Gotland-Lamm-Locken-Tasche

Das Experimentieren mit Rohwolle macht großen Spaß. Christa Bongards hatte vorsortierte Locken vom Lamm des Gotländischen Pelzschafes vom letzten Herbst, die mir sehr gefielen, weil sie eine mittlere Länge von 10-12 cm hatten und hellbraun-grau waren. Ich stellte mir sofort vor, daraus eine Tasche zu filzen mit einer lockigen Klappe.

Als Musterstück oder Prototyp nahm ich die bewährte kleine Taschenschablone und umfilzte sie mit grau melierter Merinowolle. Auf die Vorderseite legte ich unten eine Reihe Locken und bedeckte die oberen 3-4 cm mit der grauen Merinowolle. Diese filzte ich an. Darüber legte ich wieder Locken und eine dünne Lage Merinowolle und filzte sie an. Bis zum oberen Rand war noch genug Platz für eine dritte Reihe Locken. Bedeckt mit Merinowolle filzte ich diese im oberen Teil ebenfalls an. Leider war ich so im Element, dass ich es versäumte Fotos zu machen.

Das Anfilzen klappte außerordentlich gut und die Locken zeigten, nachdem die wenige Erde herausgewaschen war, ihre wahre grau-braune, glänzende Pracht. Und wunderbar weich und flauschig sind sie auch noch.

Die Kette hatte ich mir vor langer Zeit als Taschengurt gekauft. Wie das manchmal so ist mit Reste- und Kramkisten… Oft denkt man, sie stehen nur rum und müssten weg, aber dann kommt doch der richtige Augenblick. Jetzt konnte ich diese Kette gut gebrauchen, denn sie passt perfekt zu diesem kleinen Minitäschchen, wie ich finde. Für den Verschluss muss noch eine Lösung her: entweder ein eingenähter Reißverschluss oder ein Magnetverschluss.

Winter wonderland with glitter

Das Bild, als letztens Schnee lag und die Morgensonne darauf schien, muss mir wohl unbewusst in Erinnerung geblieben sein. Beim Gestalten des Täschchens kommen die Farben wieder vor: sie sieht aus wie ein winter wonderland und glitzert außerdem (Wenn man das Foto vergrößert, ist das Glitzern besser erkennbar.).

2017.01 winter wonderland glitter 1Kurz vor Weihnachten bestellte ich in Großbritannien eine besondere Packung Fasern und Blau- und Grüntönen. Diese verwendete ich für das Täschchen.

2017.01 winterwonderland 2

Der rechte hellblaue Kammzug ist von mir, die weiß-geflockte Wolle und das Glitzergarn (Lurex?) sind von Hopejacare.

Ihr dürft gespannt sein auf weitere Täschchen. Sie machen mir so viel Freude, sind schnell zwischendurch gemacht und tragen sehr zu meiner Entspannung bei.

Gefäße – eine Serie mit Locken und Beulen

Auf vielfachen Wunsch erhaltet Ihr hier die Anleitung für die mittlerweile drei Gefäße. Beim Filzen dieser war ich leider so emsig bei der Sache, dass ich vergaß Fotos zu machen… Also versuche ich, den Arbeitsprozess mit Fotos und Beschreibung im Nachhinein deutlich zu machen.

2017.01 Gefäße 1Für alle drei Gefäße verwendete ich eine Schablone aus dickerer Trittschallfolie. Durch diese Dicke gelingen die Ränder der Gefäße problemlos.

Die Schablone für das linke Gefäß liegt auf dem Foto auf einem Din A4 Blatt (so habt Ihr eine Größenorientierung).

2017.01 Gefäße 2

Das Gefäß umlegte ich in der bewährten Schablonentechnik mit zwei Lagen kardierter, ungefärbter Wolle. Leider kann ich nicht sagen, um welche Wolle es sich handelt. Ich hatte sie erst kürzlich von einer anderen Filzerin erworben, die sich auch nicht mehr erinnern konnte. Ausschlaggebend war die Farbwahl, weil diese Wolle gut zu den Locken passt.

Wie auf dem Foto zu sehen, legte ich die Gotlandlocken auf den oberen Rand der Schablone: die Schnittseite auf die Schablone, die Spitzen lagen oben. Auf diese Locken legte ich auf die obere Seite der Schablone eine dünnere Lage Wolle, damit sich die Locken mit ihr verbinden konnten.

Dann filzte ich alles, erst langsam und behutsam, dann mit mehr Druck an. War die Wolle fest verfilzt und wölbte sich die Schablone, nahm ich sie heraus und knüddelte und knetete das Gefäß, sodass es sich noch mehr festigte und schrumpfte. Im feuchten Zustand lässt es sich so formen, dass es symmetrisch ist. Zum Trocknen stellte ich ein hohes Saftglas hinein, dann wird der Boden glatt, und das Gefäß steht auch, wenn es trocken ist.

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Bei den runden Gefäßen handelt es sich um eine runde Schablone. Sie misst ca. 13 cm im Durchmesser.

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Auch hier umfilzte ich die Form mit zwei Lagen Wolle und legte bei dem rechten runden Gefäß die Locken an den Rand der Schablone. Darauf kam eine weitere dünne Lage, sodass die Locken im Sandwich liegen.

Der kleine Kreis auf der Schablone zeigt die Größe des Loches, dass ich schnitt, um die Schablone herauszunehmen. Ich würde es vielleicht sogar noch kleiner schneiden, weil es sich automatisch beim Herausnehmen und Walken weitet. Vergößern kann man es immer noch, Verkleinern aber nicht.

Nach dem Walken formte ich das Gefäß so rund wie möglich, legte einen Luftballon hinein, den ich im Gefäß aufblies. So trocknete das Gefäß und erhielt eine runde Form. Die Standfläche unten ergab sich nach dem Trocknen von selbst.

2017.01 Gefäße 4 Das runde Lockengefäß sieht dann so aus:

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Die Schablone für das runde Gefäß mit den Beulen umlegte ich ebenfalls mit zwei Schichten Wolle. Dann formte ich aus der gleichen Wolle fünf Filzkugeln.

2017.01 Gefäße 8Diese positionierte ich in gleichmäßigem Abstand auf dem Rand der Schablone (s. Foto oben). Darauf legte ich wiederum Wolle, diesmal ganz nah an die Kugeln und filzte die Kugeln auf diese Weise fest. Die Kugeln selbst dürfen nicht zu sehr gefilzt sein, damit sie sich mit der Wolle verbinden.

Der Luftballon sorgt auch hier für die Formgebung beim Trocknen.

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Urlaubsfilz oder Filzen im Urlaub – Teil 6

Heute gibt’s den letzten Teil der Urlaubsfilz-Serie.

Sogar ein Handytäschchen lässt sich im Urlaub filzen, mit einem kleinen Stückchen Noppenfolie, das als Verpackungsmaterial für ein Souvenir diente und einem Handtuch als Unterlage.

Der Besitzer des neuen Smartphones kann sich über eine dünne, aber sehr stabile Schutzhülle aus Kap-Merinowolle freuen. Es ist ein besonderes Souvenir, das während eines schönen Urlaubs an der Nordsee entstand.

blauer Vogel

Momentan übe ich den Umgang mit der Schablonentechnik und möchte einen möglichst dünnen, aber gleichmäßigen „Filzbezug“ hinbekommen.

2016.03 blauer Vogel

Beim schlichten Hasen klappte das auch – zumindest fielen dünne Stellen wegen der Farbe nicht auf 😉 Beim blauen Vogel gibt es kritische Stellen, die für Nichtwisser als Augen durchgehen könnten… Das Foto macht sie unsichtbar.

Warum mache ich diese Schablonenübungen?

  1. In letzter Zeit filzte ich nicht so viele Dinge und muss den Umgang, das Gefühl und die Fingerfertigkeit mit der Wolle trainieren.
  2. Gestern besuchte ich eine Ausstellung mit wunderschönen Filzanregungen, u.a. mit dieser hier:

2016.03 Gasometerfilz

Zwei Filzgefäße – extrem dünn gefilzt, ineinander gesteckt – mit einem Innenobjekt…. Es rattert im Kopf… Wie ist das umzusetzen?

Schlichter Hase

Dieser Hase scheint nur auf den ersten Blick schlicht zu sein.

2013.03 schlichter Hase 1

Die Herausforderung bestand im Filzen und Modellieren der beiden Ohren. Dafür fertigte ich zunächst eine Schablone mit einem Ohr und klebte das zweite daran fest. Eine sogenannte 3D-Schablone entstand.

2013.03 schlichter Hase 2

Beim Umfilzen der Schablone wurde es ganz schön tricky, denn beide Öhrchen wollten gleichmäßig mit weißer Wolle umwickelt werden. Der übrige Körper wird in der bewährten Technik verhüllt: zuerst mit einer dünnen Wollschicht umgeben, die ca. 1cm größer ist als die Schablone. Darum filzte ich noch zwei weitere dünne Schichten und ergänzte hier und da ein paar dünnere Stellen, sodass alle Wolle gleichmäßig verteilt war.

2013.03 schlichter Hase 3

2013.03 schlichter Hase 5

2013.03 schlichter Hase 4

Nachdem die Schablone durch das untere Ende entfernt wurde, konnte ich den Hasen noch fester filzen und in Form bringen. Der Filz war nun so fest, dass er sich ziehen lässt und man so zwei ungleiche Ohren in etwa anpassen kann.

Mit Stopfwolle gefüllt trocknete der schlichte Hase über Nacht und hatte heute morgen einen abschließenden Fototermin, bevor er den Ostertisch dekoriert:

2013.03 schlichter Hase 6

1,5 Stunden Filzige Zeiten

1,5 Stunden Filzzeit – das ließen sich sechs filzwütige Fünft- und Sechstklässler nicht zweimal sagen und legten heute – außerhalb unserer regulären AG-Stunde im Rahmen der Ausstellung „Zeit Zeichen“ des Gymnasiums Borbeck in der Alten Cuesterey in Essen – los.

Zuerst standen Gespenster auf dem Programm, in Vorbereitung auf Halloween am Samstag. Diese sind sehr anspruchsvoll, denn die Schablonentechnik findet Anwendung. Dann konnte jeder filzen, wonach ihm und ihr war.  Alle schlugen sich hervorragend und konnten außerdem Handyhüllen, Armbänder und Bälle filzen. Toll, was in der kurzen Zeit zusammenkommt!

Das schönste Gespenst (ein Fingerpüppchen) will ich Euch nicht vorenthalten: es entstand als zufälliges Beiprodukt und erfreute die kleine Schwester eines Filzkindes.

2015.10 Fil-AG Filzige Zeit

Paradiesisches Täschchen

Die türkisblauen Farben beschäftigen mich wohl noch eine Weile: heute ist ein Täschchen entstanden.

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1. Schablone aus dünner Trittschallfolie zuschneiden und mit einer Lage weißem Vorfilz umhüllen.

2. + 3. Vlieswolle verschiedener Farbtöne in dünnen Schichten auflegen, sodass eine changierende Oberfläche entsteht.

4. Seidenfäden waagerecht auftragen, die Wellenbewegungen und Schimmerungen wiedergeben.

5. Weil sie dünn ausgelegt ist, schrumpft das Täschchen ganz schön, v.a. in der ausgelegten Richtung (Schablone 21 x 14 cm, Täschchen 16 x 13 cm). Mit eingenähtem Reißverschluss können z.B. Kosmetik oder Schmuck hinein.