Experimente gibt es nicht…

… beim Filzen.

Jedes Mal, wenn ich neue oder andere Wolle zum Filzen verwende, denke ich, es ist ein Experiment. Ich weiß nicht, ob das Filzteil gelingt und was am Ende herauskommt. Das stimmt allerdings nicht so ganz!

Wie sich  herausstellt, gelingt es immer, ein Filzteil herzustellen, die Frage ist tatsächlich nur, was kommt dabei heraus. Beim Filzen muss ich also so offen sein, dass ich mich von dem Bild, was vorher in meinem Kopf vom fertigen Filzteil entsteht, verabschieden muss, weil es etwas anders wird als erwartet.

Diesmal verwendete ich handgefärbte Blue Faced Leicester (80%) mit Tussahseide (20%) von Margits Filzschmiede und gewöhnliche grüne Merinowolle, um eine Handyhülle zu filzen. Einige Locken sollten die Oberfläche auflockern. Ich dachte, dass sich die grüne Wolle mit der violettfarbenen an der Oberfläche etwas mischen würde.

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Das war nicht der Fall. Jedenfalls nicht an der Oberfläche, sondern nur am oberen Ende. Offenbar sind die Fasern der Blue Faced Leicester so dicht, dass sie die grüne Merinowolle nicht durchlassen. Mir gefällt das so gut, v.a. auch der Effekt der Locken macht das Täschchen interessant und einzigartig. Es erinnert mich an Lavendel.

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Was für ein toller Tausch!

Wie schön, wenn es zufällige Filzbekanntschaften quer durch Deutschland gibt.

Elke Müller stellte ihre Filzsachen ebenfalls im Fachgeschäft in Essen aus. So lernten wir uns über soziale Netzwerke kennen und tauschten unser Filzwissen aus. Elke fand großen Gefallen an meinen Täschchen. Ich wollte ihr eine Freude machen und das graue Glitzertäschchen zukommen lassen. Das aber wollte sie nicht annehmen, also einigten wir uns auf einen Tausch.

Schaut mal, was für tolle Stulpen ich bekommen habe! Sind die nicht zauberhaft? Danke, liebe Elke.

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Und dabei war dieser niedliche Hase. Süß!

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Workshop mit Annemie Koenen in Heike Giesberts Atelier

Wie kann man Urlaub machen, wenn man gar keinen Urlaub hat?

Ganz einfach: man trifft sich mit 9 anderen Filzerinnen aus ganz Deutschland an einem Wochenende im Atelier von Heike Giesbert in Essen-Werden und freut sich auf Annemie Koenen, die einen Workshop zum Thema „Oberflächenstrukturen in Nuno, 3D, Relief und Schichten“ anbietet.

Die beiden, Heike und Annemie, sind ein tolles Team:

Heike ist eine aufmerksame, umsorgende Gastgeberin, die unsere Arbeitsprozesse mit Spannung verfolgt und mit ihrer Kamera dokumentiert. Sie denkt an alles und ist perfekt vorbereitet: Willkommenstüte mit Goodies, Süßigkeiten, Getränke, die sie an unsere Arbeitsplätze bringt, leckere Mittagessen mit Nachtisch, Arbeitsplätze mit Matten, Handtücher, Schüssel, Seife, Ballbrause. Es fehlt uns an nichts. Alles ist mit Liebe hergerichtet.

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Annemie ist eine tolle, sehr erfahrene Lehrerin. Sie hört sich geduldig an, welche Filzpläne die 10 Teilnehmerinnen haben und gibt jedem von uns eine Zeitvorgabe, bis wann wir zu einem bestimmten Punkt im Filzprozess gekommen sein müssen, damit wird ein fertiges Werkstück mit nach Hause nehmen können – das ist keine Selbstverständlichkeit. Sie gibt ihr  jahrzehntelang erworbenes Filzwissen preis. Auch das ist nicht selbstverständlich. Sie ist gleichzeitig liebevoll zu und streng mit uns, damit wir einen qualitativ hochwertigen Filz kreieren. Das erfordert genaues und akribisches Arbeiten. Oft ist es ganz still im großen Kursraum – eine konzentrierte, angenehme Stille, die nur von rhythmischen Filzgeräuschen unterbrochen wird.

Für jeden einzelnen von uns – mit ganz unterschiedlicher Filzerfahrung – findet sie die richtigen Worte und erklärt die notwendigen Arbeitsschritte mit allen gemeinsam. Wenn es sein muss, bekommt jeder noch einmal eine individuelle Erklärung am Arbeitsplatz. Annemie hilft, achtet aber darauf, dass wir sofort selbst probieren, was sie erklärt und zeigt, denn nur die Theorie und das Schauen bringen uns nicht weiter.

Notizen und Fotos dürfen wir von den Zwischenschritten machen, veröffentlichen natürlich nicht. Zwischendurch gibt Annemie Tipps weiter, es sind scheinbar Kleinigkeiten. Aber diese „Kleinigkeiten“ erprobte Annemie sehr lange und führen, wenn man sie sich konsequent zu Herzen nimmt, zu einem tollen, perfekten 3D-Filzobjekt. Ihre Kunstobjekte, die wir anschauen und -fühlen dürfen, zeugen von kreativem Perfektionismus. Ein Armreif von ca. 6-7 cm Breite ist wundervoll bestickt. Annemie erklärt, dass dies unglaubliche 60 Stunden Arbeit beinhaltet.

Kragen, Hut, Armbänder, Stirnband, Wandbehänge und ein Gefäß sind von 10 Teilnehmerinnen entstanden. Ich schwankte zwischen Kissenhülle und Wandbehang. Am Ende wurde es ein Wandbehang, der noch auf einen Hintergrund aufgezogen werden muss. Ich verwendete Wolle (Merinowolle und Merinowolle mit Seide) von Annemie, die sie in Hülle und Fülle mitgebracht hatte und arbeitete Wollbolletjes (kleine Wollkügelchen) und Throwsters Silk (Seidenfäden) ein, sowie Wollkügelchen und Locken aus meiner Schatztüte, die ich vor einiger Zeit bei Hope Jacare Designs in Großbritannien gekauft hatte.

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Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis, den Strukturen, der Oberfläche, die das Meer zeigen sollen und habe sehr viel über Verarbeitung, Materialien und den Filzprozess gelernt. Ich hoffe, in nächster Zeit ein ähnliches, kleineres Projekt zu realisieren, damit ich all das verinnerliche, was ich innerhalb weniger Stunden lernte.

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Am Ende machten wir bei Sonnenschein draußen eine schöne Ausstellung der tollen Filzobjekte und ein Gruppenfoto. Ich bin sicher, dass ich viele Mitfilzerinnen wiedersehen werde, sei es in Düsseldorf beim Filz-Kolleg oder bei Heike in Essen oder virtuell im Netz.

Was war das für ein schöner Kurzurlaub!  Spätestens im September bin ich wieder in Essen-Werden. Herzlichen Dank an Heike, Annemie und alle Teilnehmerinnen für den schönen Urlaub. 😘

Versteigerung – Wer möchte Täschchen Nr. 5?

Drei der fünf Täschchen sind verschenkt, eines wird mit etwas Gefilztem/ Gestricktem getauscht, bleibt Täschchen Nr. 5 übrig.

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Das Täschchen ist nahtlos nassgefilzt mit handgefärbter Blue Faced Leicester Wolle und handgefärbten Wensleydalelocken. Der Verschluss ist aus Merinowolle. Es ist in geschlossenem Zustand ca. 14 x 9,5 cm x 1cm groß. Es handelt sich um ein Unikat.

Das Anfangsgebot liegt bei 5€. Der oder die Höchstbietende (Gebot und Name bitte ausschließlich per Mail an sikoch_13@yahoo.com) bekommt den Zuschlag. Die Versandkosten kommen dazu. Einsendeschluss ist Freitag, der 10.02.2017 um 18 Uhr.

Viel Glück und Erfolg!

Free tutorial: Anleitung für Täschchen

Tadaa, hier ist sie: die Anleitung, nach der ich meine Täschchen Serie filzte.

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Ihr braucht eine Schablone. Ich nehme dicke Trittschallfolie, es kann auch Noppenfolie sein. Sie wird in ein Rechteck mit den Maßen 20 x 15 cm oder etwas kleiner geschnitten. Oben hat sie Ecken, unten sind die Ecken rund geschnitten.

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Als Wolle wähle ich die Reste der wunderschönen Blue Faced Leceister von Wollrheinheit. Es eignet sich sowohl Kammzug als auch Vlieswolle. Da es sich um eine kleine Tasche handelt, würde ich Kammzug bevorzugen. Er lässt sich kontrollierter und feiner auslegen.

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Für dieses Täschchen lege ich vier Lagen Wolle. Wenn Ihr geübt seid im gleichmäßigen Auslegen der Wolle, reichen auch zwei Lagen.

Hier ist die erste Lage gut zu sehen. Sie liegt zwischen 1-2 cm über der Schablone. Die nächste Lage legt Ihr im 90°-Winkel zur ersten. Also hier sozusagen senkrecht. Es ist gut zu sehen, weil dieser Kammzug einen markanten Farbverlauf hat.

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Als nächstes feuchtet Ihr die ausgelegte Wolle mit einer Ballbrause an und raspelt Olivenseife mit der Käsereibe darauf. Die nasse Wolle wird mit beiden Händen heruntergedrückt und glatt gestrichen. Eventuell nehmt Ihr eine Gardine oder ein Fliegengitter zur Hilfe. Dann klebt die Wolle nicht an den Händen. Die Ränder der Schablone werden sichtbar.

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Nun wird das Täschchen vorsichtig gewendet. Die überstehende Wolle macht Ihr nass und seifig. Sie wird eng an der Schablone entlang umgeklappt. An den Ecken müsst Ihr schauen, dass die Wolle so verteilt wird, dass sich keine Falten bilden. Eventuell nehmt Ihr überschüssige Wolle weg. Aber seid vorsichtig und zieht nicht daran. Dann liegen die Wollfasern nicht mehr gleichmäßig, und es könnten dünne Stellen entstehen.

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Auf die nicht belegte Fläche legt Ihr wiederum zwei Lagen Wolle in verschiedene Richtungen. Sie wird in der Größe der Schablone ausgelegt. Bei mir stehen die Ränder wieder etwas über, das muss nicht sein.

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Ihr müsst das Täschchen wenden, um die überstehende Wolle umzulegen. Hier wird die umgelegte violette Wolle von der Unterseite sichtbar und liegt auf der grün-gelben. Danach ist die Schablone komplett und gleichmäßig mit Wolle belegt. Die Wolle wird mit feuchten seifigen Händen leicht angefilzt.

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Auf jede Seite werden nochmals zwei dünne Schichten Wolle gelegt. Achtet darauf, dass die Wolle beim Umlegen auf die andere Seite wieder eng an der Schablone anliegt. Um das zu prüfen kann man mit den Händen an den Rändern vorsichtig entlangfahren. Die dicke Trittschallfolie hilft dabei. So vermeidet Ihr unschöne Falten an den Seiten oder am Boden der Tasche.

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Ich entschloss mich, Wensleydalelocken von Wollscylla in grau-violett als Dekoration aufzulegen. Die Locken machen die Oberfläche interessanter. Hier seht Ihr die mit Locken belegte Vorderseite. Einige Locken stehen über und werden nach hinten umgeklappt, so entsteht eine gleichmäßige Belegung und der Rand wird mit berücksichtigt. Die Rückseite wird nach dem Wenden ebenfalls mit Locken belegt.

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Zum Anfilzen der Locken packe ich das Täschchen in Fliegengitter ein. Es dauert ein wenig, bis die Locken angefilzt sind. Gleichzeitig wird auch die ausgelegte Wolle angefilzt und das Täschchen fester. Bei Blue Faced Leicester geht der Filzprozess schneller, da es sich um eine gröbere Wolle handelt.

Wenn Ihr möchtet, dass es schneller geht, legt Ihr auf die Locken einen Hauch Kammzug. So verbinden sich Locken und Wolle besser. Allerdings stechen dann die glänzenden Locken später nicht so markant aus der Oberfläche heraus, weil sie mit Wolle bedeckt sind.

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So sieht das Täschchen mit den angefilzten Locken aus. Auch die Wolle ist nun schon angefilzt, denn die Faserrichtung ist weniger sichtbar. Außerdem fängt die Wolle an, sich über der Schablone zu spannen, weil sie bereits schrumpft.

Die Ränder werden ebenfalls mit den Händen gerieben, das gilt auch für die Ecken. Neben dem Reiben könnt ihr das Täschchen Rollen. Fangt mit einer Seite an und rollt das Täschchen in alle 8 Richtungen: vier Seiten auf der Vorderseite, vier Seiten auf der Rückseite.

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Jetzt schneidet Ihr das Täschchen auf. Sucht Euch die schönste Seite aus, das wird die Vorderseite und schneidet die Wolle mit einer spitzen Schere an einer Seite auf. Achtet darauf gerade zu schneiden. Die Stickschere kann den Anfang machen, danach nehmt Ihr eine größere Schere. Die Schablone entnehmt Ihr und könnt sie wieder verwenden.

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Hier seht Ihr den aufgeklappten Deckel und das Innere der Tasche. Die Länge des Deckels verdoppelt sich um die aufgeschnittene Länge. Im Bedarfsfall kann diese Länge gekürzt werden. Bei meinen Täschchen passte es immer.

Nun gilt es die Ränder zu prüfen. Es sind keine Wülste entstanden, wie Ihr sehen könnt, und durch das Umlegen der Wolle sind keine Farbunterschiede entstanden. Auch die Locken liegen am Rand und nicht nur aufVorder- und Rückseite.

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Es kann mit dem Walken weitergehen. Das bedeutet, dass das Täschchen fester und kleiner wird und seine endgültige Form bekommt. Dafür wird es gerollt und geknetet. Ein gutes Zeichen ist, wenn sich die Wolle krüsselt oder in Falten legt.

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Zwischendurch empfiehlt es sich, das Täschchen in heißes Wasser und seifig zu halten, das beschleunigt den Filzprozess. An manchen Stellen ziehe ich das Täschchen, damit es eine gleichmäßige Form erhält.

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Ich drehe die Tasche, sodass die spätere Außenseite innen ist. Auch von der Innenseite müsst Ihr kneten und rollen. All das gehört zum Walken.

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Es ist schwierig, diesen Walkprozess genau zu erklären, weil Vieles intuitiv abläuft. Ich denke nicht darüber nach, sondern tue alles, damit die Tasche klein und fest wird. Manchmal schlage ich sie auch mit Kraft auf den Tisch oder den Boden (Handtuch drunterlegen). Eine bestimmte Reihenfolge halte ich nicht ein.

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Die Tasche ist schon ordentlich geschrumpft. An einigen Stellen ist der geschnittene Rand nicht glatt. Hier nehmt Ihr Euch eine Pinzette und zieht den Rand auf eine Höhe. Das mache ich beim Walken und hinterher, bevor die Tasche trocknet. Dann trocknet der Rand und wird einheitlich glatt.

Hier seht Ihr gut, dass die Innenseite eine andere Farbe hat als die Außenseite. Das hat sich durch den Farbverlauf des Kammzugs zufällig so ergeben. Ihr könnt dies natürlich auch bewusst beeinflussen.

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Ihr seht, wieviel die Tasche geschrumpft ist, wenn Ihr sie auf die Schablone legt. Die Täschchen meiner Serie sind nicht gleich groß. Ich verwendete verschiedene Wollsorten, die unterschiedlich schrumpfen und legte mal mehr, mal weniger Lagen.

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Wenn das Täschchen fest genug ist, geht es an den Verschluss. Er besteht aus einer dünnen Schnur und einer Kugel, die jeweils an das Täschchen genäht werden.

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Die Dicke der Schnur könnt Ihr ermitteln, indem Ihr einen ca. 12 cm langen Strang von einem Kammzug abzupft und trocken zwischen den Fingern dreht. So wird die spätere Dicke sein. Die Dicke eines ganzen Kammzugs ist viel zu viel, ein Drittel oder Viertel reicht aus. Die Schnur wird mit Wasser und Seife auf der Matte gedreht und im Handtuch getrocknet.

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Die Kugel filzte ich diesmal ebenfalls aus Kammzug. Mit Vlieswolle geht es besser und schneller. Sie hat ca. 1,5 cm Durchmesser.

Möchtet Ihr, dass der Verschluss die gleiche Farbe hat, wie das Täschchen, dürft Ihr nicht vergessen, dafür beim Auslegen ein wenig Wolle zurückzuhalten. Ich entschied mich bei meinen Täschchen meist für eine etwas andere Farbgebung. So gibt es einen leichten Kontrast.

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Das Täschchen ist inzwischen ausgewaschen und hat einige Minuten im Essigbad zur Neutralisierung verbracht. Danach schleuderte ich es kurz in der Wäscheschleuder, sodass es nur noch leicht feucht ist.

Achtet darauf, dass Ihr die Kugel mittig annäht. Mir ist das bei diesem Täschchen offenbar nicht so gut gelungen 😉

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Die Schnurenden schneide ich erst nach dem Annähen ab.

Näht man Kugel und Schnur an, wenn die Tasche noch feucht ist, kann sie in geschlossenem Zustand trocknen. Ohne Verschluss klafft das Täschchen auf, und Ihr könnt einen schweren Gegenstand (z.B. die eben noch verwendete Pinzette auf den Deckel legen, damit dieser unten bleibt.

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Das fertige Täschchen hat eine sehr schöne melierte Farbe zwischen blau-grau-violett. An einigen Stellen kommt etwas grün hervor. Die Locken glänzen und geben der Oberfläche eine schöne, interessante Struktur.

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