Mein Fingerpuppenzoo

„Boah, da hast Du ja einen ganzen Zoo!“ sagte letztens jemand, der mich besuchte und die gefilzten Fingerpuppen anschaute. Das stimmt. Mittlerweile hat sich eine ganze Tierschar hier eingefunden. Ich hätte nicht gedacht, dass mich der Workshop von Yaroslava Troynich zum Filzen von Fingerpuppen im Februar so nachhaltig prägen würde.  Klar, nach jedem Workshop filzte ich bisher für mich weiter, um das Gelernte umzusetzen und anzuwenden. Aber hier ist es doch anders. Ich denke, mehrere Dinge kommen zusammen:

– es war der letzte Workshop vor der Corona-Zeit unter „normalen“ Bedingungen

– es war schon lange mein Wunsch, bei Yaroslava einen Workshop zum belegen

– es war ein toller internationaler Workshop.

Nun ist es toll, auszutüfteln, wie eine Fingerpuppe umgesetzt werden kann, die ich noch nie gefilzt habe. Ich muss manchmal erstmal nachschlagen, wie das Tier denn wirklich aussieht, welche Details wichtig sind, damit man es erkennen kann und welche keine Rolle spielen oder zu schwer umzusetzen sind, welche Materialien ich auswähle. Das Überlegen und Tüfteln dauert eine Weile. Irgendwann setze ich mich hin, mache vielleicht eine Skizze und fange an zu filzen. Stundenlang kann ich mich im Figurenfilzen verlieren. Nichtfilzer staunen immer, wenn ich berichte, wie lange es dauert, die gerade einmal 10cm großen Figuren zu filzen. 3 Stunden sind es im Schnitt sicherlich. Ich schaue meist nicht genau auf die Uhr und unterschätze die Filzzeit vielleicht sogar. Jedenfalls freue ich mich schon auf das nächste Tier und die nächste Herausforderung!

Hier sind sie alle versammelt. Welches Tier gefällt Euch am besten?
– Oliver Owl
– Mina Mouse
– The meerkat
– Elly, the elephantine
– Freddy Frank Squirrel
– The deer
– The rabbit
– Sylvia, the seahorse
– (Fred, the frog, who’s not so photogenic)
– The marmoset
– Pete Porcupine
– Batty, the bat

Papier einfilzen – Teil 3

Experimentieren geht immer!
Wie bin ich auf das Einfilzen von Papier gekommen? Einige von Euch haben sicher die Posts bei Facebook und Instagram bemerkt, auf die ich mich beziehe. Im Urlaub habe ich immer Wolle und Seife dabei, um kleinere Projekte zu verwirklichen. In der Ferienwohnung an der Nordsee vielen mir die Kaffeefilter in die Hände. Na, die kann man doch bestimmt einfilzen, dachte ich… Gedacht, getan. Aber sie ließen sich leider nicht einfilzen. Obwohl ich unendlich lange rieb und alle Tricks anwendete, um die Wolle zu überzeugen, die Fasern durch das Filterpapier zu lassen, tat sich nichts. Ob sie zu dicht sind? Ob meine Wolle zu langfädig ist? Je kürzer die Fasern sind, desto mehr haben sie die Möglichkeit, sich durch Gewebe oder Papier hindurchzuarbeiten.
Leider hatte ich keine andere Wolle zur Hand. Aber im Supermarkt fand ich Teefilter. Wisst Ihr, welche ich meine? Diese Teefilter für losen Tee, die man auf ein Plastikgestell spannt und in eine Tasse oder Kanne hängt. Ich habe sie in verschiedenen Größen und Farben (weiß und beige) gesehen.
Diese Teefilter kann man auseinanderschneiden. Ich schnitt daraus Kreise unterschiedlicher Größe und legte sie auf ein Täschchen, das ich zuvor mit zwei Lagen weißer Kammzugwolle ausgelegt und etwas angefilzt hatte. Dann begann der normale Filzprozess. Man musste Acht geben, dass sich die Kreise nicht verschieben, solange sie noch nicht fest an der Wolle hafteten. Das Papier kringelte sich, als die Wolle beim Filzen schrumpftE. Das gibt einen schönen, attraktiven Effekt und eine ansprechende Oberflächenstruktur.
Das Ergebnis seht Ihr hier:


Und hier:


Am Ende sind zwei Täschchen entstanden. Das eine ist schon fertig und hat an der Öffnung einen Reißverschluss erhalten. Auf den Fotos seht Ihr die Teefilter, die ich verwendete.
Das Ergebnis gefällt mir sehr gut, die Tasche macht Ton in Ton und mit einer abwechslungsreichen Oberflächenstruktur einen edlen Eindruck.

Vielleicht habt Ihr Euch schon gefragt, warum im Titel „Teil 3“ steht. Vertan habe ich mich nicht, bis drei zählen kann ich… Hier kommt die Erklärung: Ich habe vor drei Jahren schon einmal mit Filterpapier gefilzt, und damals die Ergebnisse in zwei Posts online gestellt. Dort findet Ihr ausführliche Anleitungen, wie ich das Papier einsetzte. Ich verlinke Euch beide Posts hier zum Nachlesen:

Papier einfilzen – Teil 1

Papier einfilzen – Teil 2

Und ich bin ganz sicher, dass es einen vierten Teil geben wird. Tipps aus der Filzcommunity sind, Maulbeerpapier zu verwenden oder benutzte Teebeutel zu trocknen und einzufilzen. Außerdem wollte ich die hellen Teefilter auf farbiger Wolle verwenden. Ihr merkt, die Ideen gehen nicht aus, und das Experimentieren geht weiter.

„Nichts muss – Alles kann!“ – Experiment Ecoprint: Teil 2

Ehrlich gesagt, kann ich mich gar nicht sattsehen an den Prints der Stoffe, die ich Euch schon im letzten Blogeintrag zum Ecoprint zeigte. Immer wieder fallen mir kleine Details auf. Es ist faszinierend, dass all die Farbe in den Blättern steckt und so unverwechselbare Unikate in nur wenigen Stunden unter der fachkundigen Anleitung von Minka de Weerd im Garten von Susanne Hantzsch entstanden sind.
In diesem Blogbeitrag möchte ich Euch nun die Ergebnisse des Ecoprints auf Wolle und Seide vorstellen.
Leider hatte ich nicht soviel Zeit vor dem Workshop, wie ich mir gewünscht hatte, um Filzobjekte anzufertigen, die bedruckt werden könnten. Vielleicht bedeutet dies, dass ich nicht das letzte Mal Ecoprint ausprobiert habe? 😉

Vor fünf Jahren allerdings gefielen mir die Ergebnisse auf Wolle und Seide nicht so gut wie auf Papier und Baumwolle oder Leinen. Deshalb war ich jetzt natürlich umso gespannter. Entstanden sind eine IPad-Hülle und eine Handyhülle. Die Drucke sind sehr viel farbintensiver als die anderen, und ich hatte mich sehr mit dem Belegen von Blättern und anderen Zutaten, die Minka mitgebracht hatte, zurückgehalten. Das beeinflusst natürlich auch das Gesamtergebnis.
Wie gefallen sie Euch? Mir gefällt diese Seite der Handyhülle sehr, weil diese Farben eher dezent daherkommen. Und besonders stolz macht mich das Blatt meiner Geranie, die seit Jahren auf meinem Balkon steht. Minka war sich nicht ganz sicher, ob das Blatt Farbe abgeben würde. „Probier es einfach aus, Silke,“ sagte sie. Und siehe da, die Umrisse des Blattes und die Adern sind im Filz verewigt. Da verzeihe ich mir auch, dass die Handyhülle für mein jetziges Handy viel zu kurz geraten ist… 

Aus den Tiefen des Schrankes im Filzzimmer hatte ich noch ein uraltes Seidentuch gezogen und zum Workshop mitgenommen. Es stammt noch aus der Zeit, als ich mich mit Seidenmalerei beschäftigte. Lange ist es her… Jedenfalls eignete es sich sehr gut für das Ecoprinting, wie sich jetzt herausstellte. Ein feiner Komplementärkontrast ergab sich aus meiner Blattauswahl.


Einen Seidenschal nur mit grünen Prints kann ich mir allerdings auch gut vorstellen. Oder ein Shirt mit grünen Prints? Das Leinenshirt fällt übrigens ausgesprochen gut. Und das Top macht sich super zur Jeans. Ihr seht, ich bin nachhaltig begeistert und habe viele neue Ideen im Kopf.
Allerdings gibt es beim Ecoprint einen Nachteil. Es sollte draußen gemacht werden. Ein schöner Garten, wo auch mal was runtertrügen darf, eignet sich sehr dafür. Deshalb ist es für mich nicht „mal eben so“ zu machen. Aber ich bin sicher, dass sich wieder eine Gelegenheit bieten wird.
An dieser Stelle nochmal ein ganz großes Dankeschön an Susanne für die tolle Bewirtung und Rundumbetreuung in Eurem wunderschönen Garten. Und ein herzliches Dankeschön an Minka, die so viel von ihrem Wissen weitergegeben und all die Materialien und Utensilien mitgebracht hat, und sich um die Bündel in den Töpfen immer wieder gekümmert hat, sodass wir sorglos die Stoffe belegen konnten. DANKE für diesen wundervollen Tag!

„Nichts muss – Alles kann!“ – Experiment Ecoprint: Teil 1

Tja, mich hat es auch (wieder) erwischt – das Ecoprintfieber. Und ich sage Euch, es ist ansteckend…

Wie kam es, dass ich nach über fünf Jahren wieder Blätter auf Textilien verteilte und mich wie eine Schneekönigin freute, als ich das Bündel entpacken konnte? 2015 hatte ich bei Sabine Pfuhler Einblicke in das Ecoprinting bekommen und hatte darüber in einem Artikel in der Filzfun berichtet.

Susanne Hantzsch von „The Felt Side of Life“ lud Minka de Weerd ein zum Ecoprint. In keiner gemütlicher Runde erstellten vier Frauen innerhalb kurzer Zeit eine ganze Ecoprint Kollektion von Tops, Tshirts, Blusen, Kleidern, Tüchern, Laptoptaschen, Handytaschen, Tischläufern, Kissenhüllen…

Doch erstmal der Reihe nach…

Nach einer kurzen theoretischen Einführung und Erklärung, was wir überhaupt machen würden und mitHinweisen, worauf wir achten sollten, legten wir los und bestaunten die vielen Zweige, die Minka aus ihrem Garten und von ihrer Umgebung in den Niederlanden mitgebracht hatte. Schaut mal, sieht das nicht schon vor dem Ecoprint sehr hübsch und ästhetisch aus? Wie faszinierend diese Blattformen sind.

Im traumhaften, etwas verwunschenen Garten von Susanne konnten wir bei bestem Sommerwetter mit leichter Brise und angenehmen Temperaturen in feinem Ambiente unserer Fantasie und Intuition freien Lauf lassen, wie wir unsere mitgebrachten Stoffe gestalten wollten. Hier ein paar Gartenimpressionen: 

Doch nun zum Ecoprint. Minka zeigte uns, wie man die Stoffe am besten einrollt und gab alle möglichen Tips preis. Wir fragten immer wieder: muss das so oder so gelegt werden. Und Minka antwortete, dass wir es so machen könnten, aber wir es auch anders machen könnten. Deshalb bleibt mir dieser Workshop unter dem Motto „Nichts muss, alles kann!“ in Erinnerung. Es gab kein richtig und falsch.
Vieles ist ja ohnehin alles Geschmacksache. Ich mag es lieber übersichtlicher und strukturierter und legte eher einzelne Blätter auf, während Susanne z.B. kleine Zweige als Ganzes verwendete.
So „arbeiteten“ wir vor uns hin, Minka war zur Stelle, wenn wir unsicher waren und bestärkte uns, dass wir selbst den richtigen Weg finden würden. Von meinem Ecoprint Erlebnis von vor fünf Jahren wusste ich, dass die Ergebnisse schön werden würden und war wenig besorgt, nichts Brauchbares mit nach Hause zu nehmen. Ich genoss diesen tollen Tag am Niederrhein nach einem anstrengenden und kraftzehrenden Schuljahr.

In dieser Fotocollage seht Ihr unseren reichen Schatz an Blättern, wie sie vorher aussehen und nachher, wenn der Pflanzenfarbstoff Tanin nicht mehr in den Blättern, sondern auf den Stoffen ist. Die Blätter sehen ganz braun und ausgelaugt aus.


Am spannendsten ist es, wenn die Bündel nach langem Dämpfen aus dem Topf gefischt werden und dampfend da liegen. Das Auspacken ist ein bisschen wie Weihnachten, und ich war ganz aufgeregt. Z.T. waren die Pflanzendrucke so originalgetreu, dass ich immer wieder auf dem Stoff gerieben habe, um das Blatt zu entfernen, dabei war es längst weg. Es war nur noch der Druck sichtbar.
Ja, und die Ergebnisse sind… atemberaubend, faszinierend, erstaunlich und zugleich unglaublich schön geworden. Ich weiß gar nicht, was mir am besten gefällt. Jedes Teil ist wahrlich ein Unikat und steht für sich. Ich stelle sie Euch vor:

Drei Shirts bzw. zwei Shirts und ein Top sind entstanden. Bei dem Top gefällt mir besonders, dass es so gleichmäßig bedruckt ist und dass die dunklen Blätter von hellen Streifen umgeben sind. Ich finde es so gelungen, dass ich es sofort anzog.


Das nächste Shirt ist nur teilweise bedruckt. Dafür verwendete ich ausschließlich Rosenblätter. Wir nahmen Blätter, die Minka mitgebracht hatte, welche aus Sabines Garten, und ich hatte meine Rose auf dem Balkon etwas geplündert. Die Vorderseite fällt etwas heller und pastellfarbiger aus, die Rückseite ist deutlich kräftiger geworden. Das hatte ich bewusst so angelegt. Besonders fein finde ich die rostigen Stellen an den Rändern und unten.

Währen die ersten beiden Kleidungsstücke aus Baumwolle sind, wählte ich für das dritte ein weites Leinenshirt. Der Stoff ist gröber, und die Ergebnisse fallen deshalb nicht so deutlich und markant aus. Nichtsdestotrotz trägt sich das Shirt sehr angenehm, und einige Details sind wirklich toll geworden, z.B. das gepunktete Blatt oben rechts am Halsausschnitt. Das seht Ihr noch einmal im Detail auf dem nächsten Foto.
Unfassbar, wie klar die Konturen doch auch bei diesem gröberen Stoff hervortreten.
Neben den Kleidungsstücken bedruckte ich auch einen alten Bettbezug, ein Erbstück aus einem sehr feinen Stoff, vermutlich eine Mischung aus Baumwolle und Leinen.

Und auch die Schnur zum Abbinden bringt tolle Effekte hervor.
Manchmal ergeben sich blumenartige Gebilde oder sogar Gesichter. Seht Ihr sie in den letzten beiden Fotos?


Zwischendurch wurden wir immer wieder mit köstlichem Essen verwöhnt, das wir draußen einnehmen konnten: Quiche, Erdbeeren mit Vanilleeis und Kirschkuchen machten den Tag zu einem gelungenen Erlebnis. Ganz herzlichen Dank, liebe Susanne, die gleich ihre ganze Familie einspannte, um uns und sich einen unvergesslichen Tag zu ermöglichen.

Wir bedruckten übrigens nicht nur Baumwolle und Leinen, sondern auch Filz und Seide. Diese Ergebnisse zeige ich Euch im zweiten Teil dieses Blogbeitrags, den ich demnächst poste. Stay tuned!

 

Neue Wege im Filzen – Felting Fantasy Fish

Heute möchte ich Euch die letzte Reihe meiner Serie „Neue Wege im Filzen“ vorstellen.
Auch Galina Titova reagierte während des allgemeinen Lockdowns im März 2020 recht schnell und bot einen Onlinekurs an, den ich schon länger im Auge hatte: Felting Fantasy Fish.
Mit der Teilnahme schlug ich mehrere Fliegen mit einer Klappe: in der Zeit des Social Distancing kreative Beschäftigung zu haben, Oberflächengestaltung zu üben, 3D-Objekte in Form von Fischen zu gestalten, in einem Forum Hilfe von Galina zu bekommen und – last but not least – in einem internationalen Setting wertvollen und inspirierenden Austausch mit anderen Filzerinnen zu genießen.

Der Onlinekurs dauert vier Wochen, jede Woche wird eine neue Anleitung freigeschaltet, die eine komplexere Oberflächengestaltung anbietet. Die Anleitung ist eine Mischung aus Skript mit einigen Videos zu Grundlagen. Alles ist reich bebildert und gut verständlich. Die Fische werden recht groß – bis zu 30-40cm lang und lassen allen individuellen Spielraum, den man sich wünschen kann. Bei jedem Fisch stehen zwar bestimmte Techniken im Vordergrund, aber die Fische der Teilnehmer wurden dennoch sehr individuell.

Hier seht Ihr meine vier Exemplare: ich freue mich, dass ich genug Zeit und Muße fand, um qualitativ hochwertigen Filz zu fertigen. Toll finde ich immer wieder die leuchtenden Farben!

Besonders stolz bin ich auf den Farbverlauf. Immer, wenn ich die Fische in die Hand nehme, bin ich davon fasziniert. Unten im Foto seht Ihr, was ich meine.
Noch haben sie keinen geeigneten Platz gefunden. Ich denke, dass sie auf verschiedenen Höhen hängend den besten Eindruck machen würden.

Mir hat der Kurs sehr viel Freude gemacht, und ich habe sehr viel gelernt. Es sind Techniken, die ich auch weiterhin für andere Projekte verwenden kann und möchte und mit denen ich weiter experimentieren werde.

Neue Wege im Filzen – felt moments mit Maria Friese

Ziemlich zu Beginn der Coronakrise und der Kontaktbeschränkungen begann Maria Friese mit Onlinekursen. Letztes Jahr hatte sie zwar ihre Filzkarriere an den Nagel gehängt, aber nun bot sie in der Krise Kurse an, die einen kunsttherapeutischen Hintergrund haben und weit über die Vermittlung von Filztechniken hinausgehen.
Sie nennt ihre Kursreihe „Heart transformation“. Das lässt sich gar nicht so leicht ins Deutsche übersetzen. „Umwandlung des Herzens“, „Transformation des Herzens“ trifft es nicht so wirklich. „Veränderung des Herzens“ trifft es vielleicht am ehesten.
Es geht darum, wie man in der Coronazeit Positivität mit unserer Kreativität aussenden kann. Marias Idee bei den ersten Kursen war es, Samen für eine neue Welt zu kreieren, und unsere Wünsche für eine neue und gesunde Welt zu formulieren.

Ich war bisher dreimal bei Marias Video-Konferenzen dabei. Zweimal lief die Konferenz auf Deutsch ab, und es waren deutschsprachige Filzerinnen dabei.  Einmal war der Kurs auf Englisch, und es war ein internationales Publikum. Das hat mir sehr gefallen, ehrlich gesagt, denn es gab Teilnehmerinnen aus Nordamerika, Europa und Australien, die zur gleichen Zeit an derselben Idee filzten. Wie cool! Eine zunehmende Internationalität hatte ich mir ja auch für das Filzjahr 2020 gewünscht. Und hier bekam ich sie nach Hause in mein Filzzimmer geliefert.

Meinem erster Beitrag habe ich das Thema „Zuversicht“ gegeben. Der Samen entstand zwei Wochen nach Schulschließung und zu Beginn der Kontaktbeschränkungen. Da war es mir nach dem Thema  „Zuversicht“, denn da wusste man ja noch nicht, wie sich alles entwickeln würde.

Beim zweiten Mal ging es darum, Farben zu wählen, die nicht unsere Lieblingsfarben sind und die wir nicht mögen. Diese anzunehmen und zu akzeptieren ist eine Herausforderung, der wir uns stellten.
Dafür wählte ich braun und gelb. Das Ergebnis ist – erstaunlicherweise – eine ganz ansehnliche Mischung aus helleren und dunkleren Partien in Naturfarben. Das Gebilde hat für mich die Form eines Schlüssels, und es hat mich – wie bei vielen gefilzten Dingen – viel Geduld gekostet, die endgültige Form so hinzubekommen. Deshalb taufte ich meinen Samen „Schlüssel der Geduld“ („key to patience“). Darin ist auch die Geduld, die jetzige Situation anzunehmen und zu warten, dass sie sich wieder normalisiert.
Das Ausformen nimmt bei Marias Art zu filzen einen großen Teil der Arbeit ein. Auf der einen Seite erfordert das viel Geduld, auf der anderen Seite macht es Spaß zu sehen, wie sehr man die Wolle noch in ihrer Form verändern kann.

Die dritte Videokonferenz lief nun letzte Woche im Rahmen eines neuen und erweiterten Kursangebots „Online Filz-Kunst-Therapie-Kurs“ von Maria. Sie bietet mehrere Termine in deutscher, englischer und französischer Sprache im vierwöchigen Rhythmus an. Man kann einzelne Termine buchen oder eine Fünferkarte erwerben und sich die Termine aussuchen, die passen.
Das Thema war „Von Innen nach Außen“. Die Farben, die uns und unsere Eigenschaften oder Fähigkeiten repräsentieren, stehen für unser Inneres. Wenn wir in uns ruhen, können wir uns nach außen in unseren schönsten Farben zeigen. Mein Schmetterling ist grün, blau und türkis. Grün steht für Pflanzen, Blumen, die Natur im Allgemeinen und Hoffnung. Blau steht für den Himmel, Wasser und Ruhe. Türkis steht für das Meer.


Marias Kurse sind eine tolle Möglichkeit, über sich und das Filzen nachzudenken und gleichzeitig mit der internationalen Filzcommunity in Verbindung zu treten. Ihre ruhige Art und ihre professionelle Ausstattung (mit ihren Kameras kann man sowohl Maria gut sehen als auch den Filzprozess aus der Ferne genau beobachten) nehmen jeden Filzbegeisterten mit auf eine spannende Reise zu sich selbst. Ich freue mich sehr auf die zukünftigen Begegnungen!

Neue Wege im Filzen – die Challenge mit Yara

Im Februar besuchte ich den Fingerpuppenkurs mit Yaroslava Troynich in den Niederlanden. Es scheint nun – nur drei Monate später – wie in einer anderen Zeitrechnung gewesen zu sein: v.C. (vor Corona). Das Virus war nur kurze Zeit ein Thema am Filztisch, es wütete noch weit weg im fremden China, glaubten wir, obwohl zu der Zeit in der Gegend an der niederländischen Grenze ein bereits ein Infektions-Hotspot war, wie wir heute wissen… Nun ja, lassen wir das C-Thema mal beiseite und wenden uns den schönen Konsequenzen dieser Zeit zu, dem Online-Filzen.

Im Workshop erklärte Yara beinahe beiläufig, dass sie Anfang des Jahres eine Challenge ins Leben gerufen hatte mit dem Hashtag #bibabowildmarathon. Und das geht so: Alle zwei Wochen sammelt sie Tiervorschläge und lost dann am Samstag einen dieser Vorschläge aus. Dieses Tier kann man dann filzen oder nähen oder malen oder irgendwie gestalten und bei Instagram unter dem Hashtag und/oder in der Story posten. Yara stellt dann Collagen zusammen von all den Werken.
Es ist sehr inspirierend zu sehen, welche verschiedenen Versionen und Farbvarianten zustande kommen. Die meisten Einsendungen sind tatsächlich gefilzt, nass oder mit der Nadel. Die meisten Einsendungen sind von russischsprachigen Filzerinnen, aber, wenn man nix versteht, macht das ja nix, denn die Fotos sprechen für sich und über Emojis gelingt es jedem, seine Begeisterung, Anerkennung oder seinen Dank auszusprechen. Mittlerweile sind über 700 Tiere eingegangen. 

Mit dem Virus hat diese Challenge für mich noch einmal eine andere Dimension bekommen, weil die internationale Filzwelt in der Online-Community näher zusammengerückt ist. Besonders in der ersten Phase musste ich nicht jeden Tag in der Schule sein und hatte ein bisschen mehr Zeit für mich, fürs Filzen. Aber such jetzt, mit vollem Einsatz im CoronaAbitur, finde ich Zeit, um mitzumachen und mich abzulenken.
Es macht auch Spaß und ist reizvoll, sich in den zwei Wochen Gedanken zu machen, wie das Tier filztechnisch umzusetzen ist. Diesmal ist es ein Schnabeltier. Wie bekomme ich den Schnabel hin, wie das Fell und den üppigen, flauschigen Körper, wie die großen Hände oder Pfoten? Wie heißen die denn beim Schnabeltier? Soll ich eine Fingerpuppe machen oder nicht?

Bisher filzte ich diese Tiere: Elch, Frosch, Erdmännchen, Hecht, Seepferdchen. Links oben seht Ihr das Erkennungslabel von Yaras Challenge.


Beim Zusammenstellen der Collage fiel mir auf, dass sie alle einem Farbspektrum angehören: beige-grün. Es sind alles kleinere Filzarbeiten, die etwa einen Zeitumfang von zwei Stunden in Anspruch nehmen. Gerne filze ich z.B. sonntags abends während der Tatort läuft.

Ich würde mich freuen, wenn vielleicht die ein oder andere Filzerin durch diesen Blogpost inspiriert wird, ebenfalls bei der Challenge bzw. dem Marathon mitzumachen. Man muss natürlich nicht jede Woche dabei sein und kann das Tier auch später noch „einreichen“ und hochladen. Frei nach dem Motto: Nichts muss, ales kann. Also, sehen wir uns bei Instagram unter dem Hashtag #bibabowildmarathon wieder?

Neue Wege im Filzen – neue Blogpostreihe

Eigentlich, ja eigentlich wäre ich am Sonntag aus London zurückgekommen. Ich hatte mich auf eine Wochenendreise dorthin gefreut, um am AGM, am jährlichen Treffen der International Feltmakers Association teilzunehmen und ein wenig internationale Filzluft in der Weltstadt zu schnuppern.
Nun ja, daraus wurde ja aus bekannten Gründen nichts.
Überhaupt sollte mein Filzjahr 2020 unter dem Stichwort „Internationalität“ stehen. Ich wollte mich bei Workshops weiterbilden, die durch international bekannte Dozenten geleitet werden und wollte mit Filzerinnen aus dem Ausland Kontakte knüpfen.
Das ging ja auch Mitte Februar gerade noch gut, als ich Yaroslava Troynich in den Niederlanden kennenlernte und von Ihrem Filzwissen zu Fingerpuppen profitieren konnte. Darüber schrieb ich einen Blogbeitrag, den Ihr hier nachlesen könnt. Das erscheint nun, nur wenige Wochen später, geradezu Lichtjahre her gewesen zu sein.
Warum ich trotz oder – besser gesagt – wegen der Coronakrise die letzten Wochen viel filzen konnte und filzmäßig noch nie so international unterwegs war, erzähle ich Euch in einer neuen Blogpostreihe, die ich hier in loser Folge posten werde. 

Für mich war die Krise ganz abrupt von jetzt auf gleich greifbar mit der Schulschließung Mitte März. Plötzlich brach meine Struktur, mein geregelter Tagesablauf zusammen, und ich schwankte zwischen Erleichterung über gewonnene Freiheit und freierer Zeiteinteilung, zwischen der Enttäuschung über nicht stattfindende Reisen und zwischen Angst vor der Zukunft. Unsicherheit, Ungewissheit und Sorge präg(t)en meine Corona-Zeit. Wie geht es mit der Schule weiter? Wie kommen die Schüler in der häuslichen Situation mit Distanzlernen zurecht? Stecke ich mich an, wenn ich Einkaufen und Spazieren gehe? Wie geht es meinen Eltern, wenn sie nicht rausgehen sollen, weil sie über 80 und vorerkrankt sind? Das ständige Auf und Ab der Gefühle war wie Achterbahnfahren. So schnell kam mein Verstand gar nicht hinterher.

Mein Hobby, das Filzen, gab mir Halt, und die Kreativität gab mir die nltige Ablenkung. Nach und nach entwickelten verschiedene Filzerinnen Onlineangebote, weil sie ihre geplanten Präsenzkurse nicht wahrnehmen konnten. Ihnen konnte ich häufig aufgrund meines teilweisen Home Offices nachgehen. So filzte ich in den letzten Wochen mit Maria Friese, mit Galina Titova, mit Yaroslava Troynich und mit einer Anleitung von Fiona Duthie und verabredete mich mich mit anderen Filzerinnen, mit denen ich befreundet bin, zu einem virtuellen Filzertreffen per Videochat.

Das Kreativ- und Produktivsein half mir, mein Gedankenkarussel zumindest für diese Zeit zu stoppen und konzentriert im Hier und Jetzt zu sein. Die Krise und Nachrichten waren erstmal vergessen. Ich war im Flow. Eine große Rolle spielte auch Social Media und die damit verbundenen weltweiten Kontakte mit Gleichgesinnten, die alle in derselben Krise steck(t)en.

In der Collage seht Ihr meine FilzSis, die ich in den folgenden Blogposts näher vorstellen werde. Und Ihr seht mich… Es ist eines von wenigen Fotos, ein Selfie, das vor zwei Wochen im Essener Grugapark entstand, der nach sechs Wochen wieder geöffnet hat und zwischen Filzen, Arbeiten eine  wichtige Oase der Ruhe ist.

Viele von Euch mögen die Fotos von meinen Social Media Seiten auf Facebook und Instagram schon kennen, aber Ihr kennt die Geschichte dahinter nicht, die ich hier erzählen möchte, nach und nach, sonst wäre dieser Blogpost irrsinnig lang. Ihr dürft also gespannt sein!

 

 

 

 

 

 

Fingerpuppen mit viersprachigem Kulturaustausch

Etwa eine Autostunde von Essen entfernt liegt Swalmen, ein kleines niederländisches Örtchen mit dem Atelier Het Wolbeest von Alexandra an der Poel. Sie hatte Yaroslava Troynich eingeladen, eine russische Filzerin, die in Helsinki wohnt und sich auf das Filzen von Hand- und Fingerpuppen spezialisiert hat.
Yaroslava hatte ich in Siegburg 2016 bei der Ausstellung „Soul of Felt“ kennengelernt. In einer Live Demonstration zeigte sie, wie sie einen Eisbären filzt. Seitdem bestand bei mir der Wunsch einen Workshop mit Yaroslava zu besuchen. In Helsinki bietet sie nur Kurse für Einheimische an. Bei Wollknoll ist sie auch regelmäßig zu Gast, aber das Angebot passte zeitlich nicht. Außerdem ist ein Workshop bei Wollknoll mit viel Aufwand verbunden (An- und Abreise, Übernachtung). Dies gestaltete sich in Swalmen viel einfacher.

Yaroslava machte von Anfang an deutlich, dass dies ein Power-Workshop sein würde, der ursprünglich auf zwei Tage ausgerichtet war. Wir sollten in die Geheimnisse ihrer niedlichen Fingerpuppen in nur einem Tag eingeweiht werden.
Im Vorfeld hatten sich alle überlegt, welche Tiere sie filzen wollten. Bis zu drei würden wir schaffen können. Maus, Eule und Elefant suchte ich mir aus.

Yaroslava hatte ganz viele ihrer Fingerpuppen mitgebracht, die ich von Fotos im Internet kannte. Aber so in Natura sahen viel schöner, niedlicher und auch kleiner aus, sodass wir uns auf ganz schön fummelige Filzarbeit einstellten.

Doch zunächst erzählte Yaroslava, wie sie zum Filzen kam. Sie fing damit an, um einen Ausgleich zu ihrer journalistischen Arbeit zu haben. Für die anderen Teilnehmerinnen, die aus Deutschland, Belgien und den Niederlanden kamen, war es zum Teil das erste nassgefilzte Objekt. Das war aber überhaupt kein Problem, weil Yaroslavas Erklärungen für alle verständlich waren. Ein Wirrwarr an Sprachen machte sich breit: Englisch als Unterrichtssprache gemischt mit Niederlänsch, Deutsch und Russisch. Wir tauschten uns aus über das Leben und Kulturen in verschiedenen Ländern. Wie immer bei Workshops kam das soziale Miteinander nicht zu kurz.
Versorgt wurden wir von Alexandra mit Kuchen, Suppe, Salat, Fingerfood, Saft, Wasser, Kaffee und Tee.

Wie das so ist mit kleinen, feinen Filzarbeiten, dauerte auch hier das Anfertigen einer Fingerpuppe lang. Schließlich sollte ja aus der Wolle eine stabile hübsche 3D-Figur werden. Yaroslava betonte, dass das Ausformen wichtiger sei als die Schablone.
Aber es machte Spaß zu sehen, wie meine eigenen Figuren und die der anderen sich von einer flachen in Wolle gehüllten Schablone in Fingerpuppen mit Charakter und Leben verwandelten. Jede von uns konnte zwei fertige Figuren mit nach Hause nehmen. Bei mir waren es Maus und Eule, die ich Euch hier vorstelle: Mina Mouse und Oliver Owl.
Und ich nehme mir vor, den Elefanten möglichst bald selbst zu versuchen nach der Anleitung von Yaroslava, damit ich alles, was ich lernte, wiederholen kann. Und das ist eine ganze Menge!

Damit der Kontrast besser ist, knipste ich die beiden lustigen Gesellen vor einem wolkig-blauen Hintergrund.

Herzlichen Dank, liebe Yaroslava, für den tollen Workshop, den Du so gut geplant und vorbereitet hattest, dass ich praktisch gar nichts mitbringen brauchte, sogar Wolle stand uns zur Verfügung. Toll ist auch, dass die Fingerpuppen aus Wollresten entstehen. Und Herzlichen Dank an Alexandra für die vorzügliche Versorgung!

Als Souvenir durften für mich Vanillewaffeln und Pralinés vom Bäcker nebenan nicht fehlen. Hmm, lecker!

Anleitung für eine Mini-Bügeltasche


Letztens erzählte ich Euch, liebe Filzfreunde, von unserem FilzertreffenFilzertreffen und der daraus resultierenden Kollektion von Bügeltaschen. Ich bin ja danach in einen regelrechten Bügeltaschenflow geraten. Ich möchte Euch die Anleitung für die Mini-Bügeltasche nicht vorenthalten. Hier ist sie nun.
Für sie benötigt Ihr feinen Kammzug (16 mic ist ideal) und Stoffreste (bevorzugt Seidenstoffe) zum Verzieren.

Die Schablone für die Mini-Bügel (4,5cm Größe) sieht so aus:

Ich legte zwei dünne Lagen grüne Kammzugwolle kreuzweise um die Schablone. Oben, an der kleinen Rundung, wo später der Bügel angenäht wird, legte ich eine weitere Lage Kammzugwolle zur Verstärkung aus.

Aus alten Seidenschals und anderen Glitzerstoffen schnitt ich schmale Streifen und legte sie auf die Vorder- und Rückseite. Auf dem folgenden Foto erkennt Ihr, wie sich die Wolle bereits durch die Stoffe gearbeitet hatte.

Dieses Filzprojekt mag ich deshalb so, weil es wenig Platz beansprucht und Ihr es auf einer kleinen Matte (etwa DinA4-Format) ohne viel Platzbedarf filzen könnt. Außerdem hält sich der Zeitaufwand ebenfalls in Grenzen.

Nach dem Anfilzen und Weiterfilzen wird die Tasche oben, entlang der späteren Öffnung, aufgeschnitten und weiter gefilzt. Zwischendurch kontrollierte ich immer wieder, ob der Bügel bereits passt.
Als das der Fall war, spülte ich die Tasche aus und legte sie kurz in Essigwasser. Nach dem Trocknen nähte ich den Bügel mit grünem Stickgarn an die Tasche. Das ist bei der Mini-Bügeltasche ein wenig fummelig. Mit einer kurzen Nähnadel geht es ganz gut.
Zum Größenvergleich machte ich das Foto mit Geldschein und Münzen. Wie bereits mehrfach erwähnt, handelt es sich um eine MINI-Bügeltasche.
Fotos der Vorder- und Rückseite und ein Detailbild zeigen die Einzigartigkeit dieser Filzprojektes.




Viel Spaß beim Nachfilzen! Ich würde mich freuen, wenn Ihr Eure Ergebnisse postet.