natural wool – Lockenverarbeitung

Letztens erhielt ich eine größere Wollieferung mit unterschiedlichen Qualitäten und Farben von einer Filzerin, die ihr Hobby leider aufgeben muss. Dabei waren zwei Handvoll ungefärbte, recht grobe, kardierte Wolle im Kammzug. Leider weiß ich nicht, welche Art es ist. Aber die Wolle hat die gleiche Farbe wie die Locken vom Gotlandschaf, die ich wie einen Schatz aufbewahre. Ich kardierte die Wolle noch einmal und bekam ein gleichmäßiges, fluffiges Ergebnis. So kam mir eine Idee…

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Die Verarbeitung von Rohwolle erlernte ich schon bei Heidi Greb (Weste). Sie zeigte uns, wie Locken eingefilzt werden. Im letzten Jahr vertiefte ich dieses Wissen beim Revierfilzertreffen (Schaf und Sitzfellchen). Dort bewunderte ich eine Schale aus naturbelassener Wolle mit Locken, die den Rand der Schale zierten.

Hier Detailfotos der Weste und des Sitzfellchens:

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Die Locken selbst filzen nicht, sondern die Schnittfläche muss immer Kontakt zu Wolle haben und eingefilzt werden. Das versuchte ich nun bei der Herstellung eines Gefäßes.

Zunächst legte ich die kardierte Wolle um die Schablone, legte dann die Schnittkante der Locken auf den oberen Rand und bedeckte diese nochmals mit Wolle. Die Locken sind anfangs viel dunkler, werden aber beim Filzen sauber und bekommen diese wollweiße Farbe.

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Einzelne dunkelgraue Haare kommen zum Vorschein, die man mit einer Stecknadel herausziehen kann. Ich finde sie aber nicht störend.

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Kardierter Herbst

Nachdem ich den Tipp bekam, die zu Wolle nicht nur längs, sondern auch quer durch die Kardiermaschine zu schicken, musste ich das sofort ausprobieren. Im letzten Post stelle ich Euch drei Gefäße vor: Frühling, Sommer, Winter. Der Herbst fehlte. Nun ist er da.

Die Seidenfasern kardierte ich nicht mit, sondern filzte sie nachträglich ein. deshalb stehen sie hervor. Es passt zum Herbst, wie ich finde.

2016.12 carded autumn

Ein Glück, dass es hell ist und sonnig zu werden scheint. So gelingt es der Kamera auch in der dunklen Jahreszeit, die kardierte Wolle einzufangen.

Frühjahr, Sommer, Herbst, Winter – das Jahr ist nun komplett:

2016.12 carded seasons

Ineinander

Neue Experimente mit dünnem Filz ergaben diese beiden ineinander liegende Gefäße:

Die Grundlage bildet jeweils ein aufgeblasener Luftballon. Dieser wird angefeuchtet und eingeseift. Dadurch hält die erste Wollschicht besser. Ich entschied mich für hautfarbene Vlieswolle. Die Herausforderung besteht darin, den Luftballon gleichmäßig mit dünnen Wolllagen zu belegen, ohne das dünne Stellen entstehen.

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Auf dem dritten Foto unten links seht Ihr den ersten Prototyp. Ich hatte den Luftballon nicht weit genug mit Wolle umgeben. Sie zog sich beim Schrumpfen noch weiter zusammen und bildet jetzt eine Halbkugel. Vorgestellt hatte ich mir allerdings ein Gebilde mit viel kleinerer Öffnung.

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Passt hier das Motto „Wer nichts tut, kann auch keine Fehler machen.“? Ich fand es mal im Glückskeks beim Vietnamesen…

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Erst nach dem Trocknen wird der Luftballon zerstochen und die trockene Hülle bekommt an einer Stelle ein kleines Loch. Vorsichtig ineinander gesteckt ergeben sich interessante Formen:

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Lavendelsäckchen = Lavendelgefäß

Die kleine, feine Lavendelernte vom Balkon sollte eine filzige Umhüllung bekommen. Im letzten Jahr waren es die Lavendelsterne, schöne Geschenke! In diesem Jahr reichte  EIN  hübsches Lavendelgeschenk.

Geplant war ein Lavendelsäckchen, das dünn genug war, um den Lavendelduft durchzulassen, aber stabil genug gefilzt war. Der dicke Vorfilz war zu viel des Guten, sodass ich spontan ein Lavendelgefäß daraus machte. Es lässt sich weiter befüllen (die Erntesaison läuft noch), ist offen und stabil genug, um zu stehen. Den Rand schlug ich um und dekorierte ihn mit Löchern (Stickschere).
Das Gefäß hat eine Höhe von ca. 9 cm und einen Durchmesser von ca. 5 cm.

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2015.10 Lavendelgefäß 2