Traumerfüllung mit Emma, Rana, Gabi und Heike

Am letzten Wochenende erfüllte ich mir einen Filztraum.

Schon lange wollte ich eine Möwe filzen. Möwen sind faszinierende Tiere und gehören bei jedem Urlaub an und nah der See dazu. Wenn ich Möwenschreie höre, assoziiere ich sofort ein Urlaubsfeeling und Erinnerungen vergangener, schöner Aufenthalte am Meer kommen hoch.

Dieses Foto entstand im April an der Ostsee und diente als Vorlage für den Kurs „Tiere filzen“ mit Gabriele Mazaracis (Filzkram) in der KreAKTIVWERKstatt von Heike Giesbert in Essen-Werden.

Die Möwe filzte ich unter Gabis Anleitung als stehendes Tier. Sie besteht aus 100% Wolle und hat einen festen Kern. Alle Teile sind fest angefilzt. Das reizte mich an Gabis Technik.

9 Filzerinnen versammelten sich in Heikes Werkstatt, um in die Geheimnisse des Filzens von Tieren eingeweiht zu werden. Jede von uns konnte ich aussuchen, was sie filzen möchte. Dabei orientierten wir uns an Gabis Figuren, die uns alle – abgesehen von der handwerklichen Verarbeitung – mit ihrem Charm und Pfiff verzauberten.

Ich filzte die Möwe als stehende Figur. Gabi widmete sich mit ihrer unendlichen Geduld und Ruhe jeder einzelnen von uns mit viel Zeit und zeigte die einzelnen Schritte, wenn es nötig war, auch mehrfach. Sie wies uns auch auf Stolperfallen hin und beeindruckte damit, wie viel Erfahrung sie im Filzen von Tieren im Laufe der vielen Jahre gesammelt hatte. Obwohl einige von uns sich an ihren Tieren orientierten, gab jede von uns ihnen eine persönliche Note, sei es durch die Farbwahl oder Gestaltung im Detail. Aber – und das ist nicht selbstverständlich – Gabi war auch anderen Vorschlägen (Fennek, Leseratte, Dicke Dame) sehr offen und überlegte mit den Teilnehmerinnen, wie sie ihr Wunschtier verwirklichen und „verfilzen“ konnten.

Meine Möwe „Emma“ ist (inklusive der Haare) 22 cm groß und steht, dank ihres Schwanzes, ganz allein. Ausgestattet mit winzigen Glasaugen, die Gabi in ihrem Gepäck hatte, und einem Mund, den Gabi mit einer erstaunlichen Präzision und Schnelligkeit gestaltete, wurde Emma lebendig und zeigte ihren stolzen, witzigen Charakter.

Wie „einfach“ das Filzen in Gabis Händen wirkte und wie schwierig die Ausführung für uns war, erfuhren wir am nächsten Tag, als viele von uns ein zweites Tier gestalteten. Oft musste Gabi eingreifen und schlimmstes verhindern, als wir die Tiere mit mehr Selbstständigkeit falsch zusammenbauen wollten. Gut, dass sie überall ihre Augen hatte!

Ich entschied mich für einen Frosch, denn ein paar Tage zuvor hatte ich im Grugapark in Essen einige beobachten und fotografieren können.

Es wurde ein hockender Frosch mit pinkfarbenen Füßen und Haaren (er hat eine leichte Naturwelle, wie ihr seht). Dafür eignete sich eine grüne melierte Wolle hervorragend, die ich in meinem Wollbestand fand.

Rana, der Frosch, und Emma, die Möwe, verstehen sich sehr gut, wie ihr auf folgendem Foto erkennt, sie sind inzwischen best friends, und zogen guter Dinge in ihr neues Zuhause ein. Das hängt sicher auch mit der angenehmen, entspannten Filzathmosphäre statt, bei der sie in Heikes Werkstatt entstanden. Heike verwöhnte uns nicht nur mit leckerem, gesundem Essen, Getränken und Snacks, sondern auch mit Wollvorräten und Filzutensilien. Wie angenehm ist es, zu einem Filzkurs zu fahren und nicht alles mitzuschleppen. 
Wie zu Beginn erwähnt, träumte ich bereits eine Weile davon, eine Möwe und andere Tiere komplett aus Wolle mit einem Kern beginnend zu filzen. Zu lange (2010) sind die Erfahrungen beim Filzkurs „Viecheria“ mit Susanne Wetzel in Göttingen her. Damals entstanden das Brombeer- und Blaubeerviech und war ich noch filzunerfahrener als heute.

Interessant ist allerdings, dass beide Filzerinnen, Gabi und Susanne, die gleiche Wortwahl haben und vom „Bauen“ von Figuren sprechen. Wie schön, dass wir nun eine Bauanleitung haben, die ich möglichst bald wieder umsetzen möchte, um das Erlernte nicht zu vergessen.

Wer auch Lust hat, solche Tiere zu bauen und sich in schöner Filzumgebung inspirieren lassen möchte, kann dies im nächsten Jahr tun, wenn Gabriele Mazaracis wieder nach Essen-Werden kommen wird: 30.-31.03.2019. Vielleicht sehen wir uns?

3 Tage Filz-Zeit mit Annemie Koenen

Vor Jahren wurde in einer Filzergruppe ein sog. Fasertausch organisiert. Ich bekam ein Paket mit unterschiedlichen Woll- und Fasersorten und anderen feinen Dingen rund um das Filzen. Aus dem Paket konnte ich mir etwas nehmen und füllte es mit eigenen Fasern auf, um es an den nächsten zu schicken, der wieder etwas nahm und gab, es an den nächsten schickte usw. Dieses Paket kam mir am letzten Wochenende in den Sinn. Damals hatte nämlich eine Teilnehmerin Zettelchen beigelegt, auf denen „Zusätzliche 24 Stunden ungestörte Filz-Zeit“ vermerkt waren, die man sich ebenfalls aus dem Paket nehmen konnte.

Am vergangenen Wochenende nahm ich mir sogar 3 zusätzliche Tage ungestörte Filz-Zeit. Was für ein Luxus ist es, nur mit dem Filzen, dem Entwickeln neuer Ideen, dem Planen von längst Fälligem, dem Inspirieren durch andere, dem Lernen und Festigen neuer Techniken und natürlich der Anleitung einer erfahrenen Lehrerin zu folgen.

Heike Giesbert hatte Annemie Koenen in ihrer Kreativwerkstatt in Essen-Werden mit dem Thema „Oberflächenstrukturen in Nuno, 3D, Relief und Schichten“ zu Gast. Vor einem Jahr hatte ich bereits an einem Workshop teilgenommen und mich mit der Oberflächenstruktur à la Annemie Koenen beschäftigt. Ein kleines Wandbild war im Kurs entstanden. In diesem Jahr hatte ich mir vorgenommen, ein Armband zu fertigen und ließ mich farblich von meinen Reiseeindrücken von Lissabon inspirieren:

Bei dieser Technik kommt es auf Planung, Präzision, Geduld und Liebe an.* Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass dieses Armband einen ganzen Filz-Tag in Anspruch nahm.

Um die Arbeitsschritte unter Anleitung zu wiederholen, filzte ich noch ein Armband in einer anderen Farbe und nur mit Merinowolle und Seide. Das erste war zusätzlich mit Locken und Wolbolletjes, kleinen Wollbällchen aus Annemies Färbeküche, gefilzt. Auch dieses Armband ist farblich von der Natur Portugals geprägt.

 

Auf unseren großzügigen Filzplätzen stand als Willkommensgeschenk ein  Goodiebag mit Block, Schoki, Herz, Handtuch & Seife. Zusätzlich hatte jede von uns Olivenseife, Schüsseln, Kofferraum-/Gummimatten, Handtücher, Walkwerkzeuge usw. zur Verfügung. Insgesamt ist Heikes Atelier ein wunderbarer, heller, inspirierender Arbeitsplatz, der mit Liebe zum Detail gestaltet ist. Stellvertretend dafür steht folgendes Foto:

Mein dritter Tag war von einem Experiment geprägt. Eine weitere Teilnehmerin und Annemie hatten sich an Bügeltaschen versucht, die fast jede von uns zu Hause hat. Die Frage ist nur, wie bekommt man die Rundung so gefilzt, dass man den Bügel einschieben und annähen kann und gleichzeitig einen hübschen Taschenbeutel erhält. Wir probierten verschiedene Schablonen aus und sind fürs Erste zufrieden mit dem Ergebnis. Auch hier kam die Farbinspiration aus Lissabon:

Wie auch im letzten Jahr war ich begeistert von Annemies Art und Weise, den Kurs zu leiten. Jede Teilnehmerin hatte andere Vorhaben und kam mit unterschiedlichen Filzerfahrungen an. Annemie gelang es, jede von uns dort abzuholen, wo sie stand und einzuschätzen, wie lang wir für ein Projekt brauchen würden. Sie hatte außerdem ein besonderes Augenmerk darauf, dass wir qualitativ hochwertigen Filz anfertigen. Geduld, Ausdauer und Durchhaltevermögen gehören selbstverständlich dazu. Die Frage „Ist das schon fertig?“ war eine rhetorischen Frage. Selbst wenn ich glaubte, ein bisschen länger als sonst gefilzt zu haben, ging noch ein bisschen mehr. Das mag vielleicht negativ klingen, ist es aber ganz und gar nicht! Es war und ist gut, dass wir hochwertigen Filz herstellten. Denn das ist ein Grund, warum ich die Teilnahme an hochkarätigen Workshops wie diesem schätze. Zuhause würde ich mir vermutlich die Zeit nicht nehmen und würde nicht sorgfältig und lange genug filzen.

Jede von uns wurde auf ihrem persönlichen Filzweg begleitet und nahm fertige Unikate mit nach Hause (s. u.). Es ist ein tolles Gefühl beschwingt und bereichert von einem langen Filzwochenende zurückzukehren.

Die Planungen für die Filzkurse im Jahr 2019 laufen schon, und ich würde mich sehr freuen, auch im nächsten Jahr die ein oder andere der netten Teilnehmerinnen bei Heike unter Annemies Anleitung wiederzusehen.

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* Details kann ich nicht preisgeben, dafür empfehle ich Euch die Teilnahme an einem von Annemies Workshops.

Kapselkurs bei Ricarda Aßmann

Schon lange wünschte ich mir, einen Workshop bei Ricarda Aßmann, der Filzfrau, zu besuchen. Als ich letztens in Anny Pelzers Laden „Peperblom“ einen Tischläufer von Ricarda sah und bewunderte, wurde dieser Wunsch noch größer.

Alle, die mich kennen, wissen, dass ich pragmatisch praktisch veranlagt bin. Deshalb habe ich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen können. Ich besuchte den Workshop „Kapsel Miniaturen“ bei Ricarda UND die Ausstellung „Frauenzimmer“ in Siegburg.

Der Workshop fand im hinteren Teil der Ausstellungshalle statt, wo eine unfassbare Fülle von Materialien vorhanden war, die Ricarda mit uns teilte. Schaut mal diese Komposition von Walkwerkzeugen an. Ein tolles Stilleben!

Sehr viel lernte ich bei Ricarda. Sie verdeutlichte den Zusammenhang zwischen persönlichen Stimmungen und dem Filzen. Ich fasse es für mich so zusammen:

Die jeweilige persönliche Stimmung beeinflusst…

… die Farbauswahl.

… die Art des Filzens und des Ergebnisses.

… die Wahl der Arbeitsschritte (Vorfilze legen macht den Kopf frei, wirkt beruhigend und meditativ).

… die Größe und den Aufwand des Filzobjektes (überschaubare kleinere Projekte machen schneller zufrieden).

… die Vorgehensweise (sich gehen lassen, den Filz arbeiten und sich entfalten lassen, schauen und annehmen, was am Ende herauskommt).

Vielleicht klingt das alles banal für Euch, mir war das so, in dieser Weise nicht bewusst.

Wir filzten Kapsel Miniaturen in einer Technik, die ermöglicht, mit Filz-, Woll- und Stoffresten wunderschöne Effekte zu erzielen, die kleine Objekte, sogenannte Kapsel Miniaturen, ergeben. Jede Kapsel wird anders, und es gibt – wie so oft beim Filzen – unerschöpflich viele Gestaltungsmöglichkeiten. Der zeitliche Aufwand für die Kapseln ist nicht so sehr groß, wenn man einmal den Dreh raus hat und sich an alle „Anweisungen“ hält, sodass sie sich in überschaubarer Zeit herstellen lassen. Das ist genau das Richtige für mich!

Die erste Kapsel ist von der Form schön, hält sich aber bei den Kontrasten zurück.

Meine zweite Kapsel gefällt mir besser, weil die Strukturen mehr herauskommen. Ich weiß, woran das liegt und kann nun weiter experimentieren. Die Kapseln haben einen Durchmesser von etwa 6 bis 7 cm.

Es war toll,

– Ricardas Fingerfertigkeit und unaufgeregten Umgang mit der Wolle zu erleben,

– an ihren Schatzkisten mit alten Stoffresten Teil zu haben,

– in der Ausstellungshalle zu sein und die fantastischen, aufwändigen Objekte in der Nähe in besonderer Atmosphäre zu haben,

– im Shop nach ungarischen Filzwerkzeugen, feiner, handgefärbter Wolle oder tollen, einzigartigen Filzdingen zu stöbern und

– Filzfreundinnen „in real life“ kennenzulernen und wiederzusehen.

Ich habe mir seit einiger Zeit einen Kaufstopp für Wolle auferlegt (Das kennen alle Filzer, die Frage ist nur, wie lange das anhält…). Diesem habe ich mich diesmal nicht gebeugt, aber bei den Filzwerkzeugen konnte ich nicht widerstehen. Sie sind haptisch und optisch etwas ganz besonderes, wurden in liebevoller Handarbeit hergestellt und werden bei meiner Gestaltung weiterer Kapseln hilfreich sein.

Die Werkzeuge sind in Siegburg in der Ausstellung „Frauenzimmer“ im JungenForumKunst Siegburg e.V. bis einschließlich 15. Oktober erhältlich. Danach wird der Vertrieb über Ricarda Aßmann laufen.

Filzkolleg 2017 in Düsseldorf

Was für ein Traum: 3 Tage nur Filzen, Austauschen mit Gleichgesinnten, Fachsimpeln über Techniken und Wollsorten, Abschalten und es sich gut gehen lassen: das war das Filzkolleg 2017 in Düsseldorf.

Die ersten beiden Tage im Kurs „3D-Formen“ standen bei Sigrid Bannier im Zeichen der Genauigkeit und des akribischen Arbeitens: Probeläppchen anfertigen, Schablone und Wollverbrauch berechnen, vorsichtiges Auslegen und Anfilzen. All das kostete viel Zeit, Anstrengung, Geduld und Durchhaltevermögen. So ein größeres Projekt filzt man nicht mal so eben. Sigrid Bannier ist eine erfahrene Lehrerin mit unendlich vielen Tipps zum Umgang mit der Wolle. Sie kennt die Filzwelt, z.B. in Finnland, Sankt Petersburg und Kirgistan, und geizt nicht mit Geschichten und Anekdoten von dort.

Ich fertigte einen Würfel mit einer Kantenlänge von 29 cm an, der nahtlos gefilzt ist. Als Grundfarbe wählte ich einen melierten Grauton und als Gag filzte ich violette Locken ein. Auf dem Foto sind die Kanten des Würfels noch nicht so ausgearbeitet, wie ich es mir vorstelle. Er mussnoch einmal nass gemacht und in Form gebracht werden.

Am dritten Tag stand das genaue Gegenteil zum akribischen, genauen Arbeiten der beiden Vortage an. Ich hatte mich entschieden, einen Lockenkragen bei Jeannette von Itter zu filzen. Jeannette hat ein Urvertrauen in die Wolle und ermutigte uns, kreativ mit den Wolllocken umzugehen, sie zu mischen und zu vertrauen, dass sie sich einfilzen. Das ist auch gelungen. Ich verwendete Locken vom Gotlandschaf (grau und beige) und vom Wensleydaleschaf. Diese sind länger, weiß und glänzend. 

Es war sehr schön, andere Filzerinnen wiederzusehen, neue Kontakte zu knüpfen, weitere Ideen zu bekommen. Herzlichen Dank an das Filznetzwerk für die Organisation und Realisierung in unmittelbarer Umgebung. Und doch war es ein kurzer Urlaub ins FilzSi-Land.

Looking back and forth – Filzträume

Tja, das macht man ja so: an den letzten Tagen des Jahres schaut man vor und zurück.

Erst jetzt wurde mir wieder bewusst, dass ich heute vor einem Jahr meine drei Filzträume für 2016 gepostet hatte. Hier sind sie noch einmal zur Erinnerung:

  • Lernen wie man Fotos auf Filz transferiert,
  • einen Kurs oder Workshop besuchen,
  • einige meiner Filzdinge ausstellen.

Der aufmerksame Blogleser stellt fest, dass 2,5 der Filzträume in Erfüllung gegangen sind: Ich lernte im Workshop bei Sandra Struck-Germann, wie man Fotos, insbesondere Portraits auf Filz überträgt. Ich filzte eine Weste im „Privat-„Workshop mit Petra Hollomotz. Und erschuf mein erstes 3D-Schaf, ebenfalls bei Sandra beim Revierfilzertreffen in Düsseldorf.

2016.12 Filzträume

Nur mit dem Ausstellen hapert es noch ein wenig. Dieser Traum ging nur halb in Erfüllung, wenn ich die Ausstellung im Schaufenster vom Mehrfach – der Fachvermietung – zähle, wo einige meiner Dinge zum Verkauf stehen.

Seit dem Filzkolleg in Düsseldorf im August ist allerdings noch ein viel größerer Filztraum in Erfüllung gegangen, den ich mir nie erträumt hatte: Ich bin Teil eines großen, weltweiten Filznetzwerks geworden und teile mein Hobby mit vielen anderen. Wie ist das möglich?

Das passierte zum einen beim Filzkolleg und Revierfilzertreffen in Düsseldorf, zum anderen über „Facebook“ – einem social media network, das ich bisher immer konsequent und kategorisch zu meiden wusste. Aber man soll ja niemals „nie“ sagen…

So habe ich nun über 800 (!) Filz“freunde“ und bekomme unbeschreiblich schöne, lehrreiche, anregende, erstaunliche Einblicke in das künstlerische Schaffen von Filzerinnen und Filzern in vielen Ländern. Manche Dinge sind so unglaublich und perfekt gefilzt, dass man nur auf den zweiten Blick sieht, dass sie gefilzt wurden. Dies gilt v.a. für die vielen russischen Filzerinnen, in deren Schaffen ich schon in der Ausstellung „Sould of Felt“ einen Einblick bekam. Zwar kann ich nicht mehr als die Vornamen der Filzerinnen lesen und der Facebook-Übersetzer lässt zu wünsche übrig, aber es geht ja vielmehr um das Bestaunen der Bilder und das Nachvollziehen des aufwändigen Herstellungsprozesses.

Aus einem zweiten Grund hat sich durch die Vernetzung eine neue Welt eröffnet: das ist meine geographische Perspektive. Ich erfahre nun, dass es Gegenden in Russland gibt mit Temperaturen von -43°C und sehe eine idyllische Schneelandschaft, während in Island die Schafe in den Stall müssen, weil ein schwerer Schneesturm tobt und in Australien schwerer Regen nach einer Hitzeperiode fällt und Südafrikaner an Weihnachten draußen Wolle spinnen. Natürlich kenne ich theoretisch die klimatischen Unterschiede, aber es ist doch etwas anderes, wenn man ein Foto sieht und eine gewisse Beziehung zum virtuellen Freund aufgebaut hat, dem ich durch Kreativität und Filzen verbunden bin. Mich beeindrucken solche Posts so sehr, dass ich zum Schrank gehe, den Atlas nehme und nach den Orten suche, wenn ich sie denn kenne.

Und damit komme ich zum Nachvorneschauen… Was wünsche ich mir filzerisch gesehen für 2017?

Ich wünsche mir, dass ich einige meiner virtuellen Filzfreunde persönlich kennenlernen kann. Ich wünsche mir, dass ich durch die Community mein Filzwissen erweitern kann. Ich wünsche mir, dass ich an mehreren internationalen Worksshops teilnehmen kann (zwei sind schon gebucht: ein Wochenendworkshop im Februar und ein Kurs im Ausland im Juli). Ich wünsche mir einen engen Kontakt zu meinen Filzfreunden in Essen und der näheren Umgebung. Ich wünsche mir, dass ich lerne, besser mit Rohwolle umzugehen und lerne, Pantoffeln oder Schuhe oder Stiefel zu filzen.

Ich könnte vermutlich endlos so weitermachen, belasse es aber bei den fünf Wünschen und schaue in einem Jahr wieder in diesen Post um vor- und zurückzuschauen.

Meinen Lesern, Filzfreunden und allen, die mich unterstützen wünsche ich alles Gute für 2017 und verabschiede mich für 2016 natürlich mit etwas Gefilztem: einem Schweinchen auf zwei Beinchen 😉

2016.12 Happy 2017

Für die Techniker unter Euch: es ist in der Schablonentechnik gefilzt, Ohren und Ringelschwanz sind angefilzt, die Nase wurde nach Entfernen der Schablone geformt. Der Ringelschwanz erhält eine Form, indem ich ihn in freuchtem Zustand drehte und mit Stecknadeln feststeckte. Nach dem Trocknen bleibt die Ringelform bestehen.

Wer noch ein Schweinchen braucht, findet die Schablone hier:

2016.12 Schweinchen

Revierfilzertreffen 2016 – „I ❤️ my Schaf“

19 Filzerinnen und 1 Filzer kamen nach Düsseldorf zum Revierfilzertreffen. Das Motto war „I ❤️ my Schaf“ und im Vordergrund stand das Filzen mit Rohwolle.

Sandra Struck-Germann zeigte uns, wie man ein Schaf in 3D filzt und dabei Rohwolle einarbeitet. In außerordentlich angenehmer Filzatmosphäre entstanden 20 ganz unterschiedliche Schafe, während wir Wiedersehen feierten, uns kennenlernten, quatschten, Filztipps tauschten, ein leckeres Büfett verspeisten, Rohwolle erfühlten und erwarben und die gemeinsame Filzzeit genossen.

2016.09 Revierfilzertreffen 2

Darf ich vorstellen: mein Schaf. Hintergrund und Kopf, Ohren und Füße bestehen aus Neuseelandmerino, die Rohwolle ist vom Schwarzkopfschaf.

2016.09 Revierfilzertreffen 1

So ein Sitzfellchen würde ich gern herstellen. Dafür erwarb ich Rohwolle vom Gotlandschaf, dass hier ganz in der Nähe, in Mülheim an der Ruhr, lebt. Außerdem waren andere Filzerinnen aus Essen beim Revierfilzertreffen, die ich noch nicht kannte, wie schön, sich so zu treffen.

Unten seht Ihr die unverarbeitete (links) und verfilzte (rechts) Rohwolle vom Schwarzkopfschaf.

Filzkolleg: Tag 2 – Sonnige Aussichten

Ein bisschen traurig war ich schon als für mich das FilzKolleg in Düsseldorf zu Ende ging. Bepackt mit langersehntem Filzwissen, wertvollen Tipps und Tricks, neuen Bekanntschaften, feiner, exklusiver Wolle, einzigartigen Erlebnissen, vielversprechenden Begegnungen und nicht zuletzt schönen Ergebnissen fuhr ich gestern Abend nach Hause.

Für alle neun Teilnehmerinnen war der erste Tag ähnlich zu meinem: wir gaben uns viel Mühe und versuchten unser bestes, die Wolle so zu legen, dass das Gesicht auf dem Foto annähernd erkennbar war. Dieses Ansinnen war zwischenzeitlich für mich persönlich frustrierend. Der Umgang mit der Neuseelandmerino war ungewohnt. Es ist eine recht grobe Wolle mit langen Fasern, aber die Technik erfordert eine präzise und feine Bearbeitung. Das war nicht so einfach.

2016.08 Filzkolleg 4

Am zweiten Tag stand der Filzprozess im Vordergrund. Sandra, unsere Kursleiterin, unterrichtete mit sehr viel Feingefühl und Expertise. Sie versorgte uns mit ihrem Knowhow und erfahrenen Blick, wo es nötig war. Beim Filzen beispielsweise ließ sie uns freie Hand. Jede von uns hatte im Laufe der Filzjahre ihre eigene Filztechnik mit individuellen Werkzeugen entwickelt und stellt so auch ihr Werkstück fertig.

Ich hatte mir viel vorgenommen: vier Filzbilder sollten entstehen, im Pop-Art Stil, von nicht ganz unerheblichen Ausmaßen (jeweils etwa Din A4 Größe). Die mussten gleichmäßig gefilzt werden, damit ähnliche Größen entstanden.

2016.08 Filzkolleg 3

Das Ergebnis ist sehr zufriedenstellend: natürlich war es unmöglich, die vier Bilder genau gleich hinzubekommen. Dafür fehlte mir die Erfahrung und der Blick. Ein Portrait mit frontaler Ansicht und weniger Kleinteilen würde ich beim nächsten Versuch wählen.

Vielen Dank an die Organisatoren des Filzkollegs und die vielen Teilnehmerinnen. Im September findet ein Revierfilzertreffen in Düsseldorf statt, an dem ich gern teilnehmen würde. Das Filzkolleg 2017 wird in Soltau sein und ist schon im Kalender markiert.