Kapselkurs bei Ricarda Aßmann

Schon lange wünschte ich mir, einen Workshop bei Ricarda Aßmann, der Filzfrau, zu besuchen. Als ich letztens in Anny Pelzers Laden „Peperblom“ einen Tischläufer von Ricarda sah und bewunderte, wurde dieser Wunsch noch größer.

Alle, die mich kennen, wissen, dass ich pragmatisch praktisch veranlagt bin. Deshalb habe ich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen können. Ich besuchte den Workshop „Kapsel Miniaturen“ bei Ricarda UND die Ausstellung „Frauenzimmer“ in Siegburg.

Der Workshop fand im hinteren Teil der Ausstellungshalle statt, wo eine unfassbare Fülle von Materialien vorhanden war, die Ricarda mit uns teilte. Schaut mal diese Komposition von Walkwerkzeugen an. Ein tolles Stilleben!

Sehr viel lernte ich bei Ricarda. Sie verdeutlichte den Zusammenhang zwischen persönlichen Stimmungen und dem Filzen. Ich fasse es für mich so zusammen:

Die jeweilige persönliche Stimmung beeinflusst…

… die Farbauswahl.

… die Art des Filzens und des Ergebnisses.

… die Wahl der Arbeitsschritte (Vorfilze legen macht den Kopf frei, wirkt beruhigend und meditativ).

… die Größe und den Aufwand des Filzobjektes (überschaubare kleinere Projekte machen schneller zufrieden).

… die Vorgehensweise (sich gehen lassen, den Filz arbeiten und sich entfalten lassen, schauen und annehmen, was am Ende herauskommt).

Vielleicht klingt das alles banal für Euch, mir war das so, in dieser Weise nicht bewusst.

Wir filzten Kapsel Miniaturen in einer Technik, die ermöglicht, mit Filz-, Woll- und Stoffresten wunderschöne Effekte zu erzielen, die kleine Objekte, sogenannte Kapsel Miniaturen, ergeben. Jede Kapsel wird anders, und es gibt – wie so oft beim Filzen – unerschöpflich viele Gestaltungsmöglichkeiten. Der zeitliche Aufwand für die Kapseln ist nicht so sehr groß, wenn man einmal den Dreh raus hat und sich an alle „Anweisungen“ hält, sodass sie sich in überschaubarer Zeit herstellen lassen. Das ist genau das Richtige für mich!

Die erste Kapsel ist von der Form schön, hält sich aber bei den Kontrasten zurück.

Meine zweite Kapsel gefällt mir besser, weil die Strukturen mehr herauskommen. Ich weiß, woran das liegt und kann nun weiter experimentieren. Die Kapseln haben einen Durchmesser von etwa 6 bis 7 cm.

Es war toll,

– Ricardas Fingerfertigkeit und unaufgeregten Umgang mit der Wolle zu erleben,

– an ihren Schatzkisten mit alten Stoffresten Teil zu haben,

– in der Ausstellungshalle zu sein und die fantastischen, aufwändigen Objekte in der Nähe in besonderer Atmosphäre zu haben,

– im Shop nach ungarischen Filzwerkzeugen, feiner, handgefärbter Wolle oder tollen, einzigartigen Filzdingen zu stöbern und

– Filzfreundinnen „in real life“ kennenzulernen und wiederzusehen.

Ich habe mir seit einiger Zeit einen Kaufstopp für Wolle auferlegt (Das kennen alle Filzer, die Frage ist nur, wie lange das anhält…). Diesem habe ich mich diesmal nicht gebeugt, aber bei den Filzwerkzeugen konnte ich nicht widerstehen. Sie sind haptisch und optisch etwas ganz besonderes, wurden in liebevoller Handarbeit hergestellt und werden bei meiner Gestaltung weiterer Kapseln hilfreich sein.

Die Werkzeuge sind in Siegburg in der Ausstellung „Frauenzimmer“ im JungenForumKunst Siegburg e.V. bis einschließlich 15. Oktober erhältlich. Danach wird der Vertrieb über Ricarda Aßmann laufen.

Lavendelsäckchen Nr. 2

Noch ein Lavendelsäckchen ist entstanden mit derselben Schablone, die tropfenförmig ist, und Kammzugwolle (Merinowolle, etwas gröber) in dunkel-, hellgrau und lila, sowie Wensleydalelocken in diesen Farben, gefüllt mit Lavendel aus eigener Ernte.

Lavendelernte

Auf dem Balkon wächst Lavendel. Geerntet, gezupft und getrocknet hat er jetzt ein passendes Säckchen bekommen. Es ist aus violetter, hell- und dunkelgrüner Merinowolle im Kammzug mit einer Schablone gefilzt, veredelt mit farblich passenden Wensleydalelocken und mit einer Kordel versehen. Hmm, wie das duftet!

Vom Würfel zum Pflanzgefäß

Erinnert Ihr Euch an den Würfel vom Filzkolleg in Düsseldorf?

Er war noch nicht ganz fertig nach Hause gereist. Noch einmal nass gemacht, walkte ich ordentlich, so dass er schrumpfte und noch stabiler wurde. Die Kanten formte und bügelte ich ebenfalls.

Ich hatte mich entschieden, den Würfel oben aufzuschneiden, um ihn als Utensilo oder Gefäß zu verwenden. Heute kam mir die Idee des Pflanzgefäßes:

Filzkolleg 2017 in Düsseldorf

Was für ein Traum: 3 Tage nur Filzen, Austauschen mit Gleichgesinnten, Fachsimpeln über Techniken und Wollsorten, Abschalten und es sich gut gehen lassen: das war das Filzkolleg 2017 in Düsseldorf.

Die ersten beiden Tage im Kurs „3D-Formen“ standen bei Sigrid Bannier im Zeichen der Genauigkeit und des akribischen Arbeitens: Probeläppchen anfertigen, Schablone und Wollverbrauch berechnen, vorsichtiges Auslegen und Anfilzen. All das kostete viel Zeit, Anstrengung, Geduld und Durchhaltevermögen. So ein größeres Projekt filzt man nicht mal so eben. Sigrid Bannier ist eine erfahrene Lehrerin mit unendlich vielen Tipps zum Umgang mit der Wolle. Sie kennt die Filzwelt, z.B. in Finnland, Sankt Petersburg und Kirgistan, und geizt nicht mit Geschichten und Anekdoten von dort.

Ich fertigte einen Würfel mit einer Kantenlänge von 29 cm an, der nahtlos gefilzt ist. Als Grundfarbe wählte ich einen melierten Grauton und als Gag filzte ich violette Locken ein. Auf dem Foto sind die Kanten des Würfels noch nicht so ausgearbeitet, wie ich es mir vorstelle. Er mussnoch einmal nass gemacht und in Form gebracht werden.

Am dritten Tag stand das genaue Gegenteil zum akribischen, genauen Arbeiten der beiden Vortage an. Ich hatte mich entschieden, einen Lockenkragen bei Jeannette von Itter zu filzen. Jeannette hat ein Urvertrauen in die Wolle und ermutigte uns, kreativ mit den Wolllocken umzugehen, sie zu mischen und zu vertrauen, dass sie sich einfilzen. Das ist auch gelungen. Ich verwendete Locken vom Gotlandschaf (grau und beige) und vom Wensleydaleschaf. Diese sind länger, weiß und glänzend. 

Es war sehr schön, andere Filzerinnen wiederzusehen, neue Kontakte zu knüpfen, weitere Ideen zu bekommen. Herzlichen Dank an das Filznetzwerk für die Organisation und Realisierung in unmittelbarer Umgebung. Und doch war es ein kurzer Urlaub ins FilzSi-Land.