Neue Wege im Filzen – felt moments mit Maria Friese

Ziemlich zu Beginn der Coronakrise und der Kontaktbeschränkungen begann Maria Friese mit Onlinekursen. Letztes Jahr hatte sie zwar ihre Filzkarriere an den Nagel gehängt, aber nun bot sie in der Krise Kurse an, die einen kunsttherapeutischen Hintergrund haben und weit über die Vermittlung von Filztechniken hinausgehen.
Sie nennt ihre Kursreihe „Heart transformation“. Das lässt sich gar nicht so leicht ins Deutsche übersetzen. „Umwandlung des Herzens“, „Transformation des Herzens“ trifft es nicht so wirklich. „Veränderung des Herzens“ trifft es vielleicht am ehesten.
Es geht darum, wie man in der Coronazeit Positivität mit unserer Kreativität aussenden kann. Marias Idee bei den ersten Kursen war es, Samen für eine neue Welt zu kreieren, und unsere Wünsche für eine neue und gesunde Welt zu formulieren.

Ich war bisher dreimal bei Marias Video-Konferenzen dabei. Zweimal lief die Konferenz auf Deutsch ab, und es waren deutschsprachige Filzerinnen dabei.  Einmal war der Kurs auf Englisch, und es war ein internationales Publikum. Das hat mir sehr gefallen, ehrlich gesagt, denn es gab Teilnehmerinnen aus Nordamerika, Europa und Australien, die zur gleichen Zeit an derselben Idee filzten. Wie cool! Eine zunehmende Internationalität hatte ich mir ja auch für das Filzjahr 2020 gewünscht. Und hier bekam ich sie nach Hause in mein Filzzimmer geliefert.

Meinem erster Beitrag habe ich das Thema „Zuversicht“ gegeben. Der Samen entstand zwei Wochen nach Schulschließung und zu Beginn der Kontaktbeschränkungen. Da war es mir nach dem Thema  „Zuversicht“, denn da wusste man ja noch nicht, wie sich alles entwickeln würde.

Beim zweiten Mal ging es darum, Farben zu wählen, die nicht unsere Lieblingsfarben sind und die wir nicht mögen. Diese anzunehmen und zu akzeptieren ist eine Herausforderung, der wir uns stellten.
Dafür wählte ich braun und gelb. Das Ergebnis ist – erstaunlicherweise – eine ganz ansehnliche Mischung aus helleren und dunkleren Partien in Naturfarben. Das Gebilde hat für mich die Form eines Schlüssels, und es hat mich – wie bei vielen gefilzten Dingen – viel Geduld gekostet, die endgültige Form so hinzubekommen. Deshalb taufte ich meinen Samen „Schlüssel der Geduld“ („key to patience“). Darin ist auch die Geduld, die jetzige Situation anzunehmen und zu warten, dass sie sich wieder normalisiert.
Das Ausformen nimmt bei Marias Art zu filzen einen großen Teil der Arbeit ein. Auf der einen Seite erfordert das viel Geduld, auf der anderen Seite macht es Spaß zu sehen, wie sehr man die Wolle noch in ihrer Form verändern kann.

Die dritte Videokonferenz lief nun letzte Woche im Rahmen eines neuen und erweiterten Kursangebots „Online Filz-Kunst-Therapie-Kurs“ von Maria. Sie bietet mehrere Termine in deutscher, englischer und französischer Sprache im vierwöchigen Rhythmus an. Man kann einzelne Termine buchen oder eine Fünferkarte erwerben und sich die Termine aussuchen, die passen.
Das Thema war „Von Innen nach Außen“. Die Farben, die uns und unsere Eigenschaften oder Fähigkeiten repräsentieren, stehen für unser Inneres. Wenn wir in uns ruhen, können wir uns nach außen in unseren schönsten Farben zeigen. Mein Schmetterling ist grün, blau und türkis. Grün steht für Pflanzen, Blumen, die Natur im Allgemeinen und Hoffnung. Blau steht für den Himmel, Wasser und Ruhe. Türkis steht für das Meer.


Marias Kurse sind eine tolle Möglichkeit, über sich und das Filzen nachzudenken und gleichzeitig mit der internationalen Filzcommunity in Verbindung zu treten. Ihre ruhige Art und ihre professionelle Ausstattung (mit ihren Kameras kann man sowohl Maria gut sehen als auch den Filzprozess aus der Ferne genau beobachten) nehmen jeden Filzbegeisterten mit auf eine spannende Reise zu sich selbst. Ich freue mich sehr auf die zukünftigen Begegnungen!