Hochzeitsgeschenk

„Wir wünschen uns etwas Kreatives, das wird Dir ja nicht schwerfallen.“ In der Tat bräuchte ich als Filzerin eigentlich keine weitere Aufforderung. Tatsächlich tat ich mich aber doch ein bisschen schwer, etwas geeignetes zu produzieren und fragte erstmal in einer Filzergruppe auf Facebook nach Inspirationen: Eierwärmer als Bräutigame, Sitzkissen, Ringkissen, verschlungener Knoten, Tauben, Glückspilze wurden vorgeschlagen.

Die Idee mit den Eierwärmern ließ mich nicht los. Eine Skizze fertigte ich an. Schwarz-weiß sollten sie werden. Und mit Fliege und mit Zylinder, der sollte nahtlos gefilzt sein, versteht sich. Erst neulich hatte ich Eierwärmer mit Bergschafwolle gefertigt. Auf diese Schablone konnte ich zurückgreifen. Ich erweiterte sie um einen Kopf und fertigte eine Schablone für den Zylinder an.

Für den Körper der Eierwärmer verwendete ich weiße und dunkelgraue Bergschafwolle. Der Kopf ist aus fleischfarbener Bergschafwolle gefertigt. Zylinder und Fliege entstanden aus weißem und schwarzem Vorfilz.

Das erste folgende Foto zeigt die Schablone mit einem Lineal als Größenangabe. Das zweite Foto zeigt die erste Lage Bergschafwolle, insgesamt legte ich zwei dünne Lagen aus.

Zu meinem Erstaunen schrumpfte der Kopf ziemlich viel. Das liegt zum einen vermutlich daran, dass dort die Wolle nicht so dick gelegt ist und zum anderen, dass der Kopf rund ausgeformt ist, ich bei der Planung das Volumen nicht berücksichtigt habe. Lustiger Weise bekommen die Figuren durch den kleinen Kopf eine ganz eigenwillige ulkige Form.

Für die Fliege filzte ich weißen und schwarzen Vorfilz. Von dieser kleinen Fläche schnitt ich einen ca. 0,5cm breiten Streifen ab und legte diesen als Band um den Hals. Die überlappende Stelle fixierte ich mit der Filznadel. Die Fliege schnitt ich ebenfalls aus dem Vorfilz und nähte sie mit Nadel und Faden an das Band. 

Die Herausforderung des Ganzen stellte der Zylinder dar. Ich überlegte mir eine Schablonenform, die es ermöglichte, den Zylinder nahtlos anzufertigen. Hier ist das Foto mit entsprechender Größenangabe. Ich legte zurechtgezupften Vorfilz um diese kleine Schablone. Das Filzen und Ausformen war recht fummelig aufgrund der kleinen Größe. Aber das Endergebnis entschädigt für diese Mühen umso mehr, denn der Zylinder ist genauso geworden, wie ich es mir gedacht und erhofft hatte. Mit Nadel und Faden war der Hut schnell am Kopf befestigt. 

Nun musste ich „nur noch“ alles in zweifacher Ausfertigung machen. Zwei Bräutigame für eine gleichgeschlechtliche Eheschließung sollten es werden. 

Das Ergebnis lässt sich sehen, finde ich. Aber schaut selbst, hier, auf diesem Foto, könnt Ihr es begutachten. 

Erste FilzSis 2019 – Eierwärmer mit Zipfel

„Liebe Kollegin, was wünscht Du Dir denn zum Geburtstag?“ – „Hm, einen Eierwärmer fänd ich toll. Einen habe ich schon, vielleicht kannst Du mir einen zweiten filzen?“ – „Ja, sicher, in welcher Farbe denn?“ – „Oh, das wäre toll. Die Farbe überlasse ich Dir.“ – „Schön, dann habe ich ein Filzprojekt vor mir, da freue ich mich.“

Dieses Gespräch fand vor ein paar Tagen statt. Als erstes FilzSi-Objekt 2019 sind also 4 Eierwärmer mit Zipfel entstanden, die ich nach der Anleitung im Buch „Kreativ Workshop Filzen: Schritt für Schritt zum Erfolg“ von Inga Dünkelberg-Niemann fertigte. Ich hatte so lange ich keine Eierwärmer gefilzt, dass ich eine Schablone in der richtigen Größe verwenden wollte und mir Hilfestellung bei den Wollsorten und Mengenangaben wünschte. Inga empfiehlt Bergschafwolle für die dreieckige Grundform und Kammzugwolle für die Zipfel. An diese Empfehlung hielt ich mich und erstellte einen Eierwärmer in pink, rot, orange und grün. Ich denke, sie werden der Beschenkten gefallen. Bei den Farben zieht der Frühling gleich mit ein.

Eierwärmer

Und hier seht Ihr das – vorerst – letzte Teil der apfelgrünen, rosafarbenen Serie: ein Eierwärmer. Noch nie zuvor hatte ich einen solchen gefilzt…

Zugrunde liegt eine rechteckige Schablone (ca. 7 x 12cm), die an einer Schmalseite mittig spitz zuläuft. Dort wird später die Blume angedockt. Der Körper besteht aus drei bis vier Lagen Kammzug, der zur Spitze hin ausläuft. Dort wird weitere Wolle angelegt, die später die Verbindung vom Körper zur Blüte bildet. Sie hat die Dicke einer Schnur (im fertigen Zustand ca. 0,8cm).

Die Wolle des Körpers wird angefilzt, inklusive des Verbindungsstücks. Dessen „Blütenseite“ bleibt trocken, wie alle Andockstellen beim Filzen.

Die Blüte legte ich ähnlich der Blüten der Girlanden. Der rosafarbene Kammzug lag in fünf Lagen wechselseitig übereinander. Nach dem ersten Befeuchten, legte ich die Ränder um, damit sich ein glatter, gleichmäßiger Rand bildete.

Hier ist eine nachträglich erstellte Skizze. Ich hab’s mal wieder versäumt Fotos während des Filzens zu machen…

Die Schnur, also das Verbindungsstück, musste fest gefilzt sein, bevor es mit der angefilzten Blüte in Kontakt kommt. Auch hier war ein wenig Geduld gefragt, bis die Wollfasern eine innige Verbindung eingehen. Dann wurde der Eierwärmer insgesamt weiter gefilzt und gefestigt. Die Schablone nahm ich dann heraus und filzte den Körper durch Rollen und Kneten weiter. Ebenso verfuhr ich mit der Blüte. Auf der Heizung trocknete das Teil schnell und wurde mit dem Einmalrasierer geglättet.

Auf dem Ostertisch – neben der farblich passenden Girlande – macht der Eierwärmer auch ohne Ei eine gute Figur. Ich würde sagen, Ostern kann kommen!