Colours of Scotland – Lavendelsäckchen & Sitzkissen

Warum Schottland? 

Vor neun Jahren war ich das erste Mal dort – in Schottland -, nahm an einer internationalen Fortbildung zum bilingualen Unterricht teil, wohnte mit einer spanischen Kollegin in einer schottischen Gastfamilie in Dunfermline, 30km nördlich von Edinburgh, und erkundete in der Freizeit die Umgebung. Dunfermline, Edinburgh, Inverness, St. Andrews, Pitlochry und Crail hinterließen nachhaltige Eindrücke, ebenso wie die grünen Hügel und Berge Schottlands und das überaus gute Wetter mit viel Sonnenschein und wenig Regen.

So ist es nicht verwunderlich, dass es mich diesen Sommer wieder in diese Gegend zog. Nach dem beeindruckenden Sommerurlaub in Island 2018 entfloh ich auch dieses Jahr nach Nordeuropa und somit den hohen Temperaturen und begab mich auf eine zwölftägige Rundreise nach Schottland. Es gehörte immer schon zu meinen Träumen die Orkney und Shetland Inseln zu besuchen, und so wählte ich eine Busrundreise, die diese beiden Ziele enthielt.

In dieser Fotocollage sind meine persönlichen Highlights zusammengefasst:

Rückblickend kann ich sagen, dass ich sicher mehr als der durchschnittliche Schotte von Schottland gesehen habe. Ihr wisst es selbst, meist kennt man seine eigene Region und Heimat nicht so gut wie eine Urlaubsregion.

 

Colours of Scotland 

Auch auf dieser Reise begleitete mich mein Fotoapparat treu und sorgte dafür, dass ich über 1500 Fotos schoss. Das klingt viel. Die Hobbyfotografen unter Euch wissen, dass nur ein Bruchteil davon wirklich gelungene Fotos sind. Das schönste Foto von allen ist das folgende:

Es ist am Loch Maree in den Highlands bei einem Fotostopp entstanden und zeigt für mich die Farben Schottlands. Vielleicht könnt Ihr Euch noch an letztes Jahr erinnern, wo ich nach der Island Reise eine ganze Serie über die Farben Islands mit dem Titel „Colours of Iceland“ schrieb und auch ganz verschiedene Dinge in diesen Farben filzte. Dies passiert dieses Jahr wieder mit den „Colours of Scotland“. Das Blau im Farbverlauf des Himmels, das tiefblaue Blau des Lochs, das facettenreiche Grün der Pflanzen und das beerenfarbige Pink der Weidenröschen bilden eine faszinierende und harmonische Farbkombination, die für mich die Schottlandrundreise auf den Punkt bringt.

 

Die Lavendelsäckchen

Das Farbschema setzte ich filzend um und entschied mich zunächst für zwei Lavendelsäckchen. Ihr wisst, dass ich eine Freundin der kleinen Filzteile bin, und so kam mir dieses Projekt sehr entgegen zumal es zeitlich sehr überschaubar ist. Außerdem hatte ich auf der Rundreise zwei sehr nette Mitreisende kennen gelernt, denen ich eine Kleinigkeit als Erinnerung und Dankeschön zukommen lassen wollte.

Ich wählte Wolle aus Schottland, die ich vor Ort auf den Orkney und Shetland Islands erworben und zuvor bei Claire Phillips von Hope Jacare Designs bestellt hatte, die ebenfalls aus Schottland kommt. Die Euch schon bekannte Schablone der Lavendelsäckchen (das Foto mit Maßangaben dürft Ihr gern für Eure eigenen Lavendelsäckchen verwenden) gestaltete ich im oberen Bereich mit Kammzugwolle in einem Farbverlauf von dunklerem zu hellerem Blau, das in ein helles Grün übergeht. Im Übergangsbereich sind einige weiße Vliesfetzen als Wolken aufgelegt. Den unteren grünen Teil belebte ich mit dunkleren Kammzugstückchen und hellerer Rohwolle in grün. Zum Schluss toppte ich diesen Teil mit Tupfen aus pinkfarbener North Ronaldsay Wolle von den Orkney Inseln.

Nach dem Filzen und Trocknen zieren Schleifen aus Satinband die Lavendelsäckchen, die ich mit getrockneten Lavendelblüten vom eigenen Balkon bestückt hatte.

Hier seht ihr ein ausgedrucktes Foto der Landschaft und der Säckchen (Übrigens sind meine Fotos der Landschaften und der FilzSis nie bearbeitet).

 

Das Sitzkissen 

Dieses Farbschema ging mir nicht aus dem Kopf, und deshalb verarbeitete ich es in einem weiteren Projekt, einem Sitzkissen. Als Grundlage und Hintergrundfarbe wählte ich zwei Lagen grüner Bergschafwolle im Vlies für die nötige Festigkeit des Sitzkissens. Diese Lagen feuchtete ich mit warmer Seifenlauge an und ließ sie über Nacht einwirken.

Dann bereitete ich Vorfilz in blauen und grünen Schattierungen mit Kammzugwolle vor. So hoffte ich, dass die Farbe nicht von der Bergschafwolle „aufgesogen“ werden und nicht an Klarheit verlieren würde. Die trockenen Vorfilzteile legte ich auf die kurz angefilzte grüne Bergschafwolle und „garnierte“ sie mit weißen Wölkchen im oberen Teil und mit pinkfarbener Kammzugwolle im unteren Teil, die ich zu Kringeln formte. Außerdem fand ich in meinem umfangreichen Wollbestand – der nie kleiner zu werden scheint – beerenfarbene Wolllocken, die ich nun als Weidenröschen verwenden konnte. Um sicher zu gehen, dass der Vorfilz auch in die Bergschafwolle greifen würde, fixierte ich ihn v.a. an den Rändern mit einer Filznadel an.

Dann folgte der übliche Filzprozess mit dem Anfilzen. Dafür verwendete ich zuerst ein Fliegengitter und das Palm Washboard – eine lohnende Investition – und anschließend – mit mehr Druck – die Hände. Zwischendurch wendete ich das Sitzkissen und konnte es nach einer Weile sogar rollen und werfen bis es an Festigkeit gewann.

Das fertige Kissen misst 42 x 36 x 0,7cm und bietet so eine perfekte weiche und gleichzeitig robuste Unterlage mit ausreichender Isolierung für die kommende kühle und kalte Jahreszeit.

Große Filzausstellung in Budapester Palast

Sicher wissen viele Filzbegeisterte, von welcher Ausstellung ich berichte, denn viele Bilder und Eindrücke sind bereits bei der Eröffnung am 06. Juni 2019 durch das World Wide Web gegangen. Unter anderem waren diese Fotos ausschlaggebend, Budapest einen Besuch abzustatten. Und was soll ich schreiben? Es hat sich gelohnt, sehr sogar. 

Es geht um die Ausstellung „Filzstrasse vom Orient zum Okzident“ anlässlich des 40. Jahrestages zum Wiederaufleben des alten Handwerks. Die ungarischen Filzgrößen Mari Nagy, István Vidák und Anna Vidák organisierten diese Ausstellung unter Beteiligung von fünfzig hauptsächlich ungarischen, aber auch internationalen Filzern. Das folgende Foto zeigt das Ausstellungsplakat mit den Namen aller beteiligten Filzkünstler.

Die Ausstellung war in drei Räumen im wunderschönen Palast Vigadó direkt an der Donau untergebracht, wo sich u.a. die ungarische Akademie der Künste und ein Konzertsaal befinden. Der Hauptausstellungsraum ist durch große, hohe Fenster herrlich lichtdurchflutet (s. Foto) und zaubert ein edles, feines, den Exponaten würdiges Ambiente. 

In meinem Bericht erfahrt Ihr Details über

  • den Hauptraum der Ausstellung, den Ihr vielleicht schon von meinen Posts auf Facebook und Instagram oder den Fotos der Ausstellungseröffnung kennt,
  • alte Bekannte, die mir in der Filzszene immer wieder begegnen,
  • neue Gesichter, auf die ich aufmerksam wurde,
  • mein persönliches Highlight der Ausstellung,
  • mein Fazit und Dankeschön.

Ich verlinke alle Filzkünstler, die genannt werden oder deren Werke ich vorstelle. Entweder landet Ihr auf deren Website oder bei einem Youtube Video oder einem Interview oder einem Artikel, wo Ihr mehr Informationen zu den einzelnen Personen bekommt.

Doch nun zu meinem Bericht und meinen Lieblingsexponaten:

 

Der Hauptraum

Im Zentrum des Hauptraumes hängen 40 weiße nunogefilzte Fahnen, die von unterschiedlichen Filzkünstlern erstellt wurden und 40 Jahre gemeinsames Filzen repräsentieren. Geehrt werden damit vor allem die Organisatoren Mari Nagy und István Vidák, die mit ihrem unermüdlichen Einsatz das traditionelle Handwerk des Filzens u.a. in internationalen Filzkonferenzen in Ungarn verbreitet haben. Gerade bei dieser Ausstellung werden meine Fotos den exquisiten Exponaten kaum gerecht, denn es ist schwer die Textur und v.a. die Dimension der Filzunikate wiederzugeben, zumal viel Großformatiges zu bestaunen war.

Wie immer bei meinen Ausstellungsrückblicken möchte ich Euch auf meine persönlichen Highlights aufmerksam machen. Aus der Fülle der Exponate wählte ich zehn Exponate aus.

Im Hauptausstellungsraum wurde meine Aufmerksamkeit sogleich auf das Werk im Zentrum des Raumes gelenkt, „Open – Close“ von Ursina Hitz Jörimann gelenkt. Es sieht aus wie ein aufgeschlagenes Buch, bei dem die Seiten aneinander hängen. Es könnte auch ein Fächer sein oder eine Dokumentenmappe mit verschiedenen Abteilungen. Ihr merkt, den Assoziationen sind keine Grenzen gesetzt. Wie ist es nur hergestellt? Vermutlich mit unzähligen Schablonen und zwischengelegten Folien. Wahnsinn! 

 

Alte Bekannte

Es ist immer wieder schön, Werke von Filzerinnen zu betrachten, die ich bewundere und bei denen ich gern einen Workshop machen würde. So erging es mir mit vier Filzerinnen, die in Budapest vertreten waren. Zum einen ist dies Anette Quentin Stoll. Unverkennbar sind ihre zwei ausgestellten Werke. Hier zeige ich Euch „Soft Ornament“. Sie es nicht toll aus? So eine schlichte, traditionelle Form ist außerordentlich kunstvoll umgesetzt. Ich blättere gern in ihren kleinen, liebevoll inszenierten Büchern mit so vielen Anregungen, die ich gern als Bilderbuch für Erwachsene bezeichne. 

Zum anderen ging es mir mit den Objekten von Gabriella Kovács so, die ich schon in Siegburg in der Ausstellung „Frauenzimmer“ 2017 bewundern durfte. Sie haben einen unvergleichlichen Wiedererkennungswert. Neben ihren großen Gefäßen mit unglaublichen Details faszinierte mich das Wandbild „In the Water IV“ mit einem detailreichen bunten Fisch, mit Wolle eingefasst, auf blauem Hintergrund. Was für eine Farbigkeit Filz ausmachen kann, wird hier besonders deutlich. Außerdem kommt es mir so vor, als wenn der Fisch tatsächlich schwimmt und das Wasser sich wellenartig bewegt. 

Anikó Boros stellt Schmuck her, dessen Beschaffenheit den Filz als Werkstoff gar nicht erkennen lässt, so fein ist er gefertigt. Ihre Kette bildete mit den organischen Formen und Rundungen ein stimmiges Ensemble mit einem gefilzten Outfit. Meiner Kamera ging es so wie mir, sie wusste nicht genau, auf welche Oberflächenstruktur sie sich fokussieren sollte, weshalb die Kette ein wenig unscharf daherkommt. 

Mehrere Exponate waren von Judit Tóth-Pócs. Zum einen fielen mir zwei Wandbehänge mit dem Titel „Spoons I-II“ auf, die mit ihrer zurückhaltenden Farbigkeit die Löffel aus Pailletten hervorbringen als wären sie aufgebracht. Dabei sieht man bei genauerem Betrachten, dass sie in mühevoller Arbeit eingearbeitet wurden. Ein tolles Werk, dass die matte Filzoberfläche nutzt, um die schimmernden Pailletten besonders hervortreten zu lassen. Von weitem sieht es aus, als wäre echtes Besteck ausgestellt.

Im dritten Raum im Untergeschoss waren 3D-Objekte untergebracht, u.a. Kleidung. Ins Auge stach ein blaues Kleid von May J. Hvistendahl aus Norwegen. Bei ihr hatte ich vor Jahren in Oberrot bei Wollknoll in einem Kurs ein Kleid in ihrer speziellen Technik angefertigt. An diesen international besetzten, lehrreichen, schönen, aber auch anstrengenden Kurs im süddeutschen Filzerparadies erinnere ich mich sehr gern zurück. 

 

Neue Gesichter

Natürlich gab es viel Neues zu entdecken:

Gleich zu Beginn im ersten Raum fiel mein Blick auf einen großen hellgrünen Wandbehang von Lívia Tóth mit Metalleffekten und der typischen Filzstruktur. Das sind genau meine Farben. Außerdem kontrastiert das schimmernde Silber mit der eher stumpfen Oberfläche der Wolle.

 

Im Hauptraum zog ein großer runder Wandbehang oder Teppich meine Aufmerksamkeit auf sich. Es handelt sich um „Summer Sun“ der Jahreszeiten-Serie von Mari Nagy. Der dick gefilzte Teppich in strahlenden Pastellfarben gibt die ungarische Witterung draußen mit Sonnenschein und 32°C genau wieder. Was für ein immens fröhlicher Filz. 

Ein weiteres traditionelles Werkstück ist dieser Wandbehang von Zsófia Lévai in der Shirdak-Technik. Seht Ihr, dass die ausgeschnittenen Teile von oben im unteren Teil wieder auftauchen? So etwas würde ich ja gern mal ausprobieren… Wieder konnte ich viele neue Filzspirationen (= Filz + Inspirationen) mit nach Hause nehmen. 

 

Mein Highlight

Mein absolutes Highlight möchte ich Euch zum Schluss vorstellen: 

Es ist ein dreiteiliges Wollgemälde von Csille Márti mit dem Titel „Waiting with Dots on the Stomach“ mit einem atemberaubenden Farbverlauf in blau, grün und violett mit einem Pfau in der Mitte, der aufgestickte Punkte auf der Brust hat. Und schaut Euch das Detailfoto an. Sieht der Vogel nicht toll aus? 

 

Mein Fazit 

Ich hatte das Glück kurz vor Ausstellungsende in Budapest eine vielseitige, bunte Filzausstellung, zu bestaunen, die traditionelles Handwerk mit modernen Elementen verbindet und mit großem Aufwand in einem wunderbaren Ambiente präsentiert wurde. Sie zeigte, dass die hochkarätige Filzkunst eng mit Ungarn verbunden und gleichzeitig international vernetzt ist und macht ihrem Motto „Felt the World together“ alle Ehre.

Einen wunderbaren Artikel von Johanna Rösti in englischer Sprache zur Ausstellung, der Eröffnung und dem Rahmenprogramm in Budapest möchte ich Euch ans Herz legen. Ihr findet ihn auf der Website der International Feltmakers Association und er ist hier verlinkt.

Ich bedanke mich herzlich bei Lesti Árpád vom Palast Vigadó für die Fotogenehmigung und bei Corinna Nitschmann für die Unterstützung, diesen Bericht zu schreiben. Auch sie ist mit mehreren Exponaten vertreten, u.a. mit einer der 40 weißen Fahnen aus Wolllocken:

Mein innerer Schweinehund…

… hält mich gerade davon ab, joggend den Park zu durchqueren. Stattdessen lungere ich auf dem Sofa, lausche der Musik und schreiben diesen Blogeintrag.

„Es ist doch zu viel zu kühl draußen.“, „Schone Deine Kraft für die letzte Schulwoche vor den Sommerferien, liebe Silke.“, flüstert er mir ins Ohr und meint es einfach sehr gut mit mir. Zu gut! Er steht für Motivation, Selbstdisziplin und meine Komfortzone.

Vor ein paar Monaten fing ich wieder an zu joggen. Mehr sportliche Bewegung musste her und außerdem hatte ich mich für den Essener Firmenlauf angemeldet, und ich wollte mich vor dem Kollegium nicht genieren. Also trainierte ich mehrfach in der Woche und steigerte mich in kurzer Zeit von 0 auf 5km. Oft stand jedoch vor dem Joggen mein innerer Schweinehund neben mir und fand 1000 Gründe, warum ich ausgerechnet an jenem Tag nicht trainieren sollte. Mit treuem, liebevollem Blick schaute er mich an und war an manchem Tag auch ausgesprochen überzeugend, und ich verbrachte den Abend gemütlich auf der Couch.

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Irgendwann beschloss ich, den Schweinehund als einen Teil von mir anzunehmen und lieb zu gewinnen, er meinte es ja nur gut. Und ich kam auf die Idee ihn zu filzen. Erst googelte ich, wie sich andere den Schweinehund vorstellten, dann machte ich eine Zeichnung und beim Filzertreffen bei Heike Giesbert in der KreAKTIVWERKstatt in Essen-Werden wurde verwirklicht. Angelehnt an die Technik, die ich bei Gabriele Mazaracis erlernt hatte, baute ich ihn komplett aus brauner und grauer Bergschafwolle auf und betonte einige Elemente mit hautfarbener Merinowolle. Die Augen sind aus Kunststoff und mit Sekundenkleber befestigt. Er ist 18cm groß, wiegt 40g und hat einen Ringelschwanz.

Ich kann ihm nur schwer widerstehen, könnt Ihr das nachvollziehen? Aber den Firmenlauf (5km durch Essen-Rüttenscheid) habe ich übrigens in persönlicher Bestzeit absolviert. 😁

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A Finnish-German felt encounter in Helsinki – preview of the exhibition „Felt for tomorrow“

Sometimes I must be jinxed and one felt exhibition chases the next. This week I visited two exhibitions. I already wrote a blogpost about the first one in the Alte Spedition in Gladbeck. The other one can be marvelled at in Helsinki, Finland, from 03 June to 31 July 2019.

How can that be? You as smart readers probably think so. She posts the post on 2 June and the exhibition will be on view from 3 June? How is this suppossed to work? Dear felt enthusiasts, I have come to enjoy a preview of this Finnish exhibition and would like to tell you about it. It is, so to speak, a small German-Finnish felt encounter. For that I have to go far afield…

City trips or how I came to Helsinki for the felt show

City trips are fine. Seldom has it been possible for me to explore and experience so many new things in such a short time, to gather and process new impressions, to immerse myself far away from everyday life into another world. I can identify 100% with the following saying about traveling:

Traveling – it leaves you speechless, then turns you into a storyteller.“ – Ibn Battuta

So I was curious about a new country when I left for a city trip to Helsinki. I already visited Norway, Sweden, Denmark and Iceland, and particularly like Nordic countries. Now it was Finland’s turn to play.

Well, that’s not really true, of course. Don’t get me wrong! Of course, if you have traveled to Helsinki, you cannot say you have seen Finland. If I have seen Berlin, I do not know Germany. But with the visit of the capital a Finnish beginning was made. After all, there must always be something worthwhile to come back to.

But, dear felt enthusiasts, what about my waffle about traveling when it’s supposed to be about felting? After all, you ended up on my website and on this blog to find out something new about felting and not to read a travelogue on Helsinki. Don’t worry, I’ll get right to the point now.

In preparation for this trip to Helsinki, to which I dedicated a lot of time, be it sightseeing opportunities, opening hours, food offers and transport conditions, I came across the Design District Helsinki. I knew that Finnish design plays a major role, as I was able to name several Finnish design brands even before my trip. I also found out that a lot of handcrafted and handicraft goods are being marketed and found that very appealing.

So I came by chance to the website of Craft Corner Helsinki and learned that one day after my departure an exhibition of the Finnish Felt Association would start. The exhibition „Felt for Tomorrow“ was shown on the occasion of the 20th anniversary of the Finnish Felt Association in the Craftcorner Taito Gallery. Previously, it was shown at the Craft Museum of Finland in Jyväskylä. A report about it can be read in the current Filzfun, a magazine for the German-speaking feltmakers‘ community.

On the website of Craft Corner the contact to Sirpa Mäntylä was printed, so I spontaneously sent an email a few days before my departure and wished her all the best for the exhibition. Promptly I received an answer AND an invitation to view the exhibition in the gallery in the Taitu shop on Eteläesplanadi boulevard two days before and get to know her in person.

WOW!

Of course, I accepted this offer and was very excited to take advantage of this unique opportunity. As a small souvenir from Germany I felted the olive lavender bag, which you already know from the previous post. Do you remember?

In the gallery Sirpa received me very warmly with a hug. How nice, I thought, felters form a unique community around the world.

She led me through the exhibition and showed me the exhibits that were already hanging on the wall. In the photo above you see the current look. Partly the fine plates with names and titles were missing and here and there the finetuning, there was a ladder in the back and some exhibits were waiting for hanging the next day. Nevertheless, Sirpa offered to take pictures and started to explain some of the exhibits. It was great that I could look at everything, even though it was not yet perfectly prepared for the vernissage.

The tour started with the non-Finnish members of the association. Among them were familiar names like Susanne Breuling or Sigrid Bannier or Caroline Merrell. Sirpa and I quickly started talking about the felt courses I attended, e.g. with Sigrid Bannier two years ago at the Filzkolleg in Düsseldorf and we talked about the importance of felting in our lives.

In Finland, years ago, as in Germany, there was even more interest in felting, she said, but in the meantime, more and more people wanted to see and touch felted stuff and take courses. It seems to me that Filtti is very active and organizes several exhibitions a year. Sirpa explained that there is an annual exhibition in Jämsä, in central Finland, which I should definitely visit when I come back to Finland. 

My favorite works at a glance

Sirpa had a small story ready for each exhibit and knew the backgrounds of the feltmakers. I was astonished by the incredible variety of techniques and objects, not to mention the variety of colours I was able to experience. Even careful touching was allowed to check the firm felt quality. Do you also experience the need in felt shows not only to see the exhibits with your eyes, but literally to touch with your hands? Can you imagine how much inspiration I got in this short time?

Here are a few photos of the exhibits that impressed me most. I have inserted and linked the titles of the works and the names of the artists, if possible.

This large wall panel by Kaija Paltto is called „The wise advice of the ancestors“. The artist processes Finnish sheep’s wool and refers to the ancient traditions and materials of the Lapp and Finns that she uses in her felted objects. She lives in Lapland, Northern Finland, and is married to a Sami.

The colorful pendant of Anne Ohra-Aho is called „Scheema“ and spreads a good mood. The contiguous areas form a certain regularity, which is interrupted by the loose connections between the elements. It is also nice to observe the shadows on the wall, as the pendant was installed as a free-hanging object.

This airy, easy-going work by Kikka Jelisejeff with the title „Herd“ has a fantastic felt-like effect and I also like it a lot. I imagine that the vaults can be sheep, some of which are black. What do you mean? Which do you associate?

Wow, what a felt power package! This is a bag that can be worn over the arm or in the hand. The red balls form the handle. It is – as the photo proves – also a wonderful design object that spreads already joy when watching. Mari Jalava appropriately calls them „joy and happiness bags & love baskets“. Anyone traveling with them will be noticed, and wants to be.

The next object that I particularly liked is connected to the title of the show. The exhibition is called „Felt for tomorrow“ and means that felt and wool still play a role today as a traditional and old material, and can also be found in modern everyday objects. Here, in the window of the gallery, you can find three curtains entitled „Flight“ designed by Sirpa Mäntylä. The birds and the transparent fabric symbolize a fine lightness; this impression is reinforced by the lateral fringes and the pattern.

The last object, a picture by Heidi Halm, is titled and radiates the word „joy“. Heidi writes in the exhibition catalogue that both crafts and gardening are good for the soul. How much she is right and also hits my nerve! Her image radiates a harmony with body and soul. The pastel color scheme blends into the overall message of the picture and makes the dancer look graceful.

A very personal German-Finnish felt encounter

Looking at the exhibits, I told Sirpa that in Germany, especially where I live, there are not so many felt shows, and if so, they are much smaller than this one. It is often left to chance to be informed about exhibitions. How I like to remember the exhibition of the Finnish Felt Association in Wuppertal, which I visited almost exactly four years ago. Already there I noticed the colors and the variety of the exhibits and the love of wool. I remember exactly my entry in the guestbook. Also in Helsinki, I wrote into the guestbook, the first entry, even before the exhibition started. A major honour! Sirpa jokingly said that my entry could be understood as a kind of inspection by the European Union. It is hard to believe that Finland only became a member of the EU in 1995.

Look, two feltmakers among themselves. One with a felted pendant, the other with her felted mobile phone case. Sirpa gave me the catalogue of the exhibition and a package of beautiful, lovingly designed postcards that were printed especially for this exhibition and show details of felt exhibits. For the exhibition in Helsinki Filtti had to make a selection and find a compromise, because the showrooms are smaller than those in central Finland.

After the tour of the exhibition, Sirpa invited me to tea and canapés at a fancy Helsinki café. Hmm, that was

I asked her what she appreciated most about Finland. Without much thought, she answered that it was the different seasons, in particular the transitions between spring and summer as well as autumn. That is so special in Finland and very different than e.g. in the north of the US, where she used to live. There are very cold winters and hot summers without the mild transitions as in Finland, which she appreciates.

In fact, I was able to confirm that during my short stay in Helsinki. The trees had a rich, bright green that no photo of this world could cope with, and it was pleasantly warm in the sun, cool in the shade, but not cold. The sun spoiled me on all three days, each with over 15 hours daily. The pastel sky late at night reminded me of that of northern Iceland last summer. As if someone had swung a brush to start a painting.

Full of new impressions and inspiration for felting and my desire to continue to document many felt exhibitions in Germany and internationally, I flew home and will think back for a long time to this special felt encounter. Kiitos, dear Sirpa! This is the Finnish word for „thank you“.

Eine finnisch-deutsche Filzerbegegnung in Helsinki – Preview der Ausstellung „Filz für morgen“

Manchmal ist es wie verhext und eine Filzausstellung jagt die nächste. Diese Woche konnte ich gleich zwei Ausstellungen besuchen. Über die eine in der Alten Spedition in Gladbeck berichtete ich bereits, die andere ist vom 03. Juni bis zum 31. Juli 2019 in Helsinki in Finnland zu bestaunen.

Wie kann das sein, denkt Ihr als pfiffige Leserinnen und Leser? Sie postet den Beitrag am 02. Juni und die Ausstellung ist erst ab 03. Juni zu sehen? Wie soll das denn gehen? Liebe Filzbegeisterte, ich bin in den Genuss eines Previews dieser Ausstellung gekommen und möchte Euch genau darüber berichten. Es geht sozusagen um eine kleine deutsch-finnische Filzbegegnung. Dafür muss ich ein wenig ausholen…

Städtereisen oder wie ich nach Helsinki zur Filzausstellung kam

Citytrips sind etwas Feines. Selten gelingt es in so kurzer Zeit so viel Neues zu erkunden und zu erleben, neue Eindrücke zu sammeln und zu verarbeiten, weit weg vom Alltag in eine andere Welt einzutauchen. Den folgenden Spruch über das Reisen kann ich zu 100% bestätigen:

„Travelling – it leaves you speechless, then turns you into a storyteller.“ – Ibn Battuta

(„Reisen macht einen zuerst sprachlos, dann wird man zum Geschichtenerzähler.“)

So war ich neugierig auf ein neues Land als ich zu einer Städtereise nach Helsinki aufbrach. Norwegen, Schweden, Dänemark und Island hatte ich von den nordischen Ländern bereits z.T. mehrfach bereist. Nun war Finnland mit Helsinki an der Reihe. 

Na ja, so ganz stimmt das natürlich nicht. Versteht mich nicht falsch! Wenn man Helsinki bereist hat, kann man natürlich nicht behaupten Finnland gesehen zu haben. Wenn ich Berlin gesehen habe, kenne ich auch nicht Deutschland. Aber mit der Besichtigung der Hauptstadt war ein finnischer Anfang gemacht. Schließlich muss es immer etwas geben, wofür es sich lohnt wiederzukommen. 

Doch, liebe Filzinteressierte, was soll mein Geschwafel über das Reisen, wenn es ums Filzen gehen sollt? Schließlich seid Ihr auf meiner Website und auf diesem Blog gelandet, um darüber etwas Neues über das Filzen zu erfahren und nicht, um einen Reisebericht zu Helsinki zu lesen. Keine Sorge, ich komm gleich zur Sache.

Bei der Vorbereitung dieser Reise nach Helsinki, der ich ausgiebig Zeit widmete, sei es wegen der Besichtigungsmöglichkeiten, der Öffnungszeiten, der Essensangebote und der Transportbedingungen, stieß ich auf den Design District Helsinki. Dass finnisches Design eine große Rolle spielt, wusste ich, konnte ich doch auch schon vor meiner Reise mehrere finnische Designmarken benennen, dass viel Handgefertigtes und Handwerkliches vermarktet wird, fand ich heraus und fand das sehr ansprechend. 

So kam ich zufällig auf die Website des Craft Corner Helsinki und erfuhr, dass einen Tag nach meiner Abreise eine Ausstellung der finnischen Filzvereinigung eröffnet werden sollte. Die Ausstellung „Felt for Tomorrow“ wurde anlässlich des 20jährigen Bestehens der finnischen Filzvereinigung in der Craftcorner Taito Gallery gezeigt. Zuvor war sie im Craft Museum von Finnland in Jyväskylä zu sehen. Ein Bericht darüber ist in der aktuellen Filzfun zu lesen. 

Auf der Website des Craft Corner war der Kontakt zu Sirpa Mäntylä abgedruckt, der ich spontan ein paar Tage vor meiner Abreise eine Email schickte und ihr alles Gute für die Ausstellung wünschte. Prompt erhielt ich eine Antwort UND eine Einladung die Ausstellung in der Gallerie im Taitu Shop an der Prachtstrasse Eteläesplanadi zwei Tage vorher anzuschauen und sie persönlich kennenzulernen.

WOW!

Dieses Angebot nahm ich selbstverständlich an und war mächtig aufgeregt diese einmalige Möglichkeit wahrnehmen zu dürfen. Als kleines Mitbringsel aus Deutschland filzte ich das olivgrüne Lavendelsäckchen, das Ihr bereits aus dem vorherigen Beitrag kennt. Erinnert Ihr Euch?

In der Galerie empfing Sirpa mich sehr herzlich mit einer Umarmung. Wie schön, dachte ich, Filzerinnen unter sich bilden überall auf der Welt eine einzigartige Community.

Sie führte mich durch die Ausstellung und zeigte mir die Exponate, die bereits an der Wand hingen. Einen Einblick seht Ihr auf dem Foto oben. Z.T. fehlten die feinen Tafeln mit Namen und Titeln und hier und da das Finetuning. Im hinteren Bereich stand noch eine Leiter und einige Exponate warteten auf die Hängung am nächsten Tag. Sirpa bot mir trotzdem an, Fotos zu machen und fing an, mir einzelne Exponate zu erklären. Toll, dass ich alles anschauen konnte, obwohl es noch nicht perfekt für die Vernissage vorbereitet war.

Den Anfang machten die nichtfinnischen Mitglieder der Vereinigung. Darunter waren mir bekannte Namen wie Susanne Breuling oder Sigrid Bannier oder Caroline Merrell. Schnell kamen Sirpa und ich ins Gespräch, als ich von den Filzkursen erzählte, die ich besuchte, z.B. bei Sigrid Bannier vor zwei Jahren beim Filzkolleg in Düsseldorf und wir uns über den Stellenwert des Filzens in unseren Leben unterhielten.

In Finnland hätte vor Jahren – wie in Deutschland auch – noch größeres Interesse für das Filzen bestanden, berichtete sie, aber mittlerweile würden die Leute wieder Lust darauf haben, Gefilztes anzuschauen und anzufassen und auch Kurse besuchen. Mir scheint, dass Filtti sehr aktiv ist und mehrere Ausstellungen im Jahr organisiert. Sirpa erklärte, dass es eine jährliche Ausstellung in Jämsä, in Mittelfinnland gebe, die ich unbedingt besuchen sollte.

Meine Lieblngswerke im Überblick

Sirpa hatte zu jedem Exponat eine kleine Geschichte parat und kannte die Hintergründe der Filzerinnen. Ich staunte über die sagenhafte Vielfalt an Techniken und Gegenständen, ganz abgesehen von der Farbwucht, die ich erleben durfte. Sogar vorsichtiges Anfassen war erlaubt, um die feste Filzqualität zu begutachten. Kennt Ihr das Bedürfnis, in Filzausstellungen die Exponate nicht nur mit den Augen, sondern regelrecht mit den Händen begreifen zu wollen? Könnt Ihr Euch vorstellen, wieviel Inspiration ich in dieser kurzen Zeit erhielt? 

Hier sind ein paar Fotos der Exponate, die mich am meisten beeindruckt haben. Die Titel der Werke und die Namen der Künstlerinnen habe ich eingefügt und verlinkt, wenn möglich.

Dieses große Wandpaneel von Kaija Paltto heißt „Der weise Ratschlag der Vorfahren“. Die Künstlerin verarbeitet finnische Schafwolle und beruft sich auf die alten Traditionen und Materialien der Lappen und Finnen, die sie in ihren Filzobjekten verarbeitet. Sie wohnt in Lappland, in Nordfinnland, und ist mit einem Samen verheiratet.

Das farbenfrohe Gehänge von Anne Ohra-Aho heißt „Scheema“ und verbreitet gute Laune. Die zusammenhängenden Flächen bilden z.B. durch verschiedene Dreiteilungen eine gewisse Regelmäßigkeit, die durch die lockeren Verbindungen zwischen den Elementen wieder aufgehoben werden. Schön zu beobachten ist auch die Schattenbildung an der Wand, da das Gehänge als frei hängendes Objekt installiert wurde.

Diese luftig, lockere Arbeit von Kikka Jelisejeff mit dem Titel „Herde“ ist filztechnisch großartig gelöst und gefiel mir ebenfalls sehr. Ich stelle mir vor, dass die Wölbungen Schafe sein können, von denen einige schwarze dabei sind. Was meint Ihr? Welche Assoziationen kommen Euch?

Wow, was für ein gefilztes Powerpaket. Dies ist eine Tasche, die man über dem Arm oder in der Hand tragen kann. Die roten Kugeln bilden den Henkel. Sie ist – wie das Foto beweist- außerdem ein wunderbares Designobjekt, das schon beim Anschauen Freude verbreitet. Mari Jalava nennt sie passender Weise „Freude- und Fröhlichkeitstaschen & Liebeskörbe“. Wer mit ihnen unterwegs ist, fällt auf, und nimmt dies gern in Kauf.

Das nächste Objekt, das mir besonders gut gefiel macht dem Titel der Ausstellung alle Ehre. Die Ausstellung heißt „Filz für morgen“ und bedeutet, dass Filz und Wolle immer noch heute als traditionelles Material und alter Werkstoff eine Rolle spielen, und auch in modernen alltäglichen Gegenständen zu finden sind. Hier sind im Fenster der Galerie drei Vorhänge mit dem Titel „Flug“ zu sehen, die Sirpa Mäntylä gestaltete. Die Vögel und der transparente Stoff symbolisieren eine feine Leichtigkeit; dieser Eindruck wird die durch die seitlichen Fransen und das durchbrochene Muster verstärkt.

Das letzte Objekt, ein Bild von Heidi Halm, ist mit dem Wort „Freude“ betitelt und strahlt diese aus. Heidi schreibt im Katalog zur Ausstellung, dass sowohl das Handwerken als auch das Gärtnern gut für die Seele sind. Wie sehr sie damit recht hat und auch meinen Nerv trifft! Ihr Bild strahlt eine Harmonie aus, die einen Einklang mit Körper und Seele vermuten lässt. Die pastellene Farbgebung fügt sich harmonisch in die Gesamtaussage des Bildes ein und lässt die Tänzerin grazil wirken.

Eine ganz persönliche deutsch-finnische Filzbegegnung

Beim Betrachten der Exponate erzählte ich Sirpa, dass es in Deutschland, insbesondere dort, wo ich wohne, nicht so häufig Filzausstellungen geben würde, schon gar nicht im Umfang wie diese hier. Oft ist es dem Zufall überlassen, über Ausstellungen informiert zu sein. Wie gern erinnere ich mich an die Ausstellung der finnischen Filzvereinigung in Wuppertal zurück, die ich vor ziemlich genau vier Jahren besuchte. Schon dort waren mir die Farben und die Vielfalt der Exponate und die Liebe zur Wolle aufgefallen. Ich erinnere mich genau an meinen Eintrag in das Gästebuch. Auch in Helsinki trug ich mich in das Gästebuch ein, als Erste, noch bevor die Ausstellung überhaupt begonnen hatte. Welche Ehre wurde mir dort zuteil! Sirpa meinte scherzhaft, mein Eintrag könnte als so eine Art Kontrollabnahme der Europäischen Union verstanden werden. Es ist kaum zu glauben, dass Finnland erst 1995 Mitglied der EU wurde. 

Schaut mal, zwei Filzerinnen unter sich. Die eine mit einem gefilzten Kettenanhänger, die andere mit ihrer gefilzten Handytasche. Sirpa schenkte mir den Katalog der Ausstellung und ein Paket mit wunderschönen, liebevoll gestalteten Postkarten, die speziell für diese Ausstellung gedruckt wurden und Details von Filzexponaten zeigen. Für die Ausstellung in Helsinki musste Filtti eine Auswahl vornehmen und einen Kompromiss finden, weil die Ausstellungsräume kleiner als die in Mittelfinnland sind.

Anschließend an den Rundgang durch die Ausstellung lud mich Sirpa in ein schickes Helsinkier Café zu Tee und Lachschnittchen ein. Hmm, war das lecker! 

Ich fragte sie, was sie am meisten an Finnland schätzen würde. Ohne lange zu überlegen, antwortete sie, es seien die unterschiedlichen Jahreszeiten, v.a. die fließenden Übergänge zwischen Frühling und Sommer sowie zum Herbst. Das sei so besonders in Finnland und ganz anders als z.B. im Norden der USA, wo sie früher einmal gewohnt hatte. Dort gebe es sehr kalte Winter und heiße Sommer ohne die milden Übergänge wie in Finnland, die sie so schätzt.

Tatsächlich konnte ich das auch bei meinem kurzen Aufenthalt in Helsinki bestätigen. Die Bäume wiesen ein sattes, helles Grün auf, dem kein Foto dieser Welt gerecht wird, und in der Sonne war es angenehm warm, im Schatten kühl, aber nicht kalt. Die Sonne verwöhnte mich an den drei Tagen mit jeweils über 15 Stunden täglich. Der pastellfarbene Himmel spät abends erinnerte mich an den von Nordisland im letzten Sommer. Als wenn jemand einen Pinsel geschwungen hätte. 

Voller neuer Eindrücke und Inspiration zum Filzen und dem Wunsch weiterhin viele Filzausstellungen in Deutschland und international zu dokumentieren, flog ich nach Hause und werde noch lange an diese besondere Filzbegegnung zurückdenken. Kiitos, liebe Sirpa! Das ist das finnische Wort für „Danke“. 

Ausstellung „Verdichtung“ mit Filzobjekten in Gladbeck

Als ich hörte, dass in unmittelbarer Nähe eine Ausstellung mit gefilzten Objekten der bekannten und namhaften Künstlerinnen Beatrix Schaaf-Giesser und Esther Weber zu sehen ist, ließ ich alles stehen und liegen und schaute sie mir an.

In Kooperation mit der Galerie Werk4Art entstand die Ausstellung in der Alten Spedition in Gladbeck. Fünf Künstlerinnen verwendeten verschiedenste Materialien, um sich dem Thema „Verdichtung“ zu nähern.

Esther Weber gelang es auf beeindruckende feine und edle Weise Wolle und Filz fern der konventionellen Wollweise, z.B. in Zusammenhang mit leicht glänzenden Keramik-Schälchen zu präsentieren, während sich Beatrix Schaaf-Giesser mithilfe von chirurgischem Nahtmaterial dem Thema „Lunge“ nähert. Sie ist als Filzerin bekannt, wählt aber für diese Ausstellung andere Materialien.

Die ansprechenden Ausstellungsräume wirken angenehm zurückhaltend und doch farblich passend zu den vorwiegend naturfarbenen Exponaten, die z.T. im Raum schweben. Die Fotos hier geben nur einen kleinen Einblick.

Von den Ausstellungsstücken von Esther Weber war ich besonders angetan. Zum einen freut es mich als Filzerin sehr, wenn den Materialien „Wolle“ und „Filz“ Raum und Öffentlichkeit gegeben werden. Zum anderen überlege ich aus filztechnischer Sicht, wie Esther Weber diese Kunstwerke anfertigte.

Wer sich ebenfalls ein Bild dieser kleinen, aber feinen Ausstellung machen möchte, hat bis zum 16. Juni 2019 die Gelegenheit. Weitere Infos sind auf der Website der Alten Spedition in Gladbeck zu finden. Von mir gibt es eine klare Empfehlung!

Olivgrünes Lavendelsäckchen

Auf Altbewährtes zurückgreifen, ist beim Filzen leicht möglich. Die Schablonen, die ich jemals benutzte, lagern beschriftet in einem Karton. Meist kann ich allein an der Form erkennen, für welches Filzobjekt ich sie nutzte.

Jetzt suchte ich die Vorlage für ein Lavendelsäckchen als Mitbringsel. Ein grünes Säckchen sollte es werden, Olivgrün, aber mit verschiedenen Schattierungen und ein wenig Glitzer. Da fiel mir die schottische kardierte Wolle in den Händen, die ich im letzten Jahr bei HopeJacareDesigns bestellt hatte. Seht Ihr die dunkelgrünen Glitzerfäden in der Wolle? Perfekt!

Zwei dünne Schichten Kammzug umhüllen die tropfenförmige Schablone schräg im 90° Winkel. Vorsichtig angefilzt und kräftig gerollt und gerubbelt, ist das Säckchen zügig fertig, trocknet, bekommt ein cremefarbenes Seidenbändchen und ist – mit getrockneten Lavendelblüten vom Balkon gefüllt – ein feines Mitbringsel.

 

Und hier, zum Beweis, ein Einblick in meine Balkonbepflanzung: ein Detailfoto einer meiner Olivenbäume.