Experimente gibt es nicht…

… beim Filzen.

Jedes Mal, wenn ich neue oder andere Wolle zum Filzen verwende, denke ich, es ist ein Experiment. Ich weiß nicht, ob das Filzteil gelingt und was am Ende herauskommt. Das stimmt allerdings nicht so ganz!

Wie sich  herausstellt, gelingt es immer, ein Filzteil herzustellen, die Frage ist tatsächlich nur, was kommt dabei heraus. Beim Filzen muss ich also so offen sein, dass ich mich von dem Bild, was vorher in meinem Kopf vom fertigen Filzteil entsteht, verabschieden muss, weil es etwas anders wird als erwartet.

Diesmal verwendete ich handgefärbte Blue Faced Leicester (80%) mit Tussahseide (20%) von Margits Filzschmiede und gewöhnliche grüne Merinowolle, um eine Handyhülle zu filzen. Einige Locken sollten die Oberfläche auflockern. Ich dachte, dass sich die grüne Wolle mit der violettfarbenen an der Oberfläche etwas mischen würde.

2017.02 Handytasche

Das war nicht der Fall. Jedenfalls nicht an der Oberfläche, sondern nur am oberen Ende. Offenbar sind die Fasern der Blue Faced Leicester so dicht, dass sie die grüne Merinowolle nicht durchlassen. Mir gefällt das so gut, v.a. auch der Effekt der Locken macht das Täschchen interessant und einzigartig. Es erinnert mich an Lavendel.

2017.02 Handyhülle 2

„My head is a jungle“ und „Schein oder Sein?

Kennt Ihr den Song „My head is a jungle“ von Wankelmut & Emma Louise? Es geht um eine Beziehung, die in die Brüche geht. Das ist aber gar nicht so interessant, sondern eher die Metapher: „My head is a jungle“. Geht es Euch manchmal auch so? Vor lauter Gedankengewusel fühlt sich der Kopf wie ein Dschungel an: undurchdringlich, unübersichtlich, unüberschaubar.

So geht es mir oft. Neben den alltäglichen Problemchen, die zu lösen sind, denke ich auch über bedeutendere Dinge nach. Seit einiger Zeit ist es das Thema „Schein oder Sein?“.

Wer bin ich? Wer will ich sein? Welche Rolle spiele ich – privat und beruflich? Muss ich überhaupt eine Rolle spielen? Kann ich nicht einfach ich sein? Verstelle ich mich, um anderen zu gefallen, dazuzugehören oder nicht aufzufallen? Wann und wem gegenüber bin ich authentisch?

Das sind z.B. Fragen, die mir Kopf herumschwirren. Zu manchen Fragen habe ich Antworten gefunden, andere lassen sich vielleicht (momentan oder überhaupt) nicht beantworten.

Es gibt viele Möglichkeiten, den Gedankendschungel zu durchdringen und zu stoppen: Sport machen, Tanzen gehen, Musik machen, sich einfach auf anderes konzentrieren und alles um sich herum vergessen. Das passiert auch beim Filzen. Heute habe ich die Kombination versucht: zum Thema „Schein und Sein“ filzen, um den Gedankendschungel dazu zu stoppen. Es hat funktioniert: