Der Schilfstuhl

Das Befilzen von Stühlen und Hockern macht süchtig.

2016.07 Schilfstuhl 0

Heute stelle ich Euch einen Stuhl vor, der vorm Sperrmüll gerettet und in mühevoller Arbeit von meiner Mutter vor Jahren hergerichtet wurde. Seltsamerweise hatte er noch kein Filzkissen. Das änderte sich jetzt. Offenbar noch immer inspiriert von meinem Nordseeurlaub, versuchte ich eine Art Landschaft zu zaubern. Zuerst sollte es das Meer sein, aber ich wollte oben unbedingt etwas Weißes haben, damit das Kissen mit dem Stuhl eine Einheit bildet (Hierbei handelt es sich nicht um einen Polsterstuhl, sondern das Sitzkissen liegt lose auf und ist mit Schnüren an der Lehne befestigt.).

Ich entschied mich für einen weiß-grün Kontrast und wollte das Schilfgras am Wattenmeer nachempfinden. Viel weiße Wolle hatte ich nicht mehr im Bestand, also improvisierte ich:

  • zwei Lagen dicker weißer Vorfilz
  • eine Lage Seidenchiffon zur Stabilisation
  • eine Lage lachsfarbene Vlieswolle.

Die weiße Seite würde später oben, die lachsfarbene unten liegen. 2016.07 Schilfstuhl 1Dies durchnässte ich und filzte alles an.

Für den unteren Teil der Landschaft verwendete ich verschiedene Grüntöne in Vliesqualität. Auch diese Wolle wurde angefilzt. Für die Gräser und Schilfpflanzen musste Kammzug herhalten. Eine bestimmte Technik hat sich bewährt: Man nimmt eine dünne Strähne in der gewünschten Länge und legt sie auf dem oberen, nassen Teil des Filzstücks.* Mit der linken Hand fasst man das Ende des Schilfes und zieht, während man mit dem rechten Zeigefinger den Schilf entlangfährt, sodass er sich glättet und dünn wird. Vor allem auf eine schöne Spitze kommt es an, die gleichmäßig ausfläuft. Die Schilfsträhne legte ich an die entsprechende Stelle. Später kaschierte ich das untere Ende mit etwas Vlieswolle.2016.07 Schilfstuhl 2

Ist man zufrieden mit dem „Bild“, geht der normale Filzprozess los: mit Fliegengitter abdecken, anfilzen, umdrehen, die Rückseite bearbeiten, bei einer gewissen Festigkeit von allen Seiten rollen etc..

2017.07 Schilfstuhl 3

Ist das Filzstück fertig, ausgespühlt und mit Essigessenz neutralisiert, folgt nach dem Antrocknen meine Lieblingsbeschäftigung: Bügeln. Sie ist ähnlich meditativ wie das Filzen selbst. Allerdings beschränkt sich diese Vorliebe ausschließlich auf Gefilztes. Die „Filzfalten“ (s. o. im Foto) mögen zwar manchmal recht attraktiv sein, aber würden meine Vorstellung eines Sitzkissens stören.

Mit einer Doppelseite Zeitungspapier nahm ich die Form des Sitzes vom Stuhl, als Schnittvorlage. Geschnitten wird erst, wenn das Filzstück getrocknet ist.

2016.07 Schilfstuhl 4

In der Zwischenzeit kümmerte ich mich um die Schnüre, mit denen ich das Sitzkissen an der Stuhllehne befestigen wollte. Ein ca. 50 cm langer Vliesstrang in grün (gern hätte ich weiß genommen, aber das war leider nicht im Bestand) wird geteilt und auf der Unterlage gerollt. Die trockenen Schnüre nähte ich an das Sitzkissen. Die elegantere Version wäre gewesen, die Schnüre filzend in das Sitzkissen zu integrieren, aber dann hätte das Sitzkissen von vornherein die richtige Form und Größe haben müssen…

2016.07 Schilfstuhl 5

So sieht das Schilffilzkissen aus:

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*Hier wählte ich den weißen Teil. Man kann auch ein nasses Handtuch nehmen und neben die Filzarbeit legen, aber mit „meiner“ Methode kam ich gut zurecht und das Filzstück leidet nicht, weil die Schilfsträhne gleich wieder abgenommen und anderweitig platziert wird.

Engel

Wie viele Engel habt Ihr?

Ich habe gezählt und bin auf vier gekommen: Zwei wohnen im Schlafzimmer, an der Wand und auf dem Nachttisch. Der Dritte steht auf dem Schreibtisch.

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Nummer vier ist der wichtigste; er ist überall da, wo ich bin… Er ließ sich aber nicht überreden, auf’s Foto zu kommen. Aber ich weiß, dass es ihn gibt. Ohne ihn würde ich jetzt nicht in der Lage sein, diesen Post zu tippen: Mein Schutzengel.

Aus irgendwelchen Gründen sind Engel momentan wichtig für mich. So wichtig, dass daraus eine Filzserie wurde. Ganz unbekannt ist mir das Thema allerdings nicht, denn 2014 gab es schon einen Weihnachtsengel.

An nur einem Tag entstanden diese vier Exemplare:

2016.05 Engel 2

Die ersten beiden Engel sind in Schablonentechnik gefertigt. Die anderen beiden entstanden aus einer dicken Filzfläche.

Der linke Engel besteht aus zwei Teilen, dem Körper und den Flügeln. Für beides verwendete ich feine australische Merinowolle im Kammzug. Diese Verarbeitungsart ist nicht so unbedingt mein Ding. Dies wird beim genauen Hinsehen bei den Flügeln deutlich, die ich aus einer kleiner Filzfläche schnitt. Die Schnittkanten sind nicht so akkurat wie bei Filz aus Vlieswolle oder Vorfilz. Es gibt bestimmt einen Trick, der mir aber leider unbekannt ist. Deshalb gefällt er mir nicht so gut. Es wäre ein Versuch wert, die Schablone nochmals mit Vlieswolle zu verwenden.

2016.05 Engel 3

Der zweite Engel ist aus einer cremefarbenen Vlieswolle mit Seidenanteil, die ich noch nie ausprobiert hatte. Sie ließ sich vergleichsweise mühsam verarbeiten und schrumpfte nicht viel. Er gefällt mir recht gut, weil er deutlich macht, dass Engel nicht immer schlanke, elfenhafte Wesen sein müssen 😉

2016.05 Engel 4

Für den dritten Engel nahm ich dicken Vorfilz doppelt und belegte ihn üppig mit Seidenfasern. Das gibt den schönen Oberflächen- und Farbeffekt (die Seide ist weißer als der Vorfilz). Nach dem Trocknen ließ sich diese Fläche problemlos schneiden. Den Umgang mit der kleinen Stickschere mag ich sehr, deshalb gefällt mir dieser Engel auch so gut. Außerdem ist er aus einem Stück gefertigt und lässt sich mit einem Faden versehen gut verschenken und überall hinhängen.

2016.05 Engel 5

Den vierten und letzten Engel der Serie kennt Ihr schon halb aus dem letzten Post. Das Holzstück erweiterte ich um Kopf und Flügel. Die Grundform des Kopfes besteht aus einer Kugel, die schon lange im Filzzimmer lag. Ich glaube, sie stammt noch aus der Monsterzeit. Sie wurde ein wenig vergrößert.

Die Flügel schnitt ich aus einer Filzfläche und sind, genauso wie der Kopf, mit Klebstoff am Holzstück befestigt. Mir gefällt dieser Engel am besten, denn das Zusammenspiel der beiden Materialien macht Spaß und durch Eindrücken mit den Fingern an der Vorderseite hat die Filzkugel sozusagen Augenhöhlen bekommen. Dies gibt dem Engel einen gewissen Ausdruck. Wenn es nicht so umständlich wäre, an diese tollen Holzstücke zu kommen, könnte ich mir vorstellen, eine ganze Reihe dieser Engel zu produzieren“.

Welcher gefällt Euch am besten? Und warum? Bin gespannt auf Eure Kommentare.

2016.05 Engel 6

Magnetismusversuche

Ausgangspunkt ist dieses niedliche Magnettierchen, das ich zufällig in einem Baumarkt entdeckte:

2016.04 Magnetismus 1

So etwas müsste sich filzen lassen, dachte ich…

Einen einzelnen Magneten hatte ich zur Hand, wollte ich doch das niedliche Tierchen nicht mit der Schere zerstören. Und mir war nach türkis-grünfarbener Wolle… die liegt schon lang im Regal und sollte nun ausprobiert werden.

Schon einmal hatten die Filzkinder der AG mit Magneten experimentiert und herausgefunden, dass die Wollschicht darüber nur ganz dünn sein durfte, damit der Magnet noch magnetisch ist. Das versuchte ich nun mit dem Kammzug. Eine Blume sollte es werden.

2016.04 Magnetismus 2

  1. Man nehme eine dünne Lage handkardierten Kammzug mit dem Namen „Krokodilauge“ und einen relativ starken Magneten.
  2. Darauf liegen wiederum weitere Lagen Kammzug im 90° Winkel.
  3. Die Mitte der Oberseite ziert etwas Gelb.
  4. Eine separat gefilzte Halbkugel dient als Blütenmitte.

Fazit: Eine Blume ist es geworden. Allerdings ist die erste Wollschicht etwas zu dick, denn die Magnetfähigkeit ist leicht eingeschränkt. Ich bin aber sicher, dass sich die Beschenkte trotzdem freut 🙂

2016.04 Magnetismus 3 2016.04 Magnetismus 4

„Was kann man alles filzen?“

Diese Frage stellte letztens ein Kind aus der Filz-AG. Meine Antwort lautete: „Fast alles.“. Im heutigen Beitrag möchte ich ein weiteres Objekt vorstellen, das mich nun schon viele Jahre in meinem Atelier begleitet: ein gefilzter Lampenschirm – jeden Abend mit einer Zeitschaltuhr im Einsatz.

Man nehme ein kostengünstiges Lampengestell mit passendem Schirm. Die Maße des Schirms geben die benötigte, fertige Filzfläche an. Weil der Schirm oben schmaler ist als unten, empfiehlt sich eine Schablone. Dafür wird der Lampenschirm langsam über ein Stück Papier oder Zeitung gerollt und man kann mit einem dicken Stift an den Rändern entlangfahren und diese Schablone ausschneiden. Hierbei merkt man, dass die Schablone eine fast halbrunde Form bekommt.

Gefilzt wird der Lampenschirm entweder mit einer dünnen Lage Vorfilz. Dies führt zu einem absolut gleichmäßigen Ergebnis. Kammzug oder Vließwolle eignen sich natürlich auch, jedoch muss man bei deren Verwendung darauf gefasst sein, dass die Verteilung der Wolle ungleichmäßiger ausfällt und somit auch das Licht unterschiedlich durch den Schirm scheinen wird. Beides hat seinen Reiz.

Ich entschied mich für die erste Variante mit dem Vorfilz. Der eigentliche Pfiff der Lampe ergibt sich nämlich erst durch das Einfilzen von hauchdünnen Seidenfäden und schräger Richtung. Daran kann ich mich bei eingeschalteter Lampe auch heute noch nicht sattsehen.

Überzeugt Euch selbst anhand der folgenden Fotos:

2016.04 Lampenschirm 1

2016.04 Lampenschirm 3

2016.04 Lampenschirm 2

Wer möchte ein türkis-grünes Kissen ersteigern?

Das Kissen (70 x 30 cm) filzte ich mit grünem und türkisem Kammzug. Die oberste Lage ist zwar eine türkisfarbene, aber die grünen, unterliegenden Lagen scheinen durch und korrespondieren mit den dunkelblauen und hellgrünen Kreisen, die ich aus Vorfilz schnitt. So ergibt sich eine einmalige Oberfläche, die etwas glänzt.Das Kissen hat keinen Reißverschluss und eine Federfüllung. 

Das Anfangsgebot liegt bei 20€. Bitte gebt weitere Gebote bis zum 6.3.2016, 18 Uhr per Mail oder Kommentar ab. 

Inspiriert von… Heinz Mack

Bis vor einigen Tagen gab es eine sehr schöne, farbenfrohe und inspirierende Ausstellung im Museum Küppersmühle in Duisburg von Heinz Mack. Seine Bilder bestechen durch ihre Größe und Farbflächen, die harmonische Ensemble bilden und mich als Filzerin sehr ansprechen, weil sich einiges mit Wolle umsetzen lässt.

In diesem Fall bildet dickerer Vorfilz die Grundlage. Darauf kommen dünne Stränge Kammzug in Regenbogenfarben. Auf dem Handyfoto ist das Original aus der Ausstellung sichtbar. Mit einer Gabel lassen sich die einzelnen Farben relativ sauber trennen, wenn dies gewünscht wird.

Der Filzprozess geht wie üblich vor sich: vorsichtig (evtl. mithilfe einer Gardine) anreiben und dann in verschiedene Richtungen rollen. Da es sich um ein Bild oder Dekoobjekt handelt, muss es nicht allzu fest gefilzt werden.

Wie bei Mack schneide ich die Enden zackig und klebe die Fläche auf eine weiße Pappe. Ein gelber Bilderrahmen bildet den Abschluss.

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Inspiriert von… Kenneth Noland

Bei einigen meiner Filzideen lasse ich mich von Künstlern inspirieren, diesmal von Kenneth Noland, einem amerikanischen Maler (1924-2010), der mit Farben und deren Wirkung experimentierte. Typisch für ihn sind konzentrisch angelegte Ringmuster mit Farben, deren Reflexe durch den weiß gestalteten Untergrund erstrahlen.

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Diese Farbenergie lässt sich nicht nur mit Acrylfarben, sondern auch mit Filzwolle ausdrücken: Den weißen Untergrund bilden zwei Lagen Bergschafwolle und eine Lage dicker Vorfilz. Darauf lege ich mit blauen Vorfilzresten einen Kreis aus. Mithilfe einer Plastikschüssel, die am Boden einen Rand hat, kann ich zuvor die runde Form in den weißen Untergrund drücken und weiß, wie die Kreisform verläuft. Die gelben und rosafarbenen Kreise sind aus aneinandergelegten Vorfilzstreifen entstanden. Dies gilt auch für den grünen Streifen. Darauf lege ich zusätzlich grünen Kammzug für einen ausgefransten Außenrand (Leider schrumpft die Filzfläche nicht so stark, sodass der Rand nicht oben, sondern – wenn überhaupt – am Rand der Sitzfläche sichtbar wird.).

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Je ordentlicher der Rand zum weißen Untergrund ist, desto intensiver wirken die Farben. Zunächst feuchte ich die mit einem Fliegengitter abgedeckte Fläche an und drücke sie platt. Dann sehe ich, an welchen Stellen ich nacharbeiten muss. Dies lässt sich gut mit einer Gabel oder einem Kamm machen. Die überstehenden Fasern werden „weggekämmt“. Hier ein Beispiel (links: vor der Bearbeitung, rechts: danach):

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Die Bergschafwolle arbeitet sich schnell durch alle Schichten und sorgt für die nötige Stabilität als Sitzfläche, denn die Kreisformen sollen den Sitz eines Hockers verschönern.

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Das abgeschraubte Sitzteil des Hockers dient nun, wenn die Filzfläche noch feucht ist, als Form. Der Filz wird nach und nach um die Sitzfläche gebogen. Die entstehenden Falten lassen sich mit Geduld, Seife, Kraft der Hände und einer Filzmaus „ausbügeln“. Die Wolle trocknet auf der hölzernen Sitzfläche, die später wieder an die weißen Stahlbeine geschraubt wird.

2015.10 Hocker 5

Lachsfarbener Spätsommer-Loop

Passend zur Temperatur trage ich heute morgen (nur 11°C!) den Leinenschal. Er ist mit Filzstücken versehen, die ich aus Vorfilz (2 Lagen Merinokammzug) und einigen Wollfäden schnitt und einfilzte. Die Naht des ursprünglichen Loops ist durch eine dekorativere Filznaht ersetzt. Der Schal wärmt etwas und ist für den Spätsommermorgen genau richtig. Wenn es noch kühler wird, liegt der passende Hut schon bereit.

2015.01 Spätsommer-Loop

A little sunshine, please!

Dauerregen… seit Freitag hat es hier soviel geregnet wie sonst im gesamten August. Da muss heute ein bisschen sunshine sein.

Neulich fand ich dieses T-shirt aus Leinen mit dem Aufdruck: „You are the sunshine that makes my day.“. Ideal zum Filzen!

Wahrscheinlich wird daraus ein Kissen (50 x 30 cm). Die Gestaltung der Rückseite ist noch unklar… Vielleicht in den sunshine-Farben des Aufdrucks?