MinKa, die Riesenkatze

Mich packte die Herausforderung eine sehr große Schablone zu umfilzen. Eine Katze sollte es werden.

Zuerst malte ich die Umrisse der Schablone auf Papier auf. Dafür klebte ich drei mal vier A4 Blätter zusammen und faltete diese längs. Auf eine Seite malte ich die Umrisse der halben Miezekatze und schnitt diese aus. So hatte ich automatisch beide Seiten symmetrisch. Hier seht Ihr die fertige Schablone, die 135cm lang und 45cm breit ist:

Diese übertrug ich auf dickere Trittschallfolie. Hier seht Ihr das Ergebnis:

Zuerst filzte ich den Schwanz aus einem doppelt genommenen grauen Kammzug von ca. 50cm Länge als Schnur. Das eine Ende bleibt trocken, um es später mit dem Körper zu verbinden.

Den Körper belegte ich in vier dünnen Lagen mit grauer Neuseelandwolle im Vlies. Nach jeder aufgelegten Schicht feuchtete ich diese an und filzte sie leicht an. Dann folgte das Auflegen, Nassmachen und Anfilzen der nächsten Schicht. Nach der vierten Schicht filzte ich den Schwanz an. Auf den Bauch und die Pfoten legte ich eine dünne Schicht weiße Vlieswolle.

Das Gesicht der Mieze gestaltete ich mir doppelt gelegtem schwarzen Vorfilz, den ich mit der Filznadel aufbrachte. Dafür muss das Gesicht so trocken sein wie möglich. Deshalb tupfte ich es zuvor mit einem Handtuch ab.

Nachdem alles angefilzt war, kam das Rollen, Kneten und Werfen. Die Schablone ließ ich so lange wie möglich in der Miezekatze.

Das folgende Foto zeigt bereits den Zustand der Katze, nachdem die Schablone herausgenommen war. Dafür schnitt ich die Wolle unter dem Schwanz am Hinterteil auf. Durch weiteres Rollen, Kneten und Werfen in alle Richtungen wurde die Miezekatze immer kleiner, kompakter und fester. Schließlich passte sie auch auf und in meine Kofferraumwanne.

Beim Rollen, Werfen und Kneten ist es außerdem wichtig, die Katze auf die Seitenränder zu drehen, damit diese unsichtbar werden.

Lässt sich das Tier kaum noch auseinander ziehen, ist es fertig gefilzt. Wenn die Seife ausgewaschen ist, bekommt es ein Essigbad, um die Wolle zu neutralisieren. Mit meiner Schleuder bekam ich sie so trocken, dass ich gleich mit dem Stopfen mit Stopfwolle beginnen konnte. Ich achtete darauf, die Gelenkstellen (Ohren, Hals, Übergang zu Armen und Beinen) besonders fest zu stopfen, damit MinKa nicht einknickt. Zuletzt nähte ich das Loch am Popo mit dem Matratzenstich zu, weil dieser praktisch unsichtbar ist.

Apropos Popo: MinKa habe ich ein kleines rotes Herz (aus selbst angefertigtem Vorfilz) eingefilzt. Sie ist eine Katze mit ❤️. Das fertige Exemplar ist 90cm groß.

„Life is like a box of chocolates…

… you never know what you’re gonna get.“ Wer kennt dieses Zitat von Forrest Gump nicht?

Nun, ich habe die Probe aufs Exempel gemacht und mehreren Leuten unabhängig voneinander diese kleine Pralinenschachtel vorgehalten. Ihr kennt diese Schachteln sicher? Vier Pralinen sind im Karton mit der Aufschrift „Viel Glück“ oder „Vielen Dank“.

Alle, denen ich diese Schachtel unter die Nase gerieben habe, griffen nach einer Praline und waren drauf und dran, sie sich in den Mund zu stecken bevor sie anhand der pelzigen Oberfläche und des ungewöhnlich leichten Gewichts merkten, dass es gar keine echten Pralinen sind, sondern sie gefilzt sind. „Oh, die sehen aber echt aus! Wow!“, sagten sie übereinstimmend. Was sagt Ihr?

Zum Technische : Sie sind in der Grundform (Kugel, Quadrat, Herz) mit Vlieswolle nass gefilzt. Die Deko in weiß, rosa und braun habe ich nach dem Trocknen mit der Nadel aufgefilzt.

Colours of Iceland Teil 5: Buckelwale

Ja, ich schwelge noch immer in isländischen Urlaubserinnerungen. Ich kann nicht leugnen, dass mich diese Reise nachhaltig beeindruckt und beeinflusst hat.

Im heutigen Beitrag geht es um Buckelwale. Es war nicht das erste Mal, dass ich Buckelwale in freier Wildbahn sah. Das erste Mal war vor Jahren in Südafrika, in Hermanus, der typischen whale-watching location. Dort konnte man vom Land aus beobachten, wie die Wale ihre Bahnen zogen und ab und an den Besuchern einen Teil ihres Körpers zeigten. Ein faszinierendes Schauspiel war dies! Die Giganten der Meere werden sie genannt – zu Recht!

In Island musste ich dafür ein wackeliges Boot besteigen, einen Thermoanzug anziehen (Es war kalt, ein bisschen nass und windig!) und meine Neigung zur Seekrankheit überwinden. Die entwickelte sich allerdings gar nicht, denn es gab so viel zu schauen, dass die Wackelei auf dem Schiff zur angenehmen Nebensache wurde.

Margrit, unsere isländische Walexpertin im schicken Islandpulli, stand mit einem Fernglas oben auf dem Ausguck (s. Foto) und gab an, wenn sie Wale sichten konnte, damit wir uns darauf einstellten. Sie erkannte die Wale an ihrer Fluke. Sie kommen immer wieder und scheinen den Kontakt zu den Booten zu suchen.

18m lang können die Buckelwale werden; zum Vergleich, unser Boot war 25m lang, erzählte Margrit. Die Buckelwale halten sich im Sommer in isländischen Gewässern auf. Dann ziehen sie ca. 10000km weit nach Südwesten in karibische Gewässer und bekommen dort nach 12 Monaten Tragzeit ihre Jungen. Zum arktischen Sommer schwimmen sie wieder nach Norden.

Nun geht es aber in diesem Beitrag nicht um nette Urlaubsfotos von Walen, sondern um deren gefilzte Exemplare. Ich wollte also einen Wal filzen. So einfach ist es gar nicht, obwohl (oder gerade weil 🤔) er nur aus wenigen Teilen besteht: Körper, Brustflossen und Fluke. Der schwierige Teil ist die Form des Körpers. Beim ersten Versuch fehlte es an der Länge des Körpers, der Wal sieht eher aus wie ein Delphin. Es war wohl ein gutes Probestück, um die Technik noch einmal aufzufrischen.

Beim zweiten Versuch ist es ein sehr schlanker Wal geworden. Die Proportionen stimmen so ungefähr, wenn ich das lebensgroße Modell im Ozeaneum in Stralsund als Maßstab

Er wurde in der Technik angefertigt, die ich bei Gabriele Mazaracis lernte und ist massiv gearbeitet. Sie bestehen zu 100% aus Bergschafwolle, ist 25cm lang und wiegt 50g.

Filzvögelchen mit Aufhänger

Die Anleitung von Søstrene Grenes für ein „Ledervögelchen zum Aufhängen“ (hier der Link) wandelte ich ab in ein „Filzvögelchen mit Aufhänger“. Er ist mit wenigen Handgriffen leicht anzufertigen, versprüht aber eine große Wirkung und sieht edel aus. Meine Vögelchen sind im Urlaub entstanden, weshalb ich auch auf die praktische Handhabung gesetzt habe.

Mit nur 3 Zutaten (plus dem üblichen Filzequipment) seid Ihr dabei:

• weiße Wolle (ich habe mich für weißen Vorfilz entschieden)

• weiße Seidenfasern

• beige Mohair-Seiden-Wollfasern im Knäuel

Die Anleitung ist ganz einfach: zuerst legte ich den Vorfilz auf die Unterlage und machte ihn nass. Danach legte ich einige Seidenfasern auf den Vorfilz. Darauf kam der Wollfaden in Schlangenlinienmuster. Dies feuchtete ich an und drückte alles platt. Nachdem diese Seite angefilzt war, drehte ich das Werkstück um und wiederholte das Auflegen (Seidenfasern und Wollfasern) auf der Rückseite. War auch diese angefilzt, konnte ich mehr Druck ausüben und das Stück fest filzen. Nach dem Trocknen empfiehlt es sich, das Filzteil zu bügeln, wenn es nicht glatt genug ist.

Durch die weißen und beigen Seidenfasern bekommt der „Stoff“ ein edles Aussehen.

Die Vögelchen bestehen aus langen Streifen, die im Prinzip geknotet werden. Für die kleinen Vögelchen schnitt ich Streifen von ca. 1,2 x 12 cm. Die größeren Vögelchen bestehen aus Streifen, die ca. 3 x 17 cm groß sind. Die Streifen werden locker geknotet. Das eine Ende bildet der Schwanz und wird entsprechend zackenförmig eingeschnitten. Das Kopfende wird abgerundet und bekommt einen Schnabel. Falls der Streifen etwas lang sein sollte, kann er nach dem Knoten gekürzt werden. 

Mit einer Lochzange bekommt das Vögelchen ein Auge und ein Loch für die Aufhängung. Das ist hier auf der Großaufnahme gut zu sehen:

Das Vögelchen eignet sich beispielsweise gut als Mitbringsel, Geschenkanhänger, Fensterbild und Weihnachtsbaumanhänger. Wie in der Verwendung, so sind auch in der Farbwahl natürlich keine Grenzen gesetzt.

Urlaubsfilz – Herbst 2018

Filzen geht immer und überall! Auch auf Reisen.

Die kleinen Dinge stehen an. Farbenfrohe Herbstdekoration zum Verschenken für die trüben Tage im November und Dezember sind schnell gefilzt und benötigen nicht viel Aufwand. Folgende „Zutaten“ verwendete ich:

  • Unterlage mit Rand,
  • Gummimatte,
  • Seifenschale,
  • Olivenseife,
  • Wasser,
  • Wolle und
  • Eichelhüllen.

Schon nach kurzer Zeit sind die Filzeicheln fertig. Nach dem Trocknen kleben sie mit Klebstoff in den Hüllen und bieten eine Augenweide zum Selbstbehalten oder Verschenken.

Geschenk zur Geburt – ein hellblaues Tierchen

Etwas Kleines stelle ich Euch heute vor. Ein Baby ist geboren und ich filzte ein Willkommensgeschenk. Es ist ein Tierchen, ein Bärchen vielleicht, man weiß es nicht so genau. Seine Sinnesorgane (Augen, Mund und Ohren) spielen eine große Rolle und sind besonders ausgeprägt.

Es besteht zu 100% aus Wolle, außen ist es hellblaue Neuseelandmerino, die etwas gröber und somit griffiger ist. Innen ist es Stopfwolle. Das Tierchen ist im Ganzen nass gefilzt und ca. 11cm groß.

Colours of Iceland – Teil 4

Die Tour in Island nannte sich „Islands Highlights“ und der Name hielt, was er verspricht, denn es waren jeden Tag mehrere Highlights zu bestaunen. Unter anderem waren es die Papageitaucher am Strand von Dyrhólæey im Süden von Island. 

Beim Filzertreffen in der KreAKTIVWERKstatt von Heike Giesbert filzte ich nach der Anleitung von Gabriele Mazaracis einen Papageitaucher – oder puffin – wie er auf Englisch bezeichnet wird. Es war schön, 13 andere Filzbegeisterte zu treffen, fachzusimpeln, eine ganze Menge an Inspiration mitzunehmen und gleichzeitig in Urlaubserinnerungen zu schwelgen. Was für Geschenke sind das:

Ich bin dankbar für das Netzwerk von Filzerinnen, die hier in Essen zusammentreffen.

Ich bin dankbar für das Knowhow, das ich im Workshop von Gabriele erlangen konnte und selbst anwenden kann,

ich bin dankbar für die wertvollen Urlaubserinnerungen, die ich filzend verarbeiten kann.