Filzen für die Wissenschaft

Im Rahmen ihrer PhD Ausstellung an der University of Chester in Großbritannien möchte Georgina Spry möglichst viele Filztaschen im A5-Format oder kleiner sammeln, zusammenstellen und ausstellen. Bewerben können sich Filzerinnen der Region, aus Großbritannien und weltweit. Sie postete eine Anfrage in einer Filzergruppe auf Facebook, und ich nahm mir vor mitzumachen.

Ich filzte eine Tasche aus einem kardierten Batt, das hauptsächlich aus grauer, gelber, blauer und roter Wolle mit roten Seidenfäden bestand. Ich war gespannt, wie sich die graue Faser im Vergleich zu den anderen verhalten würde. 2017.01 Uni Chester 1Dieses Batt legte ich wie einen Kammzug um eine rechteckige Schablone und dekorierte die ausgelegte Wolle mit roten und blauen Seidenfäden und orange-schwarzfarbenen Locken.

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Die Käsereibe auf dem Bild ist übrigens ein Tipp von Petra Hollomotz. Damit lässt sich die Olivenseife am Stück gleichmäßig auf der nassen Wolle verteilen.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Der Filz der Tasche macht einen Eindruck wie Tweedstoff und wird sowohl durch die Seidenfasern als auch durch die groben Locken aufgelockert.

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Der Verschluss ist ein alter Lederknopf aus der Sammlung meiner Mutter. Die Lasche ist eine gedrehte Wollschnur einer Seiden-Mohair Mischung.

Das letzte Foto zeigt die unterschiedlich verwendeten Fasern: die kardierte Wolle wirkt recht bunt, wenn man sie näher betrachtet. Die blauen Seidenfasern liegen dem Filz auf und glänzen, während sich die Locken eher einarbeiten und hochstehen. Entstanden ist eine Tasche mit Charakter.

Ich bin gespannt auf das Ergebnis der vielen eingesandten Taschen, das Johanna Spry veröffentlichen wird.

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Bugholzstuhlkissen

2016.06 Bugholzkissen 1

Das ist alles, was gestern nach einer gut einstündigen Filzaktion übrig blieb: ein paar nasse Wollfäden und (nicht im Foto zu sehen) eine zufriedene Filzerin.

Der Anfang dieser Filzgeschichte reicht ein paar Monate zurück als meine Eltern umzogen und zwei leichte kleine Stühle für ihren Küchentisch brauchten. Sie hatten meine zwei schwarzen Kaffeehausstühle im Auge, von denen nur einer im Filzzimmer am Tisch der Nähmaschine in Gebrauch war. „Den brauchst Du doch gar nicht. Der andere steht auch nur rum,“ sagten sie. Und eh ich mich versah, waren sie im Auto verladen und weg… Seitdem sind sie mehrmals täglich im Einsatz und passen sehr gut in das neue Heim.

Aber einen Nähstuhl hatte ich trotzdem nicht. Das änderte sich als ich im Internet einen gut erhaltenen Bugholzstuhl erwerben konnte, den ich in der Nachbarstadt im strömenden Regen bei einer Künstlerin abholen konnte. Die Sitzfläche war wohl schon einmal einer kleineren Wassermenge zum Opfer gefallen und etwas wellig. Kein Problem für eine Filzerin!

Schwarz sollte das dünne Sitzkissen sein, mit nur ein paar Farbakzenten auf einer Seite. Kann man diese nicht mehr sehen, dreht man das Kissen einfach um.

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Meine beliebte und geliebte Mohair-Seiden-Wolle musste herhalten, und zwar sollten alle Farben vertreten sein. Der Mittelpunkt der Fäden ist bewusst nicht ganz in der Mitte. Ich finde, das passt zum Stuhl.

Heute war das Kissen fast trocken. Den Rest erledigte das Bügeleisen. Es ist immer wieder schön zu sehen, wie die noch feuchten Wollfäden trocknen und dann leuchtend zu Tage treten. Das Sitzkissen ist etwa 0,5 cm dick, hat einen Durchmesser von 38 cm und passt genau zwischen den hochstehenden Rand der Sitzfläche. 2016.06 Bugholzkissen 3

Ein Anfang ist gemacht: der Herrenschal

Bisher waren es Damenschals, die ich filzte. Allerdings geisterte die Idee des Herrenschals schon länger im Kopf herum. Nun ist ein Anfang gemacht:

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In blauer Chiffonschal liegt zugrunde. Darauf legte ich hauchdünne Flächen mit sehr weicher Merinowolle in verschiedenen Blautönen (meliert), als passende Ergänzung zum Chiffonblau. Der abschließende Clou sind die beliebten Seiden-Mohair Wollfäden, die ein wenig Gestaltung zulassen.

Da der Schal nur einseitig mit weicher Wolle belegt ist, ist er sehr dünn, kratzt nicht und trägt nicht auf.

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