Vierbeiner – Luzi, das Islandpferd

Ach, liebe Leserinnen und Leser,

ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll… Ich möchte Euch Danken für die Treue in den letzten Wochen. Auch wenn es längere Zeit keine neuen Blogposts gab, besuchtet Ihr regelmäßig meinen Blog, und das freut mich sehr.

Beim Filzkurs von Gabriele Mazaracis in der Kreaktivwerkstatt von Heike Giesbert wurden mein Blog und meine Fotos vielfach gelobt und empfohlen. Das ist wirklich schön, denn mittlerweile kann ich auf sage und schreibe 392 Artikel in den letzten sechs Jahren zurückblicken.

Ja, Ihr habt richtig gelesen. Ich war wieder filzend unterwegs. Ich tauchte in ein Filz-Wellness-Wochenende ein, sozusagen ein Filz-Retreat zum Abschalten, Runterkommen, Träumeerfüllen, Austauschen, Fachsimpeln, Dazulernen, Experimentieren, Meditieren, lecker Essen, die Seele baumeln lassen und vieles mehr. Und darüber möchte ich Euch berichten.

Ein ganzes Wochenende verbrachte ich in Essen-Werden mit anderen filzbegeisterten Frauen und der Dozentin Gabriele Mazaracis in Heikes Werkstatt und tauchte in die Welt der Filztiere ein. Meine unbändige Vorfreude war nach einem Jahr Warten so sehr angewachsen. Im letzten Jahr hatte Gabi (Link zum Artikel über den Filzkurs im letzten Jahr) mich mit dem Tiervirus infiziert und seitdem entstanden zahlreiche Zweibeiner in dieser Technik:

Dieses Jahr wollte ich lernen, wie ich Tiere mit vier Beinen baue und hatte mir das Ziel gesetzt, ein Pferd zu filzen. Wer mich kennt, weiß, dass ich mir ein einmal in den Kopf gesetztes Ziel nicht ausreden lasse. Gabi merkte beim Anfertigen unseres ersten Filztier, das wir alle filzten, um mit der Vorgehensweise und den Materialien vertraut zu werden, dass ich mich nicht ganz ungeschickt anstellte und mich an einiges vom letzten Jahr erinnerte. Zügig waren mein Hase und meine Maus fertig. Es war gut, mit einem vergleichsweise kleinen Tier zu beginnen, um ein Gefühl für die Wolle und wichtigen Handgriffe zu bekommen.

Dann erklärte Gabi mir, wie ich mein Pferd aufbauen konnte. Die Herausforderung waren der Körper und die vier Beine, die gleich dick und lang werden und nach Pferdebeinen aussehen sollten.

Ich orientierte mich an einem Urlaubsfoto aus Island. Es ist irre, wie nachhaltig mich dieser Urlaub prägt. Immer wieder ist er beim Filzen ein Thema. In Island bin ich geritten. Also, nicht, dass hier ein falscher Eindruck entsteht. Ich habe in meiner Kindheit vielleicht fünfmal auf einem Pferd für jeweilseine Stunde gesessen und kann nicht reiten. Als unsere Reiseleiterin uns in Island die Gelegenheit gab, auf einem Islandpferd einen einstündigen Ausritt auch als Anfänger zu erleben, zögerte ich nicht lange. So ist dieses reizende Foto eines entspannten Islandpferdes und mir als angespannte Touristin entstanden. Die Zügel vermeintlich fest in der Hand… die Wahrheit ist, dass allerdings das Pferd den Ton angab und entschied, wann es stehen blieb und den anderen nicht folgte, sondern Fressen wollte.

Jedenfalls war für mich schon lange vor dem Kurs klar, dass ich ein Islandpferd filzen möchte, ein braunes, wie auf dem Foto. Zuerst wird der Körper, dann der Kopf gefilzt. Ohren und Beine werden als nächstes angesetzt. Für die Mähne wühlte Heike in ihren Vorräten mit Rohwolllocken und zauberte die perfekten Locken vom Islandschaf hervor, die schwarz-braun waren und genau zur braunen Bergschafwolle passten. Am Sonntag verpasste ich dem Pferd, das inzwischen Luzi heißt, ein Maul und Glasaugen. Gabi verstand es, nach und nach genauso viele Erklärungshäppchen zu geben, wie ich sie gut Schritt für Schritt umsetzen konnte. Sie gab große und kleine Tipps für den Umgang mit Bergschafwolle und das Bauen von komplexen Tieren, sodass mein Traum in Erfüllung ging und mich am Sonntag das fertige, perfekte, niedliche Islandpferd Luzi mit nach Hause begleitete.

Für eine ausführliche Anleitung von Luzi verweise ich entweder auf einen Filzkurs bei Gabriele Mazaracis (z.B. im nächsten Jahr in der Kreaktivwerkstatt in Essen-Werden) oder auf ihr wunderbares Anleitungsheft „Tiere einfach (nass) filzen“, das man über ihre Website bestellen kann.

Am besten, Ihr nehmt beide Angebote in Anspruch. Heikes Gastfreundschaft ist nicht zu übertreffen: Goodiebag für die Teilnehmer – alle erdenklichen Utensilien werden gestellt – Wolle ist in Hülle und Fülle vorhanden – leckere Snacks und Getränke – vegetarisches und veganes Essen draußen in der Sonne genießen – großer Arbeitstisch für jede mit rückenfreundlicher Höhe. Vielleicht sollte ich an dieser Stelle betonen, dass ich für diesen Blogpost kein Geld bekomme. Es ist sozusagen unbeauftragte Werbung, die ich gerne und ruhigen Gewissens mache.

Die Tatsache, dass Teilnehmerinnen zwei- bis dreistündige Autofahrten und eine Hotelübernachtung auf sich nehmen, um in der Kreaktivwerkstatt Kurse wahrzunehmen, spricht auch für sich. Außerdem war es wieder mal ein kleines Filzertreffen mit vielen bekannten Gesichtern. Was für eine tolle Auszeit praktisch direkt vor meiner Haustür! Danke, Heike, Gabi und all die anderen!

Wie schön war es zum Abschluss dieses Filzwochenendes zu sehen, dass sich Luzi und Mausi bereits angefreundet hatten! 😉

Colours of Iceland – Teil 1

Ihr wisst sicher, wie es ist und wie man sich fühlt, wenn man sich einen Traum erfüllt?

Dieses Gefühl konnte ich neun Tage lang auf Island genießen (Und es hält auch heute noch nach der Reise an.) Ja, genau, Ihr lest richtig. Während in Mitteleuropa die Hitzewelle alle in ihren Bann zog, machte ich Sommerurlaub auf der erfrischend kühlen, feuchten und windigen Insel.

Vor fünf Jahren war ich bereits dort. Das war im April, also im Winter, mit Schnee, Frost, Sonne, Wind, Sturm, Nordlichtern und unvergesslichen Eindrücken hatten mich Island und die Isländer fasziniert. Wie ist es möglich, in einer z. T. so lebensfeindlichen und abgelegenen Gegend zu leben mit viel Dunkelheit im Winter, Unwägbarkeiten bei den Wetterverhältnissen auch im Hochsommer und den Naturgewalten in Form von Erdbeben und Vulkanismus? Das ist eine Frage, die mich seit der Schulzeit verfolgt und mich in viele, v.a. heiße und trockene Gebiete der Erde führte.

Vor fünf Jahren also hatte ich mich auf die Gegend um Reykjavik und Borgarnes, also den Westen, konzentriert. Damals versprach ich mir, zurückzukehren und den Rest der Insel zu einer anderen Jahreszeit, im Sommer, zu erkunden, denn ich wollte die Mitternachtssonne erleben.

Nun endlich ging dieser Wunsch in Erfüllung! Ich bereiste Island entlang der Ringstraße auf knapp 1800 km. Genau genommen gingen ganz viele Träume auf dieser Reise in Erfüllung: ich sah Eisberge, Gletscherzungen, Buckelwale, Papageientaucher, Vulkane, Kraterseen, Wasserfälle, ich ritt auf einem Islandpferd und bestaunte unfassbare, unglaublich schöne und gleichzeitig bizarre Landschaften. Ich glaube, es wird deutlich, dass diese Reise mit ihren Eindrücken nicht spurlos an mir vorbeiging. Die folgenden Fotos beweisen dies:

Ihr kennt mich gut genug, um zu wissen, dass ich diese Eindrücke filzend verarbeite. Und so komme ich – auch schon – zum Titel dieses Posts „Colours of Iceland“, denn die Farben Islands beeindruckten mich auch dieses Mal nachhaltig.

Aus der von Island mitgebrachten grünen Filzwolle (Islandwolle) filzte ich ein Sitzkissen als Erinnerung an diesen wundervollen Urlaub. Islandwolle ist grob, ich glaube sie hat zwischen 27 und 31 mic. Es dauerte erst bis sie verfilzte, aber dann ging es recht schnell.

Diese grasgrüne Islandwolle wählte ich als Hinter-/Untergrund. Darauf legte ich wasserblaue Wolle mit Seidenanteil von Annemie Koenen und darauf legte ich eine Karte  mit den Umrissen Islands, die ich aus eisblauem Vorfilz geschnitten hatte. Der Schriftzug ist aus tannengrünem Vorfilz geschnitten.

Dies ist – wie der Titel prophezeit – der erste Teil der Reisenachbereitung. Freut Euch schon auf den nächsten Teil von „Colours of Iceland“.

Abschließen möchte ich diesen Post mit einem Foto eines Islandschafes, das mir am Mÿvatn See, am Mückensee, begegnete.