FilzSis unterwegs – Ausstellung in der Buchhandlung „Alex liest Agathe“

Es ist kaum ein paar Tage her, da resümierte ich meine Filzträume von 2016 und stellte fest, dass sich der Traum einer Ausstellung nur halb erfüllt hatte. Jetzt, plötzlich, geht dieser Traum in Erfüllung: meine Monster & Tiere sind in der Buchhandlung „Alex liest Agathe“ in Essen ausgestellt.

Erinnert Ihr Euch an diese Monster & Tiere? Jedes von ihnen hat eine kleine Entstehungsgeschichte zu erzählen: das East-Side-Gallery Monster, das Girardethaus Monster, die Serie der Monster Nr. 1, Monster Nr. 2, Monster Nr. 3 und Monster Nr. 4, Monster Nr. 7, Monster Nr. 8, J. Flago und das Brombeerviech, das 2010 im Workshop von Susanne Wetzel in Göttingen entstanden war.

2017.01 Ausstellung 2

Die Monster & Tiere haben Platz genommen im wunderschönen, liebevoll eingerichteten Buchladen von Susanne Böckler. Es sieht ganz so aus, als wenn sie schon zum Inventar gehörten und sich sehr wohl fühlten:

2017.01 Ausstellung 1

Aber seht selbst und schaut Euch meine Monster & Tiere und die liebevoll ausgesuchten Bücher an:

2017.01 Ausstellung 3

Alle Monster & Tiere stehen zum Verkauf.

Besuch der Ausstellung „Tiere aus dem FF“

Seit dem 24.11.2016 ist die Ausstellung „Tiere aus dem FF“ der Filzerin Sandra Struck-Germann und der Malerin Anja Hühn zu sehen. Sie ist im Foyer von Haus Horst in Hilden noch bis zum 16. Januar zu besichtigen.

Natürlich ist es eine Ehrensache, die Ausstellung einer Filzerin zu besuchen, die ich persönlich kenne, deren Arbeiten ich sehr bewundere und deren grundlegende Technik ich selbst kennenlernen konnte. Wer eignet sich besser zur Begleitung dieses Ausstellungsbesuchs als meine Freundin Gisela, die selbst Malerin ist?

2017.01 Tiere aus dem FF 1

Das Thema der Ausstellung ist „Tiere aus dem FF“. Die beiden FFs stehen für „Filz“ und „Farbe“. Es gibt ein gemeinsames Bild beider Künstlerinnen im Eingangsbereich der Ausstellung. Die anderen Bilder sind entweder von Sandra oder der Malerin und sind in Beziehung zueinander gehängt. Die Tiermotive sind oft gleich, so wie bei diesen Affen, und werden noch dazu durch einen ausgeprägten Komplementärkontrast (rot – grün) in Szene gesetzt:

2017.01 Tiere aus dem FF 2

Leider zeigte sich bei dieser wunderbaren Ausstellung, dass mein Fotoapparat nicht für das Knipsen von 3D-Filzbildern geeignet ist. Das Hervortreten und die und Oberflächenstruktur der Tiere, die diese Bilder so besonders machen, sind nur schwer einzufangen. Aber an diesem Bild werden die Dimensionen sehr gut sichtbar. Die meisten Filzbilder sind bestimmt 1 x 1 m groß. Das ist filztechnisch gesehen gigantisch, wenn man die Schrumpfung bedenkt.

Das Fotografieren von der Seite ging ganz gut, wie Ihr bei den Schäfchen sehen könnt:

2017.01 Tiere aus dem FF 3

Das obere Schaf mit den rosafarbenen Öhrchen kam mir doch bekannt vor… Sandra hatte es als Vorlage beim Revierfilzertreffen in Düsseldorf dabei.

In der Ausstellung sind 5 Schafe als Serie zu sehen, die alle Locken von verschiedenen Rassen haben. Schön ist, dass mancher Filz über den Rand des Bildes hinausragt, beim letzten Schaf ist das gut zu sehen. So werden die Dynamik und die schier unendlichen Gestaltungs- und Formmöglichkeiten des Filzes deutlich.

Meine Lieblingsmotive fasste ich in einer Collage zusammen: 2017.01 Tiere ausdem FF 4

Alle vier Bilder haben dieses große Format (das Bild mit den Eseln ist sogar noch größer). Das Fell des Raben ist aus schwarzen Wolllocken, auch Schnabel und Auge stehen hervor und sind dreidimensional gefilzt. Alle Filzarbeiten bestechen durch sehr überzeugende Verarbeitung. Die hervorstehenden Körperteile der Tiere sind zum einen massiv und sehr fest gefilzt, zum anderen fallen liebevolle Details auf, wie bei der Schildkröte oder dem Frosch. Auch die Art der Hängung gefällt mir sehr.

Es machte Freude, wieder einmal eine solch ungewöhnliche Filzausstellung in der Nähe zu besuchen und Sandras Werke zu bewundern. Es ist nur ansatzweise zu ermessen, wie viel Vorbereitung, Arbeit, Absprache usw. allein für das Gelingen der Ausstellung nötig waren. Ganz zu schweigen von der Filzarbeit, die sicherlich unzählige Stunden ausmachte.

Gisela und ich waren ganz entzückt von dieser Gemeinschaftsausstellung. Vielleicht kommt es ja irgendwann dazu, dass wir Malerei und Filz gemeinschaftlich ausstellen.

Wer ebenfalls in den Genuss dieser Ausstellung kommen und sich die Bilder live anschauen möchte, kann dies bis zum 16.01.2017 im Haus Horst in Hilden tun.

Looking back and forth – Filzträume

Tja, das macht man ja so: an den letzten Tagen des Jahres schaut man vor und zurück.

Erst jetzt wurde mir wieder bewusst, dass ich heute vor einem Jahr meine drei Filzträume für 2016 gepostet hatte. Hier sind sie noch einmal zur Erinnerung:

  • Lernen wie man Fotos auf Filz transferiert,
  • einen Kurs oder Workshop besuchen,
  • einige meiner Filzdinge ausstellen.

Der aufmerksame Blogleser stellt fest, dass 2,5 der Filzträume in Erfüllung gegangen sind: Ich lernte im Workshop bei Sandra Struck-Germann, wie man Fotos, insbesondere Portraits auf Filz überträgt. Ich filzte eine Weste im „Privat-„Workshop mit Petra Hollomotz. Und erschuf mein erstes 3D-Schaf, ebenfalls bei Sandra beim Revierfilzertreffen in Düsseldorf.

2016.12 Filzträume

Nur mit dem Ausstellen hapert es noch ein wenig. Dieser Traum ging nur halb in Erfüllung, wenn ich die Ausstellung im Schaufenster vom Mehrfach – der Fachvermietung – zähle, wo einige meiner Dinge zum Verkauf stehen.

Seit dem Filzkolleg in Düsseldorf im August ist allerdings noch ein viel größerer Filztraum in Erfüllung gegangen, den ich mir nie erträumt hatte: Ich bin Teil eines großen, weltweiten Filznetzwerks geworden und teile mein Hobby mit vielen anderen. Wie ist das möglich?

Das passierte zum einen beim Filzkolleg und Revierfilzertreffen in Düsseldorf, zum anderen über „Facebook“ – einem social media network, das ich bisher immer konsequent und kategorisch zu meiden wusste. Aber man soll ja niemals „nie“ sagen…

So habe ich nun über 800 (!) Filz“freunde“ und bekomme unbeschreiblich schöne, lehrreiche, anregende, erstaunliche Einblicke in das künstlerische Schaffen von Filzerinnen und Filzern in vielen Ländern. Manche Dinge sind so unglaublich und perfekt gefilzt, dass man nur auf den zweiten Blick sieht, dass sie gefilzt wurden. Dies gilt v.a. für die vielen russischen Filzerinnen, in deren Schaffen ich schon in der Ausstellung „Sould of Felt“ einen Einblick bekam. Zwar kann ich nicht mehr als die Vornamen der Filzerinnen lesen und der Facebook-Übersetzer lässt zu wünsche übrig, aber es geht ja vielmehr um das Bestaunen der Bilder und das Nachvollziehen des aufwändigen Herstellungsprozesses.

Aus einem zweiten Grund hat sich durch die Vernetzung eine neue Welt eröffnet: das ist meine geographische Perspektive. Ich erfahre nun, dass es Gegenden in Russland gibt mit Temperaturen von -43°C und sehe eine idyllische Schneelandschaft, während in Island die Schafe in den Stall müssen, weil ein schwerer Schneesturm tobt und in Australien schwerer Regen nach einer Hitzeperiode fällt und Südafrikaner an Weihnachten draußen Wolle spinnen. Natürlich kenne ich theoretisch die klimatischen Unterschiede, aber es ist doch etwas anderes, wenn man ein Foto sieht und eine gewisse Beziehung zum virtuellen Freund aufgebaut hat, dem ich durch Kreativität und Filzen verbunden bin. Mich beeindrucken solche Posts so sehr, dass ich zum Schrank gehe, den Atlas nehme und nach den Orten suche, wenn ich sie denn kenne.

Und damit komme ich zum Nachvorneschauen… Was wünsche ich mir filzerisch gesehen für 2017?

Ich wünsche mir, dass ich einige meiner virtuellen Filzfreunde persönlich kennenlernen kann. Ich wünsche mir, dass ich durch die Community mein Filzwissen erweitern kann. Ich wünsche mir, dass ich an mehreren internationalen Worksshops teilnehmen kann (zwei sind schon gebucht: ein Wochenendworkshop im Februar und ein Kurs im Ausland im Juli). Ich wünsche mir einen engen Kontakt zu meinen Filzfreunden in Essen und der näheren Umgebung. Ich wünsche mir, dass ich lerne, besser mit Rohwolle umzugehen und lerne, Pantoffeln oder Schuhe oder Stiefel zu filzen.

Ich könnte vermutlich endlos so weitermachen, belasse es aber bei den fünf Wünschen und schaue in einem Jahr wieder in diesen Post um vor- und zurückzuschauen.

Meinen Lesern, Filzfreunden und allen, die mich unterstützen wünsche ich alles Gute für 2017 und verabschiede mich für 2016 natürlich mit etwas Gefilztem: einem Schweinchen auf zwei Beinchen 😉

2016.12 Happy 2017

Für die Techniker unter Euch: es ist in der Schablonentechnik gefilzt, Ohren und Ringelschwanz sind angefilzt, die Nase wurde nach Entfernen der Schablone geformt. Der Ringelschwanz erhält eine Form, indem ich ihn in freuchtem Zustand drehte und mit Stecknadeln feststeckte. Nach dem Trocknen bleibt die Ringelform bestehen.

Wer noch ein Schweinchen braucht, findet die Schablone hier:

2016.12 Schweinchen

Rico – ein Himmelsgucker

Alles fing im letzten Juli an. Dort begegnete ich Rico im Hafen von Puerto Rico und machte eines der schönsten von über 1000 Urlaubsfotos innerhalb von zweieinhalb Wochen in Florida und der Karibik.

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Seitdem wollte ich Rico filzen, aber bekam den Dreh nicht… Jeff Flago entstand stattdessen, obwohl ich auf dieser Reise gar keine Flamingos zu sehen bekam.

Seitdem ich allerdings vom Projekt „Himmelsgucker“ erfuhr, assoziierte ich mit der Augenfarbe das türkisblaue Wasser und nahm einen Anlauf, Rico entstehen zu lassen.

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Rico entstand so wie Jeff und die anderen Monster und Tiere:

  • ein Körper mit Schablonentechnik herstellen
  • Beine als Schnur mit trockenen Enden rollen
  • Füße mit der Nadel vorbereiten und an die Beine filzen
  • Beine an den Körper filzen
  • Körper unten aufschneiden, Schablone entnehmen, Körper fest filzen
  • Körper füllen, zunähen
  • Himmelsgucker-Augen aufnähen
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Der Körper ist umfilzt, die Augen zur Probe aufgelegt. Wenn sich doch bloß die Beinchen und Füße so leicht anfilzen ließen, wie auf dem Foto…

Der Pelikan besteht ausschließlich aus ungefärbter Wolle: Steinschaf, Bergschaf, Neuseelandmerino und Gotlandlocken.

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Juhu, der Körper ist farbiger geworden und die Beinchen sind dran.

Die Füße sollten bei dieser Filzaktion die Herausforderung sein und wollten sich überhaupt nicht mit den Beinen verbinden. Da mussten zwei Dinge her: 1. die Nadel, 2. viel Geduld.

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Das erschöpfte Rico allerdings ungemein, so dass er sich im Seifenbad erstmal ausruhen musste als die Schablone raus war. Sein Gesichtsausdruck ist kein Vergleich zu dem seines verschmitzt schauenden Artgenossen in der Karibik.

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Erholt, getrocknet und gestylt sieht die Welt doch gleich ganz anders aus:

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Seinem Beinamen „Himmelsgucker“ machte er schon alle Ehre und war vom Fenster dar nicht mehr wegzubekommen 😉

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Inzwischen bekam Rico einen Schal, passend zu den Himmelsguckeraugen.

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