Revierfilzertreffen 2016 – „I ❤️ my Schaf“

19 Filzerinnen und 1 Filzer kamen nach Düsseldorf zum Revierfilzertreffen. Das Motto war „I ❤️ my Schaf“ und im Vordergrund stand das Filzen mit Rohwolle.

Sandra Struck-Germann zeigte uns, wie man ein Schaf in 3D filzt und dabei Rohwolle einarbeitet. In außerordentlich angenehmer Filzatmosphäre entstanden 20 ganz unterschiedliche Schafe, während wir Wiedersehen feierten, uns kennenlernten, quatschten, Filztipps tauschten, ein leckeres Büfett verspeisten, Rohwolle erfühlten und erwarben und die gemeinsame Filzzeit genossen.

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Darf ich vorstellen: mein Schaf. Hintergrund und Kopf, Ohren und Füße bestehen aus Neuseelandmerino, die Rohwolle ist vom Schwarzkopfschaf.

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So ein Sitzfellchen würde ich gern herstellen. Dafür erwarb ich Rohwolle vom Gotlandschaf, dass hier ganz in der Nähe, in Mülheim an der Ruhr, lebt. Außerdem waren andere Filzerinnen aus Essen beim Revierfilzertreffen, die ich noch nicht kannte, wie schön, sich so zu treffen.

Unten seht Ihr die unverarbeitete (links) und verfilzte (rechts) Rohwolle vom Schwarzkopfschaf.

Projekt „Himmelsgucker“

Durch Zufall stieß ich auf das Projekt „Himmelsgucker„. Es wurde vor einiger Zeit von Sigrid Uta von Graevenitz ins Leben gerufen. Sie stellt Augen aus Glas her und verschickt auf Anfrage ein Paar handgefertigte Glasäuglein in die ganze Welt. Diese werden zu einem Tier, Mensch oder Wesen verfilzt, in der Zeitschrift filzfun vorgestellt und für einen guten Zweck versteigert.

Heute kamen meine Äuglein an. Danke, liebe Sigrid! Eine Idee für meinen Himmelsgucker hab ich schon… 😃 Wie aufregend!

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Sterne sehen ist was Schönes…

… dachte ich, als ich gestern für den Schal die Sterne aus Vorfilz schnitt 😉

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Der Vorfilz ist handgefärbt (nicht von mir, sondern von Annemie Koenen) und passt zu meinen derzeitigen Lieblingsfarben weiß, nude, rosé und violett.

Ich entschied mich für einen violettfarbenen Chiffonschal als Grundlage und rollte diesmal wie eine Weltmeisterin. Das Rollen führt dazu, dass die Sterne glatt auf dem Chiffon aufliegen, glatt bleiben und sich nicht krüsseln. Das sollte mit den Sternen nicht passieren.

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Die vier Ecken zieren ebenfalls Sterne, dadurch fällt der Schal schön, weil die Sterne auf den Ecken doppelseitig aufgetragen sind und den Schal so beschweren.

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Es ist noch nicht Weihnachten, das weiß ich wohl. Aber wer sagt denn, dass Sternchen auf die Weihnachtszeit beschränkt sein müssen. Sie sind eines meiner Lieblingsmotive:

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Schilfkissen – Schilfkollektion

Letzte Woche fragte mich eine der russischen Filzerinnen in der Ausstellung „Soul of Felt“ in Siegburg: „What do you usually felt?“ – „Cushions and scarves,“ antwortete ich – Kissen und Schals.

Wer meinen Blog kennt, weiß, dass ich auch viele andere Dinge filze und ausprobiere, aber auf Kissen und Schals komme ich immer wieder zurück, so auch heute.

Das Muster ist nicht neu, sondern tauchte schon vor Jahren zum ersten Mal bei Lampenschirmen oder Untersetzern auf und erst kürzlich beim Schilfstuhl. So entstand schon eine kleine Schilfkollektion:

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Ausgelegt sehen die Gräser so aus. Eine ausführliche Anleitung, wie man die Gräser so filigran auslegt, findet Ihr beim Schilfstuhl.

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Ich wollte die einzelnen Gräser unbedingt von einer Höhe aus „wachsen“ lassen und schnitt sie unten auf einer Linie ab:

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So sieht das angefilzte Ergebnis aus: Den Untergrund bilden weißer Chiffon und weiß-cremefarbener Vorfilz. Die Gräser sind logischerweise aus Kammzug.

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Sie „krüsseln“ sich so schön auf dem Vorfilz.

Die Vorderseite des Kissens ist fertig. Die Rückseite besteht aus dunkelgrüner Wildseide, die ich im Stoffbestand finden konnte. D.h. die Nähmaschine war gefragt. Leider sind meine zwei Nähkurse zu lang her, als dass ich einen Reißverschluss ohne Probleme hätte einnähen können. Deshalb nähte die Maschine drei Seiten und ich die linke kurze Seite per Hand zu. Das Kissen ist 70 x 30 cm groß.

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Einige der Gräser sind Woll-Seidenfasern und stammen von der phantastischen Wolle von Annemie Koenen. Kann man auf dem Foto das Glänzen erkennen?

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Die Rückseiten meiner Kissen sind häufig aus Wildseide, weil ich den Kontrast zwischen matter, stumpfer Wollseite mit der glänzenden Seide sehr mag.

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„Soul of Felt“ – 1. Filzkunst-Ausstellung aus dem russischen Sprachraum in Europa

Dass die russischsprachige Filzwelt sehr aktiv ist und hochwertige Filzkunst herstellt, konnte ich anhand der spannenden Beiträge und außergewöhnlichen Filzobjekte hin und wieder in der Filzzeitschrift filzfun erahnen. Aber das war nichts gegen die Eindrücke, die ich heute gewann… WOW!

Ich war in Siegburg und besuchte die Ausstellung „Soul of Felt„, die erste Filzkunst-Ausstellung aus dem russischen Sprachraum in Europa. Ich bin beeindruckt und fast erschlagen vom vielen Input, den ich in nur 4 Stunden bekam.

2016.09.01 Soul of Felt Es war kein gewöhnlicher Ausstellungsbesuch, sondern eine Live-Demonstration von sechs Künstlerinnen, die in der Ausstellungshalle jeweils ein Filzstück,  i h r  Filzstück, erstellten. Dabei konnte man ihnen zusehen, Fragen stellen, Expertenwissen tauschen, ins Gespräch kommen, die Filzstücke anfassen usw.. Nicht alle Filzkünstlerinnen beherrschten die englische Sprache, aber das machte nichts, denn man konnte sehen, was sie machten, und es waren genug Gäste da, die der deutschen und russischen Sprache mächtig waren und übersetzten.

2016.09.02 Soul of FeltAm besten gefiel mir die Arbeit von Yaroslava Troynich, die Tiere als Handpuppen herstellt, z.B. Eisbären, Braunbären, Füchse, Wildpferde, Störche. Sie zeigte, wie sie ihren Eisbär herstellt. Faszinierend war für mich die Fingerfertigkeit, Genauigkeit und Gleichmäßigkeit, mit der sie vorging. Man merkte deutlich, wie geübt sie ist. Sie arbeitet mit Kammzug, das finde ich schwierig, bei ihr sah es so leicht aus! Und es war auch deutlich, wie gründlich sie arbeitet und dass das Filzteil nur ordentlich und gleichmäßig wird, wenn man sich genug Zeit nimmt.
Schön war es auch, Renata Kraus wieder zu erleben. Bei ihr hatte ich vor Jahren einen Workshop in der Wollfabrik Mönchengladbach belegt. Sie malt mit Wolle und stellt phantastische Blumenbilder her, allerdings legt sie die Wolle nass aus, anders als Sandra Struck-Germann.
Die Arbeiten von Elena Ustinova waren ebenfalls toll. Sie stellt Kleidung aus einer speziellen Seide her und arbeitete heute eine Tunika in Mosaiktechnik mit rautenförmigen Vorfilzstücken. Sie war als erste fertig, Wahnsinn, wie schnell das ging… Da steckt viel Übung und Routine hinter.
Besonders belagert waren Marina Klimschuk und ihre Schuhe. Als es ans Walken der beiden Schuhteile ging, war Kraft gefragt. Marina geizte nicht mit der Weitergabe ihres Knowhow und gab alle möglichen Tipps und Tricks, damit beide Schuhe gleich und fest werden.

Und dann war es natürlich toll, einige der „großen“ deutschsprachigen Filzdamen zu sehen: Ricarda Aßmann, Heidi Greb, Andrea Noeske-Porada. Jedenfalls sind das diejenigen, die ich auf Anhieb erkannt habe😉

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So ging man von Filzerin zu Filzerin durch die große Halle, die etwas versteckt und verwunschen von der Straße weg liegt.

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Zwischen den „Filzstationen“ hingen unzählige Ausstellungsstücke. Viele davon waren geradezu sensationell. Noch nie hatte ich eine Hose aus Filz gesehen oder so tolle und extravagante Kleider. Bei manchen Teilen sah man erst auf den zweiten Blick, dass sie gefilzt waren. Diese Kunststücke sind weitab von dem, was der Laie unter Filz versteht. Unzählige Stunden an Arbeit und jahrelange Expertise stecken dahinter.

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Dieser Sonntagsausflug war in vielerlei Hinsicht eine große Bereicherung.

Die Ausstellung kann noch bis zum 2. Oktober in Siegburg im JungenForumKunst Siegburg e.V. Zu sehen.

2. Versuch

Mit meiner Bilderserie vom Filzkolleg war ich nicht so richtig glücklich. Ich hatte zwar die Technik verstanden und angewendet, aber die Person auf den Bildern war nicht ich.

Ich wollte es noch einmal versuchen mit einem Foto, das von vorne aufgenommen wurde und nicht so viele Licht- und Schattenelemente hatte.

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Außerdem wählte ich ein kleineres Format und nahm eine dünnere Vliesschicht für den Untergrund.

Sandra hatte beim Filzkolleg gesagt, die Augen wäre das Wichtigste, damit würde das „Filzfoto“ leben. Also maß ich der Augenpartie besondere Bedeutung zu. Das klappte ganz gut, aber leider verschwanden viele Einzelteile beim Filzprozess, wie folgende Bilder verdeutlichen.

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Schaut selbst, ob Ihr Ähnlichkeiten mit dem Foto oben feststellen könnt:

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P.S.: Das Foto ist übrigens auch neu in der Kategorie „Über mich„.

P.P.S.: Morgen geht’s zur Ausstellung „Soul of Felt“ nach Siegburg. Dort sind Filzarbeiten russischer und anderer osteuropäischer Künstler zu sehen. Auf den Bericht dürft Ihr gespannt sein.