Alles Gute für 2021! All the best for 2021

Liebe Filzfreunde!
Für 2021 wünsche ich Euch nur das Beste. Bleibt Euch selbst treu. Seid kreativ. Gönnt Euch ein bisschen Glamour und Magie.
Diese Fliegenpilze sind nahtlos mit weißer und roter Kapmerinowolle und mit einem kleinen bisschen rotem Glitzer gefilzt. Sie sind 6 und 8cm groß und wiegen je 3-4g.

—————————————————English version —————————————————

ALL THE BEST FOR 2021.
My advice: Stay true to yourself. Be creative. Allow yourself a bit of glamour and magic.
Theses toadstools are seamlessly wetfelted with white and red kapmerino wool and a tiny bit of red glitter. They are 6 and 8cm large and weigh 3-4g each.

Best of 2020 – oder FilzSis Filzreise

In so vielen Beiträgen lese ich in diesen Tagen, das Jahr 2020 war so schrecklich. 2021 wird alles besser. Ach so? Na, für mich wird sich nicht viel ändern. Mit den Beschränkungen des täglichen Lebens werde ich, werden wir, noch lange zu tun haben. Geimpft werde ich als Lehrerin spät, meine Schüler erst danach mit der großen Masse. Ich bin realistisch! Da mache ich mir nichts vor, es wird also erstmal Vieles so schwierig bleiben, wie es ist. Da heißt es also weiterhin, aus allem das Beste machen. So wie 2020 und all die anderen Jahre, oder? Ich versuche jedenfalls schon lange, immer das Beste aus allem zu machen…


Filztechnisch ziehe ich 2020 eine sehr positive Bilanz. Als ich letztens hier den Blog aktualisierte und die Liste der besuchten Workshops für dieses Jahr ergänzte, stellte ich fest, dass ich lange nicht mehr so viel Input bekommen hatte wie 2020. Und eine weitere Entwicklung ist die zunehmende internationale Ausrichtung meines Filzens, denn die meisten Workshops waren mit internationalen Dozentinnen und Teilnehmern auf Englisch. Das hatte ich mir so sehr gewünscht.
Und auch die Schwierigkeit, dass bisher viele Workshops zu Zeiten und an Orten stattfanden, die mit meinen Arbeitszeiten nicht vereinbar waren, bestand dieses Jahr weniger: entweder gab es eine freie Zeiteinteilung oder es wurde in kleine Häppchen eingeteilt. Durch die Online-Workshops entfiel auch zeit- und kostspieliges Reisen. Klar, natürlich ersetzt ein Zoom-Meeting keine persönliche Begegnung, aber es ist ein guter Kompromiss, wenn es anders nicht möglich ist.
Meine Zeit auf Social Media Kanälen hat sich damit ausgeweitet. Vor allem Instagram hat sich zu einer Plattform entwickelt, die auf einfache Weise ein Austauschformat und eine Inspirationsquelle ermöglicht. Mein Blog hat 2020 wieder mehr Zulauf bekommen als die letzten Jahre, vielleicht ist es ja doch ein Medium, was noch nicht ganz aufzugeben ist. Facebook ist hilfreich, wenn man sich in Gruppen zusammenschließt und dort über das Filzen fachsimpelt. Als ich gerade nachschaute, stellte ich fest, dass ich in 22 Filzgruppen Mitglied bin, von denen mehrere über 7000 Mitglieder aufweisen, andererseits gibt es auch ganz kleine Gruppen, die einen sehr privaten Charakter haben. Obwohl Social Media oft verteufelt wird, ist es für mich ein Segen, sowohl meine Ergebnisse zu posten – und damit eine Art Galerie zu erstellen – und kommentiert zu wissen als auch andere Ergebnisse zu sehen oder Fragen beantworten zu können oder „mal schnell“ um Rat zu fragen. Es steht außer Zweifel, dass ich gerade 2020 unzählige virtuelle Freundschaften gewonnen habe.
Schaut euch meinen Feed auf Instagram an und ihr seht gleichzeitig meine Filzentwicklung. Das ist wirklich nicht zu übersehen, gerade in den letzten Monaten…
So gibt es für Instagram ein Tool, um die 9 beliebtesten Posts, die die meisten Likes bekamen, zu ermitteln. Das habe ich auch für meinen Account getan, oben links sehr ihr die Anzahl der Likes, mit dem folgenden Ergebnis:

Als ich das sah, dachte ich: „Wow, was für ein tolles Ensemble!“ Und zwar auf vielerlei Weise. Es sind alle wichtigen Filzstationen auf meiner Filzreise 2020 vertreten:

– 2 Fingerpuppen mit The Lion King und Kraki, the octopus, die ich im Zuge des „Marathons“ von Yaroslava Troynich mit dem Hashtag #bibabowildmarathon angefertigt habe. Besonders stolz bin ich auf den Oktopus, denn er ist gänzlich mein eigenes Design.
– Die 4 Fische aus dem Kurs Fantasy Fish von Galina Titova, die ich nach ihrer Text- und Videoanleitung anfertigte, aber aus meinem Design bestehen und an Farbenfrohheit (gibt es das Wort?) nicht zu übertreffen sind.
– Der Splash und die Spiral sind beides Dinge, die ich mithilfe von Pam de Groot umsetzen konnte, und die schon so lange auf meiner Wunschliste standen.
– Oben mittig sehr ihr die Blue Flower of Life. Dieses wunderschöne, symmetrische Werk habe ich zusammen mit Maria Friese und anderen Filzerinnen live online mitgefilzt. Sie hat 2020 die „felt moments“ mit dem Titel „Heart Transformation“ entwickelt. Davon have ich sehr profitieren können.
– Das Rotkehlchen „Reliable Robin“ ist ebenfalls zusammen mit Yaroslava Troynich entstanden. Sie hat in loser Folge kostenlose Insta Lives auf Russisch gemacht, denen ich fast allen gefolgt bin. Was für eine Challenge, nur von dem auszugehen, was sie macht, weil ich die Sprache nicht verstehe. Dabei sind tolle Dinge entstanden, u.a. dieses Rotkehlchen.
Ich glaube, es hat auch so viele Likes bekommen, weil ich dazu einen kleinen Text schrieb, eine kleine Geschichte erzählte, von dem Rotkehlchen, was mich dieses Jahr auf dem Balkon immer wieder besucht und begleitet als treuer Freund, von denen es gerade in (Corona-)-Krisenzeiten nicht so viele gibt.
– Das letzte Bild ist auch so eins mit einer Geschichte. Auf das Werk und die Geschichte bin ich von allen neun Abbildung am stolzten (ich glaube, auch das Wort gibt es gar nicht, oder?). Ich entwickelte, konstruierte und designte es selbst, wendete Techniken an, die ich 2020 gelernt hatte und veröffentlichte es zum Felt United Day am 03. Oktober zum Thema „Confinement“. Es ist meine „Coronageschichte“, wie sie sich bis zu diesen Zeitpunkt abgespielt hatte, die ich erzählte.

Tja, ich denke, es ist sehr deutlich geworden, dass das Filzen und meine Kreativität mir sehr geholfen haben mit der Pandemiesituation umzugehen. Von denjenigen Filzerinnen, die schon Onlineangebote hatten oder schnell umswitchten und diese schnell entwarfen, habe ich sehr profitiert. Und ich hoffe, dass das 2021 weiterhin so möglich sein wird. Es gibt noch einige Kurse, die ich gern belegen möchte und Filzerinnen, die ich gerne kennenlernen möchte…

————————————— English version ————————————————————

I read in so many posts these days that 2020 was so terrible. Everything will be better in 2021. Is that so? Well, not much will change for me. I, we, will have to deal with the restrictions of daily life for a long time to come. As a teacher, I will be vaccinated late, my pupils only afterwards with the great masses. I am realistic! I’m not kidding myself, so for the time being many things will remain as difficult as they are now. So it’s still a case of making the best of everything. Just like 2020 and all the other years, right? In any case, I’ve been trying to make the best of everything for a long time…

In terms of felting, 2020 is a very positive year for me. When I updated the blog here the other day and added to the list of workshops I had attended this year, I realised that I hadn’t had as much input as I did in 2020 for a long time. And another development is the increasing international orientation of my felting, because most of the workshops were in English with international instructors and participants. I had wanted that so much. 

And also the difficulty that previously many workshops took place at times and places that were not compatible with my working hours was less this year: either there was free time allocation or it was divided into small bites. The online workshops also eliminated the need for time-consuming and costly travel. Sure, of course, a Zoom meeting doesn’t replace a face-to-face meeting, but it’s a good compromise when it’s not possible otherwise. 

My time on social media channels has expanded with it. Instagram in particular has become a platform that allows for an easy sharing format and source of inspiration. My blog has become more popular again in 2020 than it has been the last few years, so maybe it’s a medium not to be abandoned quite yet. Facebook is helpful when you join groups and talk shop about felting there. When I just looked it up, I found that I am a member of 22 felting groups, several of which have over 7000 members, on the other hand there are also very small groups that have a very private character. Although social media is often demonised, for me it is a blessing both to be able to post my results – and thus create a kind of gallery – and to know that they are commented on, and to be able to see other results or to answer questions or ask for advice „quickly“. There is no doubt that I have made countless virtual friends just in 2020. 

Check out my feed on Instagram and you’ll see my felting progress at the same time. It’s really hard to miss, especially in the last few months…. 

So there is a tool for Instagram to determine the 9 most popular posts that got the most likes. I did the same for my account, in the top left corner you can see the number of likes, with the following result:

When I saw that, I thought, „Wow, what a great ensemble!“ And in many ways it is. All the major felting stops on my 2020 felting journey are represented:

– 2 finger puppets featuring The Lion King and Kraki, the octopus, which I made as part of Yaroslava Troynich’s „marathon“ with the hashtag #bibabowildmarathon. I am especially proud of the octopus because it is entirely my own design. 

– The 4 fishes from the course Fantasy Fish by Galina Titova, which I made according to her text and video instructions, but are made from my design and cannot be beaten for colourfulness (is there a word?). 

– The Splash and the Spiral are both things I was able to make with the help of Pam de Groot, and have been on my wish list for so long. 

– At the top centre you can see the Blue Flower of Life. I felted this beautiful, symmetrical piece together with Maria Friese and other felters live online. She developed the „felt moments“ with the title „Heart Transformation“ in 2020. I have benefited a lot from this. 

– The robin „Reliable Robin“ was also created together with Yaroslava Troynich. She has been doing free Insta Lives in Russian, which I have been following almost all of them. What a challenge, just going by what she does because I don’t understand the language. Great things came out of that, including this robin. 

I think it got so many likes because I wrote a little text about it, told a little story about the robin that has been visiting me on the balcony this year and accompanying me as a loyal friend, of which there are not so many, especially in times of (Corona) crisis. 

– The last picture is also one with a story. Of all the nine pictures, I am most proud of the work and the story (I don’t think there is a word for that either, is there?). I developed, constructed and designed it myself, used techniques I learned in 2020 and published it for Felt United Day on 03 October on the theme „Confinement“. It is my „corona story“ as it had happened up to that point that I told. 

Well, I think it became very clear that felting and my creativity helped me a lot to deal with the pandemic situation. I benefited a lot from those felters who already had online offers or quickly switched and designed them. And I hope that this will continue in 2021. There are still some courses I would like to take and felters I would like to meet….

THE TREE – der Baum


Allen Lesern und Filzfreunden wünsche ich besinnliche Weihnachtstage und bedanke mich mit einem kostenlosen Foto-Tutorial für Euer Interesse an meinen FilzSis. Alles Gute!

I wish all followers and felting friends Merry Christmas and thank you so much for your interest in my Filzsis with a free photo-tutorial. Take care!

20 Schritte sind nötig, um so eine liebenswerte und lustige Kreatur, eine Fingerpuppe, die ich THE TREE getauft habe, zu filzen. Ich habe eine Diashow erstellt und habe die nötigen Schritte auf jedes Foto geschrieben. Lass mich wissen, ob es irgendwelche Schwierigkeiten gibt und poste bitte Fotos von Deinem THE TREE.

20 steps are necessary to felt such a beautiful and funny creature, a fingerpuppet, I call THE TREE. I made a slide show and wrote the necessary steps onto each photo. Let me know if there are any difficulties and please post a photo of your THE TREE.

Filzen in Krisenzeiten/ Felting in time of crisis

DEUTSCHE VERSION – Filzen als wertvolles Gut in Krisenzeiten

Sicher haben sich viele von Euch gefragt, was los ist, ob etwas passiert sei. Seit dem letzten Post hier sind dreieinhalb Monate vergangen! Aber ich kann Euch versichern, dass dies ein gutes Zeichen und kein Grund zur Sorge ist. Während andere Kreativschaffende sich in dieser Krisenzeit eher zurückziehen, blüht meine Kreativität geradezu auf. Und zwar so sehr, dass ich keine Zeit fand, diesen Blog zu bedienen. 

Ein weiterer Grund ist, dass ich ehrlich gesagt, social media als gute und einfach zu handhabende Alternative sehe, die einen Austausch auf internationalem Niveau ermöglicht. 

In den letzten Tage machte ich mir Gedanken darüber, warum ich in den letzten Monaten so viel gefilzt habe wie nie und möchte die Gründe darlegen. Inspiriert hat mich die letzte Filzeinheit mit Maria Friese im Rahmen ihres Angebots „felt moments“. Dort geht es zum einen um die Transformation von Wolle und Filz und zum anderen um einen achtsamen, spirituellen Umgang mit uns und unserer Umwelt, den wir durch eine Transformation und Veränderung unserer Gedanken und unserer Einstellung erzielen können. Es sind also Transformationen im direkten und übertragenen Sinne, die wir vollziehen können [Es stellt sich – ganz nebenbei – die Frage, welche Transformation leichter von der Hand geht, die filzerische oder die gedankliche…]. 

Dieses Thema also, was wir durch das Filzen bewirken können und warum wir diesem Hobby nachgehen, beschäftigte mich seit einigen Tagen. 

Zum einen ist der Filzprozess etwas, das ich kontrollieren kann. Ich wähle das zu filzende Objekt aus, wähle Farben und Fasern, steuere den Entstehungsprozess, ja kann ihn sogar direkt mit meinen Händen beeinflussen. In einer Zeit, in der wir über einige Dinge keine Kontrolle zu haben scheinen und viele Dinge akzeptieren müssen, ist dies ein ganz wichtiges Element, um eine Verbindung zu spüren und meine Gestaltungsfreiheit wahrzunehmen. Ich selbst bin für das verantwortlich, was ich kreiere und kann oftmals den Zeitpunkt und die Dauer selbst bestimmen. 

Ich kann selbst entscheiden, was ich filze und wie ich es tue. Eingefleischte Filzerinnen unter Euch wissen, dass das Filzen nahezu unendliche Möglichkeiten bietet. Und es ist immer wieder – auch nach jahrelanger Erfahrung – faszinierend, wenn sich lose Wollfasern zu einem festen Gewebe und Filz mithilfe von einfachen Mitteln und ein paar Tipps und Tricks entwickeln. Das macht den Zauber dieses Materials aus. 

Mit meinen Filzobjekten gestalte ich etwas Einzigartiges und Schönes. Überwiegend Unikate entstehen bei mir, kein Objekt gleicht dem anderen. In einer Zeit, in der wir mit Einschränkungen leben müssen, in der voranschreitenden dunklen Jahreszeit, brauche ich etwas Schönes, auf das ich mich und über das ich mich freuen kann und worauf ich stolz sein kann. 

In den letzten Monaten, seit meinem letzten Präsenzworkshop im Februar 2020 habe ich mich – durch das viele Filzen – filztechnisch enorm weiterentwickelt. Das kann ich selbst am besten an meinem Instagram-Feed festmachen. Die aneinandergereihten Fotos meiner FilzSis lassen leicht erkennen, wie ich vorangekommen bin, mich verbessert habe, wie qualitativ hochwertiger meine Fikzobjekte geworden sind. Ich arbeite filigraner, kenne mich besser mit den Materialien aus und kann besser einschätzen, was ich wofür nutze. Eine Filzerin fragte mich letztens, ob ich mir die Fingerpuppe „einfach so aus den Fingern geschüttelt habe“. Und ich muss zugeben, dass es mir sehr viel leichter fällt, Figuren im Kopf vorzuplanen und zu konstruieren als noch Anfang des Jahres. Und meist werden sie auch so, wie ich sie mir vorgestellt habe. Das ist ja das Schöne am Filzen, es gibt immer ein Ergebnis. 


Welche Alternativen gibt es? Welche anderen Dinge werden empfohlen, um „runterzukommen“, die alltäglichen Balanceakte zu schaffen? Achtsamkeit und Meditation werden groß geschrieben. Doch sind es wirklich Alternativen? Hat nicht das Filzen ganz viel mit Achtsamkeit und Meditation zu tun? Es ist ein achtsamer Umgang, wenn ich mir diese Kreativzeit nehme und nehmen kann, weil ich weiß, dass sie mir gut tut. Der „Behandlung“ der Wolle ist meditativ und entspannend – zumindest zum größten Teil – und wie großartig ist es, in den sogenannten Flow zu geraten und Raum und Zeit zu vergessen, abgelenkt zu sein. 

Ein letzter Punkt, der einen wesentlichen Bestandteil meiner Filzreise ausmacht, ist das Verbinden. Und damit meine ich nicht das Verbinden der Fasern, damit sich ein Filz bildet, sondern das Verbinden mit anderen, mit Gleichgesinnten, mit Filzfreundinnen – auf regionaler, deutscher und – vor allem – internationaler Ebene.  

Das Absagen von Workshops hat im Frühjahr dazu geführt, dass sich viele Filzerinnen spontan und flexibel zeigten und Onlineangebote aus dem Boden sprossen wie Gänseblümchen auf einer Wiese. Eine große Bandbreite an Möglichkeiten eröffnete sich: diese reichte und reicht von einmaligen und kostenfreien Angeboten live im Internet bis zu längerfristigen Kursen mit jederzeit und mehrfach abrufbaren Videos und Erklärungen, von Videokonferenzen mit anderen bis zum individuellen Aufrufen der Module. 

Die Kommentarfunktionen diverser Plattformen sind Gold wert und schaffen eine Gemeinschaft Gleichgesinnter und eine Nähe trotz der Distanz von manchmal 10000 Kilometern und vielen Zeitzonen. Der direkte Austausch und das Mitfilzen bei einer Videokonferenz kann – bei guter Kameraeinstellung – dazu führen, dass ich mich fast so fühle, als würde ich – wie gewohnt – an einem Präsenzworkshop teilnehmen. Natürlich gelingt das nicht zu 100%, aber es ist eine Möglichkeit, die derzeit die bestmögliche darstellt. 

Ich weiß nicht, ob es jeder nachvollziehen kann… ich finde es einfach toll, wenn ich ein Filzobjekt im Netz von jemandem sehe und kommentieren kann, die zur gleichen Zeit dasselbe hergestellt hat, aber in Sibirien, Australien, den USA oder Argentinien wohnt. 

Zum Glück hatte ich die Möglichkeit, viele Filzkurse in den letzten Monaten zu buchen und daran teilzunehmen, und ich bin mir bewusst, dass ich mich in einer sehr privilegierten Lage befinde. Das weiß ich sehr zu schätzen. Einige Reisen, auf die ich mich gefreut hatte, waren ins Wasser gefallen, und so ergaben sich sowohl zeitliche als auch finanzielle Möglichkeiten. Gute online Filzangebote sind nicht günstig, basieren aber auf jahrelanger Erfahrung, Expertise und des Experimentierens der Anbieterinnen und sind mit einem hohen technischen Aufwand verbunden, den man häufig unbegrenzt zur Verfügung hat. Einblicke in die jeweiligen Filztechniken gepaart mit wertvollen Tipps und Tricks machen die Angebote sehr wertvoll. 


ENGLISH VERSION – Felting as a valuable tool in times of crisis

I’m sure many of you have wondered what is going on, whether something has happened. Three and a half months have passed since the last post here. But I can assure you that this is a good sign and nothing to worry about. While other creative people tend to retreat in this time of crisis, my creativity is blossoming. And so much so that I did not find the time to operate this blog. 

Another reason is that, to be honest, I see social media as a good and easy to handle alternative that allows for exchange on an international level. 

In the last few days I have been thinking about why I felted more than ever in the last months and I would like to explain the reasons. I was inspired by the last felting session with Maria Friese as part of her offer „felt moments“. There it is about the transformation of wool and felt on the one hand and on the other hand about a mindful, spiritual approach to ourselves and our environment, which we can achieve by transforming and changing our thoughts and our attitude. So it is transformations in the direct and figurative sense that we can carry out [The question arises – by the way – which transformation is easier to handle, the felt-like or the mental one…]. 

This topic, what we can achieve through felting and why we pursue this hobby, has kept me busy for several days. 

For one thing, the felting process is something I can control. I choose the object to be felted, choose colours and fibres, control the process of creation, even influence it directly with my hands. In a time when we seem to have no control over some things and have to accept many things, this is a very important element to feel a connection and to perceive my creative freedom. I myself am responsible for what I create and can often determine the time and duration myself. 

I can decide for myself what I felt and how I did it. Experienced felters among you know that felting offers almost infinite possibilities. And it is always fascinating – even after years of experience – when loose wool fibres develop into a firm fabric and felt with the help of simple means and a few tips and tricks. This is what makes this material so magical. 

With my felt objects I create something unique and beautiful. Predominantly unique pieces are created by me, no two objects are alike. In a time in which we have to live with restrictions, in the advancing dark season, I need something beautiful, something I can be happy and proud of. 

In the last few months, since my last presence workshop in February 2020, I have – through the many felting sessions – made enormous progress in the field of felting technology. This is what I can best demonstrate with my Instagram feed. The strung together photos of my FilzSis show easily how I have progressed, how I have improved, how my felted objects have become more qualitative. I work more filigree, I know more about the materials and I can better estimate what I use for what. A felter asked me the other day if I „just shook the finger puppet out of my fingers“. And I have to answer that it is much easier for me to plan and construct figures in my head than at the beginning of the year. And most of the time they turn out just as I had imagined them. That is the beauty of felting, there is always a result.

What are the alternatives? What other things are recommended to „come down“, to tackle the daily balancing act? Mindfulness and meditation are very important. But are they really alternatives? Doesn’t felting have a lot to do with mindfulness and meditation?

It is a mindful outcome if I take and can take this creative time because I know that it is good for me. 

The „treatment“ of the wool is meditative and relaxing – at least for the most part – and how great it is to get into the so-called flow and forget space and time, to be distracted. 

One last point, which is an essential part of my felting journey, is connecting. And by this I do not mean connecting the fibres so that a felt is formed, but connecting with others, with like-minded people, with felt friends – on a regional, German and – above all – international level.  

The cancellation of workshops in spring led to many felters showing themselves to be spontaneous and flexible and online offers sprouted from the ground like daisies in a meadow. A wide range of possibilities opened up: these ranged and still range from one-off and free offers live on the internet to longer-term courses with videos and explanations that can be called up several times at any time, from video conferences with others to individual calling up of modules. 

The commentary functions of various platforms are worth their weight in gold and create a community of like-minded people and proximity despite the distance of sometimes 10,000 kilometres and many time zones. The direct exchange and felting along during a video conference can – with a good camera angle – make me feel almost as if I am taking part in a face-to-face workshop as usual. Of course, this does not succeed 100%, but it is a possibility that is currently the best possible. 

I don’t know if everyone can understand it … I think it’s just great when I can see and comment on a felt object in the net of someone who has made the same thing at the same time but lives in Siberia, Australia, the USA or Argentina. 

Fortunately I have had the opportunity to book and attend many felt courses in the last few months and I am aware that I am in a very privileged position. I appreciate this very much. Some of the trips I had been looking forward to had fallen through, and so there were both time and financial possibilities. Good online felt offers are not cheap, but they are based on years of experience, expertise and experimentation by the providers and involve a great deal of technical effort, which one often has unlimited access to. Insights into the respective felting techniques combined with valuable tips and tricks make the offers very valuable.

Mein Fingerpuppenzoo

„Boah, da hast Du ja einen ganzen Zoo!“ sagte letztens jemand, der mich besuchte und die gefilzten Fingerpuppen anschaute. Das stimmt. Mittlerweile hat sich eine ganze Tierschar hier eingefunden. Ich hätte nicht gedacht, dass mich der Workshop von Yaroslava Troynich zum Filzen von Fingerpuppen im Februar so nachhaltig prägen würde.  Klar, nach jedem Workshop filzte ich bisher für mich weiter, um das Gelernte umzusetzen und anzuwenden. Aber hier ist es doch anders. Ich denke, mehrere Dinge kommen zusammen:

– es war der letzte Workshop vor der Corona-Zeit unter „normalen“ Bedingungen

– es war schon lange mein Wunsch, bei Yaroslava einen Workshop zum belegen

– es war ein toller internationaler Workshop.

Nun ist es toll, auszutüfteln, wie eine Fingerpuppe umgesetzt werden kann, die ich noch nie gefilzt habe. Ich muss manchmal erstmal nachschlagen, wie das Tier denn wirklich aussieht, welche Details wichtig sind, damit man es erkennen kann und welche keine Rolle spielen oder zu schwer umzusetzen sind, welche Materialien ich auswähle. Das Überlegen und Tüfteln dauert eine Weile. Irgendwann setze ich mich hin, mache vielleicht eine Skizze und fange an zu filzen. Stundenlang kann ich mich im Figurenfilzen verlieren. Nichtfilzer staunen immer, wenn ich berichte, wie lange es dauert, die gerade einmal 10cm großen Figuren zu filzen. 3 Stunden sind es im Schnitt sicherlich. Ich schaue meist nicht genau auf die Uhr und unterschätze die Filzzeit vielleicht sogar. Jedenfalls freue ich mich schon auf das nächste Tier und die nächste Herausforderung!

Hier sind sie alle versammelt. Welches Tier gefällt Euch am besten?
– Oliver Owl
– Mina Mouse
– The meerkat
– Elly, the elephantine
– Freddy Frank Squirrel
– The deer
– The rabbit
– Sylvia, the seahorse
– (Fred, the frog, who’s not so photogenic)
– The marmoset
– Pete Porcupine
– Batty, the bat

Papier einfilzen – Teil 3

Experimentieren geht immer!
Wie bin ich auf das Einfilzen von Papier gekommen? Einige von Euch haben sicher die Posts bei Facebook und Instagram bemerkt, auf die ich mich beziehe. Im Urlaub habe ich immer Wolle und Seife dabei, um kleinere Projekte zu verwirklichen. In der Ferienwohnung an der Nordsee vielen mir die Kaffeefilter in die Hände. Na, die kann man doch bestimmt einfilzen, dachte ich… Gedacht, getan. Aber sie ließen sich leider nicht einfilzen. Obwohl ich unendlich lange rieb und alle Tricks anwendete, um die Wolle zu überzeugen, die Fasern durch das Filterpapier zu lassen, tat sich nichts. Ob sie zu dicht sind? Ob meine Wolle zu langfädig ist? Je kürzer die Fasern sind, desto mehr haben sie die Möglichkeit, sich durch Gewebe oder Papier hindurchzuarbeiten.
Leider hatte ich keine andere Wolle zur Hand. Aber im Supermarkt fand ich Teefilter. Wisst Ihr, welche ich meine? Diese Teefilter für losen Tee, die man auf ein Plastikgestell spannt und in eine Tasse oder Kanne hängt. Ich habe sie in verschiedenen Größen und Farben (weiß und beige) gesehen.
Diese Teefilter kann man auseinanderschneiden. Ich schnitt daraus Kreise unterschiedlicher Größe und legte sie auf ein Täschchen, das ich zuvor mit zwei Lagen weißer Kammzugwolle ausgelegt und etwas angefilzt hatte. Dann begann der normale Filzprozess. Man musste Acht geben, dass sich die Kreise nicht verschieben, solange sie noch nicht fest an der Wolle hafteten. Das Papier kringelte sich, als die Wolle beim Filzen schrumpftE. Das gibt einen schönen, attraktiven Effekt und eine ansprechende Oberflächenstruktur.
Das Ergebnis seht Ihr hier:


Und hier:


Am Ende sind zwei Täschchen entstanden. Das eine ist schon fertig und hat an der Öffnung einen Reißverschluss erhalten. Auf den Fotos seht Ihr die Teefilter, die ich verwendete.
Das Ergebnis gefällt mir sehr gut, die Tasche macht Ton in Ton und mit einer abwechslungsreichen Oberflächenstruktur einen edlen Eindruck.

Vielleicht habt Ihr Euch schon gefragt, warum im Titel „Teil 3“ steht. Vertan habe ich mich nicht, bis drei zählen kann ich… Hier kommt die Erklärung: Ich habe vor drei Jahren schon einmal mit Filterpapier gefilzt, und damals die Ergebnisse in zwei Posts online gestellt. Dort findet Ihr ausführliche Anleitungen, wie ich das Papier einsetzte. Ich verlinke Euch beide Posts hier zum Nachlesen:

Papier einfilzen – Teil 1

Papier einfilzen – Teil 2

Und ich bin ganz sicher, dass es einen vierten Teil geben wird. Tipps aus der Filzcommunity sind, Maulbeerpapier zu verwenden oder benutzte Teebeutel zu trocknen und einzufilzen. Außerdem wollte ich die hellen Teefilter auf farbiger Wolle verwenden. Ihr merkt, die Ideen gehen nicht aus, und das Experimentieren geht weiter.

„Nichts muss – Alles kann!“ – Experiment Ecoprint: Teil 2

Ehrlich gesagt, kann ich mich gar nicht sattsehen an den Prints der Stoffe, die ich Euch schon im letzten Blogeintrag zum Ecoprint zeigte. Immer wieder fallen mir kleine Details auf. Es ist faszinierend, dass all die Farbe in den Blättern steckt und so unverwechselbare Unikate in nur wenigen Stunden unter der fachkundigen Anleitung von Minka de Weerd im Garten von Susanne Hantzsch entstanden sind.
In diesem Blogbeitrag möchte ich Euch nun die Ergebnisse des Ecoprints auf Wolle und Seide vorstellen.
Leider hatte ich nicht soviel Zeit vor dem Workshop, wie ich mir gewünscht hatte, um Filzobjekte anzufertigen, die bedruckt werden könnten. Vielleicht bedeutet dies, dass ich nicht das letzte Mal Ecoprint ausprobiert habe? 😉

Vor fünf Jahren allerdings gefielen mir die Ergebnisse auf Wolle und Seide nicht so gut wie auf Papier und Baumwolle oder Leinen. Deshalb war ich jetzt natürlich umso gespannter. Entstanden sind eine IPad-Hülle und eine Handyhülle. Die Drucke sind sehr viel farbintensiver als die anderen, und ich hatte mich sehr mit dem Belegen von Blättern und anderen Zutaten, die Minka mitgebracht hatte, zurückgehalten. Das beeinflusst natürlich auch das Gesamtergebnis.
Wie gefallen sie Euch? Mir gefällt diese Seite der Handyhülle sehr, weil diese Farben eher dezent daherkommen. Und besonders stolz macht mich das Blatt meiner Geranie, die seit Jahren auf meinem Balkon steht. Minka war sich nicht ganz sicher, ob das Blatt Farbe abgeben würde. „Probier es einfach aus, Silke,“ sagte sie. Und siehe da, die Umrisse des Blattes und die Adern sind im Filz verewigt. Da verzeihe ich mir auch, dass die Handyhülle für mein jetziges Handy viel zu kurz geraten ist… 

Aus den Tiefen des Schrankes im Filzzimmer hatte ich noch ein uraltes Seidentuch gezogen und zum Workshop mitgenommen. Es stammt noch aus der Zeit, als ich mich mit Seidenmalerei beschäftigte. Lange ist es her… Jedenfalls eignete es sich sehr gut für das Ecoprinting, wie sich jetzt herausstellte. Ein feiner Komplementärkontrast ergab sich aus meiner Blattauswahl.


Einen Seidenschal nur mit grünen Prints kann ich mir allerdings auch gut vorstellen. Oder ein Shirt mit grünen Prints? Das Leinenshirt fällt übrigens ausgesprochen gut. Und das Top macht sich super zur Jeans. Ihr seht, ich bin nachhaltig begeistert und habe viele neue Ideen im Kopf.
Allerdings gibt es beim Ecoprint einen Nachteil. Es sollte draußen gemacht werden. Ein schöner Garten, wo auch mal was runtertrügen darf, eignet sich sehr dafür. Deshalb ist es für mich nicht „mal eben so“ zu machen. Aber ich bin sicher, dass sich wieder eine Gelegenheit bieten wird.
An dieser Stelle nochmal ein ganz großes Dankeschön an Susanne für die tolle Bewirtung und Rundumbetreuung in Eurem wunderschönen Garten. Und ein herzliches Dankeschön an Minka, die so viel von ihrem Wissen weitergegeben und all die Materialien und Utensilien mitgebracht hat, und sich um die Bündel in den Töpfen immer wieder gekümmert hat, sodass wir sorglos die Stoffe belegen konnten. DANKE für diesen wundervollen Tag!

„Nichts muss – Alles kann!“ – Experiment Ecoprint: Teil 1

Tja, mich hat es auch (wieder) erwischt – das Ecoprintfieber. Und ich sage Euch, es ist ansteckend…

Wie kam es, dass ich nach über fünf Jahren wieder Blätter auf Textilien verteilte und mich wie eine Schneekönigin freute, als ich das Bündel entpacken konnte? 2015 hatte ich bei Sabine Pfuhler Einblicke in das Ecoprinting bekommen und hatte darüber in einem Artikel in der Filzfun berichtet.

Susanne Hantzsch von „The Felt Side of Life“ lud Minka de Weerd ein zum Ecoprint. In keiner gemütlicher Runde erstellten vier Frauen innerhalb kurzer Zeit eine ganze Ecoprint Kollektion von Tops, Tshirts, Blusen, Kleidern, Tüchern, Laptoptaschen, Handytaschen, Tischläufern, Kissenhüllen…

Doch erstmal der Reihe nach…

Nach einer kurzen theoretischen Einführung und Erklärung, was wir überhaupt machen würden und mitHinweisen, worauf wir achten sollten, legten wir los und bestaunten die vielen Zweige, die Minka aus ihrem Garten und von ihrer Umgebung in den Niederlanden mitgebracht hatte. Schaut mal, sieht das nicht schon vor dem Ecoprint sehr hübsch und ästhetisch aus? Wie faszinierend diese Blattformen sind.

Im traumhaften, etwas verwunschenen Garten von Susanne konnten wir bei bestem Sommerwetter mit leichter Brise und angenehmen Temperaturen in feinem Ambiente unserer Fantasie und Intuition freien Lauf lassen, wie wir unsere mitgebrachten Stoffe gestalten wollten. Hier ein paar Gartenimpressionen: 

Doch nun zum Ecoprint. Minka zeigte uns, wie man die Stoffe am besten einrollt und gab alle möglichen Tips preis. Wir fragten immer wieder: muss das so oder so gelegt werden. Und Minka antwortete, dass wir es so machen könnten, aber wir es auch anders machen könnten. Deshalb bleibt mir dieser Workshop unter dem Motto „Nichts muss, alles kann!“ in Erinnerung. Es gab kein richtig und falsch.
Vieles ist ja ohnehin alles Geschmacksache. Ich mag es lieber übersichtlicher und strukturierter und legte eher einzelne Blätter auf, während Susanne z.B. kleine Zweige als Ganzes verwendete.
So „arbeiteten“ wir vor uns hin, Minka war zur Stelle, wenn wir unsicher waren und bestärkte uns, dass wir selbst den richtigen Weg finden würden. Von meinem Ecoprint Erlebnis von vor fünf Jahren wusste ich, dass die Ergebnisse schön werden würden und war wenig besorgt, nichts Brauchbares mit nach Hause zu nehmen. Ich genoss diesen tollen Tag am Niederrhein nach einem anstrengenden und kraftzehrenden Schuljahr.

In dieser Fotocollage seht Ihr unseren reichen Schatz an Blättern, wie sie vorher aussehen und nachher, wenn der Pflanzenfarbstoff Tanin nicht mehr in den Blättern, sondern auf den Stoffen ist. Die Blätter sehen ganz braun und ausgelaugt aus.


Am spannendsten ist es, wenn die Bündel nach langem Dämpfen aus dem Topf gefischt werden und dampfend da liegen. Das Auspacken ist ein bisschen wie Weihnachten, und ich war ganz aufgeregt. Z.T. waren die Pflanzendrucke so originalgetreu, dass ich immer wieder auf dem Stoff gerieben habe, um das Blatt zu entfernen, dabei war es längst weg. Es war nur noch der Druck sichtbar.
Ja, und die Ergebnisse sind… atemberaubend, faszinierend, erstaunlich und zugleich unglaublich schön geworden. Ich weiß gar nicht, was mir am besten gefällt. Jedes Teil ist wahrlich ein Unikat und steht für sich. Ich stelle sie Euch vor:

Drei Shirts bzw. zwei Shirts und ein Top sind entstanden. Bei dem Top gefällt mir besonders, dass es so gleichmäßig bedruckt ist und dass die dunklen Blätter von hellen Streifen umgeben sind. Ich finde es so gelungen, dass ich es sofort anzog.


Das nächste Shirt ist nur teilweise bedruckt. Dafür verwendete ich ausschließlich Rosenblätter. Wir nahmen Blätter, die Minka mitgebracht hatte, welche aus Sabines Garten, und ich hatte meine Rose auf dem Balkon etwas geplündert. Die Vorderseite fällt etwas heller und pastellfarbiger aus, die Rückseite ist deutlich kräftiger geworden. Das hatte ich bewusst so angelegt. Besonders fein finde ich die rostigen Stellen an den Rändern und unten.

Währen die ersten beiden Kleidungsstücke aus Baumwolle sind, wählte ich für das dritte ein weites Leinenshirt. Der Stoff ist gröber, und die Ergebnisse fallen deshalb nicht so deutlich und markant aus. Nichtsdestotrotz trägt sich das Shirt sehr angenehm, und einige Details sind wirklich toll geworden, z.B. das gepunktete Blatt oben rechts am Halsausschnitt. Das seht Ihr noch einmal im Detail auf dem nächsten Foto.
Unfassbar, wie klar die Konturen doch auch bei diesem gröberen Stoff hervortreten.
Neben den Kleidungsstücken bedruckte ich auch einen alten Bettbezug, ein Erbstück aus einem sehr feinen Stoff, vermutlich eine Mischung aus Baumwolle und Leinen.

Und auch die Schnur zum Abbinden bringt tolle Effekte hervor.
Manchmal ergeben sich blumenartige Gebilde oder sogar Gesichter. Seht Ihr sie in den letzten beiden Fotos?


Zwischendurch wurden wir immer wieder mit köstlichem Essen verwöhnt, das wir draußen einnehmen konnten: Quiche, Erdbeeren mit Vanilleeis und Kirschkuchen machten den Tag zu einem gelungenen Erlebnis. Ganz herzlichen Dank, liebe Susanne, die gleich ihre ganze Familie einspannte, um uns und sich einen unvergesslichen Tag zu ermöglichen.

Wir bedruckten übrigens nicht nur Baumwolle und Leinen, sondern auch Filz und Seide. Diese Ergebnisse zeige ich Euch im zweiten Teil dieses Blogbeitrags, den ich demnächst poste. Stay tuned!

 

Neue Wege im Filzen – Felting Fantasy Fish

Heute möchte ich Euch die letzte Reihe meiner Serie „Neue Wege im Filzen“ vorstellen.
Auch Galina Titova reagierte während des allgemeinen Lockdowns im März 2020 recht schnell und bot einen Onlinekurs an, den ich schon länger im Auge hatte: Felting Fantasy Fish.
Mit der Teilnahme schlug ich mehrere Fliegen mit einer Klappe: in der Zeit des Social Distancing kreative Beschäftigung zu haben, Oberflächengestaltung zu üben, 3D-Objekte in Form von Fischen zu gestalten, in einem Forum Hilfe von Galina zu bekommen und – last but not least – in einem internationalen Setting wertvollen und inspirierenden Austausch mit anderen Filzerinnen zu genießen.

Der Onlinekurs dauert vier Wochen, jede Woche wird eine neue Anleitung freigeschaltet, die eine komplexere Oberflächengestaltung anbietet. Die Anleitung ist eine Mischung aus Skript mit einigen Videos zu Grundlagen. Alles ist reich bebildert und gut verständlich. Die Fische werden recht groß – bis zu 30-40cm lang und lassen allen individuellen Spielraum, den man sich wünschen kann. Bei jedem Fisch stehen zwar bestimmte Techniken im Vordergrund, aber die Fische der Teilnehmer wurden dennoch sehr individuell.

Hier seht Ihr meine vier Exemplare: ich freue mich, dass ich genug Zeit und Muße fand, um qualitativ hochwertigen Filz zu fertigen. Toll finde ich immer wieder die leuchtenden Farben!

Besonders stolz bin ich auf den Farbverlauf. Immer, wenn ich die Fische in die Hand nehme, bin ich davon fasziniert. Unten im Foto seht Ihr, was ich meine.
Noch haben sie keinen geeigneten Platz gefunden. Ich denke, dass sie auf verschiedenen Höhen hängend den besten Eindruck machen würden.

Mir hat der Kurs sehr viel Freude gemacht, und ich habe sehr viel gelernt. Es sind Techniken, die ich auch weiterhin für andere Projekte verwenden kann und möchte und mit denen ich weiter experimentieren werde.

Neue Wege im Filzen – felt moments mit Maria Friese

Ziemlich zu Beginn der Coronakrise und der Kontaktbeschränkungen begann Maria Friese mit Onlinekursen. Letztes Jahr hatte sie zwar ihre Filzkarriere an den Nagel gehängt, aber nun bot sie in der Krise Kurse an, die einen kunsttherapeutischen Hintergrund haben und weit über die Vermittlung von Filztechniken hinausgehen.
Sie nennt ihre Kursreihe „Heart transformation“. Das lässt sich gar nicht so leicht ins Deutsche übersetzen. „Umwandlung des Herzens“, „Transformation des Herzens“ trifft es nicht so wirklich. „Veränderung des Herzens“ trifft es vielleicht am ehesten.
Es geht darum, wie man in der Coronazeit Positivität mit unserer Kreativität aussenden kann. Marias Idee bei den ersten Kursen war es, Samen für eine neue Welt zu kreieren, und unsere Wünsche für eine neue und gesunde Welt zu formulieren.

Ich war bisher dreimal bei Marias Video-Konferenzen dabei. Zweimal lief die Konferenz auf Deutsch ab, und es waren deutschsprachige Filzerinnen dabei.  Einmal war der Kurs auf Englisch, und es war ein internationales Publikum. Das hat mir sehr gefallen, ehrlich gesagt, denn es gab Teilnehmerinnen aus Nordamerika, Europa und Australien, die zur gleichen Zeit an derselben Idee filzten. Wie cool! Eine zunehmende Internationalität hatte ich mir ja auch für das Filzjahr 2020 gewünscht. Und hier bekam ich sie nach Hause in mein Filzzimmer geliefert.

Meinem erster Beitrag habe ich das Thema „Zuversicht“ gegeben. Der Samen entstand zwei Wochen nach Schulschließung und zu Beginn der Kontaktbeschränkungen. Da war es mir nach dem Thema  „Zuversicht“, denn da wusste man ja noch nicht, wie sich alles entwickeln würde.

Beim zweiten Mal ging es darum, Farben zu wählen, die nicht unsere Lieblingsfarben sind und die wir nicht mögen. Diese anzunehmen und zu akzeptieren ist eine Herausforderung, der wir uns stellten.
Dafür wählte ich braun und gelb. Das Ergebnis ist – erstaunlicherweise – eine ganz ansehnliche Mischung aus helleren und dunkleren Partien in Naturfarben. Das Gebilde hat für mich die Form eines Schlüssels, und es hat mich – wie bei vielen gefilzten Dingen – viel Geduld gekostet, die endgültige Form so hinzubekommen. Deshalb taufte ich meinen Samen „Schlüssel der Geduld“ („key to patience“). Darin ist auch die Geduld, die jetzige Situation anzunehmen und zu warten, dass sie sich wieder normalisiert.
Das Ausformen nimmt bei Marias Art zu filzen einen großen Teil der Arbeit ein. Auf der einen Seite erfordert das viel Geduld, auf der anderen Seite macht es Spaß zu sehen, wie sehr man die Wolle noch in ihrer Form verändern kann.

Die dritte Videokonferenz lief nun letzte Woche im Rahmen eines neuen und erweiterten Kursangebots „Online Filz-Kunst-Therapie-Kurs“ von Maria. Sie bietet mehrere Termine in deutscher, englischer und französischer Sprache im vierwöchigen Rhythmus an. Man kann einzelne Termine buchen oder eine Fünferkarte erwerben und sich die Termine aussuchen, die passen.
Das Thema war „Von Innen nach Außen“. Die Farben, die uns und unsere Eigenschaften oder Fähigkeiten repräsentieren, stehen für unser Inneres. Wenn wir in uns ruhen, können wir uns nach außen in unseren schönsten Farben zeigen. Mein Schmetterling ist grün, blau und türkis. Grün steht für Pflanzen, Blumen, die Natur im Allgemeinen und Hoffnung. Blau steht für den Himmel, Wasser und Ruhe. Türkis steht für das Meer.


Marias Kurse sind eine tolle Möglichkeit, über sich und das Filzen nachzudenken und gleichzeitig mit der internationalen Filzcommunity in Verbindung zu treten. Ihre ruhige Art und ihre professionelle Ausstattung (mit ihren Kameras kann man sowohl Maria gut sehen als auch den Filzprozess aus der Ferne genau beobachten) nehmen jeden Filzbegeisterten mit auf eine spannende Reise zu sich selbst. Ich freue mich sehr auf die zukünftigen Begegnungen!