Handschuhe – oder warum Fäustlinge besser sind

Ihr erinnert Euch an den Schluss meines letzten Posts über die Hutmütze, die ich filzte? Dort kündigte ich an, als nächstes Handschuhe zu filzen und fragte Euch, ob es Fäustlinge oder Fingerhandschuhe werden sollten.

Dreimal dürft Ihr raten, wofür ich mich entschieden habe 😉 für die Fäustlinge natürlich.

Meine Entscheidung basiert auf zwei Gründen:

Zum einen fällt es mir sehr viel leichter, Fäustlinge zu filzen, weil die Länge der Schablonenränder und die Oberfläche viel geringer ist und die ausgelegte Fläche zusammenhängend und nicht aufgefächert/-gefingert ist und somit die Wahrscheinlichkeit sinkt, dass Löcher auftreten, weil nicht so viel Wolle an den Rändern umgelegt werden muss. Außerdem müssten sie, um tragbar zu sein, sehr dünn gefilzt werden, sonst wären die Finger möglicherweise nicht gut beweglich.

Unmöglich ist es nicht, Fingerhandschuhe zu filzen, aber es ist momentan für mich eine zu große Herausforderung.

Zum anderen komme ich persönlich nicht gut mit Fingerhandschuhen zurecht, denn oft habe ich damit kalte Finger, und das ist ja genau das Gegenteil, warum ich sie tragen möchte. Vielleicht wäre es mit gefilzten Handschuhen anders, weil sie aus 100% Wolle bestehen.

Meine schönsten und wärmsten Handschuhe (Fäustlinge) habe ich aus Island. Sie wurden gestrickt und dann (vermutlich in der Waschmaschine) gefilzt. Sie bestehen aus 100% grauer Islandwolle, sind rot bestickt und wärmen die Hände sofort.

Doch nun zum eigentlichen Thema, den gefilzten Fäustlingen:

Meine Filzfäustlinge sind etwas Besonderes, weil sie als Gemeinschaftsprojekt mit meiner Mutti entstanden. Zuerst haben wir Wolle kardiert und mischten verschiedene Türkis- und Petroltöne, sowie etwas Gelb, Weiß, Hellblau mit der Kardiermaschine. Zwei Batts entstanden, die ich leider nicht knipste, weil es düster war und das Licht den Farben nicht gerecht geworden wäre.

Fangen wir mal mit dem Resultat an: 

Wenn Ihr genau hinschaut, könnt Ihr die unterschiedliche Maserung des linken und rechten Handschuhs erkennen. Wir mischten vor dem Auslegen die beiden Batts nicht, so kam dieser Farbmusterunterschied zustande. Mir gefällt das sehr. Bei diesen Handschuhen verzichtete ich bewusst auf zusätzliche Materialien wie Seidenfasern, Stoff etc., sie bestehen ausschließlich aus Kammzugwolle.

Beide Handschuhe sind übrigens gleich groß, auch wenn das Foto etwas anderes suggeriert. Da ist wohl die Linse der Kamera schuld. Außerdem sind die Handschuhe für meine Hände ausgeformt und liegen nicht flach auf der Unterlage.

Nun, wie sind wir beim Fäustlingfilzen vorgegangen?

Zuerst malten wir die Umrisse meiner (kleinen) Hand auf ein Stück Papier und schnitten dies aus (der Wasserring kam später zustande, weil ich ein Glas darauf abgestellt hatte).

Von meinem Mützenhutprojekt wusste ich, dass ich bei zwei dünnen Lagen einen Schrumpf von 50% haben würde. Also verlängerten wir meine Papierschablone auf das Doppelte und erstellten eine Schablone aus dünner Trittschallfolie. Auf dem unteren Foto könnt Ihr die Maße sehen, die wir zugrunde legten.

Auf jede Seite und mit jeder Schicht legte ich ungefähr 4g Wolle aus. D.h. insgesamt verwendete ich 32g Wolle. Diese teilte ich in 8 Häufchen auf, 2 für jede Seite (Vorder- und Rückseite berücksichtigen).

Beim oberen Bild ist die erste Lage ausgelegt. Dafür wählten wir türkisfarbene Wolle im Kammzug.Das obere Foto zeigt die gelegte zweite Schicht der kardierten Wolle. Der linke Handschuh ist bereits mit der Ballbrause nass gemacht.

Beide Lagen sind gelegt und die Wolle wurde bereits leicht angefilzt. Nun hieß es weiter bearbeiten. Schon bald, wie üblich bei dünn ausgelegten Filzteilen, setzte der Schrumpf ein, und wir schnitten die Schablone auf.

Hier sehr Ihr die ausgelegte Größe mit Schablone (links) und rechts die geschrumpfte Variante, die schon nah am Ziel ist. Von da an, war Feinarbeit vorgesehen: Ränder glätten, Daumen einstampfen zum Kürzen, gleiche Größen links und rechts erstellen, den gesamten Handschuh an meiner Hand formen. Und das ganze mal zwei für zwei Fäustlinge.

Wir freuten uns sehr darüber – und es machte uns sehr stolz -, dass die Wolle keine Löcher hatte, fest war und der Handschuh trotzdem einsatzfähig, z.B. beim Autofahren.

Zuletzt präsentieren wir Euch noch ein Fäustlingsfoto: WIP – work in progress. Zu dem Zeitpunkt war die erste Anprobe.

Die Fäustlinge sind dicht, aber dünn genug für den Einsatz, und ich freue mich sehr über dieses Gemeinschaftsprojekt mit meiner Mutti. Sie wird natürlich auch noch solche Fäustlinge bekommen. Jetzt wissen wir ja, wie es geht.

Filzen für die Wissenschaft

Im Rahmen ihrer PhD Ausstellung an der University of Chester in Großbritannien möchte Georgina Spry möglichst viele Filztaschen im A5-Format oder kleiner sammeln, zusammenstellen und ausstellen. Bewerben können sich Filzerinnen der Region, aus Großbritannien und weltweit. Sie postete eine Anfrage in einer Filzergruppe auf Facebook, und ich nahm mir vor mitzumachen.

Ich filzte eine Tasche aus einem kardierten Batt, das hauptsächlich aus grauer, gelber, blauer und roter Wolle mit roten Seidenfäden bestand. Ich war gespannt, wie sich die graue Faser im Vergleich zu den anderen verhalten würde. 2017.01 Uni Chester 1Dieses Batt legte ich wie einen Kammzug um eine rechteckige Schablone und dekorierte die ausgelegte Wolle mit roten und blauen Seidenfäden und orange-schwarzfarbenen Locken.

2017.01 Uni Chester 3

Die Käsereibe auf dem Bild ist übrigens ein Tipp von Petra Hollomotz. Damit lässt sich die Olivenseife am Stück gleichmäßig auf der nassen Wolle verteilen.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Der Filz der Tasche macht einen Eindruck wie Tweedstoff und wird sowohl durch die Seidenfasern als auch durch die groben Locken aufgelockert.

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Der Verschluss ist ein alter Lederknopf aus der Sammlung meiner Mutter. Die Lasche ist eine gedrehte Wollschnur einer Seiden-Mohair Mischung.

Das letzte Foto zeigt die unterschiedlich verwendeten Fasern: die kardierte Wolle wirkt recht bunt, wenn man sie näher betrachtet. Die blauen Seidenfasern liegen dem Filz auf und glänzen, während sich die Locken eher einarbeiten und hochstehen. Entstanden ist eine Tasche mit Charakter.

Ich bin gespannt auf das Ergebnis der vielen eingesandten Taschen, das Johanna Spry veröffentlichen wird.

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Mohnblumenschal

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Ein Schal mit Mohnblumen sollte es sein… elegant, täglich tragbar, nicht zu auffällig, nicht zu dick und kratzig, aber exklusiv. Das waren meine Überlegungen und Vorhaben. Es ist immer besonders, wenn ich weiß, für wen ich etwas filze. Denjenigen habe ich beim Filzprozess oft vor Augen.

Schwarzer Chiffon dient als Untergrund, der Rand ist mit feiner schwarzer, hauchdünn ausgelegter Merinowolle eingefasst. Einzelne schwarze Ranken mit Blättern zieren hier und da den Schal. Grün sollten sie ursprünglich sein, doch ich entschied mich dagegen und bin froh darüber. So sieht es einheitlicher und aus.

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Die Blüten sind aus kardierter Kammzugwolle. Feine Merinowolle in Rottönen schickte ich mehrfach durch die Kardiermaschine, dadurch ergibt sich ein satter melierter Rotton. Diese Batts legte ich zweilagig aus und filzte sie an. Der so entstandene Vorfilz lässt sich problemlos in Blüten schneiden.

In der Mitte der Blüten liegt ein Hauch von hellroten Seidenfäden und schwarze Vlieswolle.

Alles wird sowohl von der Vorder- als auch von der Rückseite mit der Hand, warmem Wasser und Seife angefilzt, gerollt und geworfen.

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natural wool – Lockenverarbeitung

Letztens erhielt ich eine größere Wollieferung mit unterschiedlichen Qualitäten und Farben von einer Filzerin, die ihr Hobby leider aufgeben muss. Dabei waren zwei Handvoll ungefärbte, recht grobe, kardierte Wolle im Kammzug. Leider weiß ich nicht, welche Art es ist. Aber die Wolle hat die gleiche Farbe wie die Locken vom Gotlandschaf, die ich wie einen Schatz aufbewahre. Ich kardierte die Wolle noch einmal und bekam ein gleichmäßiges, fluffiges Ergebnis. So kam mir eine Idee…

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Die Verarbeitung von Rohwolle erlernte ich schon bei Heidi Greb (Weste). Sie zeigte uns, wie Locken eingefilzt werden. Im letzten Jahr vertiefte ich dieses Wissen beim Revierfilzertreffen (Schaf und Sitzfellchen). Dort bewunderte ich eine Schale aus naturbelassener Wolle mit Locken, die den Rand der Schale zierten.

Hier Detailfotos der Weste und des Sitzfellchens:

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Die Locken selbst filzen nicht, sondern die Schnittfläche muss immer Kontakt zu Wolle haben und eingefilzt werden. Das versuchte ich nun bei der Herstellung eines Gefäßes.

Zunächst legte ich die kardierte Wolle um die Schablone, legte dann die Schnittkante der Locken auf den oberen Rand und bedeckte diese nochmals mit Wolle. Die Locken sind anfangs viel dunkler, werden aber beim Filzen sauber und bekommen diese wollweiße Farbe.

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Einzelne dunkelgraue Haare kommen zum Vorschein, die man mit einer Stecknadel herausziehen kann. Ich finde sie aber nicht störend.

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Filzseife

Es ist ein gefilzter Klassiker, den ich tatsächlich in meiner Filzkarriere bisher noch nie ausprobierte.

Warum umfilzt man Seife?

Die Filzseife hat eine Peeling- und Massagewirkung, liegt gut in der Hand, und starke Verschmutzungen lassen sich leicht entfernen. Sie muss zwischen der Nutzung trocknen können. Die Wolle verfilzt mehr und mehr, übrig bleibt die duftende Wolle, wenn die Seife aufgebraucht ist.

Quadratische Olivenseife hatte ich zur Hand und natürlich kardierte Wolle. Pastellig sollte es werden aus grünen, violetten und gelben Merinofasern. Einige Seidenfasern arbeitete ich ebenfalls ein.

2016.12 Filzseife

Diese gingen beim Einseifen leider verloren. Insgesamt war diese Seifenaktion nicht so erfreulich. Das Umhüllen der Seifenstücke gestaltete sich einfach, aber dann schäumte und schäumte es immer mehr, aber die Wolle wollte nicht so richtig verfilzen. Vielleicht kam mir meine Ungeduld in die Quere und ich filzte nicht lang genug? Vielleicht ist die Olivenseife nicht die geeignete Wahl? Ich werde der Filzseife eine zweite Chance geben und berichten…

Kardierter Herbst

Nachdem ich den Tipp bekam, die zu Wolle nicht nur längs, sondern auch quer durch die Kardiermaschine zu schicken, musste ich das sofort ausprobieren. Im letzten Post stelle ich Euch drei Gefäße vor: Frühling, Sommer, Winter. Der Herbst fehlte. Nun ist er da.

Die Seidenfasern kardierte ich nicht mit, sondern filzte sie nachträglich ein. deshalb stehen sie hervor. Es passt zum Herbst, wie ich finde.

2016.12 carded autumn

Ein Glück, dass es hell ist und sonnig zu werden scheint. So gelingt es der Kamera auch in der dunklen Jahreszeit, die kardierte Wolle einzufangen.

Frühjahr, Sommer, Herbst, Winter – das Jahr ist nun komplett:

2016.12 carded seasons