And the winners are…

So, die Zeit ist um. Die Umfrage zum schönsten FilzSi 2016 ist abgeschlossen, und es gibt heute nicht nur einen, sondern gleich drei Gewinner. Wie kann das sein?

Teil 1: Bei der Abstimmung gibt es zwei erste Plätze:

„Rico“ und „The World“ bekamen die meisten Stimmen:

2016.12 Best FilzSis

Es freut mich, dass diese beiden Filzobjekte von Euch so gewürdigt wurden. Beide sind auch für mich etwas besonderes im Filzjahr 2016.

Teil 2: Von allen, die abstimmten und eine Mail schickten, schrieb ich den Namen auf Zettelchen und platzierte diese unter den wachsamen Augen des Monsterältesten in meine allererste gefilzte Schale von 2008. Ein Zettelchen wurde gezogen… Hier ist das Ergebnis:

2016.12 The winner is

Der Schutzengel geht an: SVEN.

Herzlichen Glückwunsch! Deine FilzSi-Sammlung wird damit erweitert 🙂

Vielen Dank an alle, die teilgenommen haben! Schaut bald wieder bei FilzSi vorbei, die nächste Verlosung kommt bestimmt.

The World – ein Sitzhocker

Ein praktisches Geschenk ist es, für jemanden, der schon weit gereist ist und – sozusagen – die Welt gesehen hat.

2016.11 The World 7

Leider versäumte ich es, ein Foto vom Hocker zu machen, als ich ihn aus 2. Hand für kleines Geld bekam. Die braunen, geschwungene Beine hatten es mir angetan und das gewölbte Polster. Insgesamt befand er sich in einem guten Zustand. Zumindest das Polsterteil kann ich Euch im Originalzustand zeigen:

2016.11 The World 1

Das Gestell abzuschleifen und neu zu streichen war schnell gemacht. In schwarz sieht er noch edler aus, finde ich.

Die Frage nach dem Filzmotiv auf dem Polster beschäftigte mich allerdings länger. Die Idee, eine Weltkarte zu filzen, verdichtete sich. Warum? Der Hocker ist ein Geschenk für jemanden, der schon weit gereist ist, verschiedene (leider nicht alle) Kontinente gesehen hat, das Weltgeschehen verfolgt und nicht zuletzt sehr früh auch meine Reiselust und mein Interesse an geographischen Sachverhalten weckte. Weltkarten hatte ich schon gefilzt… Das war nicht die Schwierigkeit. Sie bestand vielmehr darin, ein rundes Abbild der Welt zu finden, das der Form des Hockers entspricht.

Meine bisher gefilzten Weltkarten waren alle rechteckig, nicht rund. Hier seht Ihr eine kleine Auswahl: eine Wärmflasche und eine Glückwunschkarte.

2016.11 The World 2

Bei der Durchsicht mehrerer Atlanten fand ich letztlich eine passende Darstellung mit allen Kontinenten, die der Beschenkte bereist hat: Europa, Nordamerika, Afrika und Asien. 2016.11 The World 3

Für die Experten unter Euch: es handelt sich um eine flächentreue Azimutal-Abbildung in schiefachsiger Lage. D.h. die Pole sind nach vorn und hinten verschoben und die Kontinente sind weitgehend flächentreu abgebildet, sodass wir sie recht gut erkennen können. Filztechnisch gesehen hat diese Darstellung der Welt den Vorteil, dass es nur zwei große Landflächen gibt: Nord- und Südamerika und Afrika, Europa mit Asien.

Endlich begann der Filzprozess. Das Meer filzte ich aus einer Fläche blauer  Kapmerino und dekorierte die Oberfläche mit Blautönen aus Kammzug und Seide.

Für die grünen Kontinente verwendete ich Vorfilz in drei Grüntönen, deren Oberfläche ich ebenfalls mit Seide und weiterer Wolle gestaltete. Nachdem der Vorfilz trocken war, heftete ich die beiden ausgeschnittenen Landflächen der Weltabbildung mit Stecknadeln auf den Vorfilz. Das auszuschneiden, ist nicht ganz einfach, aber mit einer kleinen, spitzen Schere gelingt es.

2016.11 The World 4

Nach genauem Blick auf die Vorlage waren die Landteile auf dem blauen Filzmeer platziert. Damit sie nicht verrutschten, schnitt ich als Folie einen Gefrierbeutel auf. Das Filzstück feuchtete ich an. Die Seife rieb ich mit einem Gurkenhobel vom großen Stück ab. Darüber legte ich die Folie und strich vorsichtig überschüssiges Wasser und Luft heraus. Mit angefeuchteten und seifigen Finger lässt sich wunderbar über das Filzstück reiben. Nach kurzer Zeit waren die Kontinente angefilzt und lagen noch da, wo sie sein sollten.

Damit man später auch erkennen kann, um welches Motiv es sich handelt, entschloss ich mich, das Gradnetz einzubauen. Dafür verwendete ich Wollfäden aus Seide und Mohair in schwarz. Dadurch, dass die Kontinente nun schon angefilzt waren, konnte ich die Fäden leicht auflegen, nass machen, andrücken und abschneiden. Wiederum legte ich die Folie auf und filzte die Fäden an.

Dann ging der Filzprozess seinen gewohnten Gang: Nachdem die Fäden eingefilzt waren, konnte das Rollen beginnen. Zur Stabilität hatte ich die Unterseite mit Seidenchiffon ausgelegt, sodass sich die Filzfläche leicht drehen und von der Rückseite bearbeiten ließ.

2016.11 The World 5

Zum Ende hin konnte ich die Fläche bereits auf das Polster des Hockers legen und anpassen. Es ist gar nicht so einfach, einen Kreis zu filzen…

Die Filzfläche spülte ich in klarem und Essigwasser aus und bügelte sie glatt und fast trocken. So konnte ich sie problemlos dem Polster anpassen und mit dem Tacker befestigen.

2016.11 The World 6

Ich bin gespannt, was der Beschenkte dazu sagt. Es ist für mich der schönste Moment, jemanden zu beobachten, wie er ein Geschenk bekommt und öffnet. Über eine geeignete Verpackung muss ich mir allerdings noch Gedanken machen…

Endlich fertig – der Nordseehocker

Wahrscheinlich dachten einige Blogleser, dass sie nie wieder etwas von dem Klavierhocker lesen würden, den ich Euch vor Monaten ganz euphorisch gezeigt hatte. Erinnert Ihr Euch? So sah er aus:

2016.04 Klavierhocker 1

Na ja, ich muss zugeben, dass ich bis vor einigen Tagen auch nicht daran geglaubt hatte, dass dieser Hocker jemals ein gutes Ende finden würde.

Noch im April war ich den beiden Farbschichten mit Spachtel, Schraubenzieher, Schmirgelpapier und was der Baumarkt sonst noch alles in der Abteilung „Farben & Lacke“ hergibt, zu Leibe gerückt (schwarz als unterste und fieser, dicker weißer Lack als oberste Schicht waren zu entfernen). Das war viel anstrengender und mühsamer als ich dachte. Mal abgesehen von der Sauerei im Filzzimmer… Irgendwann hatte ich die Nase voll und ließ den halbfertig entlackten Hocker stehen. Ich überlegte auch, ihn dem Sperrmüll zu übergeben. Aber wie heißt es so schön? Alles braucht seine Zeit – offenbar auch ein oller Klavierhocker.

Vorgestern dann machte ich den Umweg in den Baumarkt und durchstöberte zum wiederholten Mal die Farben- und Lackecke. Sollte ich den Hocker nun beizen oder mit Lack bestreichen? Welche Farbe? Welcher Pinsel? Muss dann Wachs drüber? Hält das überhaupt? Wieviel Farbe brauche ich? – Ihr merkt, ich habe wenig Ahnung von der Holzbearbeitung…

Ich entschied mich für schwarzen Lack. Das mit der Beize war zwar mein ursprünglicher Plan, aber die beiden alten Farbschichten hatten sich so sehr in das Holz gesetzt, dass das bestimmt scheckig ausgesehen hätte. Also doch lieber ein gleichmäßiger Anstrich in einer möglichst dunklen Farbe – schwarz passt immer.

Die letzten Farbreste waren mit neuer Energie schnell vom Hocker entfernt und der Lack problemlos auf dem Balkon aufgebracht, damit die Wohnung nicht stank und schwarze Flecke bekam. Dann stellte sich die nächste entscheidende Frage: Wie sollte der Filzbezug gestaltet sein?

Die „Kunterbunter-Stuhl-Technik“ hatte sich als zeitaufwendig, aber schön erwiesen. Diese Technik wählte ich nun auch für den Klavierhocker, allerdings mit einer anderen Farbgebung. Und die muss ich Euch erklären, denn es handelt sich ja nicht um einen Klavier-, sondern um den Nordseehocker. Er ist – wie so vieles bei mir, das kennt Ihr schon – ein Erinnerungsstück an den letzten Urlaub an der Nordsee, denn die Farben von dort tauchen im Hocker wieder auf:

2016.07 Nordseehocker 1

2016.07 Nordseehocker 2

Diese leuchtenden, aber matten Blau-Grüntöne bilden einen passenden Gegensatz zum leicht glänzenden schwarzen Lack.

Die Technik ist dieselbe wie beim Stuhl. Eine blaue Schicht Kap-Merino liegt über der Chiffonunterlage, die für eine hohe Festigkeit sorgt. Beides wird angefeuchtet und angefilzt. Darüber reihen sich dicht an dicht Flöckchen an Flöckchen verschiedener Wollfarben und -arten. Es dauert, die ca. 40 x 40 cm große Fläche zu füllen. Darüber lege ich ein Fliegennetz, feuchte und filze alles an. Durch die Verwendung der Kap-Merino Wolle wird das Filzteil schnell fest und relativ dick. Diese ganze Filzprozedur dauert gut zwei Stunden.

Die schon angetrocknete Filzfläche wird gebügelt und rasiert, so entsteht eine unvergleichlich glatte Oberfläche.

Das Polster besteht aus einem 3 cm hohen Schaumstoff. Ursprünglich hatte ich an Kapok oder Rosshaar gedacht. Reste von Rosshaar hatte ich gefunden, als ich den frisch erworbenen Hocker auseinander schraubte. Beides erschien mir zu kompliziert. Der Schaumstoff tut’s auch, denke ich.

2016.07 Nordseehocker 3

Der Klavierhocker – Vorfreude und Herausforderung

Seit heute bin ich stolze Besitzerin eines restaurierungsbedürftigen Klavierhockers, den ich online ersteigern konnte. Dessen (nicht mehr vorhandene) Polsterung möchte ich mit einem Filz“stoff“ beziehen. Bis dahin ist es allerdings noch ein weiter Weg. Jetzt gilt es erst einmal, die beiden alten Farbschichten zu entfernen und das Holz entsprechend zu bearbeiten. All das ist Neuland für mich…

Zweimal schon hatte ich es mit Möbelstücken zu tun: Das Holz des Stuhls mit dem kunterbunten Polster von letztem Jahr war tadellos, brauchte lediglich etwas Möbelpolitur. Der Hocker war sogar neu, hat Metallbeine.

Zum Glück lässt sich vieles dem Internet entnehmen: Videos und Anleitungen gibt es in Hülle und Fülle.

Auseinander geschraubt ist er mittlerweile. Das Bearbeiten des Holzes hat bereits begonnen, es macht Spaß und lässt die Gedanken kreisen: grün-blau könnte die Farbkombination des Filzbezugs werden… vielleicht mit etwas schwarzen Konturen dazwischen… das Holz nicht wieder farbig lackieren, sondern in Natur lassen… die Polsterung mit Kapok, der sog. Pflanzendaune, eine Naturfaser, die früher oft zur Füllung oder Polsterung verwendet wurde…

Ihr dürft gespannt sein, wie es weitergeht… 🙂

2016.04 Klavierhocker 1

Inspiriert von… Kenneth Noland

Bei einigen meiner Filzideen lasse ich mich von Künstlern inspirieren, diesmal von Kenneth Noland, einem amerikanischen Maler (1924-2010), der mit Farben und deren Wirkung experimentierte. Typisch für ihn sind konzentrisch angelegte Ringmuster mit Farben, deren Reflexe durch den weiß gestalteten Untergrund erstrahlen.

2015.10 Hocker 1

Diese Farbenergie lässt sich nicht nur mit Acrylfarben, sondern auch mit Filzwolle ausdrücken: Den weißen Untergrund bilden zwei Lagen Bergschafwolle und eine Lage dicker Vorfilz. Darauf lege ich mit blauen Vorfilzresten einen Kreis aus. Mithilfe einer Plastikschüssel, die am Boden einen Rand hat, kann ich zuvor die runde Form in den weißen Untergrund drücken und weiß, wie die Kreisform verläuft. Die gelben und rosafarbenen Kreise sind aus aneinandergelegten Vorfilzstreifen entstanden. Dies gilt auch für den grünen Streifen. Darauf lege ich zusätzlich grünen Kammzug für einen ausgefransten Außenrand (Leider schrumpft die Filzfläche nicht so stark, sodass der Rand nicht oben, sondern – wenn überhaupt – am Rand der Sitzfläche sichtbar wird.).

2015.10 Hocker 2

Je ordentlicher der Rand zum weißen Untergrund ist, desto intensiver wirken die Farben. Zunächst feuchte ich die mit einem Fliegengitter abgedeckte Fläche an und drücke sie platt. Dann sehe ich, an welchen Stellen ich nacharbeiten muss. Dies lässt sich gut mit einer Gabel oder einem Kamm machen. Die überstehenden Fasern werden „weggekämmt“. Hier ein Beispiel (links: vor der Bearbeitung, rechts: danach):

2015.10 Hocker 3

Die Bergschafwolle arbeitet sich schnell durch alle Schichten und sorgt für die nötige Stabilität als Sitzfläche, denn die Kreisformen sollen den Sitz eines Hockers verschönern.

2015.10 Hocker 4

Das abgeschraubte Sitzteil des Hockers dient nun, wenn die Filzfläche noch feucht ist, als Form. Der Filz wird nach und nach um die Sitzfläche gebogen. Die entstehenden Falten lassen sich mit Geduld, Seife, Kraft der Hände und einer Filzmaus „ausbügeln“. Die Wolle trocknet auf der hölzernen Sitzfläche, die später wieder an die weißen Stahlbeine geschraubt wird.

2015.10 Hocker 5