Die Filztüte

Ihr kennt die Papiertüten. Manche haben unten einen Boden, manche haben auch an der Seite eine Falte. So etwas wollte ich filzen, zumindest eine Tüte mit Boden.

Wenn ich bisher einen Boden für eine Tasche machte, dann verlängerte ich die Schablone und formte den Boden beim Filzen aus. Ich fragte andere Filzerinnen nach ihren Methoden. Petra Hollomotz fühlte ich sogleich berufen, eine Filztüte anzufertigen und schickte mir zahlreiche Fotos mit den Arbeitsschritten. Danke, liebe Petra, daran konnte ich mich gut orientieren!

Nun hatte ich eine Tüte vor Augen und machte eine Schablone, die unten zwei abgeschrägte Seiten hat. Für den Boden klebte ich eine weitere, kleine Schablone unten an.

Zunächst belegte ich die erste, durchgehende Seite mit Wolle. Ich wählte eine petrolfarbene, leicht melierte Merinowolle im Vlies. Die Andere Seite mit der angeklebten zweiten Schablone ist etwas fummelig, und die Ecken müssen vorsichtig behandelt werden. Als beide Schablonen mit Wolle „eingepackt“ waren, legte ich Deko auf: Seidenfasern, Wollkügelchen, etc., um die Oberfläche interessanter zu gestalten.

Nach dem Anfilzen, Entnehmen der Schablonen und Walken hatte ich zunächst eine solche Form:

Diese Tüte hat unten einen Boden und ließe sich z.B. als Geschenktüte verwenden.

Ich versuchte, auch die Seiten mit einer Falte zu versehen. Das hatte ich beim Anfertigen der Schablone nicht eingerechnet, sodass sich nun eine hohe, fast quadratische Form ergab, ähnlich einer Frischmilchtüte.

Die Ecken und Kanten versuchte ich auszuformen und gerade zu gestalten. Will man ein exaktes Ergebnis, so geht am Ausmessen der Schablone, Abwiegen der Wollmengen und Verwenden an Walkingwerkzeugen sicher kein Weg vorbei.

Für die Verwendung dieser Tüte habe ich zwei Assoziationen: als  Geschenktüte und als Blumenvase mit einem Glaseinsatz.

Update meiner Website

Gestern packte es mich, meine Website auf den neuesten Stand zu bringen – Frühjahrsputz sozusagen. Das sind die wichtigsten Änderungen:

  • Unter der Kategorie „Galerie“ gibt es viele neue Fotos aus den Posts der letzten Zeit. Außerdem legte ich weitere Seiten an: Täschchen, Sitzgelegenheiten und Gefäße
  • Die Seite „FilzKinder“ ist aktualisiert und bekam neu sortierte Fotos in Collagen. So ist es übersichtlicher. Eine neue Seite weist auf den Blog der Filz-AG hin: www.gymbofilzag.wordpress.com
  • Auf der Seite „Über mich“ ist die Filzausbildung mit den Kursen der letzten drei (!) Jahren ergänzt. Es ist ja nicht so, dass ich seit 2015 nichts Neues lernte…
  • Auf derselben Seite gibt es zwei neue Kategorien:

Die erste Kategorie heißt „Berichte zu Filzausstellungen„, die ich ja gerne hin und wieder besuche, wenn die Zeit und Entfernung es zulassen.

Die zweite neue Kategorie hat den Titel „Veröffentlichungen“ und bezieht sich auf Anleitungen oder Kursnachlesen, die in der Filzfun veröffentlicht wurden.

Viel Spaß beim Stöbern wünsche ich Euch!

personal challenge – Filzen im Urlaub 2017

Die letzten drei Posts sind – was die filzerische Handwerksleistung angeht – gar keine so große Herausforderung gewesen. Allerdings habe ich das Karteikartentäschchen, die Girlande und den Eierwärmer nicht zuhause in meinem Filzzimmer gefertigt, sondern auf Reisen.

Ich verbrachte ein paar Tage in Warnemünde an der Ostsee und nahm ein Knäuel Kammzugwolle und eine Handspindel mit. Eigentlich wollte ich das Spinnen mit der Handspindel lernen, aber das gab ich nach 5 Minuten auf. Der Faden riss und das Ding fiel mehrfach auf meinen Fuß, und das tat weh. Also blieb das Filzen. Aber so ganz ohne Equipment? Das war eine personal challenge – eine persönliche Herausforderung.

Es ist nicht das erste Mal, dass ich im Urlaub filze. Genau genommen fing ich mit dem Filzen im Urlaub an. Es war 2008, an einem verregneten Sommertag an der Ostsee, als ich einen Filzkurs bei Angelika Negnal besuchte und mich mit dem Filzvirus infizierte.

Danach filzte ich oft im Urlaub, meist im Sommerurlaub an der Ostsee. Allerdings war ich die anderen Male immer ein bisschen besser vorbereitet und hatte meine Grundausstattung dabei (spitze Schere, Filznadeln, Pinzette, ein Stück Noppenfolie, ein altes Handtuch…). Manchmal hatte ich sogar (vom Volumen her) mehr Filzequipment dabei als Klamotten für einen zweiwöchigen Sommerurlaub. Dann ging es mit dem Auto an die Ostsee nach Kühlungsborn.

Hier seht Ihr eine Auswahl (!) von Dingen, die ich im Urlaub in den letzten Jahren filzte. Das ein oder andere kennt Ihr vielleicht noch nicht, es ist aus der Galerie meiner Website. Die Orte der Entstehung kenne ich noch ganz genau (von links nach rechts und von oben nach unten): Kühlungsborn, Sylt, Übach-Palenberg bei Aachen, 2 x Kühlungsborn, Borgarnes in Island, Sylt und Kühlungsborn.

Doch nun zurück zur personal challenge in Warnemünde. Wie stellte ich es an, das Karteikartentäschchen, die Girlande und den Eierbecher zu filzen? Wolle war vorhanden, flüssige Seife und Handtücher nahm ich vom Hotel, die Schablonen schnitt ich mit der Nagelschere aus einer Plastiktüte. Gekauft wurde lediglich ein Päckchen Einmalrasierer. Gefilzt wurde im Badezimmer des Hotelzimmers. Das funktionierte und machte mich glücklich. Dieser Urlaub sollte für etwas Abstand vom Alltag sorgen. Jetzt weiß ich: Abstand vom Filzen tut mir nicht gut. Also werde ich ab jetzt für alle Fälle ein Päckchen mit essentiellen Filzutensilien parat haben, denn es gilt das Motto: Keine Reise ohne Filz!

Weil ich gerne fotografiere, möchte ich Euch vier Gesichter der Ostsee nicht vorenthalten, aufgenommen an vier aufeinander folgenden Tagen. Schön war’s!

Eierwärmer

Und hier seht Ihr das – vorerst – letzte Teil der apfelgrünen, rosafarbenen Serie: ein Eierwärmer. Noch nie zuvor hatte ich einen solchen gefilzt…

Zugrunde liegt eine rechteckige Schablone (ca. 7 x 12cm), die an einer Schmalseite mittig spitz zuläuft. Dort wird später die Blume angedockt. Der Körper besteht aus drei bis vier Lagen Kammzug, der zur Spitze hin ausläuft. Dort wird weitere Wolle angelegt, die später die Verbindung vom Körper zur Blüte bildet. Sie hat die Dicke einer Schnur (im fertigen Zustand ca. 0,8cm).

Die Wolle des Körpers wird angefilzt, inklusive des Verbindungsstücks. Dessen „Blütenseite“ bleibt trocken, wie alle Andockstellen beim Filzen.

Die Blüte legte ich ähnlich der Blüten der Girlanden. Der rosafarbene Kammzug lag in fünf Lagen wechselseitig übereinander. Nach dem ersten Befeuchten, legte ich die Ränder um, damit sich ein glatter, gleichmäßiger Rand bildete.

Hier ist eine nachträglich erstellte Skizze. Ich hab’s mal wieder versäumt Fotos während des Filzens zu machen…

Die Schnur, also das Verbindungsstück, musste fest gefilzt sein, bevor es mit der angefilzten Blüte in Kontakt kommt. Auch hier war ein wenig Geduld gefragt, bis die Wollfasern eine innige Verbindung eingehen. Dann wurde der Eierwärmer insgesamt weiter gefilzt und gefestigt. Die Schablone nahm ich dann heraus und filzte den Körper durch Rollen und Kneten weiter. Ebenso verfuhr ich mit der Blüte. Auf der Heizung trocknete das Teil schnell und wurde mit dem Einmalrasierer geglättet.

Auf dem Ostertisch – neben der farblich passenden Girlande – macht der Eierwärmer auch ohne Ei eine gute Figur. Ich würde sagen, Ostern kann kommen!

Girlande

Es ist schon erstaunlich: ich filze schon so lange und habe so vieles noch nicht ausprobiert. Das hat drei Gründe:

1. Es gibt ein Ideenproblem: Filzen bietet unendliche Möglichkeiten, und jeden Tag gibt es immer wieder unzählige neue Anregungen, die umgesetzt werden möchten.

2. Es gibt ein Zeitproblem: Auch 24 Stunden Dauerfilzen würden nicht reichen, um all diese Ideen umzusetzen.

3. Es gibt ein Stimmungsproblem: Filzen auf Knopfdruck, das funktioniert nicht. Jedenfalls führt es zu keinen schönen Ergebnissen. Eine gewisse ruhige Grundstimmung ist nötig.

Oh je, das sind ganz schön viele Luxusprobleme…

Doch nun komme ich zu meinem neuen Filzobjekt. Dazu eine kleine Geschichte: Vor ein paar Jahren kaufte ich eine Blumengirlande im Urlaub in Warnemünde an der Ostsee für wenig Geld. Die Filzer unter Euch wissen, dass es ganz schön lange dauert, so eine Girlande herzustellen: Man muss eine Schnur filzen, an die mehrere Blätter und Blüten gefilzt werden. Blätter und Blüten müssen vorher separat gefilzt werden, bevor sie an der Schnur befestigt werden. Eine kniffelige Arbeit, zumal diese Girlande bestimmt 1,50m lang war. Sie muss im Ausland für diesen Preis hergestellt worden sein. In Nepal zum Beispiel werden hübsche Dinge gefilzt, die für ein paar Euro hier angeboten werden.

In Vorbereitung auf Ostern, als meine bisher einzige Osterdekoration, filzte ich eine apfelgrüne und rosafarbene kleine Girlande. Sie umfasst sechs Blätter und zwei Blüten.

Sie wurde aus demselben Kammzug gefertigt wie das Karteikartentäschchen aus dem letzten Post. Für die Blätter nahm ich zwei oder drei Lagen grünen Kammzug von ca. 12cm Länge. So sind die Blätter recht filigran und fransen an den Enden etwas aus. Mir gefällt das gut. Wer massivere Blätter wünscht, nimmt mehr als nur drei Lagen und legt die Ränder sorgfältig um, dann werden sie glatter.

Das eine Ende der Blätter lief spitz zu, das wurde die spätere Blattspitze. Das andere Ende blieb trocken, denn es diente als Verbindung mit der Schnur. Alle Blätter filzte ich leicht an. Dann fertigte ich die Schnur, sie ist (im fertigen Zustand) ca. 0,80cm dick und etwa 70cm lang. Die beiden Enden gehen ins Rosafarbene über und blieben trocken, denn dort brachte ich die Blüten an.

Nach und nach filzte ich die Blätter an die Schnur. Der Abstand ist relativ gleich, ebenso die Richtung der Blattspitzen. Lediglich das Blatt vor der Blüte ist der Blüte zugewandt. Die Verbindungsstellen erfordern besondere Beachtung, damit die Blätter halten.

Dieses Foto zeigt ein Blatt: zu erkennen sind die Verbindungsstelle und die filigrane Spitze.

Die Blüten bestehen aus fünf Lagen rosafarbenem Kammzug, die ich kreuzweise übereinander legte. Der Durchmesser betrug etwa 12cm. Weil ich mir für die Blüten glattere Ränder wünschte, legte ich diese um. In die Blütenmitte platzierte ich einen Hauch grünen Kammzug mit Seidenanteil. Die leicht angefilzten Blüten ließen sich an die noch trockenen Enden der Schnur filzen. Auch hier ist besondere Aufmerksamkeit gefragt, dann halten beide Teile gut. Die Blüten ließen sich individuell formen. Ich dachte daran, die Ränder zusammen zu nähen und so trocknen zu lassen. So entsteht ein krüsseliger Rand, ähnlich wie bei einer Osterglocke. Ich entschied mich dagegen, es wäre zu viel geworden.

Nach Ostern könnte sie als Kette verwendet werden.

praktisches Frühlingskarteikartentäschchen

Ihr kennt es wahrscheinlich auch? Man muss etwas tun, was man nicht so gerne erledigt, aber es führt kein Weg vorbei? Die Lösung: man macht es sich so schön wie möglich.

Diese kleine Frühlingstasche aus 80% Merinowolle und 20% Seide ist sehr schön. Die apfelgrüne und rosafarbene Mischung wirkt frisch und ein wenig verspielt.

Das ist gut so, denn der Inhalt ist es eher nicht. Karteikarten in A7 beschriftet mit trockenen Fakten passen hinein… (Für das Foto nahm ich die unbeschrifteten Karteikarten. Ich wollte Euch nicht langweilen…). Jetzt sind die Karten leicht zu transportieren. Nur die Fakten müssen noch in meinen Kopf.

Eine schöne Umgebung hilft dabei:

„Lernen ist wie Rudern gegen den Strom.

Hört man auf damit, treibt man zurück.“

Laozi