Filzstein vom Filzertreffen in Essen

Am Sonntag gab es ein großes Filzertreffen in Essen in der Kreativwerkstatt von Heike Giesbert. 12 Filzerinnen und Filzer aus Nordrhein-Westfalen kamen zusammen, um zu filzen, zu fachsimpeln, sich kennenzulernen und eine schöne Zeit zu verleben.

Jeder hatte sich ein kleines oder großes Projekt vorgenommen, reiste mit Utensilien und Wollvorräten an, um in den großzügigen Räumlichkeiten von Heike an großen, angenehm hohen Tischen einen Platz zu beziehen.

Ich hatte mir vorgenommen, ein Meditations- oder Yogakissen zu filzen, das die Form und Farbe eines Steins haben sollte. Die ovale Schablone von 75 x 50 cm hatte ich bereits zuhause aus dickerer Trittschallfolie geschnitten. Die graue Neuseelandmerinowolle im Vlies hatte ich noch übrig von früheren Kissenprojekten. Ich legte sie in vier Lagen um die Schablone und dekorierte zum Schluss mit Kammzugwolle in schwarz, hellgrau, weiß und Seidenfasern in weiß.

Es bereitete Freude, wieder ein größeres Projekt anzugehen und den Stein ganz fest zu filzen. Abends war er schon so trocken, dass ich ihn mit Buchweizenhülsen füllen konnte. Er ist nicht ganz prall gefüllt und passt sich deshalb meinem Hinterteil an.

Da das aufgelegte „Steinmuster“ durch die Vlieswolle etwas verlorengegangen, sprich eingefilzt war, rasierte ich es mit einem Einmalrasierer. Das Ergebnis ist überzeugend.

Auf dem Foto liegt zum Größenvergleich ein 2€-Stück neben dem Kissen.

Meine Mitstreiterinnen und Mitstreiter filzten Schnecken, eine Vase, Windlichtbehälter, eine Mütze, einen weiteren Stein, eine Umhängetasche, eine Murmelbahn, ein Rotkelchen, eine Gürteltasche, Wichtel, Pantoffeln, einen Schal, einen Taschenorganizer. Es ist unglaublich, welche unterschiedlichen Dinge jeder in kurzer Zeit in ihrer oder seiner eigenen Technik verwirklichen konnte.

Nebenbei versorgten wir uns am leckeren herzhaften und süßen Buffet, zu dem jeder beigetragen hatte.

Herzlichen Dank an alle, die kamen, um zu filzen und an Heike für die Bereitstellung der Arbeitsplätze, Filzutensilien und Räumlichkeiten. 👏

Der Schilfstuhl

Das Befilzen von Stühlen und Hockern macht süchtig.

2016.07 Schilfstuhl 0

Heute stelle ich Euch einen Stuhl vor, der vorm Sperrmüll gerettet und in mühevoller Arbeit von meiner Mutter vor Jahren hergerichtet wurde. Seltsamerweise hatte er noch kein Filzkissen. Das änderte sich jetzt. Offenbar noch immer inspiriert von meinem Nordseeurlaub, versuchte ich eine Art Landschaft zu zaubern. Zuerst sollte es das Meer sein, aber ich wollte oben unbedingt etwas Weißes haben, damit das Kissen mit dem Stuhl eine Einheit bildet (Hierbei handelt es sich nicht um einen Polsterstuhl, sondern das Sitzkissen liegt lose auf und ist mit Schnüren an der Lehne befestigt.).

Ich entschied mich für einen weiß-grün Kontrast und wollte das Schilfgras am Wattenmeer nachempfinden. Viel weiße Wolle hatte ich nicht mehr im Bestand, also improvisierte ich:

  • zwei Lagen dicker weißer Vorfilz
  • eine Lage Seidenchiffon zur Stabilisation
  • eine Lage lachsfarbene Vlieswolle.

Die weiße Seite würde später oben, die lachsfarbene unten liegen. 2016.07 Schilfstuhl 1Dies durchnässte ich und filzte alles an.

Für den unteren Teil der Landschaft verwendete ich verschiedene Grüntöne in Vliesqualität. Auch diese Wolle wurde angefilzt. Für die Gräser und Schilfpflanzen musste Kammzug herhalten. Eine bestimmte Technik hat sich bewährt: Man nimmt eine dünne Strähne in der gewünschten Länge und legt sie auf dem oberen, nassen Teil des Filzstücks.* Mit der linken Hand fasst man das Ende des Schilfes und zieht, während man mit dem rechten Zeigefinger den Schilf entlangfährt, sodass er sich glättet und dünn wird. Vor allem auf eine schöne Spitze kommt es an, die gleichmäßig ausfläuft. Die Schilfsträhne legte ich an die entsprechende Stelle. Später kaschierte ich das untere Ende mit etwas Vlieswolle.2016.07 Schilfstuhl 2

Ist man zufrieden mit dem „Bild“, geht der normale Filzprozess los: mit Fliegengitter abdecken, anfilzen, umdrehen, die Rückseite bearbeiten, bei einer gewissen Festigkeit von allen Seiten rollen etc..

2017.07 Schilfstuhl 3

Ist das Filzstück fertig, ausgespühlt und mit Essigessenz neutralisiert, folgt nach dem Antrocknen meine Lieblingsbeschäftigung: Bügeln. Sie ist ähnlich meditativ wie das Filzen selbst. Allerdings beschränkt sich diese Vorliebe ausschließlich auf Gefilztes. Die „Filzfalten“ (s. o. im Foto) mögen zwar manchmal recht attraktiv sein, aber würden meine Vorstellung eines Sitzkissens stören.

Mit einer Doppelseite Zeitungspapier nahm ich die Form des Sitzes vom Stuhl, als Schnittvorlage. Geschnitten wird erst, wenn das Filzstück getrocknet ist.

2016.07 Schilfstuhl 4

In der Zwischenzeit kümmerte ich mich um die Schnüre, mit denen ich das Sitzkissen an der Stuhllehne befestigen wollte. Ein ca. 50 cm langer Vliesstrang in grün (gern hätte ich weiß genommen, aber das war leider nicht im Bestand) wird geteilt und auf der Unterlage gerollt. Die trockenen Schnüre nähte ich an das Sitzkissen. Die elegantere Version wäre gewesen, die Schnüre filzend in das Sitzkissen zu integrieren, aber dann hätte das Sitzkissen von vornherein die richtige Form und Größe haben müssen…

2016.07 Schilfstuhl 5

So sieht das Schilffilzkissen aus:

2016.07 Schilfstuhl 6

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*Hier wählte ich den weißen Teil. Man kann auch ein nasses Handtuch nehmen und neben die Filzarbeit legen, aber mit „meiner“ Methode kam ich gut zurecht und das Filzstück leidet nicht, weil die Schilfsträhne gleich wieder abgenommen und anderweitig platziert wird.

Filzscherbengirlande

Es geht wieder bunter zu im FilzSi-Land, nachdem eine Zeitlang weiß bzw. cremefarbener Filz angesagt war. Die Idee der Filzscherbe ließ mich nicht los. Um diese Objekte zu filzen, bedarf es wenig Equipment (Schüssel, Seifenlauge, Handtuch, Wolle, Schere, Nordseescherben), und das kann gut z.B. auf dem Sofa vor dem Fernseher geschehen.

Leider ist es unmöglich, Fotos vom Herstellungsprozess zu machen, wenn man die Schüssel auf dem Schoß balanciert. Deshalb muss ausnahmsweise an dieser Stelle die Beschreibung genügen.

Zwischen zwei etwa gleich große Wollflächen (ca. 8 cm Durchmesser) legt man eine Nordseescherbe und taucht alles in die warme Seifenlaufe. Zwischen den Handflächen wird das Wollpäckchen vorsichtig hin und her gerieben, insbesondere um die Scherbe herum.

Ist die Wolle relativ fest, wird sie in Form geschnitten, etwa kreisrund oder etwas oval. In die Mitte, wo sich die Scherbe befindet, schneidet man mit der Stickschere auf jeder Seite ein kleines Loch von ca. 0,5 cm Durchmesser.

Das Loch wird beim weiteren Filzprozess automatisch etwas größer, mit maximal 1 cm Durchmesser. Die Ränder müssen sorgfältig bearbeitet werden, damit die Schnittkanten schön rund werden. Nach 90 Minuten meditativem Filzen und einer Trocknungsnacht sieht das Ergebnis so aus:

2016.06 Filzscherbenmobilé

Ein paar Stunden später ist mithilfe von Nadel und Faden daraus eine Girlande geworden. Das dekoriert nun den Balkon.

2016.06 Filzscherbenmobilé 2

Engel

Wie viele Engel habt Ihr?

Ich habe gezählt und bin auf vier gekommen: Zwei wohnen im Schlafzimmer, an der Wand und auf dem Nachttisch. Der Dritte steht auf dem Schreibtisch.

2016.05 Engel 1

Nummer vier ist der wichtigste; er ist überall da, wo ich bin… Er ließ sich aber nicht überreden, auf’s Foto zu kommen. Aber ich weiß, dass es ihn gibt. Ohne ihn würde ich jetzt nicht in der Lage sein, diesen Post zu tippen: Mein Schutzengel.

Aus irgendwelchen Gründen sind Engel momentan wichtig für mich. So wichtig, dass daraus eine Filzserie wurde. Ganz unbekannt ist mir das Thema allerdings nicht, denn 2014 gab es schon einen Weihnachtsengel.

An nur einem Tag entstanden diese vier Exemplare:

2016.05 Engel 2

Die ersten beiden Engel sind in Schablonentechnik gefertigt. Die anderen beiden entstanden aus einer dicken Filzfläche.

Der linke Engel besteht aus zwei Teilen, dem Körper und den Flügeln. Für beides verwendete ich feine australische Merinowolle im Kammzug. Diese Verarbeitungsart ist nicht so unbedingt mein Ding. Dies wird beim genauen Hinsehen bei den Flügeln deutlich, die ich aus einer kleiner Filzfläche schnitt. Die Schnittkanten sind nicht so akkurat wie bei Filz aus Vlieswolle oder Vorfilz. Es gibt bestimmt einen Trick, der mir aber leider unbekannt ist. Deshalb gefällt er mir nicht so gut. Es wäre ein Versuch wert, die Schablone nochmals mit Vlieswolle zu verwenden.

2016.05 Engel 3

Der zweite Engel ist aus einer cremefarbenen Vlieswolle mit Seidenanteil, die ich noch nie ausprobiert hatte. Sie ließ sich vergleichsweise mühsam verarbeiten und schrumpfte nicht viel. Er gefällt mir recht gut, weil er deutlich macht, dass Engel nicht immer schlanke, elfenhafte Wesen sein müssen 😉

2016.05 Engel 4

Für den dritten Engel nahm ich dicken Vorfilz doppelt und belegte ihn üppig mit Seidenfasern. Das gibt den schönen Oberflächen- und Farbeffekt (die Seide ist weißer als der Vorfilz). Nach dem Trocknen ließ sich diese Fläche problemlos schneiden. Den Umgang mit der kleinen Stickschere mag ich sehr, deshalb gefällt mir dieser Engel auch so gut. Außerdem ist er aus einem Stück gefertigt und lässt sich mit einem Faden versehen gut verschenken und überall hinhängen.

2016.05 Engel 5

Den vierten und letzten Engel der Serie kennt Ihr schon halb aus dem letzten Post. Das Holzstück erweiterte ich um Kopf und Flügel. Die Grundform des Kopfes besteht aus einer Kugel, die schon lange im Filzzimmer lag. Ich glaube, sie stammt noch aus der Monsterzeit. Sie wurde ein wenig vergrößert.

Die Flügel schnitt ich aus einer Filzfläche und sind, genauso wie der Kopf, mit Klebstoff am Holzstück befestigt. Mir gefällt dieser Engel am besten, denn das Zusammenspiel der beiden Materialien macht Spaß und durch Eindrücken mit den Fingern an der Vorderseite hat die Filzkugel sozusagen Augenhöhlen bekommen. Dies gibt dem Engel einen gewissen Ausdruck. Wenn es nicht so umständlich wäre, an diese tollen Holzstücke zu kommen, könnte ich mir vorstellen, eine ganze Reihe dieser Engel zu produzieren“.

Welcher gefällt Euch am besten? Und warum? Bin gespannt auf Eure Kommentare.

2016.05 Engel 6

„Was kann man alles filzen?“

Diese Frage stellte letztens ein Kind aus der Filz-AG. Meine Antwort lautete: „Fast alles.“. Im heutigen Beitrag möchte ich ein weiteres Objekt vorstellen, das mich nun schon viele Jahre in meinem Atelier begleitet: ein gefilzter Lampenschirm – jeden Abend mit einer Zeitschaltuhr im Einsatz.

Man nehme ein kostengünstiges Lampengestell mit passendem Schirm. Die Maße des Schirms geben die benötigte, fertige Filzfläche an. Weil der Schirm oben schmaler ist als unten, empfiehlt sich eine Schablone. Dafür wird der Lampenschirm langsam über ein Stück Papier oder Zeitung gerollt und man kann mit einem dicken Stift an den Rändern entlangfahren und diese Schablone ausschneiden. Hierbei merkt man, dass die Schablone eine fast halbrunde Form bekommt.

Gefilzt wird der Lampenschirm entweder mit einer dünnen Lage Vorfilz. Dies führt zu einem absolut gleichmäßigen Ergebnis. Kammzug oder Vließwolle eignen sich natürlich auch, jedoch muss man bei deren Verwendung darauf gefasst sein, dass die Verteilung der Wolle ungleichmäßiger ausfällt und somit auch das Licht unterschiedlich durch den Schirm scheinen wird. Beides hat seinen Reiz.

Ich entschied mich für die erste Variante mit dem Vorfilz. Der eigentliche Pfiff der Lampe ergibt sich nämlich erst durch das Einfilzen von hauchdünnen Seidenfäden und schräger Richtung. Daran kann ich mich bei eingeschalteter Lampe auch heute noch nicht sattsehen.

Überzeugt Euch selbst anhand der folgenden Fotos:

2016.04 Lampenschirm 1

2016.04 Lampenschirm 3

2016.04 Lampenschirm 2

Ineinander

Neue Experimente mit dünnem Filz ergaben diese beiden ineinander liegende Gefäße:

Die Grundlage bildet jeweils ein aufgeblasener Luftballon. Dieser wird angefeuchtet und eingeseift. Dadurch hält die erste Wollschicht besser. Ich entschied mich für hautfarbene Vlieswolle. Die Herausforderung besteht darin, den Luftballon gleichmäßig mit dünnen Wolllagen zu belegen, ohne das dünne Stellen entstehen.

2016.04 Ineinander 1

Auf dem dritten Foto unten links seht Ihr den ersten Prototyp. Ich hatte den Luftballon nicht weit genug mit Wolle umgeben. Sie zog sich beim Schrumpfen noch weiter zusammen und bildet jetzt eine Halbkugel. Vorgestellt hatte ich mir allerdings ein Gebilde mit viel kleinerer Öffnung.

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Passt hier das Motto „Wer nichts tut, kann auch keine Fehler machen.“? Ich fand es mal im Glückskeks beim Vietnamesen…

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Erst nach dem Trocknen wird der Luftballon zerstochen und die trockene Hülle bekommt an einer Stelle ein kleines Loch. Vorsichtig ineinander gesteckt ergeben sich interessante Formen:

2016.04 Ineinander 2

May I introduce J. Flago?

Noch einmal geht es tierisch zu: die Flamingos haben es mir angetan, obwohl ich im Urlaub keinem einzigen lebenden Exemplar begegnet bin… Aber keine 500m von hier, im Grugapark, gibt es zum Glück welche. Seit gestern brauche ich allerdings da nicht mehr hin, um einen zu sehen: May I introduce J. Flago?

Er ist im Prinzip wie die 8 Monster vom letzten Jahr entstanden: im Körper eine Schablone, Beine und Füße werden angefilzt, der Körper wird aufgeschnitten, gestopft und zugenäht.

Nicht ganz so einfach hat sich die Suche nach der geeigneten Farbe gestaltet. Fündig geworden bin ich bei Filzrausch in Göttingen (Merinowolle im Vlies gekämmt in den Farben „lachs hell“ und „zartrosa“).

2015.07 Flago