„Nichts muss – Alles kann!“ – Experiment Ecoprint: Teil 1

Tja, mich hat es auch (wieder) erwischt – das Ecoprintfieber. Und ich sage Euch, es ist ansteckend…

Wie kam es, dass ich nach über fünf Jahren wieder Blätter auf Textilien verteilte und mich wie eine Schneekönigin freute, als ich das Bündel entpacken konnte? 2015 hatte ich bei Sabine Pfuhler Einblicke in das Ecoprinting bekommen und hatte darüber in einem Artikel in der Filzfun berichtet.

Susanne Hantzsch von „The Felt Side of Life“ lud Minka de Weerd ein zum Ecoprint. In keiner gemütlicher Runde erstellten vier Frauen innerhalb kurzer Zeit eine ganze Ecoprint Kollektion von Tops, Tshirts, Blusen, Kleidern, Tüchern, Laptoptaschen, Handytaschen, Tischläufern, Kissenhüllen…

Doch erstmal der Reihe nach…

Nach einer kurzen theoretischen Einführung und Erklärung, was wir überhaupt machen würden und mitHinweisen, worauf wir achten sollten, legten wir los und bestaunten die vielen Zweige, die Minka aus ihrem Garten und von ihrer Umgebung in den Niederlanden mitgebracht hatte. Schaut mal, sieht das nicht schon vor dem Ecoprint sehr hübsch und ästhetisch aus? Wie faszinierend diese Blattformen sind.

Im traumhaften, etwas verwunschenen Garten von Susanne konnten wir bei bestem Sommerwetter mit leichter Brise und angenehmen Temperaturen in feinem Ambiente unserer Fantasie und Intuition freien Lauf lassen, wie wir unsere mitgebrachten Stoffe gestalten wollten. Hier ein paar Gartenimpressionen: 

Doch nun zum Ecoprint. Minka zeigte uns, wie man die Stoffe am besten einrollt und gab alle möglichen Tips preis. Wir fragten immer wieder: muss das so oder so gelegt werden. Und Minka antwortete, dass wir es so machen könnten, aber wir es auch anders machen könnten. Deshalb bleibt mir dieser Workshop unter dem Motto „Nichts muss, alles kann!“ in Erinnerung. Es gab kein richtig und falsch.
Vieles ist ja ohnehin alles Geschmacksache. Ich mag es lieber übersichtlicher und strukturierter und legte eher einzelne Blätter auf, während Susanne z.B. kleine Zweige als Ganzes verwendete.
So „arbeiteten“ wir vor uns hin, Minka war zur Stelle, wenn wir unsicher waren und bestärkte uns, dass wir selbst den richtigen Weg finden würden. Von meinem Ecoprint Erlebnis von vor fünf Jahren wusste ich, dass die Ergebnisse schön werden würden und war wenig besorgt, nichts Brauchbares mit nach Hause zu nehmen. Ich genoss diesen tollen Tag am Niederrhein nach einem anstrengenden und kraftzehrenden Schuljahr.

In dieser Fotocollage seht Ihr unseren reichen Schatz an Blättern, wie sie vorher aussehen und nachher, wenn der Pflanzenfarbstoff Tanin nicht mehr in den Blättern, sondern auf den Stoffen ist. Die Blätter sehen ganz braun und ausgelaugt aus.


Am spannendsten ist es, wenn die Bündel nach langem Dämpfen aus dem Topf gefischt werden und dampfend da liegen. Das Auspacken ist ein bisschen wie Weihnachten, und ich war ganz aufgeregt. Z.T. waren die Pflanzendrucke so originalgetreu, dass ich immer wieder auf dem Stoff gerieben habe, um das Blatt zu entfernen, dabei war es längst weg. Es war nur noch der Druck sichtbar.
Ja, und die Ergebnisse sind… atemberaubend, faszinierend, erstaunlich und zugleich unglaublich schön geworden. Ich weiß gar nicht, was mir am besten gefällt. Jedes Teil ist wahrlich ein Unikat und steht für sich. Ich stelle sie Euch vor:

Drei Shirts bzw. zwei Shirts und ein Top sind entstanden. Bei dem Top gefällt mir besonders, dass es so gleichmäßig bedruckt ist und dass die dunklen Blätter von hellen Streifen umgeben sind. Ich finde es so gelungen, dass ich es sofort anzog.


Das nächste Shirt ist nur teilweise bedruckt. Dafür verwendete ich ausschließlich Rosenblätter. Wir nahmen Blätter, die Minka mitgebracht hatte, welche aus Sabines Garten, und ich hatte meine Rose auf dem Balkon etwas geplündert. Die Vorderseite fällt etwas heller und pastellfarbiger aus, die Rückseite ist deutlich kräftiger geworden. Das hatte ich bewusst so angelegt. Besonders fein finde ich die rostigen Stellen an den Rändern und unten.

Währen die ersten beiden Kleidungsstücke aus Baumwolle sind, wählte ich für das dritte ein weites Leinenshirt. Der Stoff ist gröber, und die Ergebnisse fallen deshalb nicht so deutlich und markant aus. Nichtsdestotrotz trägt sich das Shirt sehr angenehm, und einige Details sind wirklich toll geworden, z.B. das gepunktete Blatt oben rechts am Halsausschnitt. Das seht Ihr noch einmal im Detail auf dem nächsten Foto.
Unfassbar, wie klar die Konturen doch auch bei diesem gröberen Stoff hervortreten.
Neben den Kleidungsstücken bedruckte ich auch einen alten Bettbezug, ein Erbstück aus einem sehr feinen Stoff, vermutlich eine Mischung aus Baumwolle und Leinen.

Und auch die Schnur zum Abbinden bringt tolle Effekte hervor.
Manchmal ergeben sich blumenartige Gebilde oder sogar Gesichter. Seht Ihr sie in den letzten beiden Fotos?


Zwischendurch wurden wir immer wieder mit köstlichem Essen verwöhnt, das wir draußen einnehmen konnten: Quiche, Erdbeeren mit Vanilleeis und Kirschkuchen machten den Tag zu einem gelungenen Erlebnis. Ganz herzlichen Dank, liebe Susanne, die gleich ihre ganze Familie einspannte, um uns und sich einen unvergesslichen Tag zu ermöglichen.

Wir bedruckten übrigens nicht nur Baumwolle und Leinen, sondern auch Filz und Seide. Diese Ergebnisse zeige ich Euch im zweiten Teil dieses Blogbeitrags, den ich demnächst poste. Stay tuned!