannten: Das Polster aus Schaumstoff ist intakt und leicht zu entfernen, das Holz in akzeptablen Zustand und der Stuhl stabil -> eine klare Kaufempfehlung.

Auf der Rückfahrt spekulierten wir schon, welche Farben und Muster dem Stuhl am besten stehen würden: grün, türkis, orange, brombeer oder grau waren die Favoriten. Am nächsten Tag machte ich mit türkisfarbener Wolle eine Probe mit bunten Seidenfäden, die gründlich in die Hose ging, denn die Seidenfäden wurden von der Kapmerinowolle geradezu verschluckt und verloren ihren Glanz. Also noch einmal überlegen, welche Farbe und Wolle geeignet sein könnte. Es fiel mir schwer, mich auf eine Farbe festzulegen, denn ich wusste noch nicht, wo der Stuhl stehen würde. Vielleicht ein buntes Muster, um alle Optionen zu haben? Ja, das sollte es sein. So bunt wie die Untersetzer der Resteverwertung 2015 (Neuseeland- und Australomerinowolle im Sammelbeutel von Wollknoll).

2015.08.12 Stuhl

 

Filzige Mitbringsel

Bin ich eingeladen, stellt sich die Frage, was bringe ich als Geschenk mit? Blumen? Pralinen? Eine Flasche Wein? Ja, das geht natürlich alles, aber als Hobbyfilzerin, kann man vielleicht mit etwas Gefilztem eine zusätzliche kleine Freude machen.

Liest der Gastgeber gerne, schenke ich zum Buch ein Lesezeichen. Das muss dünn gefilzt sein, damit das Buch nicht aufklafft. Als Grundlage und zur Festigung nehme ich weißen Seidenchiffon. Darauf eine eine dünne, aber dichte Wolllage, die beliebig mit Seiden- oder Wollfäden oder anderen Farben verziert werden kann. Hellgrau sieht immer elegant aus und lässt sich mit allen Farben kombinieren. Ich filze eine größere Fläche, bügle sie glatt und trocken und schneide daraus mehrere Lesezeichen: mal rechteckig mit Fransen oder „natürlichem“ Filzrand, mal rautenförmig, mal länger, mal kürzer.

2015.06 Lesezeichen

Weitere filzige Mitbringsel könnten so aussehen: Untersetzer aus Filzresten, genäht oder geschnitten, Glücksbringer in Kleeblattform oder Gartendeko.

2015.06 Mitbringsel

Im nächsten Post erkläre ich, wie dieses Windlicht entsteht:

2015.06 Teelicht