Filzkolleg: Tag 2 – Sonnige Aussichten

Ein bisschen traurig war ich schon als für mich das FilzKolleg in Düsseldorf zu Ende ging. Bepackt mit langersehntem Filzwissen, wertvollen Tipps und Tricks, neuen Bekanntschaften, feiner, exklusiver Wolle, einzigartigen Erlebnissen, vielversprechenden Begegnungen und nicht zuletzt schönen Ergebnissen fuhr ich gestern Abend nach Hause.

Für alle neun Teilnehmerinnen war der erste Tag ähnlich zu meinem: wir gaben uns viel Mühe und versuchten unser bestes, die Wolle so zu legen, dass das Gesicht auf dem Foto annähernd erkennbar war. Dieses Ansinnen war zwischenzeitlich für mich persönlich frustrierend. Der Umgang mit der Neuseelandmerino war ungewohnt. Es ist eine recht grobe Wolle mit langen Fasern, aber die Technik erfordert eine präzise und feine Bearbeitung. Das war nicht so einfach.

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Am zweiten Tag stand der Filzprozess im Vordergrund. Sandra, unsere Kursleiterin, unterrichtete mit sehr viel Feingefühl und Expertise. Sie versorgte uns mit ihrem Knowhow und erfahrenen Blick, wo es nötig war. Beim Filzen beispielsweise ließ sie uns freie Hand. Jede von uns hatte im Laufe der Filzjahre ihre eigene Filztechnik mit individuellen Werkzeugen entwickelt und stellt so auch ihr Werkstück fertig.

Ich hatte mir viel vorgenommen: vier Filzbilder sollten entstehen, im Pop-Art Stil, von nicht ganz unerheblichen Ausmaßen (jeweils etwa Din A4 Größe). Die mussten gleichmäßig gefilzt werden, damit ähnliche Größen entstanden.

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Das Ergebnis ist sehr zufriedenstellend: natürlich war es unmöglich, die vier Bilder genau gleich hinzubekommen. Dafür fehlte mir die Erfahrung und der Blick. Ein Portrait mit frontaler Ansicht und weniger Kleinteilen würde ich beim nächsten Versuch wählen.

Vielen Dank an die Organisatoren des Filzkollegs und die vielen Teilnehmerinnen. Im September findet ein Revierfilzertreffen in Düsseldorf statt, an dem ich gern teilnehmen würde. Das Filzkolleg 2017 wird in Soltau sein und ist schon im Kalender markiert.

Filzkolleg: Tag 1 – Wechselbad der Gefühle

Es ist traumhaft – ich bin im Filzland. Ganz weit weg vom Alltag und doch nur knapp 50 km von Essen entfernt. Das Filzkolleg des Filznetzwerk findet in dieser Woche in Düsseldorf statt.

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Ich habe die Ehre an einem Kurs bei Sandra Struck-Germann teilzunehmen. Das ist eine große Herausforderung. Es geht darum, ein Foto auf Filz zu übertragen und in Pop-Art mit farbigen Hintergründen mehrfach darzustellen. Fertig, wenn man die Technik beherrscht, sieht es phantastisch aus. Endlich sollte es mir gegönnt sein, diese Technik kennen zu lernen.

Hier seht Ihr die Vorbereitung: ich nahm mir viel vor und möchte das Motiv auf vier Hintergründen darstellen. Der Vormittag steht im Zeichen des Überblicks: Sandra erklärt uns die Technik in groben Zügen, damit wir ungefähr wissen, was auf uns zu kommt. Sie bittet uns, die Fotos der Zwischenschritte nicht zu veröffentlichen. Das ist verständlich, schließlich entwickelte sie diese Technik in jahrelanger, mühevoller Arbeit.

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Die schönste und traurigste Begegnung hatte ich in der Mittagspause, denn die verbrachte ich mit Annemie Koenen, die auch am Kurs von Sandra teilnimmt und deren einzigartige Ausstellung ich vor wenigen Wochen in Sittard in den Niederlanden hatte bewundern können. Ich hatte mitbekommen, dass Ihr Bus vollgepackt mit Filzunikaten nach der Ausstellung auf dem Weg nach Berlin zur Textil-Art in Brand geraten war und viele Teile nicht zu retten waren. Als sie mir heute erzählte, dass fast alle Teile der Ausstellung in Sittard nicht mehr existieren, die ich gesehen und bestaunt hatte, war ich tief getroffen: 67 Teile aus 12 Jahren Filztätigkeit – ihr „Lebenswerk“, wie sie heute selbst sagte…

Der Nachmittag brachte mich an meine Grenzen, was das Durchhaltevermögen und die Frustrationstoleranz angeht. Die 3-dimensionale Filzdarstellung lässt sich am besten durch die Fotoansicht des Handys 2-dimensional betrachten, aber trotz enormer Anstrengung meinerseits, die Fotovorlage möglichst genau auf die Filzhintergründe zu übertragen, wollte sich keine Ähnlichkeit mit meinem Portrait einstellen. Zwischenzeitlich hatte ich das Gefühl nichts richtig gelegt und positioniert zu haben und überlegte sogar kurzzeitig, den Kurs abzubrechen und frustriert nach Hause zu fahren.

Die Stille im Kursraum, meist nur von den einschätzenden, aufmunternden und motivierenden Bemerkungen von Sandra unterbrochen, zeugte von hoher Konzentration aller Teilnehmerinnen, von denen viele sehr filzerfahren sind, weil sie z.B. die Filzausbildung bei Wollknoll in Oberrot durchlaufen haben. Ich kämpfte weiter, fuhr nicht nach Hause, sondern machte eine Pause.

Ausgelegt ist die Wolle nun auf allen vier Hintergründen. Morgen früh wird noch einmal kontrolliert und sicherlich hier und da verändert. Die Kinnpartie stimmt nicht, die Brille ist ein fast unüberwindliches Hindernis. Dann erst beginnt der eigentliche Filzprozess. Ich bin gespannt, was morgen als Ergebnis rauskommt. Aber darum geht es nicht wirklich, denn ist ein bisschen wie in Rio bei den Olympischen Spielen: „Dabeisein ist alles.“. Es gibt so viele bemerkenswerte und namhafte Filzerinnen. Und ganz viele von ihnen sind hier versammelt, sodass ich heute morgen bei der Begrüßung gar nicht aus dem Staunen herauskam. Was für Erfahrungen und Erlebnisse im Filzland in Düsseldorf! Ein Wechselbad der Gefühle am ersten Tag.

Schmuck aus Filz „zwischendurch“

Neulich besuchte mich eine Schulfreundin. Ich fragte: „Was machen wir?“ Meistens quatschen wir und verbinden das z.B. mit einem kleinen Ausflug in die Umgebung. Mal schlägt die eine, mal die andere vor. Meine Freundin wollte Filzen. Das hatten wir schon zweimal getan, eine Kissenhülle und ein Abendtäschchen waren unter meiner Anleitung entstanden. Diesmal sollte es ein Wickeletui geben, so ähnlich, wie dieses hier:

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Für Euch gibt es eine schlechte und eine gute Nachricht.

Die schlechte zuerst: Leider versäumten wir es, Fotos vom Filzprozess und vom fertigen Produkt zu schießen. Das Wickeletui entstand aus Kap Merino: eine Seite in türkis, die andere in grün mit einer grünen Schnur und drei geometrischen Figuren auf der Vorderseite. Kap Merino ist eine dankbare Wolle, weil sie schnell und zuverlässig filzt und sich deshalb für Filzanfänger sehr gut eignet.

Die gute Nachricht: Es gelang mir, zwischendurch eine Ansteckblume zu filzen, die ich Euch zeigen kann. Ich wählte lachsfarbene, feine Merinowolle, legte sie dünn auf einer Fläche aus (ca. 15 x 15 cm). Für die schwarzen Blätter wurde eine kleinere schwarze Fläche ausgelegt. Die beiden Flächen ließen sich leicht filzen, während mein Blick immer wieder zum Wickeletui abschweifte, das meiner Freundin problemlos gelang.

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Den Schnitt der Blüte hatte ich vor Jahren bei Katrin von Filzfrieda gelernt. Aus dem lachsfarbenen Filz schnitt ich einen Kreis von ca. 6 cm Durchmesser und machte zunächst drei Schnitte in Ypsilonform: Ein Schnitt von jeweils ca. 1 cm unten und zwei oben, wo die oberen Striche des gedachten Buchstaben „Ypsilon“ sind. Danach gab es noch jeweils einen Schnitt in der Mitte zwischen dem unteren und dem oberen Schnitt auf jeder Seite. Idealerweise müsste man fünf Blütenblätter in gleicher Größe vorgeschnitten haben. Diese wurden in Form geschnitten mit einer kleinen Spitze in der Mitte. Die Stickschere setzte ich in der Mitte der Blütenblätter an, um den Bogen zu erhalten. Für die andere Seite drehte ich die Blüte um.

Zwei Blütenblätter des schwarzen Filzes sind schnell aus einem Stück geschnitten.

Die Blütenmitte betonte ich mit wenigen schwarzen Wollfusseln, die mit der Filznadel aufgetragen wurden. Die Anstecknadel klebte ich mit Sekundenkleber (keine Klebespuren wegen der feinen Dosierung und bombenfester Halt) auf die Blütenblätter.

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Ein feines Filzteil zwischendurch.

„Alles Filz oder was?“ – Filzausstellung in der Burg Nideggen

Noch nie war ich in der Eifel. Und ich bin schon ziemlich viel rumgekommen, einige bezeichnen mich als „reiselustig“. Aber was soll ich in der Eifel? Es regnet dort viel.

Sonntag war es anders: es regnete nicht, im Gegenteil, strahlender Sonnenschein, 27°C. Da kann man nicht meckern. Und ein guter Grund führte mich in die Eifel: die Filzausstellung „Alles Filz oder was? – Vom Filzhandwerk des 13. Jahrhunderts zur FilzKunst heute“ in der Burg Nideggen im gleichnamigen idyllischen Ort.

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Die Kleinstadt Nideggen liegt am Rande des Nationalparks Eifel, oberhalb des Rurtals. An der höchsten Stelle findet man die Burg Nideggen aus dem 11. Jahrhundert mit dem Burgenmuseum, wo die Filzausstellung noch bis zum 31.12.2016 zu finden ist.

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Im Wohnturm der Burg befindet sich das Burgenmuseum mit der Filzausstellung. Sie erstreckt sich über alle Etagen, und es ist gut, dass die Dame an der Kasse darauf hinweist, denn innerhalb der Ausstellung fand ich kein Anzeichen, dass eine schwere Eisentür ohne Schild zur obersten Etage führt.

Unzählige Filzexponate von 33 Filzerinnen und Filzern sind ausgestellt und finden sich neben den Ausstellungsstücken, die die Geschichte der Burg Nideggen näher bringen. Dieser Umstand macht es nicht leicht, die Filzwerke zu finden und zuzuordnen. Ich habe nun schon einige Ausstellungen besucht und muss sagen, dass ich diese, zumindest in den ersten beiden Räumen wenig gelungen finde, weil die Filzstücke zum Teil dicht gedrängt in Vitrinen stehen und liegen, und ein einheitliches Gesamtbild fehlt. Vielleicht hängt das damit zusammen, dass jede der Filzerinnen ihren eigenen Stil hat, und es seltsam anmutet, wenn diese Stile gemischt werden. Dies ändert sich in den oberen beiden Etagen. Dort geht es um Filz als Kunstwerk. Die Werke von Thyra Holst und Sandra Struck-Germann fielen mir besonders ins Auge.

Für mich konnte ich folgende thematische Ordnung herstellen:

Die Verwendung von Filz seit dem 13. Jahrhundert steht zu Beginn der Ausstellung. Besonders auffallend ist ein nach historischem Vorbild gefilzter Hirtenmantel. Die im letzten Post aufgelisteten positiven Eigenschaften von Filz machen sich bei diesem Kleidungsstück bemerkbar, z.B. wasserabweisend und wärmeregulierend zu sein.

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Ein zweiter Themenkomplex ist den Figuren gewidmet. Farbenfrohe Katzen, Fische und Frösche zieren die Vitrinen.

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Wie schon oben erwähnt macht ein Großteil der Ausstellung Filz als Kunst aus:

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Den krönen Abschluss findet die Ausstellung im Dachgeschoss des Wohnturms mit Exponaten von Sandra Struck-Germann und ihren bekannten „Filzfotos“: sie fertigte großformatige Filzflächen mit Portraits von älteren dementen Menschen. Diese Bilder finden unter dem offenen Dachstuhl des Burgturms einen idealen Platz. Alle Portraits strahlen eine große Würde aus und zeugen von einem großem Können im Umgang mit Menschen und Wolle.

Ich freue mich sehr auf einen Workshop mit Sandra Struck-Germann nächste Woche in Düsseldorf, bei dem es um das Übertragen vom Foto auf Filz gehen wird.

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Wie immer könnt Ihr die Fotos mit einem Klick darauf vergrößern. Ich machte Collagen daraus, weil dieser Blogpost sonst viel zu lang geworden wäre und ich Euch die einmalig gelegene Burg Nideggen und das schöne Städtchen nicht vorenthalten wollte.

Meine Fotos der Ausstellungsstücke bilden nur eine kleine Auswahl der gesamten Exponate. Deshalb lege ich Euch ans Herz, die Ausstellung zu erkunden und Anregendes, Erstaunliches, Neues, Großflächiges, Kleinteiliges etc. zu entdecken. Wieder einmal wird deutlich, dass die Gestaltung mit Wolle keine Grenzen kennt und dass es Menschen gibt, die viel Geduld, Arbeit, Mühe, Kreativität, Zeit und Herzblut hineinstecken, um wunderbare Dinge entstehen zu lassen. Ich lade Euch ein, bis zum Ende des Jahres, Eure Lieblingsstücke zu finden.

Beerenkissen – und warum Filz gut ist

Runde Formen sind was feines. Rundes im Runden ist noch feiner.

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Das Sitzkissen besteht aus vier Lagen Kapmerino (jeweils zwei lila- und zwei orangefarbene). Die Pünktchen sind aus Vorfilz geschnitten. Die untere orangefarbene Lage durchzieht die lilafarbene nur ganz leicht.

Das Filzteil wurde im feuchten Zustand gebügelt und im trockenen rund geschnitten. Erst nach dem Filzen und Betrachten der Farben kam mir der Name „Beerenkissen“ in den Sinn. Das Sitzkissen hat auch etwas Spätsommerliches an sich. Es schmückt einen orangefarbenen Plastikhocker.

Es kann übrigens auch sehr gut als Tischdekoration oder Untersetzer verwendet werden. Aus den Resten der Ecken konnte ich zwei Glasuntersetzer gewinnen, die das Gartenset somit vervollständigen.

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Wieder ist ein Sitzkissen entstanden und viele fragen sich vielleicht: Ist so ein Sitzkissen nicht viel zu warm im Sommer? Die Antwort ist „nein“, denn Filz (bzw. Wolle) hat eine temperaturausgleichende Wirkung: kühlend im Sommer und wärmend im Winter. Deshalb wird Wolle auch als Dämmmaterial beim Hausbau verwendet.

Doch das ist nicht die einzige positive Eigenschaft von Filz:

  • hat isolierende Wirkung
  • speichert und reguliert Wärme
  • reguliert die Luftfeuchtigkeit
  • wirkt schallhemmend
  • hat eine feuchtigkeitsabweisende Komponente
  • besitzt eine hohe Saugfähigkeit
  • ist schwer entflammbar.

All das spricht dafür, möglichst viele gefilzte Teile in der Wohnung zu haben😉

Lachs-Schmuck

Meine derzeitigen Lieblingsfarben klamottentechnisch sind Lachs und Rosé oder auch – in Worten der Modebranche „Rose Quartz“. Sie lassen sich gut mit Schwarz und Weiß kombinieren und passen zu mir als Frühlingstyp, der ich laut  „Hautanalyse“ sein soll. Hier ein kleiner Einblick in meinen Kleiderschrank:

2016.08 Lachsschmuck 0

Nun ist es ja schön und gut, wenn man endlich bezahlbare, hübsche Oberteile der Lieblingsfarben gefunden hat. Aber was ist mit Accessoires, insbesondere Schmuck? Zum Geburtstag wünschte ich mir eine Kette von Michaela Binder, die goldfarben ist und zwei sog. „Tönnchen“ hat, in die man FILZplättchen (!) in verschiedenen Farben einsetzen kann, die „richtige“ Farbe zum Outfit. Das Wechseln geht leicht mit einer Nadel.

Unzählige Farben an Filzplättchen wurden mitgeliefert. Aber – Ihr könnt es Euch schon denken – nicht in meinen Lieblingsfarben. Für eine geübte Filzerin ist das ja kein so großes Problem, filze ich mir meine eigenen Plättchen. Gesagt, getan.

Im ersten Versuch ist eine Mischung aus lachsfarbener, feiner Merinowolle mit weißer Seide entstanden, die – wie ich finde – gut mit der goldfarbenen Kette korrespondiert. Als ständige Ohrringträgerin und, nachdem ich merkte, dass ich mit dem System gut zurecht komme, gönnte ich mir Wechselohrringe. Sie haben noch kleinere Plättchen, da muss der Filz dünn sein und das Ausschneiden ist friemelig.

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Die Ränder des Filzstücks sind naturgemäß dünner als die Mitte und man findet viele passende Stücke. Ausgeschnitten und eingesetzt in die Tönnchen sieht es so aus:

2016.08 Lachsschmuck 2 2016.08 Lachsschmuck 3

Der Schilfstuhl

Das Befilzen von Stühlen und Hockern macht süchtig.

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Heute stelle ich Euch einen Stuhl vor, der vorm Sperrmüll gerettet und in mühevoller Arbeit von meiner Mutter vor Jahren hergerichtet wurde. Seltsamerweise hatte er noch kein Filzkissen. Das änderte sich jetzt. Offenbar noch immer inspiriert von meinem Nordseeurlaub, versuchte ich eine Art Landschaft zu zaubern. Zuerst sollte es das Meer sein, aber ich wollte oben unbedingt etwas Weißes haben, damit das Kissen mit dem Stuhl eine Einheit bildet (Hierbei handelt es sich nicht um einen Polsterstuhl, sondern das Sitzkissen liegt lose auf und ist mit Schnüren an der Lehne befestigt.).

Ich entschied mich für einen weiß-grün Kontrast und wollte das Schilfgras am Wattenmeer nachempfinden. Viel weiße Wolle hatte ich nicht mehr im Bestand, also improvisierte ich:

  • zwei Lagen dicker weißer Vorfilz
  • eine Lage Seidenchiffon zur Stabilisation
  • eine Lage lachsfarbene Vlieswolle.

Die weiße Seite würde später oben, die lachsfarbene unten liegen. 2016.07 Schilfstuhl 1Dies durchnässte ich und filzte alles an.

Für den unteren Teil der Landschaft verwendete ich verschiedene Grüntöne in Vliesqualität. Auch diese Wolle wurde angefilzt. Für die Gräser und Schilfpflanzen musste Kammzug herhalten. Eine bestimmte Technik hat sich bewährt: Man nimmt eine dünne Strähne in der gewünschten Länge und legt sie auf dem oberen, nassen Teil des Filzstücks.* Mit der linken Hand fasst man das Ende des Schilfes und zieht, während man mit dem rechten Zeigefinger den Schilf entlangfährt, sodass er sich glättet und dünn wird. Vor allem auf eine schöne Spitze kommt es an, die gleichmäßig ausfläuft. Die Schilfsträhne legte ich an die entsprechende Stelle. Später kaschierte ich das untere Ende mit etwas Vlieswolle.2016.07 Schilfstuhl 2

Ist man zufrieden mit dem „Bild“, geht der normale Filzprozess los: mit Fliegengitter abdecken, anfilzen, umdrehen, die Rückseite bearbeiten, bei einer gewissen Festigkeit von allen Seiten rollen etc..

2017.07 Schilfstuhl 3

Ist das Filzstück fertig, ausgespühlt und mit Essigessenz neutralisiert, folgt nach dem Antrocknen meine Lieblingsbeschäftigung: Bügeln. Sie ist ähnlich meditativ wie das Filzen selbst. Allerdings beschränkt sich diese Vorliebe ausschließlich auf Gefilztes. Die „Filzfalten“ (s. o. im Foto) mögen zwar manchmal recht attraktiv sein, aber würden meine Vorstellung eines Sitzkissens stören.

Mit einer Doppelseite Zeitungspapier nahm ich die Form des Sitzes vom Stuhl, als Schnittvorlage. Geschnitten wird erst, wenn das Filzstück getrocknet ist.

2016.07 Schilfstuhl 4

In der Zwischenzeit kümmerte ich mich um die Schnüre, mit denen ich das Sitzkissen an der Stuhllehne befestigen wollte. Ein ca. 50 cm langer Vliesstrang in grün (gern hätte ich weiß genommen, aber das war leider nicht im Bestand) wird geteilt und auf der Unterlage gerollt. Die trockenen Schnüre nähte ich an das Sitzkissen. Die elegantere Version wäre gewesen, die Schnüre filzend in das Sitzkissen zu integrieren, aber dann hätte das Sitzkissen von vornherein die richtige Form und Größe haben müssen…

2016.07 Schilfstuhl 5

So sieht das Schilffilzkissen aus:

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*Hier wählte ich den weißen Teil. Man kann auch ein nasses Handtuch nehmen und neben die Filzarbeit legen, aber mit „meiner“ Methode kam ich gut zurecht und das Filzstück leidet nicht, weil die Schilfsträhne gleich wieder abgenommen und anderweitig platziert wird.