Schal in Nunotechnik

Vielleicht haben es einige von Euch schon bemerkt? In der Kategorie „Über mich“ gibt es ein neues Foto von mir… mit neuer Brille. Sie ist petrolfarben und sehr filigran.

Meine Aufgabe als Filzerin war sonnenklar: es musste ein farblich passender Schal her. Die handgefärbte Wolle bekam ich von Sybille von Eschenlohr, 16mic, sehr fein, genau der passende Farbton, was wollte ich mehr? Es sollte ein dünner, langer Schal werden, nunogefilzt, also mit Stoffgrundlage.

In meiner Schatzkiste voller Stoff- und Seidenreste fand ich verschiedene Blautöne, die zum Petrolton passten und legte los. Die Merinowolle breitete ich auf einer Breite von 40cm aus und legte verschiedene Stoffstücke darüber, die sich überlappten. Der ausgelegte Schal war ca. 300cm lang. Die Seidenteile waren ausgediente Seidenschals (Chiffon und Pongé) und recht dünn, deshalb ging der Filzprozess erstaunlich schnell.

Ich bin nicht so der Rolltyp, sondern reibe lieber gern und merke so direkt, ob und wie stark Stoff und Wolle ineinandergreifen.

Mit dem Ergebnis bin ich mehr als zufrieden. Das Auslegen gestaltete sich zu einer lohnenswerten Geduldsprobe: zwei dünne Schichten ergaben eine feine Fläche ohne Löcher. Der Schal ist 64g leicht und trägt sich wunderbar. Die Muster der Seidenschals ergaben interessante neue Wendungen, dadurch dass die Seide mit der Wolle schrumpft.

Rüschenschal

Passend zur Weste entstand ein Rüschenschal.

Ich legte zwei dünne Lagen schwarze Wolle mit Seidenanteil auf eine Fläche von 0,50 x 2,50 cm schwarzer Pongéseide. Das gleichmäßige Auslegen fällt mir noch immer schwer. Und es dauerte ewig, bis sich diese Wolle durch die Seide bemühte – eine Geduldsprobe. Aber das Ergebnis mit der krinkeligen Seidenoberfläche und den fluffigen Rüschen entschädigt.

2016.11 Rüschenschal

Endlich! Meine Kissenanleitung im „filzfun special“ Heft

Ich gebe zu, es macht mich schon stolz, als ich heute endlich die neue Sonderausgabe der filzfunZeitschrift für Filzbegeisterte mit meiner Kissenanleitung  in der Hand halte.

2015.11 Filzfun Kissenanleitung 1

Schaut mal, wie schön das Layout für mein Instanbulkissen gestaltet wurde… über vier Seiten! Ich freue mich sehr, mein Wissen auf diese Weise anderen Filzbegeisterten weiterzugeben. Danke, liebe filzfun Redaktion!

2015.11 Filzfun Kissenanleitung 2

Auszeit bei Sabine – Ecoprinting

Sabine hatte mich im letzten Jahr zu einem ihrer Rockkurse nach Rees eingeladen. Ihre Röcke sind wunderschön, aber zeitaufwändig in der Herstellung, drei Tage muss man dafür veranschlagen. Das ist viel und lässt sich bei mir nur schwer in den Alltag integrieren. Also sagte ich für den Ecoprint-Workshop zu, der am vergangenen Sonntag stattfand. Außer mir waren vier holländische Filzerinnen angemeldet. Gearbeitet wurde draußen bei schönstem Frühlingswetter, in Sabines tollem Garten.

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Viel wusste ich nicht über das Drucken mit Pflanzen, hatte Bilder im Internet gesehen, konnte mir aber nicht vorstellen, wie das funktionieren würde. Drei Bäder hatte sie angesetzt mit Blauholz, Eukalyptus und Zwiebelschalen. Doch zuerst konnten wir unsere mitgebrachten, nassen Stoffteile kurz entweder in Essig- oder Eisenwasser tauchen. Diese Bäder verändern die Übertragung der Farben. Sabine verwendet immer Eisenwasser, das sie selbst herstellt. Kupfer beispielsweise würde die Übertragung der Drucke reduzieren.

Die Stoffteile wurden ausgebreitet und mit in Wasser eingelegten oder frischen Blättern belegt. Dafür eignen sich z.B. Ahorn, Geranien, Perückenbaum, Haselnuss, Rotbuche, Pfingstrose (Blätter), Rosenblätter, Erdbeerblätter, Himbeere, Amber, Hartriegel und Schmetterlingsflieder. Sabine ist in der glücklichen Lage und findet die meisten Pflanzen in der Nähe oder hat gute Bezugsquellen ausfindig machen können.

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Es macht Spaß, mit den Blättern zu experimentieren und die Seiden- und Filzschals einfach so zu belegen, alles dem Zufall zu überlassen. Planen geht nicht, denn ich habe keinerlei Erfahrung, probiere aus.

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Nachdem die Blätter wahllos auf den Schals, Tüchern und Probestücken verteilt sind, ist die Faltung entscheidend. Die Behälter mit den Bädern haben nur eine bestimmt Höhe und daraufhin muss alles gefaltet werden. Was rausguckt, wird dunkler. Zwischen Blättern und Stoff kann man Papier legen, z.B. normales Kopierpapier, damit sich die Blätter der einen Seite nicht durchdrücken. Auch Plastik ist möglich, aber Sabine weist auf den doppelten Nutzen des Papiers hin: zum einen ist es umweltfreundlich (eben Ecoprinting), zum anderen wird auch das Papier bedruckt und bietet einen schönen Nebeneffekt.

Entscheidend für die Qualität des Drucks ist die Festigkeit der Schnürung. Je fester die Stoff- und Papierbündel aufgerollt und geschnürt werden (auf Holz- oder Eisenstäbe, auch das macht einen Unterschied), desto intensiver fallen die Ergebnisse aus. Und die können sich in der Tat sehen lassen. Allerdings wird man auf eine Geduldsprobe gestellt, denn die gewickelten Stoffteile müssen mindestens zwei Stunden in den Bädern kochen.

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Dann aber wird es spannend. Wie in einer Hexenküche sieht es aus, wenn die dampfenden Bündel aus den Behältern gefischt werden. Aber Sabines Nachbarn kennen das schon, wundern sich schon lange nicht mehr. Wir Teilnehmerinnen sind nicht mehr aufzuhalten. Handschuhe an und her mit den Bündeln: vorsichtig werden die Schnüre entfernt und die Bündel entrollt. Von allen Seiten hört man „Ohh.“ oder „Ahh.“ Die Ergebnisse sind atemberaubend: die Farben leuchten richtig, die Strukturen der Blätter haben sich zum Teil in den Stoff oder das Papier eingebrannt.

Liebe Sabine,
danke für den tollen Workshop. Die schöne Umgebung (arbeite sonst nie draußen ;-)), die inspirierenden anderen niederländischen Teilnehmerinnen, Deine ruhige, nette, zugleich begeisterungsfähige Art und v.a. Deine Bereitschaft, Deine langjährigen Erfahrungen mit uns zu teilen und natürlich nicht zuletzt die überzeugenden, wunderschönen Ergebnisse haben den Sonntag zu einem unvergesslichen Erlebnis machen lassen, das den Arbeitsbeginn am Montag in weite Ferne gerückt hat.

1. Seidenschal (Pongé 05)

2. Seidentuch (Pongé 05, 90 x 90 cm)

3. Papier

4. Filzschal mit Chiffonanteilen

Urlaubsnachbereitung

Für mich ist die Urlaubsnachbereitung mindestens genauso wichtig wie die -vorbereitung. Meistens werde ich eine Woche vor Abreise kribbelig, das Reisefieber steigt von Tag zu Tag. Vorfreude ist eben die schönste Freude und gehört zu jeder Reise. Zuhause angekommen, sichte ich die Fotos wieder und wieder, sortiere sie, ordne sie zum Beispiel nach Themen. Dabei kann ich die Reise Revue passieren und ausklingen lassen. Die schönsten und gelungensten Fotos werden ausgedruckt, vergrößert und schaffen es vielleicht sogar irgendwann auf Leinwand bedruckt an die Wohnzimmerwand.

Am letzten Tag meiner letzten Reise letzte Woche nach Istanbul habe ich alles Blaue fotografiert, eine meiner Lieblingsfarben. Mit einer App wird daraus im Handumdrehen eine Collage:

2015.04 Das blaue Istanbul

Was hat das Ganze mit dem Filzen zu tun? Drei Dinge spielen eine Rolle:

1. Im Grand Bazaar konnte ich einen schönen, sehr feinen Seidenschal in blau-türkis erstehen, der Grundlage für etwas Filziges sein sollte.

2015.04.01 Istanbulkissen

2. Vor der Reise hatte ich mal wieder meinen Kleiderschrank ausgemistet und musste ein schönes hellblaues T-shirt entsorgen, weil es vom vielen Tragen und Waschen verschlissen war. Nur das Motiv war noch brauchbar.

2015.04.02 Istanbulkissen

 

3. Geometrische und orientalische Muster haben es mir nicht erst seit der Istanbulreise angetan. Aus wenigen Linien entstehen ästhetische Muster. Faszinierend!

2015.04.03 Istanbulkissen

Aus den drei Dingen, Schal, T-shirt und Ornament ist ein Filzkissen entstanden:

Allen Leserinnen und Lesern wünsche ich 

Frohe Ostern!

In 74 Minuten zum Filzparadies

Zweimal schon habe ich am Fasertausch teilgenommen. Man bekommt ein Paket mit verschiedenen Wollsorten, -farben und Filzutaten von anderen Kreativen geschickt, darf etwas herausnehmen, gibt Neues hinein und schickt es wieder auf Reisen durch ganz Deutschland. Eine tolle Sache! Das Besondere: Es ist immer ein „Gutschein“ für 24 Stunden Filzzeit dabei:

24 Stunden ungestörte Filzzeit

7 Stunden löste ich Samstag ein und fuhr ins Filzparadies von Elvira in Übach-Palenberg bei Aachen. Nach nur 74 Minuten Autofahrzeit taucht man in eine Filzwelt ein, die nichts zu wünschen übrig lässt. Es ist sicher auch kein Zufall, dass bei Elvira bisher immer die Sonne schien. Das war auch im letzten Jahr so, als ich in einem Workshop mit Heidi Greb eine blau-grüne Filzweste zaubern durfte.

Jetzt gönnte ich mir also wieder eine Auszeit und folgte Elviras Einladung zu einem „Mixed Workshop“, bei dem jede das filzen konnte, was sie wollte: Myriam verfeinerte mit gefilztem Stoff eine bei Elvira entstandene Weste, Renate filzte 4 (!) Stoffe, um daraus Kissen zu nähen. Christiane entschied sich für einen schwarz-grünen Nunoschal. Ich wollte dünnen Filz herstellen und mich weiter im Auslegen von Kammzug üben. Außerdem sollte es etwas Praktisches für den sofortigen Gebrauch sein. Deshalb hatte ich einen Hut im Auge, der vielleicht später durch einen Schal ergänzt werden könnte:

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Danke, liebe Elvira, für diesen schönen Tag, danke, liebe Teilnehmerinnen, für so viel Austausch und Inspiration.

Kameragurt

Es ist geschafft! Meine Kamera ist mit einem Kameragurt in der Nunotechnik verschönert, die ich für den Gürtel am letzten Wochenende verwendet habe: Seidenstücke auslegen, aneinander nähen, dünn mit 2 Lagen Wolle belegen und rollen, rollen, rollen… Dann kamen Bügeleisen und Nähmaschine zum Einsatz.