CF – Coburger Fuchsschaf

Vor längerer Zeit hatte ich die Wolle schon einmal ausprobiert, aber da hatte ich noch keinen Sinn für Roh- und naturfarbene Wolle, wie es jetzt der Fall ist. Also bestellte ich mir 1kg kardierte Wolle vom Coburger Fuchsschaf und entschied mich, ein Sitzkissen zu filzen. Erfahrene CF Kenner hatten mich gewarnt, dass es lange dauern würde, diese Wolle zu filzen. Nun ja, dachte ich, dann übe ich mich in meiner Ungeduld und probiere es trotzdem.

Der Grund liegt in der wunderschönen Färbung der Wolle: sie hat verschiedene Beigetöne, die mit den charakteristischen, sogenannten Grannenhaaren durchzogen sind. Das Sitzkissen sollte Motive auf beiden Seiten bekommen. Dafür fertigte ich Vorfilze in apfelgrün und erdbeerrosa an. Die Vorfilze bestehen aus zwei dünnen Lagen Kammzugwolle, die ich nach der Herstellung trocknen lies. Danach ist der Vorfilz gut mit der Schere zu schneiden und leiert nicht aus.

Der Filzprozess dauerte nicht so lange, wie ich dachte. Das lag sicherlich daran, dass ich vorgewarnt worden war. Zuerst legte ich eine Lage CF in der gewünschten Größe zurecht (ca. 50 x 50 cm) und machte die Wolle nass und seifig. Damit die Ränder des Sitzkissens glatt wurden, hatte ich zuvor eine dünne Malerfolie untergelegt und konnte die Folie mit dem Rand des Sitzkissens umklappen und auf der Vorderseite anfilzen.

Den Vorfilz auf dem CF anzufilzen, gestaltete sich schwierig. Zumindest war das meine Erfahrung mit dem erdbeerrosafarbenen Vorfilz. Vielleicht lag es daran, dass es sich um sehr feine 16 mic Merinowolle handelt? Die grüne Wolle ist eine Mischung aus Blue Faced Leicester und Seide und somit gröber. Das Motiv der Gießkanne machte keine Schwierigkeiten.

Auf der anderen Seite sind Kreise zu sehen. Sie stellen Blumen dar und fügen sich wunderbar in meinen Lieblingsplatz zwischen Erdbeeren 🍓 und Tomaten 🍅 auf dem Balkon ein:

Sitzfellchen

Beim Revierfilzertreffen vor zwei Wochen konnte ich Rohwolle vom Gotlandschaf erwerben. Daraus sollte ein Sitzfellchen entstehen. Christa Bongards, die die Wolle von ihren Schafen mitgebracht hatte, erklärte mir, wie ich vorgehen muss, damit

  • die Locken sich nicht in den Untergrund einfilzen und
  • keine „kahlen Stellen“ entstehen.

So versuchte ich mein Glück mit dem Berg Rohwolle, der seit zwei Wochen einen dezenten Schafgeruch im Filzzimmer verbreitete.

2016.10 Sitzfellchen 1

Christa hatte erklärt, dass man die Wolle so auf den Tisch legen muss, dass die abgeschnittene Seite der Locken oben ist. Als Laie ist das gar nicht so leicht festzustellen. Auf folgenden Fotos sieht man die Schnittseiten. Die Schwierigkeit besteht darin, alle oder zumindest möglichst viele der Locken so hinzulegen, dass die Schnittstelle oben liegt:

So sieht die ausgelegte Wolle aus:

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Auf diese Seite legte ich den Untergrund: graue Gotlandwolle im Vlies.

Tja, und dann ging ich intuitiv vor: Nassmachen, Anfilzen, Umdrehen, obere Lockenteile vorsichtig von unten vom Untergrund lösen, damit sie nicht mit einfilzen, einzelne Stellen mit der Nadel bearbeiten, Rollen, Drehen, Rollen…

Herausfordernd fand ich, dass ich nicht kontrollieren konnte, ob die Locken richtig liegen und die Schnittstellen einfilzen. Zum einen hing es damit zusammen, dass sie auf der Unterseite lagen, zum anderen damit, dass ich aufgrund mangelnder Erfahrung das nicht feststellen konnte.

Es ist übrigens erstaunlich, wie braun das Wasser ist, das aus der Rohwolle läuft… Da musste die Badewanne mit der Handbrause herhalten 😉

Worauf würde ich beim nächsten Mal achten?

  • auf die runde Form beim Auslegen (So griff ich zur Schere… Ein No-go ist echten Filzerkreisen… Egal!)
  • auf sorgfältigeres Auslegen (Alle Schnittkanten oben?)
  • auf die bessere Abdeckung des Randes, damit die Locken überstehen
  • auf die Farbe des Untergrundes: weiß (?)

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Beerenkissen – und warum Filz gut ist

Runde Formen sind was feines. Rundes im Runden ist noch feiner.

2016.08 Spätsommersitzkissen

Das Sitzkissen besteht aus vier Lagen Kapmerino (jeweils zwei lila- und zwei orangefarbene). Die Pünktchen sind aus Vorfilz geschnitten. Die untere orangefarbene Lage durchzieht die lilafarbene nur ganz leicht.

Das Filzteil wurde im feuchten Zustand gebügelt und im trockenen rund geschnitten. Erst nach dem Filzen und Betrachten der Farben kam mir der Name „Beerenkissen“ in den Sinn. Das Sitzkissen hat auch etwas Spätsommerliches an sich. Es schmückt einen orangefarbenen Plastikhocker.

Es kann übrigens auch sehr gut als Tischdekoration oder Untersetzer verwendet werden. Aus den Resten der Ecken konnte ich zwei Glasuntersetzer gewinnen, die das Gartenset somit vervollständigen.

2016.08 Spätsommersitzkissen 1

Wieder ist ein Sitzkissen entstanden und viele fragen sich vielleicht: Ist so ein Sitzkissen nicht viel zu warm im Sommer? Die Antwort ist „nein“, denn Filz (bzw. Wolle) hat eine temperaturausgleichende Wirkung: kühlend im Sommer und wärmend im Winter. Deshalb wird Wolle auch als Dämmmaterial beim Hausbau verwendet.

Doch das ist nicht die einzige positive Eigenschaft von Filz:

  • hat isolierende Wirkung
  • speichert und reguliert Wärme
  • reguliert die Luftfeuchtigkeit
  • wirkt schallhemmend
  • hat eine feuchtigkeitsabweisende Komponente
  • besitzt eine hohe Saugfähigkeit
  • ist schwer entflammbar.

All das spricht dafür, möglichst viele gefilzte Teile in der Wohnung zu haben 😉

Der Schilfstuhl

Das Befilzen von Stühlen und Hockern macht süchtig.

2016.07 Schilfstuhl 0

Heute stelle ich Euch einen Stuhl vor, der vorm Sperrmüll gerettet und in mühevoller Arbeit von meiner Mutter vor Jahren hergerichtet wurde. Seltsamerweise hatte er noch kein Filzkissen. Das änderte sich jetzt. Offenbar noch immer inspiriert von meinem Nordseeurlaub, versuchte ich eine Art Landschaft zu zaubern. Zuerst sollte es das Meer sein, aber ich wollte oben unbedingt etwas Weißes haben, damit das Kissen mit dem Stuhl eine Einheit bildet (Hierbei handelt es sich nicht um einen Polsterstuhl, sondern das Sitzkissen liegt lose auf und ist mit Schnüren an der Lehne befestigt.).

Ich entschied mich für einen weiß-grün Kontrast und wollte das Schilfgras am Wattenmeer nachempfinden. Viel weiße Wolle hatte ich nicht mehr im Bestand, also improvisierte ich:

  • zwei Lagen dicker weißer Vorfilz
  • eine Lage Seidenchiffon zur Stabilisation
  • eine Lage lachsfarbene Vlieswolle.

Die weiße Seite würde später oben, die lachsfarbene unten liegen. 2016.07 Schilfstuhl 1Dies durchnässte ich und filzte alles an.

Für den unteren Teil der Landschaft verwendete ich verschiedene Grüntöne in Vliesqualität. Auch diese Wolle wurde angefilzt. Für die Gräser und Schilfpflanzen musste Kammzug herhalten. Eine bestimmte Technik hat sich bewährt: Man nimmt eine dünne Strähne in der gewünschten Länge und legt sie auf dem oberen, nassen Teil des Filzstücks.* Mit der linken Hand fasst man das Ende des Schilfes und zieht, während man mit dem rechten Zeigefinger den Schilf entlangfährt, sodass er sich glättet und dünn wird. Vor allem auf eine schöne Spitze kommt es an, die gleichmäßig ausfläuft. Die Schilfsträhne legte ich an die entsprechende Stelle. Später kaschierte ich das untere Ende mit etwas Vlieswolle.2016.07 Schilfstuhl 2

Ist man zufrieden mit dem „Bild“, geht der normale Filzprozess los: mit Fliegengitter abdecken, anfilzen, umdrehen, die Rückseite bearbeiten, bei einer gewissen Festigkeit von allen Seiten rollen etc..

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Ist das Filzstück fertig, ausgespühlt und mit Essigessenz neutralisiert, folgt nach dem Antrocknen meine Lieblingsbeschäftigung: Bügeln. Sie ist ähnlich meditativ wie das Filzen selbst. Allerdings beschränkt sich diese Vorliebe ausschließlich auf Gefilztes. Die „Filzfalten“ (s. o. im Foto) mögen zwar manchmal recht attraktiv sein, aber würden meine Vorstellung eines Sitzkissens stören.

Mit einer Doppelseite Zeitungspapier nahm ich die Form des Sitzes vom Stuhl, als Schnittvorlage. Geschnitten wird erst, wenn das Filzstück getrocknet ist.

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In der Zwischenzeit kümmerte ich mich um die Schnüre, mit denen ich das Sitzkissen an der Stuhllehne befestigen wollte. Ein ca. 50 cm langer Vliesstrang in grün (gern hätte ich weiß genommen, aber das war leider nicht im Bestand) wird geteilt und auf der Unterlage gerollt. Die trockenen Schnüre nähte ich an das Sitzkissen. Die elegantere Version wäre gewesen, die Schnüre filzend in das Sitzkissen zu integrieren, aber dann hätte das Sitzkissen von vornherein die richtige Form und Größe haben müssen…

2016.07 Schilfstuhl 5

So sieht das Schilffilzkissen aus:

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*Hier wählte ich den weißen Teil. Man kann auch ein nasses Handtuch nehmen und neben die Filzarbeit legen, aber mit „meiner“ Methode kam ich gut zurecht und das Filzstück leidet nicht, weil die Schilfsträhne gleich wieder abgenommen und anderweitig platziert wird.

Bugholzstuhlkissen

2016.06 Bugholzkissen 1

Das ist alles, was gestern nach einer gut einstündigen Filzaktion übrig blieb: ein paar nasse Wollfäden und (nicht im Foto zu sehen) eine zufriedene Filzerin.

Der Anfang dieser Filzgeschichte reicht ein paar Monate zurück als meine Eltern umzogen und zwei leichte kleine Stühle für ihren Küchentisch brauchten. Sie hatten meine zwei schwarzen Kaffeehausstühle im Auge, von denen nur einer im Filzzimmer am Tisch der Nähmaschine in Gebrauch war. „Den brauchst Du doch gar nicht. Der andere steht auch nur rum,“ sagten sie. Und eh ich mich versah, waren sie im Auto verladen und weg… Seitdem sind sie mehrmals täglich im Einsatz und passen sehr gut in das neue Heim.

Aber einen Nähstuhl hatte ich trotzdem nicht. Das änderte sich als ich im Internet einen gut erhaltenen Bugholzstuhl erwerben konnte, den ich in der Nachbarstadt im strömenden Regen bei einer Künstlerin abholen konnte. Die Sitzfläche war wohl schon einmal einer kleineren Wassermenge zum Opfer gefallen und etwas wellig. Kein Problem für eine Filzerin!

Schwarz sollte das dünne Sitzkissen sein, mit nur ein paar Farbakzenten auf einer Seite. Kann man diese nicht mehr sehen, dreht man das Kissen einfach um.

2016.06 Bugholzkissen 2

Meine beliebte und geliebte Mohair-Seiden-Wolle musste herhalten, und zwar sollten alle Farben vertreten sein. Der Mittelpunkt der Fäden ist bewusst nicht ganz in der Mitte. Ich finde, das passt zum Stuhl.

Heute war das Kissen fast trocken. Den Rest erledigte das Bügeleisen. Es ist immer wieder schön zu sehen, wie die noch feuchten Wollfäden trocknen und dann leuchtend zu Tage treten. Das Sitzkissen ist etwa 0,5 cm dick, hat einen Durchmesser von 38 cm und passt genau zwischen den hochstehenden Rand der Sitzfläche. 2016.06 Bugholzkissen 3

Aktualisierte Galerie

Im Moment ist mir nicht so sehr nach Filzen. Zwar schwirren viele Ideen im Kopf herum, aber irgendwie bekomme ich den Dreh nicht, um anzufangen. Deshalb habe ich die Gelegenheit genutzt, um Fotos von älteren Filzwerken zu machen und die Galerie zu aktualisieren. Hier ein erster Überblick: