Empfehlung: Weinachtsmarkt auf Schloss Lüntenbeck

Ich gehe nicht gern auf Weihnachtsmärkte: zu viele Menschen, zu viel Gedränge, zu viel Fabrikware, zu viele Fressbuden, zu wenig Handgemachtes.

Heute aber entschloss ich mich, einen Weihnachtsmarkt aufzusuchen, der dafür bekannt ist, schön zu sein. Sabine Pfuhler, die Ecoprintschals und Nunofilzröcke herstellt, hatte mich eingeladen, sie zu besuchen, denn sie hat an diesem Wochenende einen Stand beim Weihnachtsmarkt auf Schloss Lüntenbeck in Wuppertal.

Traumhaft war’s, das muss ich sagen. Die Schlosskulisse und Büdchen mit Lichterketten machten heute im Sonnenlicht einen heimeligen, adventlichen Eindruck. Schon der Weg zum Schloss stimmt ein:

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Der Blick auf romantische Gebäude wechselte sich ab mit dem Blick auf viele Besucher. Allein war ich zwar nicht, aber zu keiner Zeit wurde es drängelig. Der Blick auf die Schätze der Aussteller war immer möglich. Ich mag es nicht, wenn man warten muss, bis man an einen Stand vordringen kann. Die Auswahl an Schmuck, Bekleidung, Leckereien, Dekoartikel usw. war gut getroffen, abwechslungsreich und pfiffig.

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Für’s leibliche Wohl war ebenfalls gesorgt. Und das alles bei traumhaftem Wetter, aber eisiger Kälte.

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Sabines Stand war gefragt. Ich gönnte mir einen feinen Seidenschal, eine Mischung aus lachsfarben und bräunlich mit einzelnen grünen Blattakzenten. Ein absolutes Unikat. Danke, liebe Sabine, für’s Wiedersehen, die Einblicke in die Marktwelt und das Ecoprinten. Im nächsten Jahr möchte ich das wieder ausprobieren.

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Sabine ist auch morgen von 11-19 Uhr auf dem Markt. Schaut vorbei, es lohnt sich!

FilzSi bei „mehrfach – Fachvermietung und mehr“

Zwei Dinge kamen zusammen:2016.11 mehrfach 1

1. Zufällig entdeckte ich ein sog. Fachgeschäft in unmittelbarer Nähe, in dem Künstler ein Fach anmieten können, um ihre Werke zu verkaufen. Regine Steinbring, die Inhaberin, vermarktet und verkauft bei „mehrfach – Fachvermietung und mehr“ Gefilztes, Genähtes, Hundeleinen, Kinderkleidung, Schmuck, Lampen, Schlüsselanhänger, bedruckte Tassen, Eingemachtes, Glückwunschkarten usw.

2. Ich war bereit, mich von einigen meiner Filzsachen zu trennen. Das ist nicht so einfach, dauert schon mal länger und hängt davon ab, wann, was, in welcher Stimmung und zu welchem Anlass ich gefilzt hatte. Mein Angebot umfasst: Schals, Utensilo, Wickeletui, Täschchen, Ansteckblüten, blaues Viech, Stulpen, Untersetzer und Schlüsselanhänger. Vielleicht ist was für Euch dabei?

mehrfach – Fachvermietung und mehr

Holsterhauser Str. 101

45147 Essen

Öffnungszeiten:

Montag von 15 Uhr bis 20 Uhr
Dienstag von 15 Uhr bis 20 Uhr
Mittwoch geschlossen
Donnerstag von 15 Uhr bis 20 Uhr
Freitag von 15 Uhr bis 20 Uhr
Samstag von 12 Uhr bis 16 Uhr

2016.11 mehrfach

The World – ein Sitzhocker

Ein praktisches Geschenk ist es, für jemanden, der schon weit gereist ist und – sozusagen – die Welt gesehen hat.

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Leider versäumte ich es, ein Foto vom Hocker zu machen, als ich ihn aus 2. Hand für kleines Geld bekam. Die braunen, geschwungene Beine hatten es mir angetan und das gewölbte Polster. Insgesamt befand er sich in einem guten Zustand. Zumindest das Polsterteil kann ich Euch im Originalzustand zeigen:

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Das Gestell abzuschleifen und neu zu streichen war schnell gemacht. In schwarz sieht er noch edler aus, finde ich.

Die Frage nach dem Filzmotiv auf dem Polster beschäftigte mich allerdings länger. Die Idee, eine Weltkarte zu filzen, verdichtete sich. Warum? Der Hocker ist ein Geschenk für jemanden, der schon weit gereist ist, verschiedene (leider nicht alle) Kontinente gesehen hat, das Weltgeschehen verfolgt und nicht zuletzt sehr früh auch meine Reiselust und mein Interesse an geographischen Sachverhalten weckte. Weltkarten hatte ich schon gefilzt… Das war nicht die Schwierigkeit. Sie bestand vielmehr darin, ein rundes Abbild der Welt zu finden, das der Form des Hockers entspricht.

Meine bisher gefilzten Weltkarten waren alle rechteckig, nicht rund. Hier seht Ihr eine kleine Auswahl: eine Wärmflasche und eine Glückwunschkarte.

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Bei der Durchsicht mehrerer Atlanten fand ich letztlich eine passende Darstellung mit allen Kontinenten, die der Beschenkte bereist hat: Europa, Nordamerika, Afrika und Asien. 2016.11 The World 3

Für die Experten unter Euch: es handelt sich um eine flächentreue Azimutal-Abbildung in schiefachsiger Lage. D.h. die Pole sind nach vorn und hinten verschoben und die Kontinente sind weitgehend flächentreu abgebildet, sodass wir sie recht gut erkennen können. Filztechnisch gesehen hat diese Darstellung der Welt den Vorteil, dass es nur zwei große Landflächen gibt: Nord- und Südamerika und Afrika, Europa mit Asien.

Endlich begann der Filzprozess. Das Meer filzte ich aus einer Fläche blauer  Kapmerino und dekorierte die Oberfläche mit Blautönen aus Kammzug und Seide.

Für die grünen Kontinente verwendete ich Vorfilz in drei Grüntönen, deren Oberfläche ich ebenfalls mit Seide und weiterer Wolle gestaltete. Nachdem der Vorfilz trocken war, heftete ich die beiden ausgeschnittenen Landflächen der Weltabbildung mit Stecknadeln auf den Vorfilz. Das auszuschneiden, ist nicht ganz einfach, aber mit einer kleinen, spitzen Schere gelingt es.

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Nach genauem Blick auf die Vorlage waren die Landteile auf dem blauen Filzmeer platziert. Damit sie nicht verrutschten, schnitt ich als Folie einen Gefrierbeutel auf. Das Filzstück feuchtete ich an. Die Seife rieb ich mit einem Gurkenhobel vom großen Stück ab. Darüber legte ich die Folie und strich vorsichtig überschüssiges Wasser und Luft heraus. Mit angefeuchteten und seifigen Finger lässt sich wunderbar über das Filzstück reiben. Nach kurzer Zeit waren die Kontinente angefilzt und lagen noch da, wo sie sein sollten.

Damit man später auch erkennen kann, um welches Motiv es sich handelt, entschloss ich mich, das Gradnetz einzubauen. Dafür verwendete ich Wollfäden aus Seide und Mohair in schwarz. Dadurch, dass die Kontinente nun schon angefilzt waren, konnte ich die Fäden leicht auflegen, nass machen, andrücken und abschneiden. Wiederum legte ich die Folie auf und filzte die Fäden an.

Dann ging der Filzprozess seinen gewohnten Gang: Nachdem die Fäden eingefilzt waren, konnte das Rollen beginnen. Zur Stabilität hatte ich die Unterseite mit Seidenchiffon ausgelegt, sodass sich die Filzfläche leicht drehen und von der Rückseite bearbeiten ließ.

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Zum Ende hin konnte ich die Fläche bereits auf das Polster des Hockers legen und anpassen. Es ist gar nicht so einfach, einen Kreis zu filzen…

Die Filzfläche spülte ich in klarem und Essigwasser aus und bügelte sie glatt und fast trocken. So konnte ich sie problemlos dem Polster anpassen und mit dem Tacker befestigen.

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Ich bin gespannt, was der Beschenkte dazu sagt. Es ist für mich der schönste Moment, jemanden zu beobachten, wie er ein Geschenk bekommt und öffnet. Über eine geeignete Verpackung muss ich mir allerdings noch Gedanken machen…