Mein innerer Schweinehund…

… hält mich gerade davon ab, joggend den Park zu durchqueren. Stattdessen lungere ich auf dem Sofa, lausche der Musik und schreiben diesen Blogeintrag.

„Es ist doch zu viel zu kühl draußen.“, „Schone Deine Kraft für die letzte Schulwoche vor den Sommerferien, liebe Silke.“, flüstert er mir ins Ohr und meint es einfach sehr gut mit mir. Zu gut! Er steht für Motivation, Selbstdisziplin und meine Komfortzone.

Vor ein paar Monaten fing ich wieder an zu joggen. Mehr sportliche Bewegung musste her und außerdem hatte ich mich für den Essener Firmenlauf angemeldet, und ich wollte mich vor dem Kollegium nicht genieren. Also trainierte ich mehrfach in der Woche und steigerte mich in kurzer Zeit von 0 auf 5km. Oft stand jedoch vor dem Joggen mein innerer Schweinehund neben mir und fand 1000 Gründe, warum ich ausgerechnet an jenem Tag nicht trainieren sollte. Mit treuem, liebevollem Blick schaute er mich an und war an manchem Tag auch ausgesprochen überzeugend, und ich verbrachte den Abend gemütlich auf der Couch.

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Irgendwann beschloss ich, den Schweinehund als einen Teil von mir anzunehmen und lieb zu gewinnen, er meinte es ja nur gut. Und ich kam auf die Idee ihn zu filzen. Erst googelte ich, wie sich andere den Schweinehund vorstellten, dann machte ich eine Zeichnung und beim Filzertreffen bei Heike Giesbert in der KreAKTIVWERKstatt in Essen-Werden wurde verwirklicht. Angelehnt an die Technik, die ich bei Gabriele Mazaracis erlernt hatte, baute ich ihn komplett aus brauner und grauer Bergschafwolle auf und betonte einige Elemente mit hautfarbener Merinowolle. Die Augen sind aus Kunststoff und mit Sekundenkleber befestigt. Er ist 18cm groß, wiegt 40g und hat einen Ringelschwanz.

Ich kann ihm nur schwer widerstehen, könnt Ihr das nachvollziehen? Aber den Firmenlauf (5km durch Essen-Rüttenscheid) habe ich übrigens in persönlicher Bestzeit absolviert. 😁

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Baby Billy

Erinnert Ihr Euch noch an Billy, the bilingual bird? Bestimmt erinnert Ihr Euch, denn die meisten von Euch wählten Billy zur Nummer Eins bei den Best of FilzSi von 2018.

Nach dem Filzkurs bei Gabriele Mazaracis am letzten Wochenende filzte ich nun zur Übung ein weiteres Tierchen, und zwar einen Baby Billy, der als Schlüssel- oder Taschenanhänger eine feine tägliche Begleitung darstellt. Er ist ca. 10cm groß und wiegt – inkl. Schlüsselring – 20g. Er ist aus Bergschafwolle gefertigt, lediglich die Haare sind aus Merinokammzug. Wie gefällt er Euch?

Vierbeiner – Luzi, das Islandpferd

Ach, liebe Leserinnen und Leser,

ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll… Ich möchte Euch Danken für die Treue in den letzten Wochen. Auch wenn es längere Zeit keine neuen Blogposts gab, besuchtet Ihr regelmäßig meinen Blog, und das freut mich sehr.

Beim Filzkurs von Gabriele Mazaracis in der Kreaktivwerkstatt von Heike Giesbert wurden mein Blog und meine Fotos vielfach gelobt und empfohlen. Das ist wirklich schön, denn mittlerweile kann ich auf sage und schreibe 392 Artikel in den letzten sechs Jahren zurückblicken.

Ja, Ihr habt richtig gelesen. Ich war wieder filzend unterwegs. Ich tauchte in ein Filz-Wellness-Wochenende ein, sozusagen ein Filz-Retreat zum Abschalten, Runterkommen, Träumeerfüllen, Austauschen, Fachsimpeln, Dazulernen, Experimentieren, Meditieren, lecker Essen, die Seele baumeln lassen und vieles mehr. Und darüber möchte ich Euch berichten.

Ein ganzes Wochenende verbrachte ich in Essen-Werden mit anderen filzbegeisterten Frauen und der Dozentin Gabriele Mazaracis in Heikes Werkstatt und tauchte in die Welt der Filztiere ein. Meine unbändige Vorfreude war nach einem Jahr Warten so sehr angewachsen. Im letzten Jahr hatte Gabi (Link zum Artikel über den Filzkurs im letzten Jahr) mich mit dem Tiervirus infiziert und seitdem entstanden zahlreiche Zweibeiner in dieser Technik:

Dieses Jahr wollte ich lernen, wie ich Tiere mit vier Beinen baue und hatte mir das Ziel gesetzt, ein Pferd zu filzen. Wer mich kennt, weiß, dass ich mir ein einmal in den Kopf gesetztes Ziel nicht ausreden lasse. Gabi merkte beim Anfertigen unseres ersten Filztier, das wir alle filzten, um mit der Vorgehensweise und den Materialien vertraut zu werden, dass ich mich nicht ganz ungeschickt anstellte und mich an einiges vom letzten Jahr erinnerte. Zügig waren mein Hase und meine Maus fertig. Es war gut, mit einem vergleichsweise kleinen Tier zu beginnen, um ein Gefühl für die Wolle und wichtigen Handgriffe zu bekommen.

Dann erklärte Gabi mir, wie ich mein Pferd aufbauen konnte. Die Herausforderung waren der Körper und die vier Beine, die gleich dick und lang werden und nach Pferdebeinen aussehen sollten.

Ich orientierte mich an einem Urlaubsfoto aus Island. Es ist irre, wie nachhaltig mich dieser Urlaub prägt. Immer wieder ist er beim Filzen ein Thema. In Island bin ich geritten. Also, nicht, dass hier ein falscher Eindruck entsteht. Ich habe in meiner Kindheit vielleicht fünfmal auf einem Pferd für jeweilseine Stunde gesessen und kann nicht reiten. Als unsere Reiseleiterin uns in Island die Gelegenheit gab, auf einem Islandpferd einen einstündigen Ausritt auch als Anfänger zu erleben, zögerte ich nicht lange. So ist dieses reizende Foto eines entspannten Islandpferdes und mir als angespannte Touristin entstanden. Die Zügel vermeintlich fest in der Hand… die Wahrheit ist, dass allerdings das Pferd den Ton angab und entschied, wann es stehen blieb und den anderen nicht folgte, sondern Fressen wollte.

Jedenfalls war für mich schon lange vor dem Kurs klar, dass ich ein Islandpferd filzen möchte, ein braunes, wie auf dem Foto. Zuerst wird der Körper, dann der Kopf gefilzt. Ohren und Beine werden als nächstes angesetzt. Für die Mähne wühlte Heike in ihren Vorräten mit Rohwolllocken und zauberte die perfekten Locken vom Islandschaf hervor, die schwarz-braun waren und genau zur braunen Bergschafwolle passten. Am Sonntag verpasste ich dem Pferd, das inzwischen Luzi heißt, ein Maul und Glasaugen. Gabi verstand es, nach und nach genauso viele Erklärungshäppchen zu geben, wie ich sie gut Schritt für Schritt umsetzen konnte. Sie gab große und kleine Tipps für den Umgang mit Bergschafwolle und das Bauen von komplexen Tieren, sodass mein Traum in Erfüllung ging und mich am Sonntag das fertige, perfekte, niedliche Islandpferd Luzi mit nach Hause begleitete.

Für eine ausführliche Anleitung von Luzi verweise ich entweder auf einen Filzkurs bei Gabriele Mazaracis (z.B. im nächsten Jahr in der Kreaktivwerkstatt in Essen-Werden) oder auf ihr wunderbares Anleitungsheft „Tiere einfach (nass) filzen“, das man über ihre Website bestellen kann.

Am besten, Ihr nehmt beide Angebote in Anspruch. Heikes Gastfreundschaft ist nicht zu übertreffen: Goodiebag für die Teilnehmer – alle erdenklichen Utensilien werden gestellt – Wolle ist in Hülle und Fülle vorhanden – leckere Snacks und Getränke – vegetarisches und veganes Essen draußen in der Sonne genießen – großer Arbeitstisch für jede mit rückenfreundlicher Höhe. Vielleicht sollte ich an dieser Stelle betonen, dass ich für diesen Blogpost kein Geld bekomme. Es ist sozusagen unbeauftragte Werbung, die ich gerne und ruhigen Gewissens mache.

Die Tatsache, dass Teilnehmerinnen zwei- bis dreistündige Autofahrten und eine Hotelübernachtung auf sich nehmen, um in der Kreaktivwerkstatt Kurse wahrzunehmen, spricht auch für sich. Außerdem war es wieder mal ein kleines Filzertreffen mit vielen bekannten Gesichtern. Was für eine tolle Auszeit praktisch direkt vor meiner Haustür! Danke, Heike, Gabi und all die anderen!

Wie schön war es zum Abschluss dieses Filzwochenendes zu sehen, dass sich Luzi und Mausi bereits angefreundet hatten! 😉

Billy, the bilingual bird

Ich arbeite als Lehrerin an einem Gymnasium mit bilingualem deutsch-englischen Zweig. Einige der Unterrichtsfächer werden auf Englisch unterrichtet und unsere Schülerinnen und Schüler erhalten bei erfolgreichem Abschluss des bilingualen Bildungsgangs mit dem Abiturzeugnis ein besonders Zertifikat. Ich selbst unterrichte diese Schülerinnen und Schüler im Fach Erdkunde und da sprechen wir Englisch.

Warum erzähle ich Euch das? Und was hat es mit dem Filzen zu tun? Vor einiger Zeit hat eine Kollegin ein Maskottchen für den bilingualen Zweig unserer Schule entwickelt, der die Titelseite einer Broschüre ziert, in der wir den bilingualen Zweig erklären. Dieses Maskottchen heißt Billy, the bilingual bird und ist ein lustiger Vogel.

Als ich diese Broschüre wieder in die Hand nahm, um Veranstaltungen für Grundschüler und deren Eltern vorzubereiten, kam mir die Idee, Billy zu filzen. So hätten wir sozusagen ein „richtiges“ Maskottchen.

Nun muss die Umsetzung des Vögelchens einige Zeit in meinem Gehirn brüten und dann legte ich los. Dabei orientierte ich mich an den Kenntnissen des Filzkurses bei Gabriele Mazaracis. Deshalb kann ich an dieser Stelle keine Details des Entstehungsprozesses erklären.

Gerne zeige ich Euch meine Skizzen. Ursprünglich hatte ich überlegt, einen offenen Schnabel zu erstellen. Das erschien mir aber dann doch zu schwierig. Ein geschlossener Schnabel sollte es sein, auch um ein kompaktes äußeres Gesamtbild zu erfilzen.

Die Haare filzte ich über dünne Schnüre aus Kammzugwolle. Diese zog ich mit einer Nadel durch den Kopf. Die Augen filzte ich aus Kugeln und nähte sie an den Kopf. Die Schnürsenkel fädelte ich aus schwarzem Zwirn durch die Schuhe. Der Mund ist trocken aufgefilzt.

Durch die breiten Füße steht Billy von selbst. Er ist ca. 20cm groß. Gefällt er Euch? Beim Entdeckernachmittag unserer Schule waren die Kinder begeistert.

Colours of Iceland Teil 5: Buckelwale

Ja, ich schwelge noch immer in isländischen Urlaubserinnerungen. Ich kann nicht leugnen, dass mich diese Reise nachhaltig beeindruckt und beeinflusst hat.

Im heutigen Beitrag geht es um Buckelwale. Es war nicht das erste Mal, dass ich Buckelwale in freier Wildbahn sah. Das erste Mal war vor Jahren in Südafrika, in Hermanus, der typischen whale-watching location. Dort konnte man vom Land aus beobachten, wie die Wale ihre Bahnen zogen und ab und an den Besuchern einen Teil ihres Körpers zeigten. Ein faszinierendes Schauspiel war dies! Die Giganten der Meere werden sie genannt – zu Recht!

In Island musste ich dafür ein wackeliges Boot besteigen, einen Thermoanzug anziehen (Es war kalt, ein bisschen nass und windig!) und meine Neigung zur Seekrankheit überwinden. Die entwickelte sich allerdings gar nicht, denn es gab so viel zu schauen, dass die Wackelei auf dem Schiff zur angenehmen Nebensache wurde.

Margrit, unsere isländische Walexpertin im schicken Islandpulli, stand mit einem Fernglas oben auf dem Ausguck (s. Foto) und gab an, wenn sie Wale sichten konnte, damit wir uns darauf einstellten. Sie erkannte die Wale an ihrer Fluke. Sie kommen immer wieder und scheinen den Kontakt zu den Booten zu suchen.

18m lang können die Buckelwale werden; zum Vergleich, unser Boot war 25m lang, erzählte Margrit. Die Buckelwale halten sich im Sommer in isländischen Gewässern auf. Dann ziehen sie ca. 10000km weit nach Südwesten in karibische Gewässer und bekommen dort nach 12 Monaten Tragzeit ihre Jungen. Zum arktischen Sommer schwimmen sie wieder nach Norden.

Nun geht es aber in diesem Beitrag nicht um nette Urlaubsfotos von Walen, sondern um deren gefilzte Exemplare. Ich wollte also einen Wal filzen. So einfach ist es gar nicht, obwohl (oder gerade weil 🤔) er nur aus wenigen Teilen besteht: Körper, Brustflossen und Fluke. Der schwierige Teil ist die Form des Körpers. Beim ersten Versuch fehlte es an der Länge des Körpers, der Wal sieht eher aus wie ein Delphin. Es war wohl ein gutes Probestück, um die Technik noch einmal aufzufrischen.

Beim zweiten Versuch ist es ein sehr schlanker Wal geworden. Die Proportionen stimmen so ungefähr, wenn ich das lebensgroße Modell im Ozeaneum in Stralsund als Maßstab

Er wurde in der Technik angefertigt, die ich bei Gabriele Mazaracis lernte und ist massiv gearbeitet. Sie bestehen zu 100% aus Bergschafwolle, ist 25cm lang und wiegt 50g.

Colours of Iceland – Teil 4

Die Tour in Island nannte sich „Islands Highlights“ und der Name hielt, was er verspricht, denn es waren jeden Tag mehrere Highlights zu bestaunen. Unter anderem waren es die Papageitaucher am Strand von Dyrhólæey im Süden von Island. 

Beim Filzertreffen in der KreAKTIVWERKstatt von Heike Giesbert filzte ich nach der Anleitung von Gabriele Mazaracis einen Papageitaucher – oder puffin – wie er auf Englisch bezeichnet wird. Es war schön, 13 andere Filzbegeisterte zu treffen, fachzusimpeln, eine ganze Menge an Inspiration mitzunehmen und gleichzeitig in Urlaubserinnerungen zu schwelgen. Was für Geschenke sind das:

Ich bin dankbar für das Netzwerk von Filzerinnen, die hier in Essen zusammentreffen.

Ich bin dankbar für das Knowhow, das ich im Workshop von Gabriele erlangen konnte und selbst anwenden kann,

ich bin dankbar für die wertvollen Urlaubserinnerungen, die ich filzend verarbeiten kann.

Pelikan Paule

Im Grugapark bin ich häufiger Gast, weil es nicht weit von meinem Zuhause ist und weil es dort schön ist. Die bunten Blumen und Pflanzen in ihren grünen Schattierungen, die alten Bäume aus der ganzen Welt faszinieren mich immer wieder. Es gibt immer wieder Neues zu entdecken!

Besonders der Pelikan, der am Margarethensee wohnt, hat es mir angetan und ist eines meiner beliebten Fotomotive:

Er ist einfach zum Liebhaben!

Was liegt da näher, als ihn als Filzobjekt in Betracht zu ziehen. Einen gefilzten Pelikan gibt es schon, und zwar Rico, den Himmelsgucker. Er ist einem karibischen Pelikan nachempfunden. Als ich ihn vor zwei Jahren filzte, wusste ich noch nicht, wie ich ihn massiv aus Wolle gestalten konnte und habe ihn gestopft. Außerdem kann er nicht alleine stehen.

Jetzt, nach dem Kurs bei Gabriele Mazaracis, konnte ich mir vorstellen, wie er als Ganzes gefilzt werden konnte. Er sollte so aussehen wie die Möwe. Nur der lange Schnabel bereitete mir ein wenig Kopfzerbrechen, denn der Pelikan durfte ja nach vorne kein Übergewicht bekommen und sollte stehen können.

Eine Skizze verhalf mir, welche Körperstellung der Pelikan bekommen konnte. Wie bei der Möwe, sollten die Schwanzfedern als zusätzliche Stütze dienen. Hier ist er noch weit nach vorne gebeugt. Das erwies sich als nicht praktikabel.

Wer zum Filzprozess Fragen hat, dem empfehle ich einen Kurs bei Gabriele Mazaracis zu besuchen. Ich bin stolz und glücklich, dass ich zuhause allein in der Lage war, win Tier zu bauen, dass ich in Gabrieles Kurs nicht gefilzt hatte. Aber durch Gabis fantastische Anleitung, meine Aufzeichnungen, Fotos und der üblichen Prisen Geduld und Durchhaltevermögen gelang es mir.

Nun stelle ich ihn vor: Peli Paule ist (inkl. Haare) knapp 30cm groß. Und fühlt sich neben den anderen Tierchen (Möwe Emma, Vogelhuhn Charly, Frosch Rana) sehr wohl.

Charly – der Huhnvogel oder das Entenhuhn

Die Lernenden unter Euch werden es kennen: lernt man etwas Neues, so behält man es nur dann im Kopf, wenn man es gleich wieder und häufig anwendet.

So dachte ich als ich das Sonderheft der Filzfun hervorkramte und nach der Anleitung eines Huhns von Gabriele Mazaracis suchte. Bei ihrem Workshop hatte ich so vieles gelernt. Nur wenn ich es gleich wieder anwenden würde und mir meine Notizen noch einmal durchlesen und verinnerlichen würde, könnte ich mir die erlernte Technik besser einprägen und weniger Fehler machen.

Also baute ich ein Huhn. Nun ja, was soll ich schreiben? Es  s o l l t e  ein Huhn werden. Tatsächlich könnte es der Form nach auch ein Vogel sein. Oder eine Ente. Ein Huhnvogel also oder gar ein Entenhuhn?

Zwei Dinge stören mich, mit drei anderen bin ich sehr zufrieden: Die Körperform ist eher entenartig und nicht huhnartig (das Foto kaschiert das wissentlich). Und die Kehllappen sind ein wenig verrutscht. Aber das macht ja nix, denn die Farbwahl, die Augengestaltung und der Gesamteindruck reißen alles wieder raus, finde ich. 😉

Traumerfüllung mit Emma, Rana, Gabi und Heike

Am letzten Wochenende erfüllte ich mir einen Filztraum.

Schon lange wollte ich eine Möwe filzen. Möwen sind faszinierende Tiere und gehören bei jedem Urlaub an und nah der See dazu. Wenn ich Möwenschreie höre, assoziiere ich sofort ein Urlaubsfeeling und Erinnerungen vergangener, schöner Aufenthalte am Meer kommen hoch.

Dieses Foto entstand im April an der Ostsee und diente als Vorlage für den Kurs „Tiere filzen“ mit Gabriele Mazaracis (Filzkram) in der KreAKTIVWERKstatt von Heike Giesbert in Essen-Werden.

Die Möwe filzte ich unter Gabis Anleitung als stehendes Tier. Sie besteht aus 100% Wolle und hat einen festen Kern. Alle Teile sind fest angefilzt. Das reizte mich an Gabis Technik.

9 Filzerinnen versammelten sich in Heikes Werkstatt, um in die Geheimnisse des Filzens von Tieren eingeweiht zu werden. Jede von uns konnte ich aussuchen, was sie filzen möchte. Dabei orientierten wir uns an Gabis Figuren, die uns alle – abgesehen von der handwerklichen Verarbeitung – mit ihrem Charm und Pfiff verzauberten.

Ich filzte die Möwe als stehende Figur. Gabi widmete sich mit ihrer unendlichen Geduld und Ruhe jeder einzelnen von uns mit viel Zeit und zeigte die einzelnen Schritte, wenn es nötig war, auch mehrfach. Sie wies uns auch auf Stolperfallen hin und beeindruckte damit, wie viel Erfahrung sie im Filzen von Tieren im Laufe der vielen Jahre gesammelt hatte. Obwohl einige von uns sich an ihren Tieren orientierten, gab jede von uns ihnen eine persönliche Note, sei es durch die Farbwahl oder Gestaltung im Detail. Aber – und das ist nicht selbstverständlich – Gabi war auch anderen Vorschlägen (Fennek, Leseratte, Dicke Dame) sehr offen und überlegte mit den Teilnehmerinnen, wie sie ihr Wunschtier verwirklichen und „verfilzen“ konnten.

Meine Möwe „Emma“ ist (inklusive der Haare) 22 cm groß und steht, dank ihres Schwanzes, ganz allein. Ausgestattet mit winzigen Glasaugen, die Gabi in ihrem Gepäck hatte, und einem Mund, den Gabi mit einer erstaunlichen Präzision und Schnelligkeit gestaltete, wurde Emma lebendig und zeigte ihren stolzen, witzigen Charakter.

Wie „einfach“ das Filzen in Gabis Händen wirkte und wie schwierig die Ausführung für uns war, erfuhren wir am nächsten Tag, als viele von uns ein zweites Tier gestalteten. Oft musste Gabi eingreifen und schlimmstes verhindern, als wir die Tiere mit mehr Selbstständigkeit falsch zusammenbauen wollten. Gut, dass sie überall ihre Augen hatte!

Ich entschied mich für einen Frosch, denn ein paar Tage zuvor hatte ich im Grugapark in Essen einige beobachten und fotografieren können.

Es wurde ein hockender Frosch mit pinkfarbenen Füßen und Haaren (er hat eine leichte Naturwelle, wie ihr seht). Dafür eignete sich eine grüne melierte Wolle hervorragend, die ich in meinem Wollbestand fand.

Rana, der Frosch, und Emma, die Möwe, verstehen sich sehr gut, wie ihr auf folgendem Foto erkennt, sie sind inzwischen best friends, und zogen guter Dinge in ihr neues Zuhause ein. Das hängt sicher auch mit der angenehmen, entspannten Filzathmosphäre statt, bei der sie in Heikes Werkstatt entstanden. Heike verwöhnte uns nicht nur mit leckerem, gesundem Essen, Getränken und Snacks, sondern auch mit Wollvorräten und Filzutensilien. Wie angenehm ist es, zu einem Filzkurs zu fahren und nicht alles mitzuschleppen. 
Wie zu Beginn erwähnt, träumte ich bereits eine Weile davon, eine Möwe und andere Tiere komplett aus Wolle mit einem Kern beginnend zu filzen. Zu lange (2010) sind die Erfahrungen beim Filzkurs „Viecheria“ mit Susanne Wetzel in Göttingen her. Damals entstanden das Brombeer- und Blaubeerviech und war ich noch filzunerfahrener als heute.

Interessant ist allerdings, dass beide Filzerinnen, Gabi und Susanne, die gleiche Wortwahl haben und vom „Bauen“ von Figuren sprechen. Wie schön, dass wir nun eine Bauanleitung haben, die ich möglichst bald wieder umsetzen möchte, um das Erlernte nicht zu vergessen.

Wer auch Lust hat, solche Tiere zu bauen und sich in schöner Filzumgebung inspirieren lassen möchte, kann dies im nächsten Jahr tun, wenn Gabriele Mazaracis wieder nach Essen-Werden kommen wird: 30.-31.03.2019. Vielleicht sehen wir uns?