Mein Fingerpuppenzoo

„Boah, da hast Du ja einen ganzen Zoo!“ sagte letztens jemand, der mich besuchte und die gefilzten Fingerpuppen anschaute. Das stimmt. Mittlerweile hat sich eine ganze Tierschar hier eingefunden. Ich hätte nicht gedacht, dass mich der Workshop von Yaroslava Troynich zum Filzen von Fingerpuppen im Februar so nachhaltig prägen würde.  Klar, nach jedem Workshop filzte ich bisher für mich weiter, um das Gelernte umzusetzen und anzuwenden. Aber hier ist es doch anders. Ich denke, mehrere Dinge kommen zusammen:

– es war der letzte Workshop vor der Corona-Zeit unter „normalen“ Bedingungen

– es war schon lange mein Wunsch, bei Yaroslava einen Workshop zum belegen

– es war ein toller internationaler Workshop.

Nun ist es toll, auszutüfteln, wie eine Fingerpuppe umgesetzt werden kann, die ich noch nie gefilzt habe. Ich muss manchmal erstmal nachschlagen, wie das Tier denn wirklich aussieht, welche Details wichtig sind, damit man es erkennen kann und welche keine Rolle spielen oder zu schwer umzusetzen sind, welche Materialien ich auswähle. Das Überlegen und Tüfteln dauert eine Weile. Irgendwann setze ich mich hin, mache vielleicht eine Skizze und fange an zu filzen. Stundenlang kann ich mich im Figurenfilzen verlieren. Nichtfilzer staunen immer, wenn ich berichte, wie lange es dauert, die gerade einmal 10cm großen Figuren zu filzen. 3 Stunden sind es im Schnitt sicherlich. Ich schaue meist nicht genau auf die Uhr und unterschätze die Filzzeit vielleicht sogar. Jedenfalls freue ich mich schon auf das nächste Tier und die nächste Herausforderung!

Hier sind sie alle versammelt. Welches Tier gefällt Euch am besten?
– Oliver Owl
– Mina Mouse
– The meerkat
– Elly, the elephantine
– Freddy Frank Squirrel
– The deer
– The rabbit
– Sylvia, the seahorse
– (Fred, the frog, who’s not so photogenic)
– The marmoset
– Pete Porcupine
– Batty, the bat

Neue Wege im Filzen – die Challenge mit Yara

Im Februar besuchte ich den Fingerpuppenkurs mit Yaroslava Troynich in den Niederlanden. Es scheint nun – nur drei Monate später – wie in einer anderen Zeitrechnung gewesen zu sein: v.C. (vor Corona). Das Virus war nur kurze Zeit ein Thema am Filztisch, es wütete noch weit weg im fremden China, glaubten wir, obwohl zu der Zeit in der Gegend an der niederländischen Grenze ein bereits ein Infektions-Hotspot war, wie wir heute wissen… Nun ja, lassen wir das C-Thema mal beiseite und wenden uns den schönen Konsequenzen dieser Zeit zu, dem Online-Filzen.

Im Workshop erklärte Yara beinahe beiläufig, dass sie Anfang des Jahres eine Challenge ins Leben gerufen hatte mit dem Hashtag #bibabowildmarathon. Und das geht so: Alle zwei Wochen sammelt sie Tiervorschläge und lost dann am Samstag einen dieser Vorschläge aus. Dieses Tier kann man dann filzen oder nähen oder malen oder irgendwie gestalten und bei Instagram unter dem Hashtag und/oder in der Story posten. Yara stellt dann Collagen zusammen von all den Werken.
Es ist sehr inspirierend zu sehen, welche verschiedenen Versionen und Farbvarianten zustande kommen. Die meisten Einsendungen sind tatsächlich gefilzt, nass oder mit der Nadel. Die meisten Einsendungen sind von russischsprachigen Filzerinnen, aber, wenn man nix versteht, macht das ja nix, denn die Fotos sprechen für sich und über Emojis gelingt es jedem, seine Begeisterung, Anerkennung oder seinen Dank auszusprechen. Mittlerweile sind über 700 Tiere eingegangen. 

Mit dem Virus hat diese Challenge für mich noch einmal eine andere Dimension bekommen, weil die internationale Filzwelt in der Online-Community näher zusammengerückt ist. Besonders in der ersten Phase musste ich nicht jeden Tag in der Schule sein und hatte ein bisschen mehr Zeit für mich, fürs Filzen. Aber such jetzt, mit vollem Einsatz im CoronaAbitur, finde ich Zeit, um mitzumachen und mich abzulenken.
Es macht auch Spaß und ist reizvoll, sich in den zwei Wochen Gedanken zu machen, wie das Tier filztechnisch umzusetzen ist. Diesmal ist es ein Schnabeltier. Wie bekomme ich den Schnabel hin, wie das Fell und den üppigen, flauschigen Körper, wie die großen Hände oder Pfoten? Wie heißen die denn beim Schnabeltier? Soll ich eine Fingerpuppe machen oder nicht?

Bisher filzte ich diese Tiere: Elch, Frosch, Erdmännchen, Hecht, Seepferdchen. Links oben seht Ihr das Erkennungslabel von Yaras Challenge.


Beim Zusammenstellen der Collage fiel mir auf, dass sie alle einem Farbspektrum angehören: beige-grün. Es sind alles kleinere Filzarbeiten, die etwa einen Zeitumfang von zwei Stunden in Anspruch nehmen. Gerne filze ich z.B. sonntags abends während der Tatort läuft.

Ich würde mich freuen, wenn vielleicht die ein oder andere Filzerin durch diesen Blogpost inspiriert wird, ebenfalls bei der Challenge bzw. dem Marathon mitzumachen. Man muss natürlich nicht jede Woche dabei sein und kann das Tier auch später noch „einreichen“ und hochladen. Frei nach dem Motto: Nichts muss, ales kann. Also, sehen wir uns bei Instagram unter dem Hashtag #bibabowildmarathon wieder?

Fingerpuppen mit viersprachigem Kulturaustausch

Etwa eine Autostunde von Essen entfernt liegt Swalmen, ein kleines niederländisches Örtchen mit dem Atelier Het Wolbeest von Alexandra an der Poel. Sie hatte Yaroslava Troynich eingeladen, eine russische Filzerin, die in Helsinki wohnt und sich auf das Filzen von Hand- und Fingerpuppen spezialisiert hat.
Yaroslava hatte ich in Siegburg 2016 bei der Ausstellung „Soul of Felt“ kennengelernt. In einer Live Demonstration zeigte sie, wie sie einen Eisbären filzt. Seitdem bestand bei mir der Wunsch einen Workshop mit Yaroslava zu besuchen. In Helsinki bietet sie nur Kurse für Einheimische an. Bei Wollknoll ist sie auch regelmäßig zu Gast, aber das Angebot passte zeitlich nicht. Außerdem ist ein Workshop bei Wollknoll mit viel Aufwand verbunden (An- und Abreise, Übernachtung). Dies gestaltete sich in Swalmen viel einfacher.

Yaroslava machte von Anfang an deutlich, dass dies ein Power-Workshop sein würde, der ursprünglich auf zwei Tage ausgerichtet war. Wir sollten in die Geheimnisse ihrer niedlichen Fingerpuppen in nur einem Tag eingeweiht werden.
Im Vorfeld hatten sich alle überlegt, welche Tiere sie filzen wollten. Bis zu drei würden wir schaffen können. Maus, Eule und Elefant suchte ich mir aus.

Yaroslava hatte ganz viele ihrer Fingerpuppen mitgebracht, die ich von Fotos im Internet kannte. Aber so in Natura sahen viel schöner, niedlicher und auch kleiner aus, sodass wir uns auf ganz schön fummelige Filzarbeit einstellten.

Doch zunächst erzählte Yaroslava, wie sie zum Filzen kam. Sie fing damit an, um einen Ausgleich zu ihrer journalistischen Arbeit zu haben. Für die anderen Teilnehmerinnen, die aus Deutschland, Belgien und den Niederlanden kamen, war es zum Teil das erste nassgefilzte Objekt. Das war aber überhaupt kein Problem, weil Yaroslavas Erklärungen für alle verständlich waren. Ein Wirrwarr an Sprachen machte sich breit: Englisch als Unterrichtssprache gemischt mit Niederlänsch, Deutsch und Russisch. Wir tauschten uns aus über das Leben und Kulturen in verschiedenen Ländern. Wie immer bei Workshops kam das soziale Miteinander nicht zu kurz.
Versorgt wurden wir von Alexandra mit Kuchen, Suppe, Salat, Fingerfood, Saft, Wasser, Kaffee und Tee.

Wie das so ist mit kleinen, feinen Filzarbeiten, dauerte auch hier das Anfertigen einer Fingerpuppe lang. Schließlich sollte ja aus der Wolle eine stabile hübsche 3D-Figur werden. Yaroslava betonte, dass das Ausformen wichtiger sei als die Schablone.
Aber es machte Spaß zu sehen, wie meine eigenen Figuren und die der anderen sich von einer flachen in Wolle gehüllten Schablone in Fingerpuppen mit Charakter und Leben verwandelten. Jede von uns konnte zwei fertige Figuren mit nach Hause nehmen. Bei mir waren es Maus und Eule, die ich Euch hier vorstelle: Mina Mouse und Oliver Owl.
Und ich nehme mir vor, den Elefanten möglichst bald selbst zu versuchen nach der Anleitung von Yaroslava, damit ich alles, was ich lernte, wiederholen kann. Und das ist eine ganze Menge!

Damit der Kontrast besser ist, knipste ich die beiden lustigen Gesellen vor einem wolkig-blauen Hintergrund.

Herzlichen Dank, liebe Yaroslava, für den tollen Workshop, den Du so gut geplant und vorbereitet hattest, dass ich praktisch gar nichts mitbringen brauchte, sogar Wolle stand uns zur Verfügung. Toll ist auch, dass die Fingerpuppen aus Wollresten entstehen. Und Herzlichen Dank an Alexandra für die vorzügliche Versorgung!

Als Souvenir durften für mich Vanillewaffeln und Pralinés vom Bäcker nebenan nicht fehlen. Hmm, lecker!